Das Lied zur Nacht
Dabei bin ich auf ein altes Lied gestoßen, es stammt aus Mexiko und heißt „Un viejo amor“ , was soviel bedeutet, wie eine „alte“ Liebe, oder eine „verflossene“, oder eine „vergangene“, oder „ehemalige“, wie auch immer. Es handelt von den Gefühlen, die man dem- oder derjenigen gegenüber empfindet, wenn man die einmal geliebte Person nach Jahren wieder sieht, man erinnert sich daran, was man damals zum Abschied gesagt hat, usw.
Ich hab es nicht auf deutsch übersetzt, - als ich gemerkt habe, welchen Mist man da über die google-Übersetzung vorgesetzt bekommt, habe ich es vor Zorn bleiben lassen. Muss mir das mal heraussuchen, irgendjemand hat mir da mal einen Tipp auf eine andere freie Übersetzungsmaschine im Net gegeben, die wesentlich besser wäre. DeepL ist genauso schwach, zumindest im Spanischen.
Aber es geht um die Musik und um die Darbietung. Das letzte Mal war mit Dieter die Rede davon, wie das Land gewissermaßen die Musik prägt, jedenfalls in typischer Form beeinflusst. Nun komme ich auf die andere Komponente, nämlich den Interpreten und seinen Einfluss auf ein Lied.
Diese Version von Ana Gabriel bringts m.M.n. am besten rüber, mit dieser rauchigen und leicht heiseren Stimme.
https://www.youtube.com/watch?v=qr0SMpsP2vU
Da braucht man kein riesiges Orchester hintendran, auch kein Schlagzeug, - einfach nur zwei Gitarren und jemand, der das überzeugend singen kann. Interessant klingt auch die Nachahmung der Mandolinen auf der Gitarre.
Wobei das Lied schon 100 Jahre alt ist. Der Text stammt von Adolfo Fernández Bustamante, und Alfonso Esparza Oteo komponierte darauf seine Melodie, die er bereits im Jahre 1920 öffentlich darbot. Darauf machte ihn der damalige mexikanische Staatspräsident zum Direktor seines Präsidialorchesters. Die Originalaufnahme von damals habe ich leider im Net nicht gefunden.
Warum gehe ich auf die Interpreten ein:
Viele haben das Lied nachgesungen, - in unterschiedlichster Form. Nehmen wir mal als Beispiel Placido Domingo, mit seiner wunderbaren Tenorstimme:
https://www.youtube.com/watch?v=w0187XN5gY8
Passt überhaupt nicht dazu, meine ich. Die Mühe war umsonst.
Genauso Nana Mouskouri, mit ihrer glockenhellen und zarten Stimme:
https://www.youtube.com/watch?v=-jo9s4eMOP4
Auch das ist nicht das Passende.
Obwohl dieses Lied aus Mexiko stammt, passt auch die Vertonung mit Mariachi-Musik nicht besonders, obwohl sich die Version mit den gesungen Terzen des Refrains schön anhört.
https://www.youtube.com/watch?v=BC2UEm0irHs
Die einfachste Version, nur mit Gitarrenbegleitung und der Stimme, das wirkt am Überzeugendsten. Es ist aber noch etwas Anderes, was mich schwer beeindruckt. Gut, Begeisterung für einen Star, das gibt’s in allen Ländern, dass das Publikum mitsingt, genauso. Aber ich denke darüber nach, ob es auch in unserer deutschen Kultur ein Lied gibt, das 100 Jahre alt ist, und bei dem sich das Publikum vom Interpreten derart begeistern lässt, dass es mit einer derartigen Euphorie mitsingt:
https://www.youtube.com/watch?v=8QddSBSP2Zs
Jedenfalls fällt mir da kein Beispiel aus der deutschen Hemisphäre dazu ein, - oder lässt mich mein Gedächtnis da im Stich? Irgendwie kommt da sowas wie Neid bei mir auf. Was haben die Kerle, was wir nicht haben? Mehr realisierte Identität, mehr Bezug zu ihrer Herkunft und ihrer Heimat? Mehr Nationalbewusstsein? Ist es das, warum die uns da um Lichtjahre voraus sind?
Warum bin ich bei diesem Beispiel derart ins Detail gegangen:
Damit wollte ich transparent machen, wie sehr ein Interpret auf ein Lied Einfluss nimmt. Jedes Lied ist vom Land, von seiner Landschaft, von seinen Bewohnern, und natürlich von dem Interpreten geprägt, und zwar nachhaltig. Und das ist auch gut so. Nur dann klingt es so, wie es klingen soll, wie sich der Komponist das vorgestellt hat. Manche Komponisten schreiben ja ein Lied speziell für einen ganz bestimmten Interpreten.
Deshalb finde ich es immer irgendwie komisch, wenn in irgendeinem Bayrischen Bierzelt das Lied von der Reeperbahn erklingt. Aber, das ist meine persönliche Meinung.