Strategie Schweiz: Aufforderung zu Schreiben weiter unten.

Zürichsee, Montag, 23.03.2020, 23:27 (vor 2147 Tagen)862 Views

Nur aus dem Kopf, was mir dazu einfällt:

Der Ursprung vieler guter Lösungen ist eigentlich schon vor 50 Jahren gelegt worden. Im 2. Weltkrieg hat die Schweiz erkennen müssen, dass wir ein Land ohne Rohstoffe sind und nicht genügend Lebensmittel produzieren können. Damals wurde mit der „Anbauschlacht“ von Bundesrat Wahlen jede Garten- und Wiesenfläche zur Lebensmittelproduktion (meistens Kartoffeln) genutzt. Dies hat in der Bevölkerung eine tiefe Ernüchterung hinterlassen. Was macht man dagegen, dass dies nicht nochmals passiert? Die grossen Lebensmittelverkäufer (Migros, Coop, Aldi, Lidl) müssen Pflichtlager anlegen, die für mindestens 3 Monate die Versorgung der Menschen ermöglicht. Die sichtbare Folge ist, dass kurzzeitig, durch Hamsterkäufe, die Regale leer waren. Aber innert Stunden war alles wieder aufgefüllt. Der Flaschenhals war meist der Lastwagen mit den Anlieferungen.

Wie wohl alle wissen, haben wir in der Schweiz ein Milizsystem, d.h. jeder Schweizer macht mit 20 Jahren eine Rekrutenschule und danach jährlich einen Wiederholungskurs. Auch das Militär hat Pflichtlager, da bin ich überfragt, wie lange diese reichen. Viel wichtiger ist aber, dass wir jetzt in dieser Corona-Krise auf 8000 Sanitätssoldaten zurückgreifen können. Diese wurden am letzten Freitag per SMS aufgeboten und innerhalb von 2 Stunden haben sich bereits 80% zurück gemeldet. Dies sind die Spezialisten, die jetzt sehr gefragt sind.

Aber auch die normalen Soldaten werden nun laufend dazu kommen. In einer ersten Phase wurden die WK Soldaten zur Unterstützung Logistik, Aufbau Lazaretten, Bewachung, Ordnungsdienst und auch Grenzkontrollen herangezogen. Ein Aufbieten von weiteren Soldaten ist ziemlich rasch möglich.

Aus meiner Erfahrung kann ich den eingeübten Ablauf erzählen:
Am Donnerstag rücken die Offiziere, der Feldweibel und der Fourier ein.
Am Freitag rücken die Unteroffiziere ein und werden bis Montagmorgen geschult
Am Montag, ab 9.00 Uhr treffen die Soldaten bei der Kompaniesammelstelle ein
Diese Sammelstelle ist normaler weise ein unscheinbares Gebäude, irgendwo im Feld. Die Meisten werden es für einen Stall halten. In diesem ist aber das ganze Kompanie und Zugsmaterial gelagert. Jeder eintreffende Zivilist wird zeitnah zum Soldaten umgerüstet. Sobald eine Gruppe (ca. 8 Soldaten) ausgerüstet ist, übernimmt ein Unteroffizier diese und macht Ausbildung. Nach spätestens 3 Tagen haben die Soldaten wieder einen akzeptablen Stand und können eingesetzt werden. In diese Corona-Krise ist das Schwergewicht der Ausbildung sicher nicht bei der Waffenhandhabung, sondern beim Schutz und bei der Sanitätsausbildung.

Eigentlich ist diese Situation paradox. In einem Krieg helfen die Sanitäter den Soldaten. Hier ist die Situation genau umgekehrt, die Soldaten helfen den Sanitätern.

Der Bundesrat hat es zum obersten Ziel ernannt: Der Schutz der Bevölkerung und da insbesondere die betroffenen Senioren.

Es ist egal, was es kostet, wir machen es. Aus diesem Grund wurden für einen Zeithorizont von 1 Monat 41 Milliarden gesprochen. Das wird unseren Verschuldungsgrad von 30% erhöhen, aber was soll’s. So wie ich gelesen habe, kann dieser Betrag je nach Lage bis zu 130 Milliarden aufgestockt werden. Dies braucht dann aber die Zustimmung des Parlaments.

Und jetzt kommt unser Bundesrat Maurer (der Fuchs) zu Zuge:
1. Die Arbeitslosengelder fliessen sofort
2. Die Kurzarbeit wird sehr speditiv abgehandelt
3. Die Betriebe können bei der Hausbank einen Betrag bis zu 500‘000 beantragen, der Bund haftet für den ganzen Betrag. Bei Beträgen über 500‘000 haftet auch die Bank mit 15% und der Bund mit den restlichen 85%

Diese Bundes-Kredite (nichts Anderes sind das) sollen mit einem sehr tiefen Zinssatz belegt werden (wird am Mittwoch durch den Bundesrat festgelegt) und die Laufzeit für die Rückzahlung soll sehr unternehmensfreundlich gestaltet werden.

Mit all diesen Massnahmen ist unser Fuchs einem Bankenrun zuvor gekommen, hat gleichzeitig den Banken einen weiteren Kreditnehmer ermöglicht und haftet für die (allfälligen) Ausfälle bei den Banken.

LG Zürichsee


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung