Hallo Oblomow,
vor 11 Tagen hatte ich einen Beitrag geschrieben, mit dem ich das Wort BIOPOLITIK hier auf dem Forum eingeführen wollte, unter Verweis auf Foucault (Zitat daraus hier unten im PS). Politik machen die Hirten bzw. die Gärtner, sei es untereinander (weil es immer Rangstreitigkeiten geben wird), sei es gegenüber der Herde bzw. gegenüber dem Gemüse, denn letztere sind ja (zufälligerweise) Menschen, mit denen man politisch interagieren muss. Für diese Leute, also Hirten/Gärtner und Leithammel/Gurkenkönige *) gilt dann durchaus das, was Du sagst. Aber die wahren Besitzer der Herde bzw. der Gärtnerei müssen keine Politik mehr machen: sie stellen die Hirten und Gärtner ein - oder werfen sie wieder raus, wenn sie keine Leistung mehr bringen.
Manche Hirten und Gärtner sind wohlhabend geworden (Soros, Gates etc.), selbst den Leithammeln (Trump, Putin etc.) geht es leidlich gut. Aber die wahren Besitzer sind immer noch eine extras Klasse für sich.
Nicht nur Joseph Fouché und Talleyrand haben übrigens mehrere (wirklich verschiendenartige?) Regimes und Revolutionen überlebt, sondern auch (zusammen mit viel anderem Vieh ...) der prominente Eugène François Vidocq. Ich denke, dass er den Staat komplett verachtet hat. Er hat sich ganz unten durchgeschlagen, konnte aber durchaus auch mal in Staatsdiensten stehen oder Geschäftsmann werden. Mehrere französische Romanciers des 19. Jahrhunderts haben sich mit seiner Figur beschäftigt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Eug%C3%A8ne_Fran%C3%A7ois_Vidocq
Beste Grüße und Wünsche, Weiner
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PS: Michel Foucault hat vor 50 Jahren das alles schon durchschaut und vorausgedacht mit seinem Konzept der Bio-Macht bzw. Biopolitik (fortgeführt von Girgio Agamben und vor allem von Michael Hardt und Antonio Negri mit EMPIRE, MULTITUDE, ENDE des EIGENTUMS). Ziel und Gegenstand des Regierens (durch das Kapital) ist nicht mehr der 'Bürger' sondern die Masse. Die essentiellen Ansatzpunkte der Herrschaft sind die Kontrolle der Geburten- und Sterberate, des Gesundheitszustandes etc. Der konventionelle Staatssapparat ist nur noch Transmssionsriemen für die Ausführung von Kontroll- und Steuerungssystemen - um die Arbeitskraft und Konsumkraft der Masse maximal ausbeuten zu können.
*) zu den Gurkenkönigen: Es gibt ein merkwürdiges Phänomen im Gartenbau, und vielleicht hat jemand anders hier das auch schon beobachtet, dass es nämlich schädlich für eine Population ist, meinetwegen von Radieschen oder Zwiebeln oder was auch immer, wenn man die größten und schönsten Exemplare rausreist (etwa damit die anderen mehr Platz hätten). Meistens gehen eben die anderen dann im Wachstum zurück, wenn man ihnen den König nimmt. Es scheint, dass die Prachtexemplare eben eine gute "Ausstrahlung" haben, die regulativ die anderen Bruderpflanzen in der Nachbarschaft optimiert. Vermutlich liegt in dieser Art Beziehung, die aus der Sicht der biologischen Wissenschaft schwer zu erklären wäre, auch ein gut Teil des Führerprinzips, das man in tierischen Rudeln beobachten kann. Ich erkläre mir das mit: Fritz-Albert Popp, Biophotonen - Das Licht in unseren Zellen. Guter Mann!