Hilferuf - Wetter

helmut-1 @, Siebenbürgen, Donnerstag, 18.06.2020, 17:36 vor 2051 Tagen 5879 Views

Seit 3 Wochen regnet es bei uns täglich. Nicht andauernd, auch nicht mit extremen Wolkenbrüchen, aber penetrant. Mindestens einmal am Tag kommts dicke, oft auch mehrmals täglich. Die Bauern können kein Gras mähen, das steht schon teilweise über 1 m hoch, bald wird es umfallen. Mähen, trocknen und Heu machen, - ist nicht, geht nicht. Würde man mähen, würde die Maht verfaulen.

Man kann schon trübsinnig werden:

https://ibb.co/qrX84yR

https://ibb.co/Pt3Z34x

https://ibb.co/nc6gp4K

Deshalb schicke ich meinen Hilferuf in Form eines Gebets nach Schweden:

Heilige Greta, bitt für uns! Schick uns die Hitze und Trockenheit, die Du uns versprochen hast!

Noch zwei Tage, und dann werden diese Tage wieder kürzer, und dadurch auch die Sonnenstunden, auf die wir sehnlichst warten. Ich will wieder mal schwitzen, bis mir der Saft in den Hintern rinnt!

Hatten wir ja schon mal, diese Probleme, aber wir vergessen drauf:

https://www.youtube.com/watch?v=KzEOvyDcVas

Da hilft Beten wohl kaum

Linder, Donnerstag, 18.06.2020, 19:04 vor 2051 Tagen @ helmut-1 3617 Views

Die 1. Mahd war bei uns in Bayern vor 4 Wochen. Das ist lange her...
Seither hat das Gras aufgrund des Regens gut angeschoben und ist bereits wieder 20...30 cm hoch.
Warum lasst ihr euer Gras so lange stehen? Seid ihr auf spezielle Samen, Kräuter, o.ä. scharf, oder was ist der Grund dafür?

--
◇◇◇ GENESEN - GELACHT - GELOCHT ◇◇◇

Zu Rudi Carells Zeiten wurden uns schlimme Dinge angekündigt.

Ulli Kersten, Donnerstag, 18.06.2020, 19:08 vor 2051 Tagen @ helmut-1 3879 Views

Als das verlinkte Musikstück entstand, war es oft feucht und kühl, dann kam noch die Schneekatastophe 1978/79, als bei minus 25 sogar die Panzer der Bundeswehr im Schnee steckenblieben.

Zu jener Zeit erzählten uns die Wissenschaftler, die es wissen mussten, dass eine neue Eiszeit bevorstehe. Wir versuchten, unsere Flucht durch Kurse in Italienisch und Portugiesisch vorzubereiten. Aber dann kam die Rettung.

Wir saßen durchgefroren im Nieselregen am See, das Lagerfeuer wollte nicht brennen, als einer erzählte, was im Radio gebracht wurde:

Es würde in nur wenigen Jahren in die Gegenrichtung gehen, sagten mehrere Wissenschaftler, das Klima werde sich ändern, und um die Jahrtausendwende würden auf Sylt Palmen wachsen. Damit war die Stimmung gerettet und wir waren froh. Ich glaube, wir haben sogar gejubelt.

Nun sind 40 Jahre vergangen, und viele Leute fahren immer noch freiwillig im Sommer ans Mittelmeer statt nach Sylt.

Hallo Helmut,

Jacques, Donnerstag, 18.06.2020, 20:05 vor 2051 Tagen @ helmut-1 3421 Views

bearbeitet von Jacques, Donnerstag, 18.06.2020, 20:09

Ja, die Grosswetterlage hält an und sorgt für Waschküchenwetter, mal mehr mal weniger. Die typische Sommer und stabile Omega Lage ist noch weit weg. Ab Anfang nächster Woche scheint sich ein grossräumiges Hoch über Mitteleuropa zu etablieren, Rumänien profitiert vermutlich, weil es an der Vorderseite des Hoch liegt und kontinentale Winde trockene Luftmassen einschieben. Also ab dem 25,/26. sollte es bei euch stabiler und deutlich trockener werden. Aber nicht sehr lange. Die Woche darauf schon wieder Tiefdruck bestimmtes Wetter mit feuchter Luft aus der Ägäis...

Es hofft mit dir ein Segelflugpilot, der aus anderen Gründen auf besseres Wetter hofft.
Grüsse

Aus frischem Gras kann man Silogras machen (mL)

Reikianer @, Donnerstag, 18.06.2020, 20:20 vor 2051 Tagen @ helmut-1 3093 Views

bearbeitet von Reikianer, Donnerstag, 18.06.2020, 20:31

Hallo Helmut,

Nicht nur Mais lässt sich silieren - wenn man es hinbekommt, das mit angewelktem Gras zu machen, soll es den Tieren besser als Heu schmecken:

https://www.landwirt.com/Forum/248127/Gras-Silo-frisch-oder-angewelkt-anlegen-.html

MfG

@Meph: Wenn das Monstrum frisches, nasses Gras trocknen kann, werden allein die Energiekosten wahrscheinlich den Wert des Heus übersteigen, oder? Und die Kosten für die Investition sind wohl nur in Ausnahmefällen (sehr großer Biobetrieb, der 100% Weide-/Heumilch anbietet o.ä.) wieder reinzuholen imo.

Früher gab es diese Trocknungsanlagen hier Richtung Allgäu überall

Mephistopheles, Donnerstag, 18.06.2020, 20:50 vor 2051 Tagen @ Reikianer 3146 Views

bearbeitet von Mephistopheles, Donnerstag, 18.06.2020, 20:56

https://www.google.com/search?source=hp&ei=r6XrXquWEKT1qwGb9K7wDw&q=trocknung+a...

Man konnte nicht ins Allgäu fahren, ohne an mindestens einem Dutzend laufenden Trocknungsanlagen vorbeizukommen. Man erkannte sie an den Dampfwolken. War aber ums Jahr 2000, wo ich ein paar Jahre im Allgäu gearbeitet hatte. Im Allgäu ist Milchwirtschaft. Habe mich auch gewundert, wie das kostenmäßig geht. Kann aber sein, wie das immer der Fall ist, wenn die Bäuerle was machen, dass das das Land Bayern bezuschusst hat. Ebbes genauis woiß i net.

Hier, wo ich jetzt wohne, wird Dreifelderwirtschaft betrieben. Ein Jahr Mais, das nächste Jahr Raps, das dritte Jahr Wiese. Und wieder von vorne.

Gruß Mephistopheles

Bei uns in Norddeutschland herrscht Dürre. Mittlerweile 150 Liter/m² Defizit. Morgen kommt zum Glück Regen. [ot]

Steppke, Donnerstag, 18.06.2020, 21:57 vor 2051 Tagen @ helmut-1 2859 Views

Konvergenzzone diagonal über Europa

Ostfriese @, Donnerstag, 18.06.2020, 22:27 vor 2051 Tagen @ Steppke 3612 Views

Hallo Steppke,

mein 2 Monate zurückliegender Beitrag 'Aprilwetter im April ade!' bleibt inhaltlich weiter gültig.

Der Meteorologe Sven Plöger führt auf dem roten Sofa im „Das Abendstudio!“ des NDR am 20.06.2020 zwischen 04:40 und 05:50 aus:

"Dass sich das häuft, lässt sich auch erklären. Das arktische Eis, das zieht sich zurück, damit werden die polaren Gebiete wärmer. Damit nehmen die Temperaturunterschiede zwischen Äquator und Pol ab. Damit braucht es weniger Ausgleichströmung in der Höhe, im Mittel weniger Wind in der Höhe - der berühmte Jetstream, der wird im Mittel schwächer, und der bestimmt, was die Hochs und Tiefs am Boden machen. Und wenn der Jetstream schwächer ist, dann sind die Hochs und Tiefs langsamer. Wenn ein Hoch lange bei uns ist: Hitze Dürre im Sommer, wenn ein Tief lange bei uns ist: Regen - wie im sehr nassen Sommer 2017. Das langsamere Ziehen der Hochs und Tiefs macht das Wetter extremer und was ist ja auch eigentlich die Essenz der Wissenschaft ist. Es wird nicht irgendwo irgendwie wärmer, sondern die Zirkulation, d.h. die Transporte von Energie und Strömen verändern sich."

Die heißen langandauernden und sehr trockenen Sommer der Jahre 2018 und 2019, die heute noch in Verbindung mit dem sehr trockenem April / Mai 2020 für extreme Trockenheit auch in 1,5 Meter Bodentiefe und damit für das Absterben vieler der tiefwurzelnden Bäume verantwortlich waren, sind Folge der typischen Omega-Wetterlagen. Optimale Kombinationen von mehreren Druckgebieten über Europa erzeugen langandauernde und von NL nach RO langgezogene Konvergenzzonen von Süd-Ost nach Nord-West diagonal über den Kontinent: am 28. Juli 2014 in Münster mit 240 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in wenigen Stunden mit hohen wirtschaftlichen Schäden und gegenwärtig mit 70 Liter unproblematischem Niederschlag an mehreren Tagen, wobei das System gleichzeitig über DE von Süd-West nach Nord-Ost mit viel zu wenig Niederschlag im Nordosten schwingt.

Gruß - Ostfriese

Einfach zu erklären

helmut-1 @, Siebenbürgen, Freitag, 19.06.2020, 13:30 vor 2050 Tagen @ Linder 2279 Views

Nur diejenigen, die Viecher haben machen Heu. Die haben aber nicht nur 5 Stk. sondern ein paar hundert. Derjenige, der nur eine Kuh im Stall hat zur Selbstversorgung, der hat da keine Probleme. Also, die mit den vielen Viechern haben zwar zur üblichen Zeit angefangen, zu mähen, und Heu zu machen, und bei den verbliebenen Flächen hat sie eben der Regen erwischt. Diese Flächen sind dann eben schon überständig, ist ja klar.

Da kommt natürlich was Wesentliches dazu

helmut-1 @, Siebenbürgen, Freitag, 19.06.2020, 13:36 vor 2050 Tagen @ Reikianer 2217 Views

Mit dem Ableben von Ceaucescu hat man auch die berufsbildenden Schulen auslaufen lassen. Man kann keine Lehre mit 3-jähriger Lehrzeit hier machen, egal n welchem Beruf. Anstelle gibts irgendwelche Schnellkurse so über max. 6 Monate, und dann schimpfen sich diese Leute Facharbeiter.

Genauso hat man die Landwirtschaftsschulen auslaufen lassen, und gerade dort haben die Leute viel gelernt. Das bedeutet, die machen ihre Landwirtschaft so, wie es der Vater, der Opa und der Uropa gemacht hat, - Neuerungen sind da kaum drin. Wenn nicht einer im Ausland gearbeitet oder studiert hat, was Landwirtschaft betrifft, dan kommen da kaum neue Erkenntnisse.

Das wird naheliegende Gründe haben

helmut-1 @, Siebenbürgen, Freitag, 19.06.2020, 13:42 vor 2050 Tagen @ Mephistopheles 2212 Views

Strom ist hier noch in der Monopolstellung und sehr teuer. Deshalb wird wohl kaum einer eine Trocknungsanlage aufbauen, zumal das ja auch ein Ausnahmejahr ist, mit so viel Regen.

Sieht man auch an einem anderen Beispiel: In Deutschland gibts Obstbauern, die lagern ihr Obst nach der Ernte in irgendwelchen luftdichten Folienhäusern. Da wird dann ein Vakuum erzeugt, und die Früchte bleiben haltbar, faulen der runzeln nicht.

Kennt man nicht hier in RO, vielleicht auch wg. des Strompreises. Habe eine kräftige Vakuumpumpe hier zu einem sehr günstigen Preis angeboten (die bräuchte man für sowas), interessiert sich niemand dafür.

Also, entweder liegts an den fehlenden Kenntnissen, oder am Strompreis, oder an beidem.

Danke, eine nachvollziehbare Erklärung. oT

helmut-1 @, Siebenbürgen, Freitag, 19.06.2020, 13:42 vor 2050 Tagen @ Ostfriese 2157 Views

Zur Eisausdehnung an der Arktis Statistiken von der NASA

SevenSamurai @, Freitag, 19.06.2020, 15:12 vor 2050 Tagen @ Ostfriese 2525 Views

Ganz interessant, um ein Gefühl zu bekommon, was da passiert:

https://earth.gsfc.nasa.gov/cryo/data/current-state-sea-ice-cover

Wobei IMHO die allerletzte Grafik (Figure 8) falsch beschriftet ist.

--
"Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte:
weil sie damals (...)."
Henryk Broder

Danke für die Info, evtl. funktioniert das auch wegen der höheren Veredelung?

Reikianer @, Samstag, 20.06.2020, 16:56 vor 2049 Tagen @ Mephistopheles 1952 Views

bearbeitet von Reikianer, Samstag, 20.06.2020, 17:01

Interessant, kannte ich noch nicht. Da scheint es viele Genossenschaften und Höfe zu geben, die nur Gras und Heu verfüttern und aus der Milch ("Allgäuer Heumilch") Käse machen, scheint sich in dem Fall zu rechnen.
Würde ich jedem Landwirt empfehlen: das, was er auf seinem Land produziert, muss möglichst weit veredelt werden. In der Schweiz habe ich auf einer Art Jahrmarkt mal eine Familie aus Baden-Württemberg gesehen, die das Gras ihrer Wiese mithilfe von Ziegen in 12 Franken-Plundertaschen (gefüllt mit Bio-Ziegenkäse) verwandelt haben, die sie dort verkauften. Die fanden reissenden Absatz.[[top]]

Sind die denn lernwillig?

Reikianer @, Samstag, 20.06.2020, 17:36 vor 2049 Tagen @ helmut-1 1977 Views

bearbeitet von Reikianer, Samstag, 20.06.2020, 17:39

Englisch sprechen die meisten wohl nicht? Das interessanteste Thema im Bereich Landwirtschaft ist für mich "regenerative Landwirtschaft" (engl.: "regenerative agriculture").
Kurz beschrieben: bei der konventionellen und insbesondere bei der ökologischen Landwirtschaft werden u.a. durch Bodenbearbeitungsmassnahmen die Bodenorganismen geschädigt, was zu Humusabbau und immer schlechteren Böden führt, die weniger Ertrag bringen und immer mehr Dünger brauchen. Bei der regenerativen Landwirtschaft wird alles auf den Humusaufbau ausgerichtet, wobei berücksichtigt wird, dass der Landwirt natürlich weiterhin von seinem Land leben muss. Nach ein paar Jahren sind sogar höhere Ernten als in der konventionellen Landwirtschaft üblich, ohne Dünger und Pflanzenschutzmittel. Durch den höheren Humusgehalt verbessert sich auch die Wasseraufnahmefaehigkeit des Bodens, was zu weniger Erosion und besserer Speicherung von Niederschlägen führt.

Auf diesen Seiten findest Du mehr dazu:

http://regenerative-landwirtschaft.net/
http://www.freizahn.de/

Hatte mal was dazu geschrieben:
https://dasgelbeforum.net/index.php?id=504442

MfG

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