Man kann über Geld gar keine Diskussion führen, ehe nicht vorher eine Einigung darüber erzielt worden ist, was "Geld" denn überhaupt ist oder sein soll. Ehe das nicht getan ist, braucht man gar nicht anfangen, das führt sonst sofort ins Chaos.
"Geld" - das Wieselwort des Jahrtausends. Im Gegensatz zu Hardy betrachte ich gerade jedwede Form nomineller Forderungen (samt der damit einhergehenden rechtlichen Verpflichtung: Haftung!), als "Geld".
Ich bin nach all den gelben Lektüren zu dem Verständnis gekommen, dass Geld vom Charakter her ein Zahlungsmittel ist (keinesfalls Tauschmittel, aber da besteht hier ja Einigkeit). Und zwar das Zahlungsmittel, von der eine Macht verfügt hat, dass Abgaben an diese Macht in genau dieser Form und keiner anderen zu erbringen sind.
Auch hier geht es nicht um irgendein geartetes spezielles "Ding" (einst Getreide, dann Silber, usw.), sondern - wie immer - um Vermögenswerte (und damit um Verfügungsrechte über Eigentum). Die Abstraktion dieser Werte in konkrete Einheiten (in Goldmünzen, Schekel, Euro, whatever für die jeweilige Jurisdiktion gerade hip ist, eben sogenanntes "money of account") ist wie die konkrete Dokumentation von Forderungen (Münzen, Geldscheine, Bücher, Konten, ... sogenanntes "money proper") völlig nebensächlich. Es geht im Kern immer um die Vermögenswerte - deren Übertragung, Aneignung, Verfügung, Eintreibung, Umverteilung im Zeitverlauf. Seien es Abgaben/Steuern, Kauf, Kredit und sonstige Rechtsgeschäfte.
Warum man sich so beharrlich sträubt, das einfach mal anzuerkennen und sich immer und immer wieder auf irgendwelche einzelnen Sachen fokussiert, ist mir ein Rätsel. Gerade weil in all diesen Rechtsgeschäften, und sei es nur für den Bruchteil einer juristischen Sekunde, offene nominelle Forderungen entstehen, die potentiell selbst Zahlungsmittel sein können - eben das ominöse "Geld".
Damit ist in Euroland der (girale) Euro "Geld" (außer man kann die Steuer noch bar zahlen), in Amiland der girale Dollar etc..
Mit "(giralem) Euro" hast du Hardies Problem umschifft. Dein Giro-Guthaben bei deiner Geschäftsbank wird ja auch in Euro ausgewiesen. Du erfüllst (= bezahlst) aber überwiegend ausstehende Verbindlichkeiten nicht mit dem physischen Euro-Schein, sondern mit der (angewiesenen) Übertragung des abstrahierten Vermögenswerts, den dein Giro-Guthaben darstellt.
Diese Form der Definition widerspricht fundamental der Auffassung der Goldbugs, die nur in Gold (wahres) Geld sehen, weil für ihre Begriffe Geld etwas wert sein, einen inneren Wert haben muss. Und da unser heutiges "Geld" nicht von Gold gedeckt ist und es keinen inneren Wert hat, kann es kein wirkliches Geld sein.
Es gibt keinen "an sich vorhandenen inneren Wert", da ein Wert immer eine Relation darstellt. Du kannst bspw. etwas in Euro bewerten zzgl. Ort, Zeit und sonstigen Abhängigkeiten (Rechtssicherheit, Zugriff/Verfügbarkeit, whatever). Das Beispiel vom Wasser & Gold in der Wüste sollte einleuchten.
Heißt also auch: "Geld" muss nicht nachweislich etwas wert sein. Es kann vollkommen wertlos sein, es muss nur Akzeptanz haben.
Eine Zeitreise:
- 2008: Giralgeldschöpfung, FRB, Zahlungsmittel, Termin und was sonst noch so für Verwirrung sorgt
- 2009: Was macht eine Nominalforderung zu einem Zahlungsmittel (umlauffähig)?
- 2017: Ist "Geld" ein Gegenstand?
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Gruß!™
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