Was die Grenzer tun?

eesti, Schwedt und Cranz(Ostpreußen), Mittwoch, 01.04.2026, 23:25 (vor 4 Stunden, 21 Minuten) @ SevenSamurai259 Views

Nun, erstens haben wir hier eine EU-Außengrenze. Und Sanktionsgrenze mit feindlich gesinnten Regierungen.
Es gibt also schon einmal den Zoll auf beiden Seiten, die in jeden Koffer rein gucken, mitunter auch drin herum wühlen. In jeden Koffer und jedes Päckchen!
Es muß jeweils kontrolliert werden, ob keine verbotenen Waren über die Grenze kommen. Das betraf einige Zeit auch die Kontrolle der belegten Brötchen durch polnische Zöllner, ob da nicht unerlaubter Weise eventuell sanktionierbar Wurst auf dem Brötchen liegt. Das habe ich aber seit letztem Jahr nicht mehr erlebt. Auf dem Papier ist inzwischen praktisch alles verboten. Selbst mein Laptop könnte beschlagnahmt werden, was aber nicht gemacht wird. Seife im Kulturbeutel? Absolut verboten! Wird aber auch schon nicht mehr geahndet. Ende letzten Jahres hatte ich 2 Stück Seife demonstrativ in meinen Koffer gelegt, so daß sie sofort sichtbar waren. Auf die Frage, was das ist, sagte ich "Seife" und erwartete zumindest eine Beschlagnahmung. Der Zöllner überlegte einige Sekunden, dann ließ er sie doch drin. Das war einige Zeit früher auch noch undenkbar.
Aber beide Seiten kontrollieren die Gepäckstücke mehrmals, wobei mehrmals zwischen 2-5 liegen kann. Und das auf beiden Seiten. Einen wirklichen Sinn habe ich da noch nicht erahnen können.
Die Papiere müssen in das System eingegeben werden. Ausweise und Fahrzeugpapiere. Die Russen hatten dafür einige Jahre Mehrfachzettel eingeführt, die dann nur noch eingescannt werden mußten und man bekam nur einen weiteren Stempel auf das Papier. Das wurde aber jetzt auch wieder abgeschafft, so daß auch die Russen wieder händisch jede einzelne Ziffer eintippen müssen.
Ich vermute auch, daß die Grenzer auch überprüfen, ob offene Zahlungen (Bußgelder...) als unbezahlt im System erfaßt sind. Jedenfalls zieht sich die Bearbeitung deutlich, und mitunter passiert lange Zeit nichts. Letzte Nacht war die polnische Seite deutlich unterbesetzt, so daß alles sehr lange dauerte. Die Autos werden nicht auseinander geschraubt, aber alle zugänglichen Winkel incl. Motorraum untersucht. Hybridautos kommen wohl derzeit generell zum Röntgen, weil in den kleinen Akkus geschmuggelt wurde.
Beim Russen muß vom Fahrer noch eine extra Zolleinfuhrerklärung ausgefüllt werden. In doppelter Ausführung. Kopien sind nicht erlaubt, also alles doppelt ausfüllen und hoffen, daß der Grenzer mit der Form einverstanden ist, sonst kann es oft passieren, daß man alles nochmals doppelt ausfüllen muß. Nervig bei Kälte im Freien, wo auch die Kulis anfangen zu streiken. Manche Zöllner akzeptieren keine mit schwarzem Kuli ausgefüllten Papiere... Und mitunter kommt die Aufforderung, alles nochmals auszufüllen ohne Begründung, dann kann man nur hoffen, daß der Zöllner mit der 2. Aktion zufrieden ist. Pingelig sind besonders die Damen.
Manchmal hat ein Auto vor einem in der Schlange ein Problem, dann müssen alle hinteren eben warten, bis das gelöst ist. Ich hatte bis letztes Jahr eine alte Batterie im Auto, die nach mehreren Dutzend an und Ausschaltungen und vergessenem Licht dann plötzlich direkt am Schalter einen Kollaps des Akkus erlebte, und nichts ging mehr ohne Hilfe, die problematisch war, denn man kam weder vor noch zurück, um ein Starthilfekabel zu platzieren. Also erst umständlich alles umorganisieren, wobei der ganze Ablauf einige Zeit gestoppt war....
Entdeckt der Zöllner irgend etwas, was Bürokratie erzeugt, dann muß die Schlange eben warten, bis diese abgearbeitet wurde. Das können Bußgeldbescheide sein oder eine Überprüfung zusätzlich angegebener erklärungspflichtiger Waren oder Gelder, die registriert und abgesegnet werden müssen.
Vor 20 Jahren mußte ich auch mal etwas verzollen, das zog sich sehr.
Insgesamt wägt der Zöllner auf beiden Seiten aber ab, ob sich der Aufwand lohnt, die offiziell zu vollziehenden Bestrafungen wirklich zu verhängen. Meist sind sie doch kulant.
Die gestrige Dauer von 12 Stunden, um 10 Autos vor uns an der 1. Schranke abzufertigen ist aber ein trauriger Rekord.
Darin waren dann 2 Schichtwechsel zu beobachten. In dieser Zeit dreht sich kein Rad.
Generell sind beidseitig 2 verschiedene Behörden zuständig. Personenkontrolle und Zollkontrolle.
Warum teilweise bis zu 5x alles gründlich durchsucht werden muß erschließt sich mir bis heute nicht.
Wenn dann dummerweise beide Seiten dieses Spielchen betreiben, dann werden alle Sachen eben insgesamt 10x durchwühlt. Alles selbst erlebt. Das wird der Grund sein, warum der meist weniger frequentierte Übergang einige Kilometer weiter östlich in Bezlejdy/Preußisch Eylau von den Leuten eher gemieden wird, denn dort ist mir das 2x passiert, dann ist man vom vermeintlich besseren (schnelleren) Übergang kuriert. Dabei war da dann auch ein 3xiges Röntgen des Autos und zusätzlichen Durchleuchtungen des extra hin und her zum Röntgenort zu schleppenden Gepäcks enthalten. wer mal mit 5 Kindern 2 Wochen im Urlaub war, der weiß, was da zu schleppen war. Das dann alles zusätzlich zu den üblichen Sichtkontrollen des Gepäcks.
5x alle Gepäckstücke des Minivans auspacken, Überprüfung, alles wieder einpacken, einige Meter weiter fahren, dort wieder alles auspacken, Überprüfung, alles wieder einpacken, das dann mitunter 5x nur auf einer Seite, da kommt schon Zeit zusammen.
Aber das sind seltene Extreme.
Ich habe es auch schon erlebt, daß man in 30 bis 60 Minuten mit allem durch war.
Das andere Extrem.
Man weiß also nie, ob man für 1h oder 40 Stunden Lebensmittel mitführen muß, die man aber andererseits oft nicht mit über die Grenze bringen darf. Da freuen sich oft die Container, denn Kaufmöglichkeiten gibt es vor Ort nicht, wenn man von Zollfreiläden im Zwischengebiet absieht, aber die haben sich eher auf Alkohol spezialisiert.
Im Zweifel vermeidet man hungrige plärrende Kinder und wirft dann lieber sanktionierte Lebensmittel weg. Notfalls kann man ja auch das destillierte Wasser für die Waschanlage trinken, was im Hochsommer mitunter unvermeidlich ist. Man fängt nach 30 Stunden Abfertigungsstandzeit und einiger Fahrtzeit vorher oder nachher bei 30°C und munterem Sonnenschein auch etwas an zu duften. Toiletten sind inzwischen aber vorhanden. Bis vor einiger Zeit mußte man seine Notdurft dann eben im Freien vor den Augen der Wartenden verrichten.
Familien mit Kinder vermeiden diese Übergänge sichtlich.
Mit zivilisierten Zuständen kann man die Praxis der EU kaum beschreiben. Aber die Extremsachen sind eben Stoßzeiten zu den Ferien (Feiertage) und bei widrigem Wetter. Auch bei Minus 20 °C ist es kein Vergnügen, 30 Stunden im Auto zu sitzen und dann eventuell wegen leerem Tank (Heizung) nochmal ganz von vorn zu beginnen.

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MfG
LR

Alles ist ein Windhauch.


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