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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Das oekonomische Zitat (75); heute: Edward Bellamy zum Kapitalzins

    verfasst von Zandow E-Mail, Heidenau/Sachsen, 23.12.2012, 00:58
    (editiert von Zandow, 23.12.2012, 01:01)

    Hallo Gemeinde,


    aus einem sozialutopischen Roman dies:

    „Ich selbst war reich und auch gebildet und besaß daher alle Vorbedingungen für das Glück, dessen sich die am meisten vom Schicksal Begünstigten in jenem Zeitalter erfreuten. Ich lebte im Luxus und beschäftigte mich nur mit den Vergnügungen und Annehmlichkeiten des Lebens. Die Mittel zu meinem Unterhalte empfing ich durch die Arbeit anderer, obgleich ich nicht den geringsten Dienst als Äquivalent dafür leistete. Meine Eltern und Großeltern hatten in derselben Weise gelebt, und ich erwartete, daß meine Nachkommen, wenn ich deren hätte, sich einer ähnlichen, leichten Existenz erfreuen würden.

    Der Leser fragt, wie ich denn leben konnte, ohne der Welt irgend einen Dienst zu leisten. Warum sollte die Welt jemanden im Nichtsthun unterhalten, der fähig war, Dienste zu leisten? Die Antwort ist, daß mein Urgroßvater eine Summe Geldes aufgespeichert hatte, von welcher seine Nachkommen seitdem stets gelebt hatten. Man wird natürlich schließen, daß diese Summe sehr groß gewesen sein müsse, um nicht durch den Unterhalt dreier nichtsthuender Generationen erschöpft worden zu sein. Dies jedoch war nicht der Fall. Die Summe war anfänglich nicht groß gewesen. Sie war thatsächlich viel größer jetzt, nachdem sie drei Geschlechter in Trägheit erhalten hatte, als sie zuerst gewesen war. Dieses Geheimnis eines Gebrauches ohne Verzehrung, einer Wärme ohne Verbrennung, erscheint fast wie Zauberei; aber es war nichts weiter als eine schlaue Anwendung der Kunst, welche glücklicherweise jetzt verloren gegangen ist, von unseren Vorfahren aber zu großer Vollkommenheit gebracht worden war: der Kunst, die Last des eigenen Unterhalts auf die Schultern anderer zu wälzen. Wer dies erreicht hatte, - und es war das Ziel, nach dem alle strebten, - der lebte, so sagte man, von den Zinsen seines Kapitals. Es würde uns zu sehr aufhalten, hier zu erklären wie die alte Gesellschaftsordnung dies möglich machte; ich will nur bemerken, daß die Zinsen eines Kapitals eine Art beständiger Steuer waren, welche die Geld besitzenden Personen von der Produktion der gewerbthätigen Arbeiter erhoben.“
    (Hervorhebung fett von mir)

    Edward Bellamy "Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf 1887"
    Verlag von Philipp Reclam jun., Leipzig 1890
    (Bibliothek Zandow)


    Allseits ein gutes Julfest wünschend, Zandow

    ---
    Nuclear power? Yes please!

    

    gesamter Thread:

  • Das oekonomische Zitat (75); heute: Edward Bellamy zum Kapitalzins - Zandow, 23.12.2012, 00:58

Wandere aus, solange es noch geht.


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