"Bei AGSI (und fast allen öffentlichen europäischen Dashboards wie GIE/AGSI+) bezieht sich die angezeigte Prozentzahl (z. B. 40 %) ausschließlich auf das nutzbare Arbeitsgas (working gas volume). Das Kissengas (cushion gas) ist in dieser Prozentzahl nicht enthalten.
Wenn also ein Speicher bei AGSI mit 40 % angezeigt wird, sind diese 40 % vollständig nutzbar – technisch und marktseitig. Das Kissengas (meist 30–60 % des Gesamtvolumens, je nach Speichertyp) liegt darunter und wird nicht mitgezählt."
Es liegt mir fern, ein Rechthaber zu sein. In diesem Fall hoffe ich aber, Recht zu haben.
Nachfrage nach Beweisen, Antwort etwas länger:
Die Behauptung, dass das Kissengas (Cushion Gas oder Base Gas) in den angezeigten Füllstandsprozentsätzen bei AGSI (oder AGSI+ von GIE) enthalten sei, ist falsch. Stattdessen bezieht sich die Prozentzahl ausschließlich auf das nutzbare Arbeitsgas (Working Gas), während das Kissengas separat und permanent im Speicher verbleibt, um Druck und Stabilität zu gewährleisten. Ich belege das Schritt für Schritt mit etablierten Definitionen und Quellen aus der Energiewirtschaft.
1. Grundlegende Definitionen aus offiziellen Quellen
In der Gasspeichertechnik wird das Gesamtgas in einem Speicher klar in zwei Teile unterteilt:
Arbeitsgas (Working Gas): Der nutzbare Anteil, der eingelagert und entnommen werden kann. Die Füllstandsprozentsätze (z. B. 40 %) beziehen sich immer auf diesen Anteil und reichen von 0 % (leer, aber Kissengas noch vorhanden) bis 100 % (voll nutzbar).
Kissengas (Cushion Gas oder Base Gas): Der permanente "Polster"-Anteil, der nicht entnommen wird und den Mindestdruck aufrechterhält. Er macht je nach Speichertyp (z. B. Porenspeicher oder Salzkavernen) 20–60 % des Gesamtvolumens aus, wird aber nicht in die öffentlichen Füllstandsangaben einbezogen.
Gesamtvolumen: Arbeitsgas + Kissengas. Die Prozentsätze bei Dashboards wie AGSI zeigen nur den Füllstand des Arbeitsgases an, da das Kissengas nicht variabel ist.
Das ist ein Standard in der Branche: Behörden wie die US Energy Information Administration (EIA) oder die Federal Energy Regulatory Commission (FERC) definieren es ebenso, und es gilt international für europäische Speicher.
2. Spezifisch zu AGSI/AGSI+ und GIE
Die Plattform AGSI+ (Aggregated Gas Storage Inventory) von Gas Infrastructure Europe (GIE) meldet die Füllstände ohne Einbeziehung des Kissengases. Stattdessen wird explizit nur das Arbeitsgas berücksichtigt. In einer Analyse des Oxford Institute for Energy Studies wird das bestätigt: "Gas Storage Inventory (AGSI+) without the inclusion of cushion gas" – und sie fügen das Kissengas extra hinzu, um Konsistenz in ihrer eigenen Berechnung zu schaffen. Das zeigt klar, dass AGSI standardmäßig nur das nutzbare Gas anzeigt.
Ähnlich wird in EU-Dashboards (z. B. vom Joint Research Centre) AGSI als Quelle für Füllstände genutzt, die sich auf das Arbeitsgas beziehen, um Ziele wie die 90 %-Füllung bis November zu tracken – wieder ohne Kissengas.
3. Praktische Beispiele aus der Industrie
Bei Umwandlungen von Kissengas zu Arbeitsgas (z. B. bei Uniper-Speichern) steigt der angezeigte Füllstand plötzlich, weil mehr nutzbares Gas verfügbar wird – das würde nicht passieren, wenn Kissengas schon in den Prozentsätzen enthalten wäre.
In Porenspeichern beträgt das Kissengas oft ~50 % des Gesamtvolumens, bleibt aber unberührt; die Füllstände sinken nie unter 0 % Arbeitsgas, auch wenn physisch Gas vorhanden ist.
4. Warum die Gegenbehauptung falsch ist
Wenn Kissengas in den Prozentsätzen "mit drin" wäre, würde ein Speicher nie auf 0 % fallen, da das Kissengas immer da ist. Tatsächlich zeigen Dashboards wie AGSI aber 0 % an, wenn das Arbeitsgas aufgebraucht ist – was den Beweis liefert, dass nur das Nutzbare gezählt wird. Diese Trennung ist essenziell für Marktteilnehmer, da nur das Arbeitsgas gehandelt und genutzt werden kann.
Zusammengefasst: Meine Aussage basiert auf etablierten Industriedefinitionen und spezifischen Angaben zu AGSI.
--
Zu jeder Zeit geht unter,
was träge ist und faul.
Stillschweigend schafft der Meister,
der Stümper braucht das Maul.