Ungewöhnliches Muster? Silber 3h praktisch ohne Bewegung seit Öffnung LBMA

Martin @, Freitag, 02.01.2026, 13:16 vor 3 Tagen 2582 Views

Im Chart-Fenster nur über ca. 48h sichtbar https://www.kitco.com/charts/silver

Gold hatte dagegen kein auffälliges Muster https://www.kitco.com/charts/gold

Das Silber-Muster ist für ein dynamisches Umfeld ungewöhnlich. War der Handel ausgesetzt?

Nicht ungewöhnlich (mT)

Radegast @, Balgurische Schwarzmeerküste, Freitag, 02.01.2026, 18:20 vor 2 Tagen @ Martin 1729 Views

bearbeitet von Radegast, Freitag, 02.01.2026, 18:36

Hallo Martin,

Der Markt war nicht ausgesetzt und es ist auch nicht ungewöhnlich, jedenfalls nicht in diesem Umfeld. Wie wir wissen, haben die marktstellenden Großbanken letzte Woche in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag eine Krisensitzung gehabt und sich auf einen Höchstpreis von 75 USD geeinigt. Dort wird der Preis gedeckelt. Daher auch die Margin-Erhöhungen, als diese Marke überschritten wurde.

Was du dort siehst, sind große Verkaufsorders kurz unter der genannten Marke, an denen der Markt nun nicht mehr vorbeikommt. Das sind Sell-Limit Orders und von unten kommen Market-Orders (also ohne Limit) der hyperventilierenden Kleinanleger. Das ist normal und sieht genau so aus. Immer wieder dagegen, aber sie kommen nicht durch, weil sie zu klein sind.

Es könnte sein, daß der Drops gelutscht ist.

[image]

edit: Die Krisensitzung war in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, nicht einen Tag später wie ursprünglich formuliert.

Auf welchem Markt treffen "hyperventilierende Kleinanleger" mit "markstellenden Großbanken" zusammen?

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Freitag, 02.01.2026, 20:19 vor 2 Tagen @ Radegast 1472 Views

bearbeitet von paranoia, Freitag, 02.01.2026, 20:32

Hallo Radegast!

Und warum sprichst Du über Margins?
Silber-Futures sind - gerade auch bei dem aktuellen Silberpreis - kein Produkt für Kleinanleger.

Fragen über Fragen - während das Forum immerwährend vor sich hin halluziniert - wie eine KI - mit Worthäufigkeiten anstelle von Kausalketten. [[top]]

Gruß
paranoia

P.S.:
Wo ist denn nun das von einem bauernschlauen Bauer prognostizierte Cash-Settlement von Future-Kontrakten?!

Ich will das jetzt sofort haben! [[la-ola]]

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Antworten

Radegast @, Balgurische Schwarzmeerküste, Samstag, 03.01.2026, 02:27 vor 2 Tagen @ paranoia 997 Views

bearbeitet von Radegast, Samstag, 03.01.2026, 02:52

Hallo Paranoia,

Ich verstehe den Unterton deiner Frage wohl :-) Also eins nach dem anderen:

Auf welchem Markt treffen Kleinanleger mit großen Marketmakern zusammen?
Inzwischen auf praktisch jedem Markt, auf dem Silber-Derivate gehandelt werden. Denn selbst wenn der jeweilige Markt nicht selbst Futures oder Optionen handelt, so sind doch beide über Arbitrage eng aneinander gekoppelt. Auch ein Derivate-Markt kann sich heutzutage nicht mehr von z.B. der Comex abkoppeln, da durch die Segnungen des Internet Arbitrage-Möglichkeiten zwischen jedem beliebigen Markt sofort durch jemanden technisch ausgenutzt werden können.

Das heißt, auch wenn ein Kleinanleger z.B. nur in einem CFD-Markt aktiv ist, sollte sich dieser OTC-Markt abkoppeln (sprich: entfernen), dann gibt es sofort Marktteilnehmmer, die groß genug sind, um von Arbitrage zwischen CFD und Futures-Markt zu profitieren. Das ist durch Internet und entsprechende Softwarelösungen sogar relativ einfach und auch für Nicht-Instutionelle machbar. Anders ausgedrückt: auch wenn es viele unterschiedliche Märkte mit vielen unterschiedlichen Teilnehmerprofilen gibt, so sind dieses Märkte jedoch alles andere als unabhängig voneinander. Der Futures-Markt schlägt immer durch und was dort passiert, kommt auch bei allen anderen an.

Inzwischen kannst du Silber sogar über die Blockchain handeln, schau dir mal Bybit Alpha an. Was meinst du, was da los ist und welches die typische Zielgruppe solcher Services ist. Aber alles über Arbitrage an den echten Markt gekoppelt. Von wegen "Silber-Futures sind - gerade auch bei dem aktuellen Silberpreis - kein Produkt für Kleinanleger". Erinnerst du dich noch an Baader Wertpapierhandel zu Neuer Markt-Zeiten? Eine einzige Aktie über 15.000 DM. Sollte "bei den aktuellen Preisen" kein Produkt für Kleinanleger sein?

Nächste Frage: Warum sprichst Du über Margins?
Weil niedrige Margin-Rates ein wesentlicher Hintergrund solcher Extremkursbewegungen sind, und weil darüber - wie wir gerade gesehen haben - extremen Ungleichgewichten am typischsten entgegen gesteuert wird. Warum ist das so?

Ein Produzent, der Silber für's Tagesgeschäft braucht, sichert sich durch Futures-Positionen (z.B. an der Comex) gegen zukünftige Preisschwankungen für die von ihm benötigten Rohstoffe ab. Das ist die Grundfunktion einer Futures-Börse. Alles andere, was wir über die Medien sehen, ist zu 95% Spekulation. D.h. wir haben einen relativ kleinen Kreis von Marktteilnehmern, die sich physisch absichern wollen und wir haben einen relativ großen Teil von Marktteilnehmern, die nur des Tradens wegen im Markt sind und Geld verdienen wollen. Denen geht es nicht um physische Auslieferung, sondern nur um den Umterschied zwischen An- und Verkauf. Diese Spekulatoren sind im Wesentlichen auch diejenigen, die einen Markt shorten. Ihnen ist es nämlich egal, ob sie long oder short sind, solange es Geld zu machen gibt. Nicht jedoch der Produzent. Der liebt das Risiko überhaupt nicht und von Preisschwankungen zu profitieren, ist auch nicht sein Geschäft. Im Gegenteil: Um ein solides Produkt im Markt anbieten zu können, ist er vor allem an Preisstabilität interessiert. Dagegen versucht er, sich an der Börse abzusichern.

Das bedeutet, daß jemand, dem das Settlement seines Kontraktes wichtig ist, nicht gehebelt in den Markt geht, da sowas für physische Lieferung mächtig ins Auge gehen kann. Seine Futures-Position ist also ungehebelt (1:1), die von ihm hinterlegte Margin praktisch null. In der Praxis ist es dann doch ein kleines bißchen anders (abhängig vom jeweiligen Broker/Merchant/Account), aber praktisch ist er in der Regel ungehebelt im Markt.

Der Spekulant ist ein anderes Tierchen. Da es ihm um Volatilität und nicht um Stabilität geht, versucht er, seine Position soweit wie es sein Risikoprofil erlaubt zu hebeln. Größerer Hebel bedeutet für ihn nämlich größerer Gewinn. Natürlich im schlechten Fall auch größeren Verlust. Konkretes Beispiel: Für mich als privaten Marktteilnehmer, der Silber über CFDs handelt, gilt bei meinem Broker ein Hebel von 1:500 für initial margin, und ein Hebel von 1:1000 maintenance margin (bitte den Unterschied selbst googlen). Diese Werte sind riesig und ich wäre völlig wahnsinnig, sie auszunutzen. Aber das sind die Werte, die für Kleinanleger im Angebot sind.

Wenn wir jetzt in einem Asset riesige Schwankungen wie im Moment bei Silber haben, was glaubst du, was passiert? Schau dich um, selbst hier im Forum. Aus einstmals halbwegs rational agierenden Mitmenschen werden Großmütter, Frisöre, Taxi-Fahrer, die sich überall gegenseitig bestätigen, daß sie auch ja alle investiert sind, weil das ja gerade die Gelegenheit des Jahrhunderts ist. Eine typische Blase, alles verliert den Verstand und der Markt wird zum Selbstläufer und immer höher gepeitscht. Höher gepeitscht durch Marktteilnehmer, die zu 95% keine Ahnung, aber Zugriff auf wahnsinnige Hebel (also extrem niedrige Margin-Rates) haben. Was glaubst du, was da passiert? So irrsinnig es klingt, diese niedrigen Margin-Rates und extrem hohen Hebel werden tatsächlich benutzt. Benutzt von Marktteilnehmern, die größtenteils nicht wissen, was sie tun.

Was tut eine Börse also bei irrationalen Übertreibungen? Zu allererst werden die Margin-Rates erhöht, weil die Margin-Erhöhung die Spekulanten (95%) dazu zwingt, ihre Positionen niedriger zu hebeln. Das bedeutet für die schwachen Hände/Kleinanleger i.d.R. das sofortige aus bzw. Liquidation ihrer Position. Auf gut Englisch: Ein Margin-Call bei relativ kleinen Schwankungen gegen eine Position.

Fazit: Margin-Erhöhungen zwingen die Spekulanten mit schwachen Händen aus einem überhitzten Markt, während dieselbe Erhöhung jemanden, der an physicher Lieferung interessiert ist, recht kalt läßt.


ps: Cash-Settlement von Future-Kontrakten ist wieder eine andere Geschichte und das ist die Holzhammer-Methode, falls ein Markt andererseits zusammen bricht. Also praktisch eine Zwangsversteigerung deiner Position, dir wird das Recht auf physische Lieferung genommen. Wenn das passiert, sind wir kurz vor Weltuntergang.

Warum gibt es überhaupt Margin-Accounts?

Radegast @, Balgurische Schwarzmeerküste, Samstag, 03.01.2026, 03:02 vor 2 Tagen @ Radegast 899 Views

bearbeitet von Radegast, Samstag, 03.01.2026, 03:08

Das wäre mal ne gute Frage. Antwort: Weil der Casinobetreiber daran interessiert ist, daß die Kunden soviel Geld wie möglich einsetzen. Also erlaubt er ihnen sogar, Positionen vom 10-fachen oder 20-fachen ihrer Einlage einzugehen. Anders ausgedrückt: Der Casinobetreiber gibt dir für den Zeitraum deiner Position Kredit.

Warum macht er das? Er ist ein ganz schlauer, der Casinobetreiber. Er hat sich Statistiken seiner Kunden angeschaut und festgestellt, daß 95% der Leute ihren gesamten Einsatz verlieren. Ohne, daß er irgendwie manipulieren müßte. Nein, er muß nur den Tisch aufstellen und ab und zu aufpassen, daß niemand Karten zählt. Für den Totalverlust sorgen 95% der Leute von ganz allein.

Preisfrage: An wen verlieren diese 95% der Marktteilnehmer ihren gesamten Einsatz?


Ich hab ein Profil auf ForexFactory. Dort hab ich folgende "Weisheit" hinterlegt (bitte mal selbst mit deepl.com oder so übersetzen, falls das Englisch fehlt):

Trading is not what most people think. 95% of the information out there is useless, scam or even fraud. Nothing is what it seems.

"All customers are terminal. Our job is to make their trading as comfortable as we can, until they expire." This quote is by Mark Douglas about his time in Chicago when working as a trader for Merrill Lynch. That was in 1981. Nine months later he had blown all his trading accounts. But don't worry. Soon after - in 1982 - he decided to become a trading coach and started talking about discipline and psychology instead. Another 8 years later he was known as a famous writer about trading topics. His most famous book "Trading in the Zone" is considered the trading bible by many novice traders.

That's still the same guy who couldn't trade in the first place, never went back to trading and died having never traded again.

Think twice about it.

Hebel im Vergleich: Bucket-Shop und Terminbörsen

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Samstag, 03.01.2026, 14:54 vor 1 Tag, 13 Stunden, 31 Min. @ Radegast 760 Views

Hallo Radegast,

Das wäre mal ne gute Frage. Antwort: Weil der Casinobetreiber daran interessiert ist, daß die Kunden soviel Geld wie möglich einsetzen. Also erlaubt er ihnen sogar, Positionen vom 10-fachen oder 20-fachen ihrer Einlage einzugehen. Anders ausgedrückt: Der Casinobetreiber gibt dir für den Zeitraum deiner Position Kredit.

Das ist analytisch komplett falsch. Die Börse, oder meinetwegen auch der Casinobetreiber, gibt keinen Kredit. Der rechnet abends die Marktwerte der offenen Kontrakte aus und kassiert das Geld bei den Verlierern und schreibt es den Gewinnern gut.

Kredit manifestiert sich bei den Preisen für Financial Futures darin, dass die Terminkontrakte etwa in Höhe der Finanzierungskosten über der Kasse notieren, also z.B. Dax-Futures gegenüber einem Dax-Korb.

Es nützt also nichts, seinen Dax-Korb, seine Dax-ETFS zu verkaufen, einen Dax-Future zu kaufen und auf den Verkaufserlös Zinsen zu kassieren - die werden vom höheren Kaufpreis des Dax-Futures wieder aufgefressen.

Warum macht er das? Er ist ein ganz schlauer, der Casinobetreiber. Er hat sich Statistiken seiner Kunden angeschaut und festgestellt, daß 95% der Leute ihren gesamten Einsatz verlieren. Ohne, daß er irgendwie manipulieren müßte. Nein, er muß nur den Tisch aufstellen und ab und zu aufpassen, daß niemand Karten zählt. Für den Totalverlust sorgen 95% der Leute von ganz allein.

Du solltest mal darüber nachdenken, wie seriös Dein Casinobetreiber ist, wenn er Hebel von 1000 (Sicherheitseinschuss 1 Promille!!!) bei Silber erlaubt, während eine Comex USD 32500 verlangt, bei einem Kontraktwert von etwa 75 USD/Unze * 5000 Unzen = USD 375 000. Das macht dann einen Sicherheiteneinschuss von 375 000 / 32 500 = ~8,7% aus oder einen äquivalenten Hebel von etwa 11,5.


An alle:

Wer Marginerhöhungen bei Terminbörsen kritisiert, hat das System nicht verstanden. Die Dinge haben eine innere Logik.
Allein schon der jüngste Silberpreisanstieg von 25% im Dezember rechtfertigt schon eine Erhöhung von 25%, selbst wenn die Volatilität der Silber-Futures sich gar nicht verändert hätte, weil die Margins bei den mir bekannten US-Börsen immer in absoluten USD-Beträgen angegeben werden.

Doppelter Kontraktwert => doppelte Margin, gelle?

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Gut, daß wir dich im Forum haben

Radegast @, Balgurische Schwarzmeerküste, Samstag, 03.01.2026, 17:24 vor 1 Tag, 11 Stunden, 1 Min. @ paranoia 715 Views

...und gut, daß du so deutlich heraus posaunst (An alle! An alle! Hört, hört..), wes Geistes Kind du bist.

Ich habe mit meiner Antwort extra gewartet, bis du deinen Post nicht mehr bearbeiten kannst, sodaß er für die Nachwelt erhalten bleibt. Damit erleichterst du es allen Lesern im Forum, schnell zu erkennen, wen man in Zukunft besser ignorieren sollte.

Danke dafür

Darüber solltest Du mal nachdenken.

"Wes Geistes Kind" muss man sein, um sachliche und fundierte Einwände eines Profis mit den Börsengedanken

Hausmeister @, Samstag, 03.01.2026, 18:14 vor 1 Tag, 10 Stunden, 11 Min. @ Radegast 779 Views

von Amateuren aus der (zugegebenermaßen so etwas hart formuliert) Stammtischszene, und dementsprechendem Argumentationsniveau, wegbügeln zu wollen?

Und Warnungen bzw. entschiedene Einwände dieses Fachmanns dürfen genau warum nicht an alle Leser gerichtet sein?
Wegen der (vorsorglich) vermuteten Beschädigung des eigenen Egos?
Krass.

Jedenfalls kein guter Stil.

& Grüße

HM

--
Alles, was man in dieser Zeit für seinen Charakter tun kann, ist, zu dokumentieren, daß man nicht zur Zeit gehört.
Johann Gottfried Seume

zu Radegast:Von wegen "Silber-Futures sind - gerade auch bei dem aktuellen Silberpreis - kein Produkt für Klei

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Samstag, 03.01.2026, 12:31 vor 1 Tag, 15 Stunden, 54 Min. @ Radegast 680 Views

zu Radegast:Von wegen "Silber-Futures sind - gerade auch bei dem aktuellen Silberpreis - kein Produkt für Klei

Von wegen "Silber-Futures sind - gerade auch bei dem aktuellen Silberpreis - kein Produkt für Kleinanleger". Erinnerst du dich noch an Baader Wertpapierhandel zu Neuer Markt-Zeiten? Eine einzige Aktie über 15.000 DM. Sollte "bei den aktuellen Preisen" kein Produkt für Kleinanleger sein?

15.000 DM sind ca EUR 7500, bei heutigen Kursen circa USD 9000. Das Risiko für den Kleinanleger ist auf den Verlust von USD 9000 beschränkt.

Eine Kursänderung im Silberfuture an der Comex um nur einen US-Dollar macht einen Gewinn oder einen Verlust von USD 5000 aus, Verlustrisiko für Shorts unbegrenzt, Verlustrisiko für Longs USD 375000.
Ist das für Dich ein typisches Produkt für Kleinanleger?

Nächste Frage: Warum sprichst Du über Margins?
Weil niedrige Margin-Rates ein wesentlicher Hintergrund solcher Extremkursbewegungen sind,

Übertrieben ausgedrückt, macht die Margin-Höhe also die Silberpreise?
Warum gab es dann vor dem Preisanstieg trotz noch viel geringerer Margins keine extremen Kursbewegungen?
Ich spreche von dem gesamten Zeitraum, in dem "Silver-long-Cascabel" (gelber Forist) seine Kohle verzockte.


und weil darüber - wie wir gerade gesehen haben - extremen Ungleichgewichten am typischsten entgegen gesteuert wird. Warum ist das so?


Ein Produzent, der Silber für's Tagesgeschäft braucht, sichert sich durch Futures-Positionen (z.B. an der Comex) gegen zukünftige Preisschwankungen für die von ihm benötigten Rohstoffe ab. Das ist die Grundfunktion einer Futures-Börse. Alles andere, was wir über die Medien sehen, ist zu 95% Spekulation. D.h. wir haben einen relativ kleinen Kreis von Marktteilnehmern, die sich physisch absichern wollen und wir haben einen relativ großen Teil von Marktteilnehmern, die nur des Tradens wegen im Markt sind und Geld verdienen wollen. Denen geht es nicht um physische Auslieferung, sondern nur um den Umterschied zwischen An- und Verkauf. Diese Spekulatoren sind im Wesentlichen auch diejenigen, die einen Markt shorten. Ihnen ist es nämlich egal, ob sie long oder short sind, solange es Geld zu machen gibt. Nicht jedoch der Produzent. Der liebt das Risiko überhaupt nicht und von Preisschwankungen zu profitieren, ist auch nicht sein Geschäft. Im Gegenteil: Um ein solides Produkt im Markt anbieten zu können, ist er vor allem an Preisstabilität interessiert. Dagegen versucht er, sich an der Börse abzusichern.

Das bedeutet, daß jemand, dem das Settlement seines Kontraktes wichtig ist, nicht gehebelt in den Markt geht, da sowas für physische Lieferung mächtig ins Auge gehen kann. Seine Futures-Position ist also ungehebelt (1:1), die von ihm hinterlegte Margin praktisch null.

Früher gab es bei der Margin eine Aufteilung in Initial Margin und Maintenance Margin und auch Unterschiede in Marginhöhe zwischen Hedger und Spekulanten. Das scheint also zugunsten einer Einheitsmargin verschwunden zu sein, wenn ich mir die aktuellen Marginanforderungen der Comex bei Silber angucke. Deine Behauptung, die von einem "Produzenten" (in Deinem Beispiel ein Hedger) hinterlegte Margin "praktisch Null" sei, kann ich bei einer momentanen Marginhöhe von USD 32500 nicht nachvollziehen.

In der Praxis ist es dann doch ein kleines bißchen anders (abhängig vom jeweiligen Broker/Merchant/Account), aber praktisch ist er in der Regel ungehebelt im Markt.


Der Spekulant ist ein anderes Tierchen. Da es ihm um Volatilität und nicht um Stabilität geht, versucht er, seine Position soweit wie es sein Risikoprofil erlaubt zu hebeln. Größerer Hebel bedeutet für ihn nämlich größerer Gewinn. Natürlich im schlechten Fall auch größeren Verlust. Konkretes Beispiel: Für mich als privaten Marktteilnehmer, der Silber über CFDs handelt, gilt bei meinem Broker ein Hebel von 1:500 für initial margin, und ein Hebel von 1:1000 maintenance margin (bitte den Unterschied selbst googlen). Diese Werte sind riesig und ich wäre völlig wahnsinnig, sie auszunutzen. Aber das sind die Werte, die für Kleinanleger im Angebot sind.

Garantiert Dein Broker die Liquidation Deiner Position bevor Dein Eigenkapital aufgebraucht ist?

Wenn wir jetzt in einem Asset riesige Schwankungen wie im Moment bei Silber haben, was glaubst du, was passiert? Schau dich um, selbst hier im Forum. Aus einstmals halbwegs rational agierenden Mitmenschen werden Großmütter, Frisöre, Taxi-Fahrer, die sich überall gegenseitig bestätigen, daß sie auch ja alle investiert sind, weil das ja gerade die Gelegenheit des Jahrhunderts ist. Eine typische Blase, alles verliert den Verstand und der Markt wird zum Selbstläufer und immer höher gepeitscht. Höher gepeitscht durch Marktteilnehmer, die zu 95% keine Ahnung, aber Zugriff auf wahnsinnige Hebel (also extrem niedrige Margin-Rates) haben. Was glaubst du, was da passiert? So irrsinnig es klingt, diese niedrigen Margin-Rates und extrem hohen Hebel werden tatsächlich benutzt. Benutzt von Marktteilnehmern, die größtenteils nicht wissen, was sie tun.

Was tut eine Börse also bei irrationalen Übertreibungen? Zu allererst werden die Margin-Rates erhöht, weil die Margin-Erhöhung die Spekulanten (95%) dazu zwingt, ihre Positionen niedriger zu hebeln. Das bedeutet für die schwachen Hände/Kleinanleger i.d.R. das sofortige aus bzw. Liquidation ihrer Position. Auf gut Englisch: Ein Margin-Call bei relativ kleinen Schwankungen gegen eine Position.

Deine Behauptung von "Spekulanten (95%)" kann ich nicht nachvollziehen.
Sie legt auch nahe, dass Du noch nie den COT-Report angeguckt hast, sonst würdest Du so etwas nicht behaupten...


Fazit: Margin-Erhöhungen zwingen die Spekulanten mit schwachen Händen aus einem überhitzten Markt, während dieselbe Erhöhung jemanden, der an physicher Lieferung interessiert ist, recht kalt läßt.

Das ist zweifach falsch. Die Gründe dafür habe ich in verschiedenen Beiträgen sowohl kürzlich als auch vor Jahren erklärt.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Das geht? Was sagen die Börsenaufsicht und das FBI dazu?

Brutus ⌂ @, Freitag, 02.01.2026, 21:03 vor 2 Tagen @ Radegast 1303 Views

bearbeitet von Brutus, Freitag, 02.01.2026, 22:32

Moin Radegast,
Das liest sich ja wie beim Roulette:

"Die Bank gewinnt immer!"

Was Du da beschreibts, ist ja wohl das Paradebeispiel für Marktmanipulation, oder wie nennt man das in "dieser Liga"?

Weitere Fragen:
Wo fang ich an, wo höre ich auf.

1. Begründung, letzte Woche noch, dass Silber mehr benötigt wird als gefördert werden kann (Angebot Nachfrage ergibt den Preis)

Wie kann trotz höherer Nachfrage also der Preis gedeckelt werden, so als gäbe es ein ausreichendes Angebot?

2. Marktmanipulation
Börsenaufsicht? Hallo? FBI?
Alle noch im Weihnachtsurlaub?

Erinnert mich an das sichere System beim Roulette.
Das existiert. Die Bank kennt das auch und die Tische stehen unter Beobachtung.
Erkennt die Bank, dass Einer kurz davor ist, die Bank zu knacken, wird der Tisch geschlossen, oder der Croupier gewechselt.

Deshalb spiele ich kein Roulette, weil es aus diesem Blickwinkel kein faires Spiel ist. Die Bank macht die Regeln. Offiziell ist das Bankknacksystem zu spielen nicht verboten.

Und jetzt ist es hier genauso!
Genau dann, wenn man "satt" in die Gewinnerstraße einbiegt und auf die Überholspur wechselt, werden die Regeln verändert.

Da kann man grad aufhören, grad, wenns "interessant" wird!

Und Du sagst, das sein "normal"!

Die Tatsache, dass sich bisher Keiner aufregt, belegt ja den Verdacht, das Du Recht hast!


3. Waren all die Analysten, die bei 80,00 YT geflutet haben und von demnächst viel viel höheren Preisen sinnierten, in Wirklichkeit Bankenmitarbeiter (oder KI Simulationen), die die einfachen unterdurchschnittlich informierten Kunden zum Kauf bei 80,00 animieren sollten - also Teil "des Geschäfts"?

Bei den Banken ist es auch nicht anders als bei uns. Das Geld ist nicht weg, es hat nur Jemand Anderes. Eine verlierende Bank hieße gewinnende Kunden, die jetzt leer ausgehen!

Entscheidende Frage:

4. Wo und wie hätte man errechnen oder ableiten können, wo genau die Banken nach der Krisensitzung den "gedeckelten Preis" festlegen.
Mit diesem Vorauswissen wäre ja, trotz Allem, immer noch was "gegangen", aber so...

(Wie verhielt sich derjenige Teilnehmer in der Krisensitzung, der wusste, dass er all die Kollegen "im Sack" hat, vor der Krisensitzung? Wie heißt er, was macht der sonst so? Wieviele und welche Freunde hat er bei dieser "Tour" mitgenommen? Kann man diese Freunde vielleicht an der Breite des Grinsens oder eher der Lautstärke des Jubels erkennen? Und das Alles passiert auf Grundlage bestehender Gesetze einer "unabhängigen" Legislative??


Gruß Brutus

--
[image]
nur für kurze Zeit: https://telegra.ph/Kleine-Presseschau-2025-06-27-06-27

Brutus:Wie kann trotz höherer Nachfrage also der Preis gedeckelt werden, so als gäbe es ein ausreich. Angebot?

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Samstag, 03.01.2026, 01:46 vor 2 Tagen @ Brutus 950 Views

Hallo Brutus,

Du hast die richtige Frage gestellt, aber Du denkst den Gedanken leider nicht weiter!

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Was sagt die Börsenaufsicht dazu?

Radegast @, Balgurische Schwarzmeerküste, Samstag, 03.01.2026, 02:45 vor 2 Tagen @ Brutus 939 Views

Lieber Brutus.

Das sind zuviele Fragen, um sie alle einzeln beantworten zu können. Nur soviel:

Natürlich ist der gesamte weltweite Aktien/Futures/Wertpapier-Markt seit mehreren Jahrzehnten ein einziges riesiges Casino, in dem die Casinobetreiber die Regeln selbst machen und wo das Haus immer gewinnt. Das sollte doch hier im GF Grundlagenwissen eines jeden Lesers sein. Sämtliche Märkte sind komplett manipuliert und heute von ihrer ursprünglichen wirtschaftlichen Basisfunktion meilenweit - ja sogar weltenweit entfernt. Börsenaufsicht ist was für Dumme, die sich beim Abzocken erwischen lassen.

Das ist wie mit unserer sogenannten Demokratie: Is halt nich drin, watt druff steht!

Welche Quelle hast Du für die Sitzung der marktstellenden Banken?

Radegast @, Balgurische Schwarzmeerküste, Samstag, 03.01.2026, 03:26 vor 2 Tagen @ Radegast 990 Views

bearbeitet von Radegast, Samstag, 03.01.2026, 04:03

Diese PM hab ich gerade bekommen:

Hallo Radegast,

Welche Quelle hast Du für die Sitzung der marktstellenden Banken?

Gruß, ****

PS: Ich plane einen Artikel zu dem Silber-Einbruch kürzlich.

Antwort hier, da wohl von allgemeinem Interesse: Es war eine Twitter-Meldung in den letzten 4-5 Tagen. Diese Twitter-Meldung wurde in einem der vielen Erklärvideos zum Silberanstieg der letzten Tage erwähnt und auch eingeblendet. Wer kann sich an das Video erinnern?

Die Meldung war recht kurz und erwähnte nur die Teilnahme der wesentlichen Marketmaker, ohne Namen zu nennen. Die einzige Info, die nach außen geleakt wurde, war sinngemaß diese:

"Als man sich nach mehreren Stunden trennte, hatte man sich auf den Level von 75 USD geeinigt".

Es wurde nicht erläutert, wie diese 75 zu interpretieren ist. Nur, daß sie das Ergebnis der Sitzung war. Vielleicht kann die Schwarmintelligenz das Video schneller finden als ich.

edit: Ok, hier ist es bei Minute 11:11 im Video von https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=679781

Aus einem Reddit-Post: ...it appears there are over 41,000 call option contracts set at a $75 price that dont expire until late January 2026...

Wie das genau funktioniert, ist mir nicht klar. Hier mehr: https://silvertrade.com/news/precious-metals/silver-news/margin-call-is-a-large-bullion...


[image]

Was ist da wirklich passiert?

Radegast @, Balgurische Schwarzmeerküste, Samstag, 03.01.2026, 09:49 vor 1 Tag, 18 Stunden, 36 Min. @ Radegast 880 Views

bearbeitet von Radegast, Samstag, 03.01.2026, 09:53

Hab ein paar Szenarien durchgespielt, was da tatsächlich abgelaufen sein könnte, und hier ist das Ergebnis:

Was wir wissen:
- JP Morgan ist seit 15-20 Jahren der zentrale Marketmaker in Silber. Sie sind für die Jahrzehnte langen Preisdrückungen im Silber verantwortlich, die erfahrene Anleger dazu gebracht haben, von Silber generell abzuraten. Fundamentaldaten hin oder her. Wenn der Markt zu sehr manipuliert ist - so wie das bei Silber seit 20 Jahren der Fall ist - dann ist von einem Investement generell abzuraten.

- JP Morgan dürfte also die größten Silber-Shortpositionen weltweit haben. Wohlgemerkt, Papier-Silber. Im Hintergrund sollen sie jedoch still und leise riesige physische Positionen aufgebaut haben, ähnlich der Gebrüder Hunt (siehe Dirk Müller alias Mr. DAX).

- Wenn der Silberpreis weiter steigt, bekommt JP Morgan irgendwann ein Problem. Die Papierpositionen laufen zu weit ins Minus. Silber ist seit dem Sommer 2025 in klassischer Backwardation. Bedeutet, zukünftiges Silber ist heute billiger zu haben (mit Abschlag) als das aktuell gehandelte. Allein dieser Fakt sagt eigentlich schon alles über zukünftige Preisentwicklungen aus, doch die Masse weiß mit Backwardation nichts anzufangen. Auch für JP Morgan ist Backwardation zwar "good to know", es ändert aber nichts an den aktuellen Buchverlusten. Diese Verluste werden irgendwann zu groß.

- Wenn ich mit einer Position im Minus bin, habe ich generell zwei Möglichkeiten. Ich liquidiere oder ich hedge das Risiko. Liquidation bedeutet, die Verluste zu realisieren. Hedgen bedeutet, das Risiko weiterer Verluste einzufrieren. Wenn ich in meinem Leben eines gelernt habe, dann daß diese großen Player keine Verluste realisieren. Sie werden den "Teufel komm raus" tun, aber sie werden kein Geld verlieren. Sie finden einen Weg, und wenn da kein Weg ist, dann schaffen sie ihn.


Jetzt kommen wir zum Part, den wir nicht genau kennen und wo ich nur noch annehme:

Da Silber in Backwardation notiert, wird JP Morgan die theoretischen Verluste natürlich nicht realisieren. Sie wären schön dumm. Also werden sie das Risiko hedgen wollen. Nach dem Motto: Laß den Markt eine Weile machen, was er will, aber bitte ohne weiteres Risiko für uns. Wir wissen, daß er in Zukunft wieder runter kommt, und wir haben alle Zeit der Welt.

Problem: Um das Risiko zu hedgen, müssen sie eine riesige Position Call-Optionen kaufen. Die kostet eine Stange Geld - und simsalabim - JP Morgan ist im Moment nicht liquide genug für eine solch große Hedge-Position. Schließlich sind sie gerade tiefrot im Minus.

Also was machen? Sie berufen eine Notfallsitzung ein und erklären den Beteiligten: Wenn Silber weiter steigt, dann kriegen wir 'nen klassischen Margin-Call. Wenn JP Morgan als größter Silber-Händler pleite geht, haben wir eine Bankenkrise, gegen die 2008 Kindergarten war. Vorschlag: Ihr leiht uns das Geld, damit wir den Margin-Call abwenden können, der dem System das Genick bricht. Ihr kriegt das Geld zurück, wenn der Markt sich wieder beruhigt hat.

Gesagt, getan. Diskutiert werden mußte nur der Preislevel der Hedge-Position, denn davon hängt die Größe der notwendigen Finanzspritze ab.


Wie wir jetzt wissen und wie der Optionsmarkt bestätigt, liegt der Level bei besagten 75 Dollar. JP Morgan ist damit aus dem Risiko raus. Für jeden, der auf weiter steigende Preise spekuliert, weil JP Morgan auf massiven Verlusten sitzt, sollte das ein großes rotes Warnschild sein. Von JP Morgan kommt jetzt jedenfalls kein Druck mehr. Wenn dieser Druck jedoch weg ist, haben wir es - sehr überspitzt formuliert - nur noch mit Hausfrauen, Frisören und Taxifahrern zu tun. Mit denen hat man seit jeher leichtes Spiel.

Wo ist der Bezug zum physischen Gold?

Martin @, Samstag, 03.01.2026, 09:38 vor 1 Tag, 18 Stunden, 46 Min. @ Radegast 862 Views

Hallo Radegast,

erst einmal vielen Dank für die ausführlichen Beiträge. Derivate-Handel ist nicht so mein Metier, nach ersten Versuchen habe ich seinerzeit schnell die Finger davon gelassen.

Gut, mein Verständnis aus Deinen Worten ist, dass da ein Deckel mittels großer Verkaufsoptionen eingezogen wurde. Alles Papier? Wo ist aber der Bezug zu physischem Silber? Gab es das zu diesen Preisen nicht?

Schaue ich bei Degussa nach, dann liegt dort der Unzenpreis umgerechnet und o. MwSt. bei 83$/Feinunze. Im Zollfreilager der Schweiz liegt der Preis umgerechnet ungefähr bei 78 €/Feinunze.

Hätte man gestern zeitweilig die Feinunze Silber an der Comex physisch zu 72 € bekommen können?

Von Shanghai wurden deutlich höhere Aufschläge für physisches Silber behauptet. Wo findet man die physischen Handelszahlen?

Gruß
Martin

Nicht viele Antworten

Radegast @, Balgurische Schwarzmeerküste, Samstag, 03.01.2026, 09:57 vor 1 Tag, 18 Stunden, 28 Min. @ Martin 861 Views

Die meisten deiner Fragen kann ich dir auch nicht beantworten. Wenn es stimmt, daß JP Morgan im Hintergrund eine riesige Position physisches Silber zu gedrückten Preisen aufgebaut hat, dann gibt es für mich eigentlich nur eine Antwort.

Sie sind zu gierig und wollen aus beidem maximalen Profit schlagen. Wie ich schon sagte, sie werden den Teufel tun und einen Verlust akzeptieren. Alles, aber gewiß nicht das.

Radegast: JPM geht long und short gleichzeitig und will mit beiden Positionen Geld verdienen

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Samstag, 03.01.2026, 10:17 vor 1 Tag, 18 Stunden, 8 Min. @ Radegast 845 Views

Hallo Radegast,

das ist aber ein komisches Verhalten oder?

Wenn ich auf Preisanstieg spekuliere, gehe ich long.
Wenn ich auf Preisverfall spekuliere, gehe ich short.

Aber spekulativ beides gleichzeitig eingehen?
Das kostet doch viel Geld, oder?

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Beide Fragen: Antwort ist "ja". Verliere ich die Nerven oder weiß ich, wie das Spiel gespielt wird?

Radegast @, Balgurische Schwarzmeerküste, Samstag, 03.01.2026, 10:41 vor 1 Tag, 17 Stunden, 44 Min. @ paranoia 826 Views

bearbeitet von Radegast, Samstag, 03.01.2026, 10:54

Wie hieß das aktuelle Geldsystem gleich so zutreffend?

Fiat-System?


Der Knackpunkt ist vielmehr der: Wenn ich die physischen Positionen bei diesen Preisen auflösen will, dann ist das praktisch unmöglich. Der Markt ist nicht breit genug und wenn tatsächlich 200 Millionen Unzen im Raum stehen, dann dauert das 1-2 Monate, um die aufzulösen. Bedeutet, wenn ich über so massive Positionen verfüge, habe ich sogar ein Interesse daran, daß der Preis hoch bleibt, weil ich die große Position in einer einzigen Woche o.ä. gar nicht auflösen kann. Auch für dieses Szenario ist es äußerst hilfreich, wenn ich den Markt irgendwie bei so hohen Preisen pinnen kann.

Andererseits weiß ich genau, daß der Markt in 6-12 Monaten wieder auf sein normales Niveau fallen wird und ich meine Papier-Short-Positionen dann auch mit Profit schließen kann. Ich muß nur warten, bis sich die Backwardation wieder in eine normale Forward-Notation dreht. Das dauert eine Weile.

Jetzt ist die große Frage: Verliere ich die Nerven oder weiß ich, wie das Spiel gespielt wird?

Oder bin ich vielleicht sogar Spielmeister?

Müssen die physischen Positionen aber über den Markt aufgelöst werden?

Martin @, Samstag, 03.01.2026, 11:10 vor 1 Tag, 17 Stunden, 15 Min. @ Radegast 731 Views

Wenn der Hunger nach Physischem in der Industrie so groß ist, dass China Exporte stark reguliert und anscheinend Firmen (z.B. Samsung) schon Minen aufkaufen, Silber auch direkt von den Minen aufgekauft wird, dann wäre es doch denkbar, dass auch JP Morgan seine Positionen an Rohstoffbörsen vorbei auflöst - bei nicht öffentlichen Preisvereinbarungen. Wie würde das auf die Futures wirken?

Müssen sie nicht

Radegast @, Balgurische Schwarzmeerküste, Samstag, 03.01.2026, 11:56 vor 1 Tag, 16 Stunden, 29 Min. @ Martin 660 Views

Müssen sie nicht, doch egal wo, es gelten überall die gleichen Marktgesetze und entsprechend gibt es über jeden Markt entsprechende Arbitrage-Möglichkeiten. Ist halt nur eine Frage des Spreads bzw. des Abschlags. Ist der groß genug, findest du Interessenten.

Außerbörsliche Trades laufen ab wie jeder andere OTC-Trade. Jeder legt seine eigenen Bedingungen fest und jeder darf machen, was er will. Mit etwas Verzögerung schlägt sich sowas dann wieder in den Futures-Preisen nieder.

Martin: "Silber auch direkt von den Minen aufgekauft wird"

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Samstag, 03.01.2026, 12:46 vor 1 Tag, 15 Stunden, 39 Min. @ Martin 662 Views

Hallo Martin,

Wenn der Hunger nach Physischem in der Industrie so groß ist, dass China Exporte stark reguliert und anscheinend Firmen (z.B. Samsung) schon Minen aufkaufen, Silber auch direkt von den Minen aufgekauft wird, dann wäre es doch denkbar, dass auch JP Morgan seine Positionen an Rohstoffbörsen vorbei auflöst - bei nicht öffentlichen Preisvereinbarungen. Wie würde das auf die Futures wirken?


Du schreibst:
"Silber auch direkt von den Minen aufgekauft wird,"

Meinst Du das ernst, oder ist das ein Schreibfehler?

Deine Szenario-Beschreibung ist leider unvollständig!
Du müsstest schon genauer beschreiben, welche Positionen Du JP Morgan unterstellst.
Schau' mal in den letzten Geschäftsbericht von JP Morgan und suche nach den Worten "gold" und "silver".
[[la-ola]]

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Das war zumindest irgendwo erwähnt worden

Martin @, Samstag, 03.01.2026, 13:04 vor 1 Tag, 15 Stunden, 21 Min. @ paranoia 566 Views

Hallo paranoia,

dass Minen ihr Silber direkt an Endkunden (Großkonzerne?) verkaufen, klingt für mich nicht unplausibel, sehe da gerade keinen Pferdefuß. First come, first serve.

Das hat direkt mit JP Morgan nichts zu tun. In deren Geschäftsbericht habe ich bisher nicht reingeschaut. Aber in diesem Bericht steht nichts zu Gold und Silber: https://www.jpmorganchase.com/content/dam/jpmc/jpmorgan-chase-and-co/investor-relations...

Im SEC 13F-Filing steht aber zumindest, dass sie an einigen Silberminen beteiligt sind.

Aus all dem kann ich aber keine substantiellen Schlüsse ziehen.

Martin: "Silber auch direkt von den Minen aufgekauft wird" - II

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Samstag, 03.01.2026, 13:14 vor 1 Tag, 15 Stunden, 11 Min. @ Martin 666 Views

bearbeitet von paranoia, Samstag, 03.01.2026, 13:17

Hallo Martin,

Hallo paranoia,

dass Minen ihr Silber direkt an Endkunden (Großkonzerne?) verkaufen, klingt für mich nicht unplausibel, sehe da gerade keinen Pferdefuß. First come, first serve.

Ja, unbestritten, aber Du schriebst ja "Silber auch direkt von den Minen aufgekauft wird", das ist ja das Gegenteil von Verkauf an Endkunden.

Das hat direkt mit JP Morgan nichts zu tun. In deren Geschäftsbericht habe ich bisher nicht reingeschaut. Aber in diesem Bericht steht nichts zu Gold und Silber: https://www.jpmorganchase.com/content/dam/jpmc/jpmorgan-chase-and-co/investor-relations...

Im SEC 13F-Filing steht aber zumindest, dass sie an einigen Silberminen beteiligt sind.

Aus all dem kann ich aber keine substantiellen Schlüsse ziehen.

Ja, vollkommen richtig! Deswegen habe ich auf das Dokument verwiesen. Die Primärquelle, nämlich der Geschäftsbericht, enthält nichts dazu.
Aber das Internet ist voll von Geschichten über die Positionen von JP Morgan. :-)

Wenn Du keine Information über die Positionen von JP Morgan unterstellst, kann ich Dir nicht sagen, wie sich deren Liquidation auf die Preise auswirkt.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Au weia, das war doppeldeutig

Martin @, Samstag, 03.01.2026, 13:39 vor 1 Tag, 14 Stunden, 46 Min. @ paranoia 596 Views

Jetzt verstehe ich Deinen Einwand. Ich meinte, dass Silber (durch Endkunden) von den Minen aufgekauft wird, nicht dass die Minen aufkaufen. Naja, das kann man sicher eindeutiger ausdrücken.

Zu den Gerüchten über den Silberbestand bei JP Morgan will ich gar nicht spekulieren, auch nicht darüber, ob ein Geschäftsbericht dies erwähnen müsste. "Assets" sind über 700mal erwähnt, diese habe ich nicht durchgeschaut, aber mir scheint, dass diese nicht aufgeschlüsselt sind. Es gibt aber eine Menge "Assets in custody", was zur Aussage passen könnte, dass JP Morgan Silber für ETFs lagert. Aber eigentlich wollte ich nur darauf hinweisen, dass wer große Mengen Silber an den Mann bringen will, auch andere Möglichkeiten haben müsste, als über den normalen Handel. Ich bin ja kein Experte in Future-Handel, aber ich nehme an, dass sich die Futures nur an den Börsenpreisen orientieren.

Silber-Backwardation - wo denn?!

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Samstag, 03.01.2026, 13:49 vor 1 Tag, 14 Stunden, 36 Min. @ Radegast 765 Views

bearbeitet von paranoia, Samstag, 03.01.2026, 14:01

Hallo Radegast,

ich sehe keine Backwardation auch wenn die Kasse gerade mal teurer ist als der nächste Kontrakt.

Entgegen der bei Gabler formulierten Definition

https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/backwardation-28890

gucke ich auf die Terminpreiskurve:

https://www.cmegroup.com/markets/metals/precious/silver.settlements.html

Wie hieß das aktuelle Geldsystem gleich so zutreffend?

Fiat-System?

Ich würde mich freuen, Du beim Thema bleiben könntest!

Der Knackpunkt ist vielmehr der: Wenn ich die physischen Positionen bei diesen Preisen auflösen will, dann ist das praktisch unmöglich.

Aus welchem Grund sollte JP Morgan ein physisches Silberlager erworben haben und es gleichzeitig auf Termin verkaufen?

Könnte es bei den "physischen Positionen" nicht auch um etwas anderes handeln?

Der Markt ist nicht breit genug und wenn tatsächlich 200 Millionen Unzen im Raum stehen, dann dauert das 1-2 Monate, um die aufzulösen.

200 Millionen Unzen entsprechen 40.000 Kontrakten.

aktuelles tägliches Handelsvolumen im März-Future 2026: über 100.000 Kontrakte:

https://www.cmegroup.com/markets/metals/precious/silver.settlements.html

Bedeutet, wenn ich über so massive Positionen verfüge, habe ich sogar ein Interesse daran, daß der Preis hoch bleibt, weil ich die große Position in einer einzigen Woche o.ä. gar nicht auflösen kann. Auch für dieses Szenario ist es äußerst hilfreich, wenn ich den Markt irgendwie bei so hohen Preisen pinnen kann.

Andererseits weiß ich genau, daß der Markt in 6-12 Monaten wieder auf sein normales Niveau fallen wird und ich meine Papier-Short-Positionen dann auch mit Profit schließen kann. Ich muß nur warten, bis sich die Backwardation wieder in eine normale Forward-Notation dreht. Das dauert eine Weile.

Du meinst, Terminkurve im Contango? Aber dann kostet das Überrollen der Futures doch Geld?! [[top]]

Jetzt ist die große Frage: Verliere ich die Nerven oder weiß ich, wie das Spiel gespielt wird?

Oder bin ich vielleicht sogar Spielmeister?

Radegast, irgendwie sind diese Sprüche themenfremd... :-(

Ich erzähle Dir jetzt, wie einfach JP Morgan aus einer physischen Long-Position und einem Börsen-Short herauskommt:

0. Zu einem der zugelassenen Barrenhersteller gehen und das Silber umschmelzen lassen
1. Das Silber in ein Comex-Warenhaus einliefern
2. Lieferung in den März-Kontrakt anzeigen

Liegt die physische Position schon im Comex-Warenhaus, ist nur Schritt 2 erforderlich.
Liegt die physische Position in Form von zugelassenen Barren außerhalb des Comex-Lagers, ist Schritt 1 und 2 erforderlich.
Entspricht die physische Position nicht den Comex-Spezifikationen, ist Schritt 0,1 und 2 erforderlich.

Mehr nicht.

Hinter der "physischen Position" könnte sich aber noch etwas anderes verbergen...
Was wir sehen, könnte die Manifestation eines Liquiditätsrisikos aufgrund starker Preisschwankungen (Aufwärtsbewegung) sein. Harmlos, es braucht halt jemanden, der der Börse Sicherheiten stellt, Cash oder US-Staatspapiere, Bills, Notes oder Bonds.

Es gibt aber auch noch ein schlimmeres Szenario. Daran ist eine deutsche Aktiengesellschaft zerbrochen.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Die Metallgesellschaft und Heinz Schimmelbusch im Herbst 1993, damals Ölkontrakte. (mTuL)

DT @, Samstag, 03.01.2026, 18:33 vor 1 Tag, 9 Stunden, 52 Min. @ paranoia 638 Views

https://www.capital.de/wirtschaft-politik/der-crash-der-metallgesellschaft

Tja, Futures und Derivate können einem leicht das Genick brechen.

Siehe auch der gute Adolph Merckle im Januar 2009, fast auf den Tag genau 17 Jahre her, als er sich bei Blaubeuren-Weiler nicht weit von seinem Anwesen vor den Zug warf, weil die Spekulation mit kurzlaufenden VW Puts nicht aufging, damals in der Finanzkrise vom Herbst 2008. Remember, die VW Aktie stieg damals auf 1000 EUR:

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nach-pleite-mit-vw-aktien-adolf-merckle-begeht-s...

"Der öffentlichkeitsscheue Unternehmer war im November 2008 in die Schlagzeilen gekommen, als bekannt wurde, dass er mit Aktienspekulationen Millionen verloren hatte. Merckle selbst taxierte seine Verluste durch Wetten auf einen fallenden Kurs der Volkswagen-Aktie auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag, in Bankenkreisen war aber bis zuletzt auch von einer Milliarde die Rede.

Die Fehlspekulationen kamen zu einem Zeitpunkt, da das Merckle-Imperium ohnehin in großen Schwierigkeiten war, vor allem mit dem Kauf der Mehrheit an Heidelberg-Cement hatte sich Merckle verhoben. Auf seiner Unternehmensgruppe lasteten etwa 16 Milliarden Euro Schulden. Merckle befand sich seit Monaten in harten Verhandlungen mit seinen Gläubigerbanken, die ihn zum Verkauf von Rathiopharm drängten."

Silber -Die Metallgesellschaft ist ein wunderbares Beispiel dafür, was aus gehedgten Positionen erwachsen kann

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Samstag, 03.01.2026, 20:52 vor 1 Tag, 7 Stunden, 33 Min. @ DT 624 Views

Hallo Foristen,

Der Kapitalmarkt ist da am interessantesten, wo es stinkt und kracht!

Alle, die glauben, JP Morgan oder irgendeine edelmetallaktive Bank seien in immensen Größenordnungen Silber netto short gewesen, sollten nun mit dem Lesen hier aufhören und die Sendung mit der Maus gucken.

Nettopositionen - Spot/Termin, börslich/OTC

Zum Verständnis muss man wissen, woraus sich sogenannte Nettopositionen zusammensetzen:

Es gibt Spot- bzw. Kassamärkte. Das können Märkte sein, sein wo Produzenten und Großhändler handeln und Waren mit kurzfristiger Lieferung gegen Geld tauschen.
Das kann aber auch eine Veranstaltung wie die LBMA in London, wo Banken handeln und dann irgendwelche Fixings (ein Reizwort! :) veröffentlichen, aber die LBMA ist leider für mich eine Blackbox.
Wer Short geht, z.B. als LBMA-Mitglied, muss aber auch liefern können, sich also Silber leihen können. Ein Silberleihemarkt ist also erforderlich für spekulative Teilnahme am Kassamarkt, ansonsten werden halt nur munter eigene vorhandene Bestände hin- und hergeschoben.

Es gibt neben den Spot-Märkten aber eben auch Terminmärkte, wie z.B. die Comex mit ihren normierten Kontrakten. Undurchsichtig für uns (Klein-Ernas) sind aber andere Derivatemärkte, wie z.B. der OTC-Markt mit seinen handgeschnitzten Derivateverträgen nach Kundenwunsch.

börsliche Terminmärkte - Futures-Kontrakte substituieren Preisrisiken durch Liquiditätsrisiken

Große Preisverschiebungen bei Basiswerten ziehen im große Liquiditätsverschiebungen (von den Verlierern an die Gewinner) nach sich.

Wenn ein reiner Silberproduzent (es heißt ja immer, Silber würde überwiegend als Nebenprodukt bei der Förderung anderer Metalle anfallen), dessen wirtschaftliche Existenz von der Entwicklung des Silberpreis abhängt, seine absehbare Produktion auf mehrere Jahren unter Nutzung von Silber-Futures absichert und der Silberpreis dann von 50 auf 75 USD ansteigt, dann muss er den negativen Marktwert seiner Kontrakte (die können nur mit Verlust durch Kauf von Silberfutures zum gestiegenen Preis glattgestellt werden) bar ausgleichen.
Soviel Geld kann der Silberproduzent aber gar nicht aufbringen.

Die Alternative für die Silbermine besteht darin, entweder Verkaufsoptionen auf Silber oder Silberfutures zu kaufen (da ist das Verlustpotenzial auf die Prämie beschränkt) oder zu einer Bank zu gehen und sein Silber in Form eines Derivatekonstrukts abzusichern, bei der die Bank nicht die Möglichkeit hat, Liquidität von der Mine nachzufordern. Diese Asymmetrie bei der Liquidität zu Lasten der Bank birgt für diese ein Risiko, was sie sich entsprechend bezahlen lassen muss.

Die Bank muss sich natürlich vergewissern, dass die Mine über entsprechende Reserven verfügt und die Fähigkeit, diese zu fördern (da kommt ein Minenarbeiterstreik höchst ungelegen...).

Mein Szenario für die Entwicklung am Silbermarkt

Der oder die betroffenen Banken sind, was den Silberpreis angeht, netto "flat" (ausgeglichen = null Position in Bezug auf Preisschwankungen beim Silber).

Der starke Silberpreisanstieg verursacht aber ein Liquiditätsproblem - sie müssen nachschießen, aber aus OTC-Derivaten fließt vertragsgemäß kein Cash nach!

Ein Lösung bestünde darin, dass der oder die Banken für Liquidität Anteile an ihren werthaltigen OTC-Derivatepositionen in Silber abtreten.
Das entspräche einer Vergabe einer besicherten Liquiditätslinie an eine Bank - normalerweise sind es ja Banken, die Liquiditätslinien bereitstellen.

Thema Merckle

Merckle war Presseberichten nach nicht gehedgt, er war Spekulant, als ein ganz langweiliger Fall.

Thema AIG

Der größte Sprengstoff liegt sowieso in gehedgten Positionen (z.B. für die Kontrahenten der AIG).
AIG selber war selber in der Spekulantenrolle, hatte für die geschriebenen Versicherungen in der Verpackung von CDS (=Credit Default Swaps) dem Vernehmen nach sich in keiner Form anderswo versichert.

AIG war Risikonehmer, hatte "Protection verkauft" (Fachsprache aus der CDS-Welt), erhält dafür vierteljährliche Prämien.
Die Gegenseite, vermutlich überwiegend Banken, bezahlte diese Prämie für den Ausfall der versicherten Risiken (sogenannte "Credit Events").

AIG machte die Grätsche und die Kontrahenten von AIG mussten über Nacht die entfallenen Versicherungen anderswo ersetzen.

Die neuen Kontrahenten hatten das natürlich mitbekommen, und prompt explodierten die CDS-Spreads damals, zu Lasten der Banken, die sich "neu versichern" (Protection kaufen) mussten - von wegen "die Bank gewinnt immer"...

AIG hatte übrigens nicht nur CDS abgeschlossen, sondern auch Zinsswaps.

Ein solches Vorkommnis wird auch branchentypisch "replacement risk" genannt.

Thema Metallgesellschaft

Die offensichtliche gar nicht dumme Autorin, Frau Dr. Heldt, hat das ein Top-Stichwort zu dem
Begriff geliefert, obwohl sie selbst in einem ganz anderen Segment der Finanzbranche tätig ist:

https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/backwardation-28890

Der Fall Metallgesellschaft ist einfach beschrieben: Die Metallgesellschaft hatte Öl-Lieferverpflichtungen aus OTC-Derivaten (war also OTC-short), die sie durch Ölterminkäufe im Nearby-Kontrakt (nächste fällige Terminkontrakt) abgesichert hatte. Diese wurden bei Kontraktfälligkeit übergerollt. Typischerweise war der Markt in Backwardation (Terminkurve fallend, Überrollen bringt Gewinn), ging aber dann aber in Contango (Terminkurve steigend, Überrollen verursacht Verluste).

Als der Fall Metallgesellschaft ruchbar wurde, sagte mir der Herausgeber einer Terminmarktzeitung:
"Der Kontrahent der Metallgesellschaft ist ausgefallen!"

Damit saß die Metallgesellschaft auf Hedge-Verlusten, die nicht mehr durch OTC-Geschäfte kompensiert wurden. Für die Contango-Situation besaß die Metallgesellschaft eine Liquiditätslinie zur Überbrückung der also selten angesehenen Contango-Situation. Diese war geplanter Bestandteil des Managements von "Contango-Risiko". Diese Linie wurde aber in der Krise nicht gezogen - warum eigentlich nicht?!


Beispiel Weizen

Risikohinweis: von Agrar habe ich definitiv keine Ahnung!

Ein Pfälzer Bauer findet die Weizenpreise an der MATIF in Paris auskömmlich und sichert seine erwartete Ernte durch Verkauf eines September-Weizen-Futures ab. (Ich weiß nicht, wann Weizen geerntet wird...)

Eine Woche später verwüstet ein Hagelsturm / eine unerklärliche Häufung von Kornkreisen / der mangelnde Regen / zuviel Regen? / eine Gruppe von Braunkohledemonstranten, die auf seinen Feldern campen / Polizei, die die Camper von seinen Felder entfernt, seine Ernte zu großen Teil.

Der pfälzische Bauer, der sich doch gehedgt hatte, ist plötzlich "naked short".
Zwischenzeitlich hat sich der September-Weizen an der MATIF verdoppelt, denn er und seine Nachbarn müssen verlustträchtige Hedge-Geschäfte eindecken.

Dieses Beispiel nur am Rande, wie Hedges explodieren können...

Gruß
paranoia

P.S.: Bei der Gelegenheit möchte ich dem verstorbenen Jürgen Küßner gedenken, der diese Plattform begründete und Manipulation und verschwörungstheoretische Ansätze immer weit von sich wies.
Ihm widme ich diesen Artikel!

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Sorry, hatte zweimal €, statt $ geschrieben, also einmal 78$ und einmal 72$ ist richtig owT

Martin @, Samstag, 03.01.2026, 10:22 vor 1 Tag, 18 Stunden, 3 Min. @ Martin 649 Views

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