qualitativer schlechter Pravda-Artikel zum Thema digitale Souveränität

paranoia, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Sonntag, 12.04.2026, 09:20 (vor 12 Stunden, 51 Minuten) @ Dieter1127 Views
bearbeitet von paranoia, Sonntag, 12.04.2026, 10:26

Hallo Dieter,

der Artikel vermischt zwei Sachverhalte.

1. Cloud-Speicherdienstleistungen im Zugriffsbereichen unserer amerikanischen Verbündeten

Auch die Benutzung von Linux anstelle von Windows ändert nichts daran, dass europäische Firmen und staatliche Einrichtungen neben der amerikanischen Firma Microsoft z.B. auch europäische Cloud-Dienstleister nutzen, deren Datencenter sich aber auch im Zugriffsbereich der USA befinden.


2. Benutzung von obskuren Betriebssystemen, z.B. Microsoft Windows

In der Computersicherheitsbranche gilt, dass "security by obscurity" nicht funktioniert. Microsoft Windows ist ein obskures Betriebssystem, weil der zugehörige Quellcode, also das, was die Programmierer geschrieben haben, nicht offenliegt.

Es gab teilweise Offenlegungen für besondere Interessenten, denen man zubilligte, Teile des Codes angucken zu dürfen. Nach Hause mitnehmen war nicht erlaubt, meine ich.

Digitale Souveränitat

Die beiden oben beschrieben Sachverhalte verhindern die digitale Souveränität.
Diese umfasst in meinen Augen eine Reihe von Sachverhalten, der Artikel erwähnt und vermengt nur zwei davon.

zu 1.:
"Cloud" ist ein Euphemismus für "anderer Leut's Computer". Man muss schon eine Entscheidung treffen, wem man seine (unverschlüsselten?) Daten anvertraut.

zu 2.:
Während ET, der Außerirdische, im Film nur einmal nach hause telefonieren musste, tun das die Microsoft-Betriebssysteme anscheinend dauernd.
Es gibt keine technische Notwendigkeit für dieses Verhalten.
Es gibt keinen schnellen, einfachen Weg zu gucken, was die Microsoft-Petze in den eigenen vier Wänden da so an Dritte verrät.

Die Nutzung eines quelloffenen Betriebssystems (muss auch nicht kostenlos sein!) ist eine notwendige Anforderung für digitale Souveränität.
Das Verhalten eines quelloffenen Betriebssystem ist kontrollierbar, weil man im Quellcode nachlesen kann, was es tut.

Interessenkonflikt beim Schutz von Daten

Jeder Staat wünscht sich Schutz von Inlandsdaten, vorzugsweise im Unternehmensbereich.
Andererseits möchte er bei seinen Bürgern in die Rechner gucken, z.B. bei den revolutionären Rollatoren-Rentnern.

Das führt dazu, dass staatliche Akteure Dokumentationen von Sicherheitslücken in Betriebssystemen (auch Infos über Lücken in Linux) aufkaufen um Bürger im In- und Ausland "abschnorcheln" (Formulierung von Felix von Leitner).

Es ist aber in einem quelloffenen Umfeld nicht möglich, den einen Bürgern ein Betriebssystem mit Nachschlüssel unterzujubeln und andere vor Ausspähung und Angriffen zu schützen.

Gruß
paranoia

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Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.


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