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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    froschgrafik: Staatsschulden der Euroländer - Bankrott des Sozialstaats

    verfasst von frosch, 22.09.2011, 07:03
    (editiert von frosch, 22.09.2011, 07:03)

    Wo unsere Politiker und Staatsdiener über die Staatsschulden reden, dann meinen sie Griechenland oder andere Länder in Südeuropa. Wo unsere Politiker und Staatsdiener über Lösungen streiten, dann streiten sie über „Rettungsschirme“ und gemeinsam gesicherte Eurobonds. Sie streiten über die Höhe und Aufteilung von Unterstützungsgeldern, Garantien und Risiken. Sie unterstellen dabei, dass die Krise der europäischen Staatsschulden ein lokal begrenztes Problem sei, das durch einen Mix aus Dränage und Blutzufuhr aus dem kranken Europa verschwinden würde. Umgekehrt: Ausgesprochen oder nicht behaupten unsere Politiker, dass Europa das Schuldenproblem nicht (mehr) hätte, wenn das europäische Wirtschaftsgebiet von einem einheitlichen Staatsgebilde mit einheitlicher Regierung verwaltet würde. Diese Vorstellung ist falsch und naiv.
    In der Mathematik gibt es eine Beweisführung, die eine Hypothese als wahr unterstellt, um dann zu prüfen, ob die Sache Bestand hat oder nicht. Diese Art Beweisführung ist auch mit den Euro-Schulden möglich. Wir unterstellen dabei, dass die Wirtschaftsleistung aller Euro-Länder in einen Topf fließt und alle ihre Staatsschulden aus diesem einen Topf bedient werden. Dabei zeigt sich folgendes:

    [image]

    Die Staatsschulden der 17 Euroländer machten im Jahr 2010 gut 7.800 Mrd. Euro bei einem Bruttoinlandsprodukt dieser 17 Länder von 9.200 Mrd. Euro. Das ist ein Schuldenstand von 85 Prozent des BIP.
    Bei wem haben die Euro-Regierungen diese Schulden? Bei Banken, Versicherungen und anderen Finanzinstituten sowie bei reichen Einzelpersonen aus aller Welt, vorzugsweise aber aus dem europäischen Raum.
    Diese Gläubiger sind die „Finanzmärkte“, vor denen die Politiker und Staatsdiener zittern. Diese Gläubiger erwarten, dass „ihr Geld“ sicher ist und Zinsen trägt. Je unsicherer ihr Geld angelegt ist, desto höhere Zinsen erwarten und verlangen sie.
    Bislang lag die Verzinsung der Staatsschulden bei rund 3,5 Prozent. 3,5 Prozent von 7.800 macht jährlich 234 Milliarden Euro, die aus Steuergeldern in private Taschen wandern. Diese 234 Milliarden machen gut 2,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der Euroländer. Staatsschulden sind ein Mittel, mit dem öffentliche Gelder privatisiert und in kapitalistischen Profit verwandelt werden. Steigen die Zinsen, dann beschleunigt sich die Privatisierung von Steuergeldern.

    Man sieht an Griechenland, in welche Zwangslage eine Regierung dadurch gerät: Wenn sie ihre reichen Gläubiger bedient, dann muss sie ihre Untertanen stärker auspressen und öffentliche Leistungen einschränken. An Griechenland lässt sich exemplarisch verfolgen, was uns allen droht. Die Eurokrise ist keine Griechenlandkrise, sondern eine Krise des Sozialstaats. Der Sozialstaat ist bankrott.
    All die schönen Versprechungen unserer Politiker und Staatsdiener - „Die Rente ist sicher!“, „Krankheit ist bezahlbar“, „Armut ist kein Thema!“, „Soziale Gerechtigkeit und Wohlstand für alle!“ – all diese Phrasen sind in der Schuldenkrise nichts mehr wert. Das gilt heute für Griechenland, morgen für ganz Europa.

    In der folgenden Grafik sind neben den offenen Geldschulden an Staatsgläubiger (rote Säulen) noch alle Leistungsverpflichtungen in den dunklen Säulen aufgerechnet, zu denen die Staaten gegenüber ihren Bürgern sich gesetzlich verpflichtet haben (Renten, Pensionen, Krankengeld, Armenfürsorge etc.).

    [image]

    Derzeit sind unsere Politiker und Staatsdiener in Europa nur mit den roten Säulen befasst. Schon dabei zeigt sich, dass sie heillos überfordert sind. Nur die griechische Regierung ist schon gezwungen, sich mit der lila Säule zu befassen. An Griechenland können wir sehen, was auf uns alle zukommt. Griechenland ist unsere Zukunft.

    Gruß frosch

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    井底之蛙

    

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  • froschgrafik: Staatsschulden der Euroländer - Bankrott des Sozialstaats - frosch, 22.09.2011, 07:03

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