Grenze Polen- Rußland immer bizarrer

eesti @, Schwedt und Cranz(Ostpreußen), Mittwoch, 01.04.2026, 12:31 vor 15 Stunden, 51 Minuten 2217 Views

Eigentlich wollten wir bereits vor einigen Tagen nach Cranz (jetzt Zelenogradsk) in russisch Ostpreußen fahren, aber die betreffenden Kanäle berichteten von bis zu 300 Autos vor dem ersten Schlagbaum und Durchgangszeiten von 30 Stunden. Das wollten wir weder uns noch den Kindern antun.
Wir warteten also auf Nachricht, daß die Schlange etwas abgenommen hat, und fuhren nun am Dienstag, den 31.03.2026 mittags um 1 in Schwedt los, kamen gut die 475km bis zur Grenze durch und waren genau 20Uhr am Übergang Grzechotki/Heiligenbeil an.
Dort standen nur 10 Autos vor der ersten Einlaßschranke. Ein seeeehr gute Zeichen. Üblicherweise dauert dann der Durchgang nur 2-4 Stunden.
Doch die Reisefreiheit à la EU ist für die fast ausschließlich deutschen Autos schon fast DDR-mäßig.
Die Polen hatten wohl zu den Feiertagen alle Zollbeamten in Urlaub geschickt. Es ging einfach nicht vorwärts.
Nach 9 Stunden hatten wir endlich den polnischen Teil geschafft und hofften, daß es nun wenigstens auf russischer Seite schnell gehen würde.
Aber es kam nicht ganz so, wie erhofft. Vor dem ersten russischen Einlaßposten standen wir 2 Stunden ohne Bewegung, bevor wir zur Abfertigungsstation weiter durften. Dort lief alles relativ behutsam, aber ohne größere Probleme ab, so daß wir nach insgesamt 12 Stunden den Grenzübergang durchliefen.
Nochmals, vor uns standen nur 10 Autos an der ersten Schranke! Dafür 12 Stunden Abfertigungszeit ist schon erwähnenswert.
Bei 10 Autos vor der ersten Schranke dauerte der Durchgang früher maximal 2 Stunden, wenn es langsam ging. Wir hatten schon 30 Minuten geschafft.
Was jetzt abgeht, ist ein Symptom für die derzeitige EU Politik.
Man will eigentlich die bösen Russen bestrafen. Aber es trifft wie immer die letztlich nur die Europäer selbst, denn russische Kfz dürfen die Grenze nicht mehr passieren. Mit den Sanktionen trifft man das eigene Volk, wie im Großen, so im Kleinen an diesem Grenzübergang.
Meine Frau berichtet von vermehrten Käufen von in Deutschland lebenden Russen und Rußlanddeutschen an Immobilien in Rußland, vornehmlich im Gebiet Kaliningrad (Königsberg /Opr.), aber auch die Gegenden am Schwarzen Meer sind wohl vermehrt Ziel von Fluchtburgkäufen aus Deutschland.
Gerade die Kasachstandeutschen haben schon einige Wirtschaftskrisen hinter sich, und ein Gespür dafür, wann es Zeit ist, problematische Gebiete zu verlassen. Derzeit nimmt die Absetzvorbereitung aus Deutschland nach Rußland wieder zu. Nicht jeder wird natürlich wirklich den Notanker nutzen und nach Rußland übersiedeln, aber es ist halt alles vorbereitet, falls es in DE alles deutlicher in die Grütze geht, als derzeit absehbar.
Aber Rußland ist kein Paradies mehr. Ein neues Einfamilienhaus ist kaum mehr unter 100.000€ zu haben, in Cranz bekommt man dafür allerdings inzwischen nur noch eine kleine schäbige Altbauwohnung, und die Spritpreise haben auch ordentlich angezogen. Diesel kostet um die 80Cent pro Liter, Benzin um die 70 Cent.
Die Lebensmittelpreise sind im Schnitt fast auf deutschem Niveau angekommen.
Kommunalabgaben, Wasser, Strom, alles, was der Mensch zum Leben braucht ist unschlagbar billig.
Etwas für Deutsche völlig ungewohntes sind planmäßig fahrende Züge. Noch nie habe ich einen verspäteten Zug im Königsberger Gebiet erlebt. Bei Bussen muß man allerdings mitunter Verspätungen einplanen, gerade in Königsberg ist fast immer mehr oder weniger Stau. Und Chinaautos haben begonnen, das Straßenbild deutlich zu bereichern. Im täglichen Stau kann man die Designkünste der Chinesen ausgiebig bewundern. Im Gegensatz zu den russischen Metropolen gibt es hier noch keine autonom fahrenden Gefährte. Aber das ist ja in anderen Ländern nicht anders, daß in der Provinz alles etwas später kommt. Noch kann man sich hier noch nicht auf die Hinterbank zum Schlafen legen und das KFZ den Weg ohne Fahrer abspulen lassen. Das ist hier bei den kurzen Strecken auch noch nicht so richtig sinnvoll.

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MfG
LR

Alles ist ein Windhauch.

Ich bin immer über GÜST Bezledi - Bagrationowsk gefahren.

Plancius @, Mittwoch, 01.04.2026, 14:14 vor 14 Stunden, 8 Minuten @ eesti 1129 Views

Ist übrigens eine sehr schöne Strecke von Elbing bis nach Bezledi. Da liegen sehr schöne Städte und Ortschaften auf der Strecke, die so typisch ostpreußisch sind, die da wären Preußisch-Holland, Orneta, Heilsberg und Bartenstein.

Ich würde auch sehr gern mal im Sommer ins Baltikum über das Kaliningrader Gebiet fahren. Aber man hört wirklich nur von extrem langen Wartezeiten. 36 Stunden sind keine Seltenheit und das möchte ich mir auf keinen Fall antun.

Ich kann deshalb auch all jene nicht verstehen, die über Kaliningrad nach Moskau und in andere Städte Russlands fliegen. Da ist man doch schon platt, bevor man am Flughafen ist. Und dass man die Reisezeit nicht kalkulieren kann, kommt noch dazu.

Da bin ich über Istanbul doch ziemlich entspannt und vergleichsweise preiswert nach Moskau geflogen.

Übrigens: Die russische Regierung hat den Zugang zu Telegram nun auch noch gesperrt oder sehr stark eingeschränkt. Die Russen sind deshalb ziemlich angepisst, weil ihnen der Zugang in die weite Welt und zu Freunden im Ausland gekappt wird. Alles was zu Google und Meta/Facebook gehört, ist ja schon im letzten Jahr abgeschaltet worden.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER

Ich fahre nur noch mit dem Bus dahin (Danzig). Das 10h rumstehen mit dem PKW tue ich mir nicht mehr an. (ot)

Mitmacher @, Mittwoch, 01.04.2026, 15:17 vor 13 Stunden, 4 Minuten @ eesti 817 Views

ohne Text

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"Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt." - Thomas Mann, Der Zauberberg

"Es zeugt nicht von geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein." (Jiddu Krishnamurti)

Mit VPN geht es eigentlich. Sogar mit eSim in D gekauft (Beeline wird eingebucht). <oT>

Mitmacher @, Mittwoch, 01.04.2026, 15:19 vor 13 Stunden, 3 Minuten @ Plancius 750 Views

Ich muss leneren mehr text zu schreiben.

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"Toleranz wird zum Verbrechen, wenn sie dem Bösen gilt." - Thomas Mann, Der Zauberberg

"Es zeugt nicht von geistiger Gesundheit, an eine von Grund auf kranke Gesellschaft gut angepasst zu sein." (Jiddu Krishnamurti)

Mich würde interessieren

SevenSamurai @, Mittwoch, 01.04.2026, 20:26 vor 7 Stunden, 55 Minuten @ eesti 620 Views

Mich würde interessieren, da ich im westlichen Teil Deutschland aufgewachsen bin, WAS DA während der 2 Stunden kontrolliert wird?

Schrauben die das gesamte Auto auseinander?

Ich kenne die Grenze nach Holland, die noch nie eine Grenze war. Einfach rüber fahren, mit dem Fahrrad interessiert es erst recht keinen.

Und auch nach Belgien und Frankreich ist es ein Witz. Bis 1984 ein müder Blick ins Auto, dann gar nichts mehr.

Auch von Frankreich nach Spanien oder umgekeht ein Buenos días oder Bonjour, und fertig.

Also: Was tun die?

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"Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte:
weil sie damals (...)."
Henryk Broder

Nein stimmt nicht. Für die Russen ist Telegram blockiert oder gestört.

Plancius @, Mittwoch, 01.04.2026, 20:50 vor 7 Stunden, 32 Minuten @ Mitmacher 456 Views

Ein Teil meiner russischen Freunde kann gar nicht mehr Telegram aufrufen, andere kommen nur ca. alle 3 Tage mal kurz rein.

Als ich vor kurzem in Russland war, konnte ich mit meinem deutschen Handy über Beeline alles aufrufen, auch WhatsApp, Youtube & Co. Man wird hier aber mit einer deutschen Simm über Deutschland geroutet.

Russen kamen aber auch vor kurzem ohne VPN nicht auf gesperrte Seiten. Wobei VPN auch immer öfter blockiert wurden.

Gruß Plancius

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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad an Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand." ARTHUR SCHOPENHAUER

Was die Grenzer tun?

eesti @, Schwedt und Cranz(Ostpreußen), Mittwoch, 01.04.2026, 23:25 vor 4 Stunden, 57 Minuten @ SevenSamurai 281 Views

Nun, erstens haben wir hier eine EU-Außengrenze. Und Sanktionsgrenze mit feindlich gesinnten Regierungen.
Es gibt also schon einmal den Zoll auf beiden Seiten, die in jeden Koffer rein gucken, mitunter auch drin herum wühlen. In jeden Koffer und jedes Päckchen!
Es muß jeweils kontrolliert werden, ob keine verbotenen Waren über die Grenze kommen. Das betraf einige Zeit auch die Kontrolle der belegten Brötchen durch polnische Zöllner, ob da nicht unerlaubter Weise eventuell sanktionierbar Wurst auf dem Brötchen liegt. Das habe ich aber seit letztem Jahr nicht mehr erlebt. Auf dem Papier ist inzwischen praktisch alles verboten. Selbst mein Laptop könnte beschlagnahmt werden, was aber nicht gemacht wird. Seife im Kulturbeutel? Absolut verboten! Wird aber auch schon nicht mehr geahndet. Ende letzten Jahres hatte ich 2 Stück Seife demonstrativ in meinen Koffer gelegt, so daß sie sofort sichtbar waren. Auf die Frage, was das ist, sagte ich "Seife" und erwartete zumindest eine Beschlagnahmung. Der Zöllner überlegte einige Sekunden, dann ließ er sie doch drin. Das war einige Zeit früher auch noch undenkbar.
Aber beide Seiten kontrollieren die Gepäckstücke mehrmals, wobei mehrmals zwischen 2-5 liegen kann. Und das auf beiden Seiten. Einen wirklichen Sinn habe ich da noch nicht erahnen können.
Die Papiere müssen in das System eingegeben werden. Ausweise und Fahrzeugpapiere. Die Russen hatten dafür einige Jahre Mehrfachzettel eingeführt, die dann nur noch eingescannt werden mußten und man bekam nur einen weiteren Stempel auf das Papier. Das wurde aber jetzt auch wieder abgeschafft, so daß auch die Russen wieder händisch jede einzelne Ziffer eintippen müssen.
Ich vermute auch, daß die Grenzer auch überprüfen, ob offene Zahlungen (Bußgelder...) als unbezahlt im System erfaßt sind. Jedenfalls zieht sich die Bearbeitung deutlich, und mitunter passiert lange Zeit nichts. Letzte Nacht war die polnische Seite deutlich unterbesetzt, so daß alles sehr lange dauerte. Die Autos werden nicht auseinander geschraubt, aber alle zugänglichen Winkel incl. Motorraum untersucht. Hybridautos kommen wohl derzeit generell zum Röntgen, weil in den kleinen Akkus geschmuggelt wurde.
Beim Russen muß vom Fahrer noch eine extra Zolleinfuhrerklärung ausgefüllt werden. In doppelter Ausführung. Kopien sind nicht erlaubt, also alles doppelt ausfüllen und hoffen, daß der Grenzer mit der Form einverstanden ist, sonst kann es oft passieren, daß man alles nochmals doppelt ausfüllen muß. Nervig bei Kälte im Freien, wo auch die Kulis anfangen zu streiken. Manche Zöllner akzeptieren keine mit schwarzem Kuli ausgefüllten Papiere... Und mitunter kommt die Aufforderung, alles nochmals auszufüllen ohne Begründung, dann kann man nur hoffen, daß der Zöllner mit der 2. Aktion zufrieden ist. Pingelig sind besonders die Damen.
Manchmal hat ein Auto vor einem in der Schlange ein Problem, dann müssen alle hinteren eben warten, bis das gelöst ist. Ich hatte bis letztes Jahr eine alte Batterie im Auto, die nach mehreren Dutzend an und Ausschaltungen und vergessenem Licht dann plötzlich direkt am Schalter einen Kollaps des Akkus erlebte, und nichts ging mehr ohne Hilfe, die problematisch war, denn man kam weder vor noch zurück, um ein Starthilfekabel zu platzieren. Also erst umständlich alles umorganisieren, wobei der ganze Ablauf einige Zeit gestoppt war....
Entdeckt der Zöllner irgend etwas, was Bürokratie erzeugt, dann muß die Schlange eben warten, bis diese abgearbeitet wurde. Das können Bußgeldbescheide sein oder eine Überprüfung zusätzlich angegebener erklärungspflichtiger Waren oder Gelder, die registriert und abgesegnet werden müssen.
Vor 20 Jahren mußte ich auch mal etwas verzollen, das zog sich sehr.
Insgesamt wägt der Zöllner auf beiden Seiten aber ab, ob sich der Aufwand lohnt, die offiziell zu vollziehenden Bestrafungen wirklich zu verhängen. Meist sind sie doch kulant.
Die gestrige Dauer von 12 Stunden, um 10 Autos vor uns an der 1. Schranke abzufertigen ist aber ein trauriger Rekord.
Darin waren dann 2 Schichtwechsel zu beobachten. In dieser Zeit dreht sich kein Rad.
Generell sind beidseitig 2 verschiedene Behörden zuständig. Personenkontrolle und Zollkontrolle.
Warum teilweise bis zu 5x alles gründlich durchsucht werden muß erschließt sich mir bis heute nicht.
Wenn dann dummerweise beide Seiten dieses Spielchen betreiben, dann werden alle Sachen eben insgesamt 10x durchwühlt. Alles selbst erlebt. Das wird der Grund sein, warum der meist weniger frequentierte Übergang einige Kilometer weiter östlich in Bezlejdy/Preußisch Eylau von den Leuten eher gemieden wird, denn dort ist mir das 2x passiert, dann ist man vom vermeintlich besseren (schnelleren) Übergang kuriert. Dabei war da dann auch ein 3xiges Röntgen des Autos und zusätzlichen Durchleuchtungen des extra hin und her zum Röntgenort zu schleppenden Gepäcks enthalten. wer mal mit 5 Kindern 2 Wochen im Urlaub war, der weiß, was da zu schleppen war. Das dann alles zusätzlich zu den üblichen Sichtkontrollen des Gepäcks.
5x alle Gepäckstücke des Minivans auspacken, Überprüfung, alles wieder einpacken, einige Meter weiter fahren, dort wieder alles auspacken, Überprüfung, alles wieder einpacken, das dann mitunter 5x nur auf einer Seite, da kommt schon Zeit zusammen.
Aber das sind seltene Extreme.
Ich habe es auch schon erlebt, daß man in 30 bis 60 Minuten mit allem durch war.
Das andere Extrem.
Man weiß also nie, ob man für 1h oder 40 Stunden Lebensmittel mitführen muß, die man aber andererseits oft nicht mit über die Grenze bringen darf. Da freuen sich oft die Container, denn Kaufmöglichkeiten gibt es vor Ort nicht, wenn man von Zollfreiläden im Zwischengebiet absieht, aber die haben sich eher auf Alkohol spezialisiert.
Im Zweifel vermeidet man hungrige plärrende Kinder und wirft dann lieber sanktionierte Lebensmittel weg. Notfalls kann man ja auch das destillierte Wasser für die Waschanlage trinken, was im Hochsommer mitunter unvermeidlich ist. Man fängt nach 30 Stunden Abfertigungsstandzeit und einiger Fahrtzeit vorher oder nachher bei 30°C und munterem Sonnenschein auch etwas an zu duften. Toiletten sind inzwischen aber vorhanden. Bis vor einiger Zeit mußte man seine Notdurft dann eben im Freien vor den Augen der Wartenden verrichten.
Familien mit Kinder vermeiden diese Übergänge sichtlich.
Mit zivilisierten Zuständen kann man die Praxis der EU kaum beschreiben. Aber die Extremsachen sind eben Stoßzeiten zu den Ferien (Feiertage) und bei widrigem Wetter. Auch bei Minus 20 °C ist es kein Vergnügen, 30 Stunden im Auto zu sitzen und dann eventuell wegen leerem Tank (Heizung) nochmal ganz von vorn zu beginnen.

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MfG
LR

Alles ist ein Windhauch.

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