Kleiner Reisebericht aus China (mT)

DT @, Freitag, 15.05.2026, 07:26 vor 1 Tag, 4 Stunden, 30 Min. 1945 Views

Ich war kürzlich im Yangtze-Delta unterwegs und habe einige neue Eindrücke gesammelt. Insgesamt brummt der Laden dort, natürlich wird auch samstags und sonntags gearbeitet. Speziell am letzten Samstag war der Ausgleichstag, weil am 1. Maiwochenende auch noch der Montag darauf frei war (vom 1.5. bis 4.5.). Dieser Mo 4.5. wurde dann von allen Arbeitnehmern am Samstag darauf (9.5.) nachgeholt.

Das Hotel, in dem ich vor ziemlich genau einem Jahr war, bot den Blick auf eine große Baustelle. Während im letzten Jahr gerade Baustellenaushub war und sonntags morgens schon die LKWs gefahren sind, waren die ca 10 Hochhäuser jetzt schon beim 18. Stock und der gemeinsame Eingangsbereich war bereits fertig. So geht das in einem Land, in dem man mit Sand ins Getriebe Streuern kurzen Prozeß macht.

Bin mit einem Kunden mit seinem neuen Xiaomi Auto mitgefahren, und neben natürlich perfekter elektronischer Ausstattung und einem kompletten Glasdach a la Tesla gab es eine weitere Neuerung: Die Ampeln senden ein Signal aus was das Auto auffängt und dann wird am Display angezeigt, wie lange die Ampel noch rot ist. Das Auto kann dann im Selbstfahrmodus auch die Ampeln mit berücksichtigen. Evtl. ist das auch via Kamera, weil oft die Ampeln auch nebendran eine Sekundenanzeige haben, wie lange sie noch rot sind. Aber auch bei Ampeln ohne diese Anzeige hat das funktioniert, also muß irgendein Bluetooth Signal ausgesendet werden.

Die Fahrten zwischen Shanghai, Suzhou, Nanjing und Hangzhou werden mit deutschen ICE 3 bzw. chinesischen Lizenzbauten davon durchgeführt, mit 320 kmh. Auch die chinesischen Schnellzüge sind zu sehen. Nach kürzester Zeit hat man die 320 kmh erreicht und hält sie dann auch die ganze Zeit. Man bucht ganz bequem schon bei der Anreise elektronisch sein Ticket, sieht wieviele Plätze noch frei sind, man wartet in der Wartehalle max 15 min auf den nächsten Zug, geht dann von oben runter auf den blitzsauberen Bahnsteig und steigt in einen blitzsauberen Zug ein, und wenn man auf die Minute pünktlich ankommt geht man nach unten vom Bahnsteig raus. So geht Millionenlogistik! Die elenden Versager bei der deutschen Bahn hätten sich das mal in China anschauen können!

Zwischen Shanghai und Hangzhou war durchaus noch Smog in der Luft zu sehen, was in Shanghai und Hangzhou nicht mehr der Fall war. Wenn ich mich nicht getäuscht habe war dort ein Stahlwerk und ein großes Kohlekraftwerk. In den richtig großen Städten ist kaum noch Smog und fast dauerhaft blauer Himmel. Der Verkehr ist sehr ruhig geworden, weil fast nur noch chinesische E-Autos fahren, unterbrochen von dem ein oder anderen Audi und auch Mercedes, aber kaum noch VW. Der ein oder andere Tesla ist auch zu sehen. Ein erster Anbieter (Ambilight) bietet jetzt auch dimmbare Gläser für den Dachhimmel, für Displays etc. an, so wie man sie auch von einigen Flugzeugfenstern kennt. Audi hat wohl bereits ihn als Zulieferer ausgewählt.

Am Flughafen Pudong in China sieht man langsam, wie auch hier der Verfall beginnt. Da wäre mal eine Renovierung nötig. Der Maglev (Transrapid) fährt noch, kostet aber nur noch 50 Yuan (ca 7 EUR) und fährt auch nur noch mit 300, weil die hohen Geschwindigkeiten zuviel Energie brauchen. Der ICE ist mit 320 kmh schneller.

In den Städten sieht man nicht mehr ganz soviele Baukrane, aber gerade in Hangzhou ist noch einiges los was High-Tech angeht. Dort sitzen zB Alibaba und Deepseek, und entsprechend wird dort in die Infrastruktur investiert.

Man sieht aber jetzt zum ersten Mal auch Dinge, die mir aus den 90ern in den USA aufgefallen sind. In den Hotels sind sehr schlanke und durchtrainierte Manager zu sehen, die wohl sehr auf ihre Work-Life-Balance achten. Auch von den High-Tech-Angestellten hört man das immer mehr, und gerade auch das traditionelle Familienbild mit verheiratet vor 30 und dann Kinder und ein Haus/eine Wohnung wird sehr in Frage gestellt.

Das Reisen und Arbeiten im Yangtze Delta ist trotz der Menschenmassen perfekt organisiert und sehr angenehm. Man sollte China als Auswanderungsland unbedingt in Betracht ziehen.

Zudem nach dem Rückflug in Frankfurt gleich mal die Rolltreppe und der Aufzug zu Gleis 5 nicht funktiniert haben. Nachdem man dann sein Gepäck die Treppe runter geschleppt hat, kam 5 min vor der Abfahrt die Meldung, daß der ICE heute auf Gleis 6 einfahren würde. Also die 400 Leute am Bahnsteig mit ihren Koffern die Treppen wieder hoch gehetzt und drüber bei Gleis 6 wieder runter...

DT

[OT] Wie der Westen sich selbst verarscht ...

FOX-NEWS @, fair and balanced, Freitag, 15.05.2026, 09:12 vor 1 Tag, 2 Stunden, 43 Min. @ DT 1439 Views

Danke für den Chinabericht. [[top]]

So sieht sich der Westen ...

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... und das ist die Realität:

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Wenn wir das dann noch nach Realgüter-Produktion staffeln würden, wäre das Bild noch viel trauriger ... :-P

Grüsse

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Afuera!

Ich bin da sehr skeptisch. Deutschland und China haben eines gemeinsam.

Dragonfly ⌂ @, Freitag, 15.05.2026, 21:11 vor 14 Stunden, 44 Minuten @ FOX-NEWS 703 Views

So wie bisher kann und wird es nicht weitergehen.

Vierte industrielle Revolution

Ashitaka @, Samstag, 16.05.2026, 11:15 vor 41 Minuten @ Dragonfly 125 Views

Hallo Dragonfly,

ich sehe es wie Lars Thomsen: 2030 beginnt die Belebung der vielleicht am längsten andauernden Umbruchphase industrieller Fertigungs- und Dienstleistungsprozesse. Es bringt nichts mehr die bisherigen Entwicklungen und ihre Probleme linear in die Zukunft zu projizieren. China, Indien, USA, Europa, die Neuordnung betrifft alle, da erst die Länder übergreifende Verschmelzung von Modellen und Mechanik das fertige Produkt ausmacht.

Ich war vor 2 Wochen auf einem Wirtschaftsfrühstück eingeladen, wo der Gastgeber seine Teilnahme an einem humanoiden SHK-Robotik-Projekt vorgestellt hat. In den nächsten 2 Jahren werden wir die ersten Testphasen im Berufs-Alltag wahrnehmen, bereits im Jahr 2030 wird das Thema hunderfach stärker unsere Alltagsdiskussionen bestimmen, als es die Verbreitung von ChatGPT ab November 2022 getan hat.

Vorgestellt wurde das Robotikprojekt eines Heizungsherstellers für Rohbau- und Feininstallation.

Es ist das eine, diese Entwicklung auf Youtube zu sehen (tanzende Roboter), aber es ist echt beeindruckend gewesen, einen eingeladenen Hersteller (der die gesamte deutsche SHK-Branche mit Material versorgt) über bereits beschlossene Milliarden-Investitionen reden zuhören und im Anschluss die ersten konkreten Einsatzvideos zu sehen. Es ist egal wer die Mechanik liefert, das Wachstumspotential liegt in der Software.

Vielleicht hat Thomsen eine zu enge Universitätssicht, aber die Umsetzungen laufen ja bereits an. 2030 wird davon kein Sektor verschont bleiben. Einen humanoiden Roboter vom Hersteller oder Großhandel zu abonnieren, der bei einer Installation auf Millionen durchgeführter Installationswege zurückgreifen kann und nicht aus dem fachlichen Konzept gebracht werden kann, das ist für die meisten Menschen noch unvorstellbar. Ich bin davon überzeugt, dass bereits mit den Testphasen niemand mehr daran zweifeln wird, dass wir vor einer nie dagewesenen Zeitenwende stehen.

In Deutschland dann natürlich mit Schlagzeilen wie "Wir alle werden arbeitslos!".

Was diese Revolution in Punkto Aufschuldungspotentialen für die kommenden Jahrzehnte nach den Korrekturjahren (Kriegssimulationsjahren) bedeutet, darüber werden wir hier zu reden haben.

Herzlichst,

Ashitaka

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Der Ursprung aller Macht ist das Wort. Das gesprochene Wort als
Quell jeglicher Ordnung. Wer das Wort neu ordnet, der versteht wie
die Welt im Innersten funktioniert.

[Nachtrag] Die DeStatis Grafik zeigt GDP nach Kaufkraftparität (owT)

FOX-NEWS @, fair and balanced, Samstag, 16.05.2026, 06:47 vor 5 Stunden, 9 Minuten @ FOX-NEWS 313 Views

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Afuera!

Reisebericht China

Dragonfly ⌂ @, Freitag, 15.05.2026, 21:09 vor 14 Stunden, 46 Minuten @ DT 692 Views

"Am Flughafen Pudong in China sieht man langsam, wie auch hier der Verfall beginnt."

Meines Erachtens ist die staatlich gebaute Infrastruktur okay – Flughäfen, Bahnhöfe etc., alles in Ordnung. Auch die alten U-Bahn-Stationen in Peking, die nach Ostblock aussehen, sind vergleichbar mit den Berliner Stationen aus der DDR-Zeit: Old School, aber die Qualität stimmt.

Was zerbröselt, ist die private Infrastruktur. Die Häuser in Shanghai zum Beispiel: Die Metallzäune sind von so minderwertiger Qualität, dass sie zu Pulver zerfallen. Alle gefliesten Flächen platzen auf; manchmal gibt es eine Wellenbildung wie am Strand, als ob der ganze Scheiß unterspült wäre. Wasserspiele inmitten der Hochhäuser sind längst kaputt und abgeschaltet. Von der Innenausstattung will ich erst gar nicht reden – egal ob Lichtschalter, Steckdose oder Toilette, alles zerfällt.

Die zeitlich begrenzten Besitzansprüche auf Grund und Boden dürften derzeit wirklich das geringste Problem der Bewohner sein.

Und allem Hype zum Trotz: Es herrscht massive Jugendarbeitslosigkeit, das Nachtleben ist langweilig geworden und fast alle Westler sind weg. Denn das Stadtbild an Westlern wurde vor 2021 vor allem von Leuten geprägt, die dort einfach illegal mit einem Business- oder Touristenvisum gelebt haben. Die sind alle weg. Die Chinesen sind derzeit in erster Linie eines: unzufrieden.

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