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ZITAT »Diese Verschwörer sind aber nicht die Wurzel allen Übels, sondern ausführende Kräfte des Zeitgeistes.«

    Prof. Joachim Bauer: Gewaltkultur seit Zivilisationsbeginn aus medizinischer Sicht

    verfasst von Zarathustra, Helvetistan, 24.01.2012, 22:51
    (editiert von Zarathustra, 24.01.2012, 23:00)

    RogRog hat zur Traumatisierung, Terrorisierung und Ausgrenzung junger Zivilisten-Kinder ja schon einiges geschrieben (Wilhelm Reich).

    Ergänzend zu den 'paar Felsbildern', die partout keine einzige Gewaltdarstellung aus vorzivilisatorischen Epochen zeigen, ergänzend zu Dottore und Sofsky (Kultur stiftet Gewalt - Gewalt stiftet Kultur), sowie den Erkenntnissen aus interdisziplinärer Kulturforschung von Gerhard Bott, die ich schon öfters thematisierte, hier noch ein Beitrag dazu aus medizinischer Sicht von Prof Joachim Bauer auf SWR2. Verwirft die Thesen Sigmund Freuds und Konrad Lorenz' und bestätigt Darwin in puncto Evolutionspsychologie.

    http://swrmediathek.de/suche.htm?econt=joachim%20bauer

    Der Vortrag dauert rund 28 Minuten

    Zitate daraus:

    Ich habe eingangs angekündigt, zunächst – in einem ersten Schritt – darzulegen,
    was uns die moderne Neurobiologie über die Grundregeln der
    Aggressionsentstehung sagen kann. Es gäbe noch einiges mehr zu sagen, Sie
    finden in meinem Buch „Schmerzgrenze“ zahlreiche weitere wichtige Aspekte
    dargelegt. Hier und jetzt möchte ich es aber bei dem belassen, was ich bisher zur
    Neurobiologie der Aggression ausgeführt habe. In einem zweiten Schritt, so habe ich
    eingangs angekündigt, wollte ich nun einige Überlegungen zu der Frage anstellen,
    warum wir mit Beginn des zivilisatorischen Zeitalters, also seit etwa 10.000 Jahren,
    eine massive Zunahme menschlicher Aggression zu beobachten haben. Lassen Sie
    mich dazu jetzt abschließend noch einige kurze Bemerkungen machen.
    Die Bedingungen, unter denen der Mensch in unseren zivilisierten Gesellschaften
    heute lebt, unterscheiden sich fundamental von jenen natürlichen Verhältnissen,
    unter denen sich unsere Spezies evolutionär entwickelt hat.

    (...)

    Alles, was uns die Archäologen sagen, spricht dafür, dass der Mensch, bevor er vor
    etwa 10.000 Jahren sesshaft wurde und in die zivilisatorische Epoche eintrat, ein
    Wesen war, welches überwiegend friedlich in Gruppen zusammenlebte. In die
    gleiche Richtung gehen Beobachtungen, die sich bei der Mehrheit der noch
    existierenden vorzivilisatorischen Jäger- und Sammlerkulturen machen ließen. Die
    meisten der heute noch lebenden Jäger und Sammler leben friedlich, wobei es hier
    allerdings einige Ausnahmen gibt.

    (..)

    Die neolithische Revolution bedeutete den Eintritt des Menschen in die
    zivilisatorische Welt. Sie bedeutete nicht nur die Erfindung des Eigentums und der
    Erwerbsarbeit, sondern den grundlegenden Einzug des ökonomischen Prinzips in
    das menschliche Zusammenleben. Der Mensch wurde, nachdem er zu einer
    Arbeitskraft und damit Teil eines ökonomischen Kalküls geworden war, nun selbst
    zur Ware
    , was logischerweise zur Folge hatte, dass Menschen begannen, Macht
    über andere Menschen auszuüben.

    (..)

    Die neolithische Revolution hatte einen fundamentalen Wandel der Art und Weise zur
    Folge, wie Menschen zusammenlebten. Das Eigentumsprinzip ersetzte das bisherige
    Prinzip des Gemeinschaftseigentums. Harte Erwerbsarbeit ersetzte das bisherige, in
    Gruppen ausgeübte gemeinschaftliche Sammeln und Jagen. Anstatt, wie bisher, ein
    natürliches Daseinsrecht zu genießen, wurde der Mensch nunmehr vor allem nach
    seiner ökonomischen Leistung bemessen. Die Tatsache, dass das bisherige Leben,
    welches sich vor allem in der Gemeinschaft einer vertrauten Gruppe abgespielt hatte,
    so nicht fortgesetzt werden konnte, brachte eine erhebliche soziale Desintegration
    mit sich. Alle diese Veränderungen haben eines gemeinsam: Sie brachten Neid,
    Eifersucht, Unterdrückung und Auflehnung mit sich. Dies ist der Grund, warum diese
    Veränderungen zugleich ein ungeheures, bisher nicht bekanntes
    Aggressionspotential erzeugten.

    ---
    "Wer an "Omo - jetzt mit neuer Wirkformel" glaubt, dem kann man dann tatsächlich auch "Der Staat - jetzt mit ganz neuer Politikformel" verkaufen."

    http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=330014


    gesamter Thread:

  • Prof. Joachim Bauer: Gewaltkultur seit Zivilisationsbeginn aus medizinischer Sicht - Zarathustra, 24.01.2012, 22:51

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