Das Gelbe Forum Forum nach Zeit sortieren Forum nach letzter Antwort sortieren die 150 neuesten Beiträge
ZITAT »Diese Verschwörer sind aber nicht die Wurzel allen Übels, sondern ausführende Kräfte des Zeitgeistes.«

    1. Die verschiedenen Bedeutungen des Begriffs "Währung"

    verfasst von Mieses von Ludwig, 25.04.2011, 14:14

    Um erklären zu können, was in Utah genau passiert ist und wie eine Gold- oder Silberwährung wieder eingeführt werden könnte, müssen wir zunächst mal eine Begriffsklärung vornehmen.

    Was ist mit „Währung“ oder „Geld“ überhaupt gemeint?

    Es gibt i.W. drei Möglichkeiten:

    1. Das Steuerzahlungsmittel STZM, d.h. das, worin der Staat Steuern und sonstige Abgaben einfordert.

    2. Das gesetzliche Zahlungsmittel GZ, d.h. das, was der Staat als Schuldentilgungsmittel für private Schulden festlegt. Ein privater Gläubiger hat also einen rechtlichen Anspruch darauf, dass der Schuldner seine Schulden in GZ begleicht – nicht mehr und nicht weniger. Gibt z.B. in Deutschland A dem B ein Darlehen (über Euros, Dollars, Hühnereier oder was auch immer), so muss A eine Rückzahlung des Darlehens in Euro und nur in Euro akzeptieren, es sei denn, zwischen A und B wurde ausdrücklich etwas anderes vereinbart. Es soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass es auch immer wieder Situationen gab, in denen der Staat solche individuellen Vereinbarungen für unwirksam erklärt hat.

    3. Das allgemein übliche Zwischentauschmittel, also das, was üblicherweise beim Handel mit Waren zur Bezahlung verwendet wird.

    Interessant ist nun, dass die meisten Leute (insbesondere die Monetaristen) dazu neigen, nur 3. zu sehen. Wer meine Aufsätze zur Geldtheorie gelesen hat (http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=171944), erinnert sich vielleicht an die dort wiedergegebene und in der zeitgenössischen Volkswirtschaftslehre übliche Definition von Geld. Auch diese lief i.W. auf 3. hinaus. Genauso verhält es sich mit der Messung von „Inflationsdaten“, also Änderungen des Verbraucherpreisindex. [Die Debitisten neigen hingegen dazu, nur 1. und 2. zu sehen, was natürlich auch "zu kurz gesprungen" ist.]

    Besonders paradox wird die Fokussierung auf 3., wenn es um staatliche Eingriffe in das Währungssystem geht. Von den drei genannten Punkten ist dieser Punkt nämlich derjenige, den der Staat am wenigsten beeinflussen kann.

    Bei 1. sind die Möglichkeiten der staatlichen Einflussnahme sicherlich maximal. In was Steuern und Abgaben zu bezahlen sind, kann der Staat ebensogut von sich aus festlegen wie deren Höhe.

    Schon schwieriger wird es für den Staat bei 2. Zwar hat der Staat bzgl. des GZ für bereits bestehende private Schuldverhältnisse nahezu genau so große Möglichkeiten der Einflussnahme wie bei der Festlegung des STZM. Aber: Wenn die potentiellen Gläubiger bzgl. der Festlegung des GZ das Vertrauen in den Staat verlieren (z.B., weil er dessen Kaufkraft zerstört), so werden sie bei der Vergabe neuer Kredite auf einer der o.g. individuellen Vereinbarungen bestehen oder erst gar keine neuen Kredite mehr vergeben.

    Unabhängig davon sind auf etwas anderes als das GZ lautende Kreditverträge auch heute nicht unüblich. Das beste Beispiel hierfür bilden die Terminmärkte. Wenn zwei Kontraktpartner z.B. vereinbaren, dass der eine Partner dem anderen zu einem vereinbarten Termin eine vereinbarte Menge an Reis gegen eine vereinbarte Menge an Geld liefern muss, so hat der eine Kontraktpartner in auf „Sack Reis“ lautende Schulden. Bzgl. 2. sind Möglichkeiten der staatlichen Beeinflussung also vorhanden, aber begrenzt.

    Praktisch überhaupt nicht beeinflussen kann der Staat 3. Was seine Bürger bei Zug-um-Zug-Geschäften als Zwischentauschmittel bevorzugen, liegt vollkommen in deren Hand – es ist ja niemand gezwungen, überhaupt zu tauschen. Dieses Phänomen war und ist immer wieder zu beobachten. Wenn die lokale Währung zerrüttet ist, so wird sie als Tauschmittel einfach nicht mehr akzeptiert, sondern es werden z.B. stabile Fremdwährungen (weltweit häufig der US-Dollar oder nach dem Zusammenbruch des Ostblocks die D-Mark in verschiedenen osteuropäischen Ländern wie Kroatien) oder eine Ware wie Zigaretten (Deutschland nach dem 2. Weltkrieg) oder Edelmetall zum bevorzugten Zwischentauschmittel.

    Natürlich versucht der Staat immer wieder, ein solches Ausweichen zu verbieten, was jedoch regelmäßig nicht funktioniert. Der Handel findet dann eben auf einem (rechtpositivistisch betrachtet) verbotenen Schwarzmarkt statt – wie will der Staat auch verhindern, dass zwei Personen eine Stange Zigaretten gegen einen Zentner Kartoffeln tauschen? Unabhängig von solchen Krisensituationen ist das Akzeptieren von anderen Zwischentauschmitteln als der lokalen Währung z.B. in der Nähe einer Währungsgrenze überhaupt nicht ungewöhnlich. Obwohl in Deutschland der Euro und in der Schweiz der Franken alleiniges GZ sind, kann man in der Bodenseeregion an sehr vielen Stellen in der Schweiz mit Euro bezahlen und in Deutschland mit Franken.

    Bezüglich 3. hat der Staat also überhaupt keine direkten Möglichkeiten der Einflussnahme. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Nur dann, wenn der Staat ein wertstabiles STZM und GZ etabliert, so wird dies der Einfachkeit halber auch bei privaten Zug-um-Zug-Geschäften zum bevorzugten Zwischentauschmittel gewählt werden.

    Dies alles muss man unbedingt verinnerlichen, um zu den Ausgangsfragen etwas sinnvolles beitragen zu können. Darum geht es im nächsten Kapitel.

    Gruß
    Ludwig


    gesamter Thread:

  • Remonetisierung von Gold und Silber in Utah - Mieses von Ludwig, 25.04.2011, 14:10

Es gibt keinen Planeten B, aber einen Plan B: die Finca Bayano Preisvergleich Gold & Silber

328661 Postings in 43604 Threads, 700 registrierte Benutzer, 1348 User online (33 reg., 1315 Gaeste)

Das Gelbe Forum: Das Forum für Elliott-Wellen, Börse, Wirtschaft, Debitismus, Geld, Zins, Staat, Macht (und natürlich auch Politik und Gesellschaft - und ein wenig »alles andere«).