"Wir sind immer noch mitten im Eisenzeitalter, in der Alchemie und im männlichen Herrschafts- und Machbark..."
Geschätzter Kollege Weiner,
na schrecklich! Wie schön wäre die Welt doch ohne dieses blöde Eisen, ohne Chemie (die das "Al-" davor leider, leider längst ad acta gelegt hat, sonst täten die Casanovas & Consorten noch immer die Transmutation von Blei oder Quecksilber zu Gold gewinnbringend vermarkten) und ohne den pöhsen männlichen Herrschafts- und Machbarkeitswahn ...
Aufwachen!
Ohne Eisen kein Stahlbeton und keine Autobahnbrücke, keine Eisenbahnschiene, kein Flugzeug, kein Tresor, keine durch Stahlplatten gesicherte Eingangstür ...(Liste beliebig fortsetzbar). Detto Chemie: wer seine fünf Sinne beisammen hat, weiß, daß ein Leben ohne Chemie nicht lebenswert ist, wenigstens nicht lange (auch die pharmazeutische Chemie ist Chemie, nur so nebenbei).
Und der ach so schreckliche "Machbarkeitswahn" ist mir immer noch tausendfach lieber als der okultistische Klimawahn und Diskriminierungswahn der Feminazissen, die überall und bei jedermann (natürlich mit Doppel-N!) repressives Patriarchat wittern.
Ach, wie schön ist es doch unter der milden Frauenherrschaft, pardon: Frauenfrauschaft muß es natürlich heißen ... weil man noch nie in der Realität der Arbeitswelt oder der Hausnachbarschaft das Phänomen der Stutenbissigkeit und des Klatsches erlebt hat. Denn: Edel ist die MenschIn und gut ...
Sorry, das kann ich alter weißer Mann, der ich bin, nach jahrzehntelanger Lebens- und Berufserfahrung schlicht und einfach nicht finden!
Und was das ach-so-schreckliche Schicksal von Schauspielerinnen in Hollywood betrifft: es ist wie beim Bergsteigen, Autorennfahren und Tauchen: wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Oder hat wenigstens eine gute Chance dazu.
Die Schauspielerei war traditionell eine etwas "anrüchige" Beschäftigung. Queen Victoria weigerte sich etwa, einen damals sehr promienten Schauspieler zum Sir zu schlagen wegen seines Berufs (hat sich später geändert, ich weiß). Und Schauspielerinnen hatten immer schon ein gewisses Odium der Schlampenhaftigkeit - ob zu Recht oder zu Unrecht, ist dabei völlig egal. Nun wird es moralisch völlig untadelige Exemplare unter ihnen geben - aber die gehen auch nicht bei einem Treffen mit dem wichtigen Produzenten, von dem sie eine Rolle haben wollen, auf dessen Hotelzimmer. Die sollen mir doch nicht einreden, sie hätten ernstlich gedacht, er wolle ihnen seine Briefmarkensammlung, die er zufällig mithat, zeigen. Nö, sorry: verarschen kann ich mich selber!
Die wußten ganz genau, warum sie mitgingen - aus dem klaren Kalkül: "Wenn ich ihm einen blase und nachher im Bett das Gefühl vermittle, daß er ein toller Hengst ist, kriege ich die Rolle!"
Das ist ein do-ut-des-Geschäft, nichts anderes - moralisch bedenklich: na zweifellos. Strafrechtlich zu ahnden: come on! Das ist doch völlig lächerlich, dieses ganze metoo-Gekeife, als wären da unschuldige Klosterschwestern vergenotzweigelt worden! Das alles ist ebenso heuchlerisch wie die ganze Begriffswelt drumherum: "Mädchenhandel" ... als ob eine knackige Ukrainerin ,die aus einer Disco in einem Provinzkaff als "Tänzerin" in den Westen engagiert wurde, nicht haargenau gewußt hätte, daß sie da nicht im Ballett der Wiener Staatsoper in Schwanensee tanzen wird, sondern in einem Puff erotischen table-dance + Intimverkehr anbieten wird.
Doch zurück zu der von Ihnen problematisierten Megalith- und Kurgan-Kultur: beides liegt Jahrtausende zurück und wenn ich mir heutige Begräbnisbräuche so ansehe, hat eigentlich nichts davon bis heute überlebt. Heute gibt es höchstens die Beutelschneiderei der Beerdigungsinstitute, die für ein vergleichsweise schäbiges Angebot mehr als stattliche Preise abzocken. Auch ein Industriekapitän oder Ministerpräsident wird heute mehr "verbuddelt" als prunkvoll bestattet. Ich ging einmal über den Wiener Zentralfriedhof mit seinen "Ehrengräbern" ... na, viel "Ehre" ist da nicht zu sehen (ob die von unseren Politruks, Bankstern und "Philanthropen" a.k.a. Oligarchen überhaupt verdient wird, darf man füglich bezweifeln).
Die entscheidenden Fragen sind, ob wir diesen Wahn überleben werden - und wann und wie er sich ggfs. überlebt haben wird.
... monieren Sie abschließend. "Be careful what you wish for, it might come true", sagt der Engländer. Was uns in letzter Zeit in Form von "work-life-balance"-Existenzen, Gutmenschen (und v.a. -innen, mit und ohne Teddybären zum Willkommens-Bewerfen von Scheinasylanten), Klimabewegten, genderfluiden Waschbären (Danke, chère Monika Gruber für diese präzise Begriffsprägung!) etc. etc. als angeblich bessere Alternative zum "männlichen Herrschafts- und Machbarkeitswahn" angedient wird, läßt in mir eher die sprichwörtlichen "Grausbirnen" aufsteigen.
Und ob KI & Co. wirklich die "Zuspitzung des patriarchalen Fortschrittswahns" sind, darf auch hinterfragft werden. Ich halte sie eher für ein fatales Symptom einer längst schon höchst unmännlich hedonistischen, konsumvertrottelten Spaßgesellschaft, die lieber denken und regeln läßt, als selbstbestimmt zu leben.
Cordialement
LePenseur
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LePenseur