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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Bilanzgesundheit und Graham's "margin of safety" ist für mich das Zukunftsthema

    verfasst von HuangJin E-Mail, 02.06.2012, 17:41

    > Hallo HJ,
    > warum Du den Aktienkauf in Takatuka-Ländern wie Malaysia, Thailand und
    > Indonesien in Erwägung ziehst, wird mir ewig ein Rätsel bleiben.

    Nanana, lieber Hasso, jetzt wirst Du aber arg engstirnig[[zwinker]] ...
    >
    > - Du hast so gut wie keine Chance, den Wahrheitsgehalt der
    > Unternehmenszahlen zu überprüfen!
    Hat man eh nie. Aber offen gestanden glaube ich asiatischen Zahlen (mit Ausnahme von China) eher als amerikanischen. Wieviele Leute haben wieviele Milliarden Dollar an Lebensersparnissen in den USA verloren, dem Inbegriff an financial professionalism? Beeindruckende Liste der Finanzbuchhaltungsskandale bei Wikipedia - die allermeisten sind westliche Unternehmen.
    >
    > - Die Mentalität der lokalen Geschäftsleute würde ich (aus Erfahrung)
    > als "kreativ" bezeichnen (...hätte noch bessere Ausdrücke in petto).
    Ich weiß. Ich war auch in diesen Ländern unterwegs.
    >
    > - Zeitnahe Infos bekommst Du nie und nimmer! Telefonische Auskünfte
    > dito.
    Zeitnah brauche ich persönlich nicht. Mit meinem Anlagehorizont reicht mir ein track record von ein paar vernünftig hingelegten Geschäftsjahren, allenfalls mal ein Quartalsbericht zur Abrundung. Das ist mir real-time genug.
    >
    > - Die Dividenden unterliegen unkalkulierbaren Abzügen.
    Huh? Das wäre mir neu... welche Abzüge meinst Du? Hast Du Beispiele?
    >
    > - Ein HV-Besuch ist eine Weltreise.
    Auf der HV lernt man eh nix Wissenswertes - ich habe noch nie eine besucht. Entweder das Unternehmen läuft gut oder eben nicht.
    >
    > - Die Währungsrisiken sind erheblich.
    Arrrghhh - nicht doch, Hasso!! Das haben wir doch in diesem thread gerade anhand von 650.000 Datenpunkten durchexerziert: in den letzten Jahren waren nahezu alle asiatischen Währungen besser als der Dollar, und manche auch besser als der Euro. Und selbst wenn nicht: ich investiere ja nicht in asiatische Staatsanleihen, sondern in Unternehmensanteile - und die haben, je nach Geschäftsfeld, ohnehin einen eingebauten Inflationshedge.
    >
    > - Ein Aktionär ist für Südostasien-Vorstände ein "Geldautomat"...
    > sonst NIX.
    In vielen Ländern, ja. Japan ist deshalb auch ziemlich weit am Rand meines Radarschirms, wenn sich bei denen nix in deren Aktionärsverachtung ändert. Mir aber wurst, wenn das Unternehmen in den letzten Jahren kontinuierlich ordentliche Dividenden in einer gesunden Relation zum Unternehmensgewinn ausgeschüttet hat und dies offenbar auch weiterhin zu tun plant. Da kann mich der CEO nennen, wie er will... pecunia non olet.
    >
    > Schauen wir als Alternative doch mal auf ein solides Home-Bias-Papier wie
    > Siemens auf Basis des gestrigen Kurses von 65 Euro: PE 9,2 /
    > Div.-Rendite 4,6%.
    > Oder eine Nordland-Aktie wie Statoil: PE 5,5 / Div.-Rendite 4,8%.
    > Deine Wünsche werden doch erfüllt. Ich könnte noch haufenweise
    > Beispiele nachschieben.
    Mein Gegenbeispiel siehe unten.
    > Und Du wirst täglich mit Informationen zum Geschäftsverlauf
    > zugeschüttet... fast als wenn Du selbst dabei bist.
    Ich persönlich lege auf Quantität der Information gar keinen so großen Wert. Das Geschäftsmodell an sich muß aussichtsreich sein, die Bilanz/GuV/CF der letzten paar Jahre stimmig und gesund, die Bewertung preiswert und das Unternehmen bewiesenermaßen in der Lage sein, Dividenden und ein wenig Kurszuwachs zu produzieren. Mehr suche ich nicht.
    > Das Belügen der Aktionäre ist in unseren Gegenden mit strammen Strafen
    > bewehrt ("Untreue")!
    Auch in SO-Asien. Meines Wissens nach geht die Börsenaufsicht von Singapur sehr radikal vor, wenn irgendwas mit dem gelisteten Unternehmen nicht stimmt (Was man von NASDAQ &Co nicht behaupten kann...). Bei den anderen Ländern muß ich das erst noch prüfen, bevor ich mich engagiere.
    > Wieso muss man zur Erfüllung Deiner obigen (vernünftigen) Kriterien nach
    > Südostasien?
    > Das würde ich wirklich gerne mal verstehen.

    Mir geht's im Wesentlichen um den Umstand, dass im großen Durchschnitt die Unternehmen der gesamten westlichen (präziser gesagt, der sog. entwickelten) Welt in einem aus meiner Sicht sehr ungesunden Maß verschuldet sind. Selbst wenn man mal die Banken mit ihrem >95%-Fremdkapitalanteil in der Bilanz wegläßt, so fahren die allermeisten Unternehmen mit einem Fremdkapitalanteil von 50, 60, 70% und mehr. Ich habe mir in den letzten Monaten ein kleines Tool gestrickt, mit dem ich Geschäftsberichtsdaten visualisieren kann. Dann habe ich mir mal im ersten Aufriß einige Tausende Geschäftsberichte aus aller Welt daumenkinoartig zu Gemüte geführt. Danach war ich einigermaßen schockiert, wie groß der Unterschied zwischen westlichen Bilanzen einerseits und asiatischen Bilanzen andererseits ist. Insbesondere die amerikanischen und britischen Unternehmen fahren mit einem m.E. irre hohen Fremdkapitalanteil. Viele, viel zu viele amerikanische Unternehmen haben negatives Eigenkapital, und dennoch hohe Börsenbewertung - aus meiner Sicht unhaltbar.
    Im Gegensatz dazu finde ich einen sehr hohen Anteil an asiatischen Mid Caps, die 70, 80, 90% Eigenkapital aufweisen. Dazu seit Jahren vernünftig und stabil steigende Gewinne, auskömmliche und stabile Dividenden, Dividendenquote von mehr als 50% und gesund erscheinende Relationen, wohin man auch im Geschäftsbericht schaut.

    Mich stört einfach der enorme Fremdkapitalanteil in den "westlichen" Bilanzen. In Zeiten von historisch niedrigen Zinsen ist das ja alles kein Problem, da ist genug für den Schuldendienst über und dann noch für 4% Dividende. Aber wehe, die Zinsen steigen irgendwann doch mal wieder - da ist dann auf viele Jahre hinaus Essig mit den Unternehmensgewinnen und der Dividende... die Gläubiger der Unternehmensanleihen haben nun mal Vorrang vor den Aktionären.

    Hier ein Beispiel:
    a) Deine Siemens. Sieht nicht schlecht aus, aber mich stört wie gesagt auch hier der hohe FK-Anteil, siehe Grafik oben rechts:
    [image]

    b) Hier ein völlig wahllos herausgegriffenes midcap aus Thailand. Ein Print- und Medienunternehmen namens Amarin:
    [image]
    Umsatz, Gewinne, Dividenden, Cashflow, Kapitalstruktur, Bewertung, Quick Ratio - für mich in der allerersten oberflächlichen Analyse alles gesund und attraktiv. Zu mehr hatte ich aber auch noch keine Zeit.

    Die Analysen auf den Grafiken sehen noch ein wenig nach Kraut&Rüben aus, das Feintuning meines tools ist noch nicht fertig, bitte milde darüber hinwegsehen.

    Wird mein Ansatz damit ein wenig klarer, Hasso? Ich versuche einfach, nach den guten alten Grundsätzen von Graham-Dodd, Buffet, Sethman und anderen solide Unternehmen und den berühmten "margin of safety" zu finden. Und ich flüchte vor den möglichen Granateinschlägen in hoch verschuldete westliche Bilanzen, wenn die Zinsen wieder steigen sollten. Mich interessieren nur Zahlen des Geschäftsberichtes, und eine Dividende in Thai Bath ist für mich genausoviel wert wie eine in Britischen Pfund.

    Ein großer Wermutstropfen ist allerdings wirklich dabei: die von mir (wie gesagt im allerersten Durchblättern meiner Datenbasis) gefundenen Unternehmen notieren zumeist nur an den regionalen Börsen, manchmal auch nur an den lokalen Börsen, da zumeist midcaps. Ob und unter welchen Voraussetzungen und Transaktionskosten ich mir die ins Depot legen kann, muß ich auch erst noch eruieren.

    Stets dankbar für Diskussionen mit Dir,
    cheers,
    HuangJin

    ---
    故福之為禍,禍之為福,化不可極,深不可測也。 Thence, good fortune turns into bad fortune, and bad fortune turns into good fortune. These changes never reach an end, their complexity can never be fathomed.

    

    gesamter Thread:

  • Chart du Jour: Kursverlust von weiteren 43 Währungen gegen Gold - HuangJin, 01.06.2012, 18:23

Wandere aus, solange es noch geht.


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