Vor ein paar Tagen habe ich 'mein' Landesgesundheitsamt angeschrieben. Aber ich habe natürlich keine Antwort bekommen. Mich könnte ärgern (tut es aber nicht wirklich ...), dass jetzt zwar über kilometerlange Staus an der polnischen Grenze berichtet wird, und über Diskussionen pro und contra Ausgangssperre. Aber es wird nicht gesagt, was im Falle der Influenza doch ganz selbstverständlich ist: nämlich wie viele der bestätigten Fälle COVID-19 hospitalisiert sind, und wie viele der Hospitalisierten beatmet werden.
Dann würde mich noch interessieren, wie viele der bestätigten Fälle inzwischen als geheilt entlassen wurden. Es würde mich auch interessieren, wie viele der gemeldeten Verdachtsfälle dann schließlich bestätigt werden, denn bei der COVID-10-Meldepflicht muss auch der Verdacht schon gemeldet werden, und zwar namentlich. *) Bei der Meldung gibt es einen Zusatzbogen, der etwa die Details zu den Infektionsketten, zur Hospitalisierung und zur Intensivbehandlung enthält - d.h. diese Details sind alle bekannt. Sie werden aber nicht kommuniziert !!!
*) das Verhältnis Verdacht zu Bestätigung erlaubt in gewissem Umfang auch Aussagen über die Zuverlässigkeit der TestKits. Nur Gott weiß wohl, ob die alle das korrekte Zulassungsverfahren durchlaufen haben ...
Schließlich weiß man, und da entsteht die größte aller Fragen, dass viele der Infizierten überhaupt gar keine Krankheitssymptome zeigen. Ein italienischer Arzt, der im Zentrum des Zyklons arbeitet, hat den Anteil der Symptomlosen auf 50-75% geschätzt. Ich halte das für zu hoch, aber selbst wenn es 25% nur wären, stellt das die ganzen Quarantänebemühungen ziemlich in Frage. Man kann aber diese wichtige Frage nicht beantworten, wenn man nicht wenigstens stichprobenweise Massentests durchführt, und zwar am besten in Ausbruchszonen oder Krankenhäusern. Die Firma Roche hat jetzt ein System auf den Markt gebracht, bei dem der Test nur noch wenige Stunden dauert und automatisiert durchgeführt werden kann.
Vielleicht sind mir Angaben zu den oben erfragten Zahlen entgangen (so richtig intensiv hab ich auch nicht gesucht ...), aber wenn jemand eine entsprechende Statistik deutschlandweit hat, dann bitte hier reinstellen.
Die Situation in Italien ist merkwürdig. Hier würde ich gerne klinische Details wissen. Es gibt Aussagen von Personen, die in den Krankenhäusern arbeiten, dass die Beatmung bei vielen Patienten nicht wirklich hilft. Ich hoffe doch, dass die verantwortlichen deutschen Ärzte und Beamten sich mit diesem Phänomen rechtzeitig beschäftigen. Denn für mich ist (gefühlt ...) das italienische Virus nicht dasselbe wie das in Wuhan. Das letztere ist ganz am Anfang in Bayern eingetragen und begrenzt worden. Dagegen dürfte die Mehrzahl der aktuellen deutschen Fälle auf italienischen Import zurückgehen. Deswegen würde ich empfehlen, hier alle Sinne zu spitzen und die medizinische Kreativität spielen lassen ...
Die Zeitschrift LANCET bietet freien Zugang zu allen ihren Artikeln und Korrespondenznachrichten betreffend Corona. Wer medizinisch interessiert ist, kann hier einiges finden:
https://www.thelancet.com/coronavirus?dgcid=kr_pop-up_tlcoronavirus20
Einer der dort verlinkten Artikel (aus Italien kommend und mit Datum 18.03.) beklagt die unvollkommene Datenlage, wie eingangs hier von mir auch für D geschildert, und stellt fest, dass die italienischen Behörden offenbar ohne Bezug auf wirklich solide Daten entschieden hätten. Ich füge in solchen Fällen immer hinzu: aber sie haben Telefonanrufe bekommen. Ihre Entscheidung war dennoch wohl richtig, zumindest für die Ausbruchsregionen in Norditalien.
Weiner grüßt. Lasst Euch nicht anstecken, und falls doch, dann nur vom Optimismusvirus!