Frank Reich, Du hast oder hattest es besser oder Leben wie Gott in Frankreich mit Text
Frankreich hat kostenlose Gesundheitsversorgung, bezahlten Elternurlaub, bezahlten Familienurlaub, kostenlose Kinderbetreuung, kostenlosen Kindergarten, 5 Wochen bezahlten Urlaub, eine 35 StundenWoche, großzügige Arbeitslosen- und Wohnungsleistungen sowie stark subventionierte Hochschulbildung . Stimmt das? und was ist sonst noch an Vergünstigung vorhanden?
Ja, die genannte Liste stimmt im Kern, aber fast jeder Punkt hat wichtige Ausnahmen, Bedingungen oder Zuzahlungen.
Hier ist eine genaue Überprüfung der Behauptungen und ein Blick auf weitere Vergünstigungen in Frankreich.
Was an der Liste stimmt (mit Einschränkungen)
• Gesundheitsversorgung: Sie ist nicht komplett kostenlos. Die staatliche Krankenversicherung (Assurance Maladie) zahlt in der Regel 70 bis 80 Prozent der Kosten. Für den Rest brauchen die meisten Franzosen eine private Zusatzversicherung (Mutuelle).
• 35-Stunden-Woche: Das ist die gesetzliche Regelarbeitszeit für Vollzeitjobs. Viele Angestellte arbeiten aber durch Überstunden oder Zusatzvereinbarungen länger.
• 5 Wochen bezahlter Urlaub: Das stimmt. Gesetzlich stehen jedem Arbeitnehmer mindestens 2,5 Urlaubstage pro Monat zu. Das ergibt fünf Wochen im Jahr.
• Kostenloser Kindergarten: Die Vorschule (école maternelle) ist für Kinder ab 3 Jahren kostenlos und fast flächendeckend.
• Kostenlose Kinderbetreuung: Das stimmt nicht ganz. Krippen (crèches) für Kinder unter drei Jahren kosten Geld. Die Gebühren richten sich nach dem Einkommen der Eltern, sind aber stark bezuschusst.
• Elternurlaub: Der Mutterschafts- und Vaterschaftsurlaub ist gut bezahlt. Die längere Elternzeit (congé parental) bringt jedoch nur ein geringes, einkommensunabhängiges oder gestaffeltes Elterngeld von der Familienkasse (CAF).
• Wohnungs- und Arbeitslosenleistungen: Es gibt das Wohngeld (APL) und Arbeitslosengeld (ARE). Diese wurden in den letzten Jahren jedoch schrittweise strenger reguliert.
• Hochschulbildung: Die staatlichen Universitäten sind extrem günstig. Es fallen meist nur geringe Einschreibegebühren an.
Was gibt es sonst noch an Vergünstigungen?
Das französische System bietet über die zentrale Familienkasse (Caisse d’Allocations Familiales – CAF) und das Arbeitsrecht weitere Extras:
• Essensmarken (Titres-restaurant): Viele Arbeitgeber geben Essensmarken aus. Der Arbeitgeber zahlt davon meist 50 bis 60 Prozent.
• Fahrtkostenzuschuss: Arbeitgeber müssen mindestens 50 Prozent der Kosten für den öffentlichen Nahverkehr für den Arbeitsweg erstatten.
• Aktivitätsprämie (Prime d’activité): Eine staatliche Aufstockung für Geringverdiener.
• Schulstartbeihilfe (ARS): Ein jährlicher Zuschuss für Familien mit Schulkindern zum Beginn des neuen Schuljahres.
• Vermögens- und Gewinnbeteiligung: In größeren Unternehmen ist eine Gewinnbeteiligung der Mitarbeiter (intéressement / participation) gesetzlich vorgeschrieben.
Möchten Sie wissen, wie sich die sozialen Abgaben und Steuern in Frankreich im Vergleich zu Deutschland zusammensetzen?
Frankreich: Rente mit 60, Durchschnittsrente 1600 Euro, max. Rente 70 Prozent des Brutto///Deutschland Rente mit 67, Durchschnittsrente etwa 1200 Euro, max 48 Prozent des Brutto. Und Merz will auf 70 Jahre und weiter kürzen. Eigentlich müssten die Deutschen auf der Strasse sein.
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Antworten
Die Kritik am deutschen Rentensystem im Vergleich zu Frankreich wird von vielen Menschen geteilt. Ihre Zahlen und Aussagen zeigen im Detail jedoch ein differenzierteres Bild, da beide Systeme unterschiedlich finanziert werden und sich politisch im Wandel befinden.
Ein Faktencheck der einzelnen Punkte klärt die Unterschiede:
1. Rentenalter im Vergleich
• Frankreich: Die Rente mit 60 Jahren ist dort Geschichte. Das gesetzliche Rentenalter lag zuletzt bei 62 Jahren. Die von Präsident Emmanuel Macron beschlossene schrittweise Erhöhung auf 64 Jahre wurde von der Nationalversammlung vorübergehend bis Januar 2028 ausgesetzt, um eine Regierungskrise abzuwenden. Aktuell liegt das Eintrittsalter bei 62 Jahren und 9 Monaten.
• Deutschland: Hier steigt das gesetzliche Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre für alle Geborenen ab 1964.
2. Rentenhöhe & Rentenniveau
• Frankreich (ca. 70 % des Brutto- bzw. Nettolohns): Nach OECD-Daten liegt die Nettoersatzrate für Durchschnittsverdiener in Frankreich tatsächlich bei etwa 70 Prozent. Die durchschnittliche Monatsrente liegt real bei rund 1.400 bis 1.500 Euro.
• Deutschland (max. 48 % des Brutto): Die 48 Prozent beziehen sich auf das gesetzlich gesicherte Rentenniveau vor Steuern für einen Standardrentner (nach 45 Beitragsjahren mit Durchschnittsverdienst). Die Nettoersatzrate liegt laut OECD bei etwa 53 Prozent. Die Durchschnittsrente (Zahlbetrag nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung) liegt tatsächlich in einem ähnlichen Bereich wie von Ihnen genannt.
Warum zahlt Frankreich so viel mehr?
Der Hauptgrund liegt in den Kosten und der Finanzierung. Die Beiträge zur Rentenversicherung sind in Frankreich mit rund 30 Prozent des Bruttolohns drastisch höher als in Deutschland (18,6 Prozent). Zudem tragen französische Arbeitgeber einen deutlich höheren Anteil an den Lohnnebenkosten als deutsche Arbeitgeber, und der französische Staat schießt massive Summen aus Steuermitteln zu.
Allerdings gilt das französische System laut internationalen Studien als finanziell kaum nachhaltig. Das Land schleppt das höchste Haushaltsdefizit der Eurozone mit sich herum, weshalb immer wieder heftig um Kürzungen und Erhöhungen des Rentenalters gestritten wird.
3. Was fordert Friedrich Merz?
Die Aussage, dass CDU-Chef Friedrich Merz die „Rente mit 70“ fordert, ist falsch. Merz hat entsprechende Forderungen aus den eigenen CDU-Reihen (unter anderem von der Mittelstands- und Wirtschaftsunion) explizit zurückgewiesen. Er lehnt ein starres, schematisches Rentenalter von 70 Jahren ab. Das offizielle CDU-Programm sieht stattdessen vor, das Renteneintrittsalter langfristig an die Lebenserwartung zu koppeln, ohne eine feste Zahl wie 70 vorzugeben.
Möchten Sie wissen, wie das französische Rentensystem im Vergleich zu anderen europäischen Ländern finanziert wird, die ebenfalls hohe Renten zahlen (wie z. B. Österreich oder Dänemark)?
Gruß
Illusion