Katharina Grosse's künstlerische Interpretation der Hermeneutik

Ostfriese, Samstag, 13.06.2020, 15:38 (vor 2056 Tagen)2230 Views

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Katharina Grosse – mit Ateliers in Berlin und an einer abgelegenen Stelle der Westküste Neuseelands - verwendet für ihre riesigen, begehbaren Werke eine mit einem Kompressor betriebene Spritzpistole, mit der sie Spritzacrylfarben auf große Flächen bis in den Außenraum, kombiniert mit knalligen Farben in horizontalen und vertikalen Strukturen, übergreifend aufträgt. Böden und Decken werden mit zum Malgrund, Möbelstücke, Stoffe, Objekte und Gegenstände mit einbezogen. Sie erzeugt damit Gegensätze und Irritationen - die Illusion einer scheinbar falschen Wahrnehmung der Wirklichkeit.

In ihrer neuen Ausstellung 'It Wasn't Us' im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin vom 14.06.2020 bis 10.01.2021, die in 3sat Kulturzeit am 05.06.2020 vorgestellt wurde, verwendet sie gigantische Styroporkörper als Diener der Malfläche. Ihr Werk, das innen und außen und das 2- und 3-dimensionale zu überwinden scheint, ist Malerei, Skulptur und Installation in einem, und erstreckt sich jenseits des Museums über die Gebäudegrenze hinaus in den öffentlichen Raum auf das weitläufige Gelände hinter dem Museum, sowohl auf die Fassade als auch auf das Dach der Rieckhallen.

Sie sagt: "Ich habe mich immer dafür interessiert, wie das Bild in der Erscheinungsform sich auch mit der Umgebung verbindet. Und ich habe das auch immer als eine Bedingung und als Möglichkeit von Malerei gesehen, dass sie überall auftauchen kann. Das ist ja auch in der Malereigeschichte ständig so erfahrbar."

Für eine Ausstellung in der Kunsthalle Bern überschreitet sie zum ersten Mal die Begrenzung der Leinwand: ein in die Ecke des Ausstellungsraumes gesprühtes grünes Rechteck wird Wegweiser in die Mehrdimensionalität.

"Das gemalte Bild oder Farbe ist vollkommen ohne Bindung an einen Ort. Farbe kann überall sein, also die Tomate oder das rote Ampellicht oder der Pullover, die sind zwar alle rot, aber sind in unterschiedlichen Bereichen dann mit neuer Funktion behaftet - und dieses Verständnis davon ist der Grund und der Kern meiner Arbeit."

Zu der am 14. Juni beginnenden Ausstellung sagt sie: "Und dann gerät die Malerei darein und wird dadurch eben auch an manchen Stellen nicht sichtbar, weil sich die Form des Untergrunds davorwirft, verdeckt und so muss man ständig sich bewegen, um die vollkommene Oberfläche und das Ganze, was dort an Malerei auftritt, zu erfassen." … "Ich arbeite ja in einem Feld, das es ja auch schon gibt, in einem Strom, den ich aufnehme innerhalb der Malereigeschichte, die ja wirklich auch ein großer Fundus ist, und auch alles weiß, was ich tue. Ich arbeite praktisch an dieser kleinen Stelle wie so ein Staffellauf" … "Meine Methode ist, vielleicht ganz vereinfacht gesagt, dass ich eben die Willkürlichkeit der Abtrennungen oder der Abgrenzungen zwischen Objekten, zwischen Menschen, zwischen vielleicht drinnen und draußen bei diesen Dingen - die sehe ich gar nicht. Ich sehe da gar nicht, dass da Abtrennungen sind. Das sind willkürlich festgelegte Dinge."

Quelle: https://www.3sat.de/kultur/kulturzeit/it-wasnt-us-102.html

Indem sie 'sich auf’s Spiel setzt', zeigen die letzten Sätze, dass ihr künstlerisches Werk ein visualisierter Denkprozess im Sinne der Hermeneutik, die ja eine allgemeine Lehre über die Voraussetzungen und Methoden der Interpretation und Deutung der Wirklichkeit ist, darstellt.

Für Hans-Peter Dürr gibt es in der modernen Physik und darüber hinaus im Sinne der Schwingungsmetapher der hermetischen Philosophie kein unabhängiges Miteinander voneinander, sondern, dass alles von Anfang an miteinander verknüpft ist. In diesem Zusammenhang ist K. Endrussat's Beitrag, in dem er ausführt, dass er 'in der Quantenphysik alle Hermetischen Prinzipien wiedererkennen' könne, leider nicht mehr online.

Hans-Peter Dürr schreibt:

"Wirklichkeit offenbart sich primär nurmehr als Potentialität, als ein 'Sowohl-als auch', also nur als Möglichkeit für die uns vertraute Realität, die sich in objekthaft und der Logik des 'Entweder-Oder' unterworfenen Erscheinungsformen ausprägt. Potentialität erscheint als das Eine - oder besser: als das Nicht-Zweihafte, das sich nicht auftrennen, dass sich nicht mehr zerlegen läßt."

Während eines Klavierkonzertes wurde ihm bewusst, dass er derjenige selbst sei, der am Flügel sitzt und dass der Pianist seine Selbstmodellierung (Verkörperung) 'zum selben Zeitpunkt' war. Das scheinbar an zwei Orten gleichzeitig stattfindende Konzert kann als quantenmechanische Verschränkung des Geistigen verstanden werden.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=7KXzlw2Kvgw

In @Ashitakas Beiträgen, die sein Denken und Schreiben seit einigen Jahren widerspiegeln, sind die Grundlagen einer debitistischen Interpretation der Hermeneutik zu finden - seine Formulierungen können vielfach unausgesprochen im Sinne der Philosophie des Hermes interpretiert werden. "Im hermetischen Potential- bzw. Machtverständnis können wir uns bewusstwerden, dass das zukünftig Gegenwärtige nach denselben Prinzipien, jedoch umgekehrt skaliert, zur Gegenwart hin aufgeleitet werden kann." Sein Ziel ist, in der debitistischen Deutung des Phasenraumes der Verschuldung - und nicht nur dort - diese Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und darlegen zu können.

Katharina Grosse: "Die Geschichte, die ja auch weiß, was ich tue."

Larry Williams: "Trends are a function of time."

All is one - Ostfriese


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