Heiterkeit im Kleinwalsertal, Ernüchterung in Wien
Heiterkeit im Kleinwalsertal Ernüchterung in Wien
Der Kanzler reist zu seinem Volk. Freudig empfangen wurde unser aller Heil und Segen Sebastian I. (er lebe hoch!) im Kleinwalsertal. Ein wenig zu freudig nach dem Geschmack des harten Maßnahmensetzers. Im Gegensatz zu einem echten Kerl der sich vor über 2000 Jahren mit echten Elefanten ins Gebirge wagte, brachte er es nicht einmal fertig, seine virtuellen bis ins beschauliche Kleinwalsertal zu bringen. Die Besonderheit als einziger Ort Österreichs nicht über eine Straßenanbindung zum restlichen Land zu verfügen, brachte dem Dorf die Ehre des hohen Besuchs. Man erklärte die Kleinwalsertaler Einwohner zu besonders Traumatisierten, wegen der Grenzschließungen, und wollte dort ein paar fesche Bilder generieren. Das ging ja nun ordentlich in die Hose. Herrlich, man erfreue sich am Gelächter bei 2:50.
https://www.youtube.com/watch?v=Uyi6PiOPj3E&t=8s
Da ich mich mit lock down und social distancing nicht abfinden will, nicht nur weil mir die Anglizismen auf die Nerven gehen, sondern weil derlei Regelungen meinem Grundverständnis von Freiheit widersprechen, ging ich gestern demonstrieren. Bitte unterlasst es mir zu erklären wie sinnlos das den wäre, das weiß ich selber auch. Ich bin halt zu feig für Revolution, zu zornig für Kapitulation und zu dumm um zu erkennen das eine höhere Wahrheit uns alle…
Ein kleiner Bericht:
Die Demonstration wurde abgehalten von einer mMn. annehmbaren Initiative. Sie fand gestern um 17:00 Uhr am Ballhausplatz zwischen dem Bundeskanzleramt und der Präsidentschaftskanzlei statt. Ich würde schätzen es waren knapp 1000 Leue anwesend. In einer Aussendung des Kanzleramtes steht etwas von 500 Verschwörungstheoretikern und Extremisten, also schätze ich knapp 1000 für realistisch. Eine Ärztin sprach über leere Krankenhäuser und Angehörige die nicht zu ihren sterbenden Verwandten durften. Sie wirkte auf mich glaubhaft und ihr Bericht somit verstörend. Ein Innsbrucker Anwalt erklärte die Maßnahmen für überzogen, unverhältnismäßig und rechtswidrig. Wenn man schon am Anfang aus Unwissenheit drastische Einschränkungen verordnet hat, so ist aus heutiger Sicht ein Weiterführen der Beschränkungen in der Form nicht mehr nachvollziehbar. Ein weiterer Arzt erklärte das dauerhafte tragen von Masken für ungesund. Ein 82jähriger Enkel eines (ehemaligen) Spitzenpolitikers hielt eine „Wehret den Anfängen“ Rede.
Es wurde des Öfteren betont, man will niemanden stürzen, auf keinen Fall irgendeine Eskalation, sondern einen faktenbasierenden Umgang mit einer medizinischen Problemsituation. Alles in allem sehr friedlich, oft Applaus, manchmal beginnende Sprechchöre die meist nach ein paar Wiederholungen wieder abebbten.
Und da liegt auch der Hund begraben. Ich bin dort hingegangen weil ich mir dachte, im Kanzleramt schaut jemand, vielleicht sogar der Kanzler selbst, aus dem Fenster und denkt: Puh da sind ein Haufen Leute und die sind wütend und die wollen das sich etwas ändert. Sozusagen „Druck von der Straße“. Aber als ich den Platz verlassen habe dachte ich mir, wenn ich jetzt aus dem Fenster geschaut hätte, hätte ich gedacht: Solche Luschen, die können wir einsperren bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag. Mein Fazit: eine „Wir wollen einen Faktenbasierenden Umgang mit Corona“ Demo bringt nichts, und auf eine „Lasst uns irgendwas kaputt machen“ Demo will ich nicht. Bin ernüchtert. Muss mir einfach noch ein paarmal die Kleinwalsertaler Coronaparty anschauen, das ist gut fürs Gemüt.
Und spanischer Rotwein.
Gruß!
Eugen A. Tagpfau
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