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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Ja, genau das ist das Problem.

    verfasst von RogRog, 04.04.2011, 19:06
    (editiert von RogRog, 04.04.2011, 19:11)

    > Sind Gewalt, Diebstahl etc. nicht Beduerfnisse von Unvernuenftigen, die
    > sich damit befriedigen?

    Wilhelm Reich unterscheidet primäre und sekundäre Bedürfnisse. Er geht davon aus, dass primäre Bedürfnisse sozial sind. Sekundäre Bedürfnisse entstehen durch unterdrückte primäre Bedürfnisse und sind folglich abgeleitet. Sie wenden sich direkt gegen das ursprünglich soziale Bedürfnis und sind somit asozial. Seine Theorie stützt sich auf seine Erfahrung als Therapeut, seinen biologischen und physikalischen Forschungen und den ethnologischen Studien Malinowskis zur Sexualität in Stämmen.

    In Stämmen, in denen die Sexualität nicht unterdrückt wird, hat Malinowski keinen Diebstahl, keine Gewaltverbrechen, keine psychischen Krankheiten und keine Perversionen beobachtet. Die Stämme, in denen ein Missionar anwesend war und seine Moralnormen predigte, zeigten alle typischen Charakteristika unserer Gesellschaft: Neurosen, Perversionen etc.

    Konnte Reich die Charakterpanzer seiner Patienten aufbrechen und ihre seelischen Konflikte bewusst machen, gleichzeitig ihre Schuldgefühle über Sexualität ausräumen, so dass sie sie auslebten, verloren die Neurosen und Perversionen ihre Kraft oder verschwanden vollkommen. Im Gegensatz zu Freud, der die Lösung darin sah den bewussten Trieb zu verurteilen, war seine Lösung also das Ausleben der Sexualität. Freud nahm an, dass dadurch die Kultur zusammenbrechen würde...

    Durch Reichs Methode des Funktionalismus fand er in seinen biologischen Forschungen heraus, dass jeder Organismus (von der Plasmazelle bis zum Menschen) auf die gleiche Art und Weise auf den Urgegensatz Expansion (Lust) und Kontraktion (Angst) reagiert - mit einer Verhärtung seiner Struktur, einem Panzer. Seine charakteranalytische Theorie bekam ein biologisches Fundament. In seinen physikalischen Forschungen entdeckte er schließlich die Lebensenergie, die alles antreibt und die Freud Libido nannte. Nach Freud ist dieser Lebenstrieb vergleichbar mit einem Reiz, der aber nicht von außen kommt und auch nicht stoßhaft und einmalig ist. Es handelt sich um einen inneren, permanenten Reiz, der zur Befriedigung drängt, einem Trieb. Unterdrückt man ihn, löst man nicht das Problem, sondern verschiebt es nur.

    Reich stellte hier seine Orgasmusformel auf: Spannung - Ladung - Entladung - Entspannung.

    Ich kenne keine einzige sachliche Kritik zu seiner Theorie. Vielmehr wird/wurde Reich diffarmiert, ausgegrenzt, bagatellisiert oder totgeschwiegen. Das einzige, was mich aufgrund meiner physikalischen Unkenntnisse lange Zeit skeptisch machte, waren die Arbeiten des Studenten Harrer, die aber wohl beträchtliche methodische Fehler aufweisen. Des Weiteren ignoriert Harrer viele weitere Erkenntnisse Reichs, ua seine biologischen Forschungen.

    Bernd Senf schrieb mir dazu:

    "Die Rolle (rückwärts) von Bernhard Harrer in Sachen Reich ist ein trauriges Kapitel. Er war früher begeisterter Reichianer, weiß um die Wirkungen von Orgon-Akkkumulator und Cloudbuster, kennt auch mikroskopische Videoaufnahmen über die Bione, wollte eine Diplomarbeit in Meteorologie an der FU Berlin über Aspekte der Reichschen Orgonforschung (Vacor-Röhre) schreiben und hat sein Studium formal nie abgeschlossen – und ist irgendwann zu einem erbitterten Kritiker und Gegner von Reich geworden. Auf einem Psi-Kongress in Basel vor ca. 15 Jahren hat er vor tausenden ZuhörerInnen das Verbot und die Verbrennung der Bücher von Reich Mitte der 50er Jahre in den USA als Maßnahme des Verbraucherschutzes gerechtfertigt. Was ihn zu all dem bewogen hat, ist mir bis heute nicht bekannt.

    Während er sich selbst als kompetenten Naturwissenschaftlicher ausgibt, war sein methodisches Vorgehen in den Versuchsreihen voller methodischer Fehler, die er trotz konstruktiv gemeinter Anregungen nie korrigiert hat. Entgegen wissenschaftlichen Standards hat er die Versuchaufbauten und Protokolle aus dem damaligen Tutoren-Seminar (das er als Student leitete) meines Wissens nie veröffentlicht."

    Um zu Deiner Aussage zurückzukehren: Ein Dieb stiehlt, weil es ihm an irgendetwas mangelt, zB Nahrung. Gewalttätig wird man, um entweder ein anderen Mangel zu beseitigen (zB Raub = Diebstahl + Gewalt) oder weil man dadurch Lust empfindet (Sadismus). Dem Sadisten mangelt es an der Auslebung seiner Sexualität (dieser Mangel muss nicht akut sein, sondern kann sich historisch in der sexuellen Entwicklung verankert haben, so dass eine sadistische Charakterstruktur entstand).

    Selbstverständlich sind die Bedürfnisse nach Diebstahl und Gewalt sozial schädlich, weswegen man sie unterdrücken muss. Gleichzeitig sollte man darüber nachdenken, ob die ursprünglich sozialen Bedürfnisse unterdrückt werden sollen. Das führt zu einer radikalen Kritik am ökonomischen, herrschaftlichen und moralischen System.

    > Haben wir heute nicht Normen als Produkt einer
    > Verzichtsethik, die die Unvernuenftigen zwingt solche Beduerfnisse zu
    > unterdruecken? Was spricht dagegen, die existierende Verzichtsethik so
    > auszuweiten - so wie es in der Geschichte schon immer getan wurde - um
    > Handlungen, die fuer die Gesellschaft zum Problem werden, zu unterdruecken?

    Erstmal ist die Gefahr von immer weiteren Deckeln seelisches Leid. Zweitens ist die Gefahr ein immer stärkerer Charakterpanzer. Der Leidende hat Sehnsucht nach dem Ursprung (Freiheitssehnsucht) und gleichzeitig Angst, weil die ganzen Normen immense Schuldgefühle erzeugen (Freiheitsangst). Diese Gegensatz ist nach Reich der Nährboden für den Faschismus. Seine Analyse des deutschen Faschismus halte ich für umwälzend.

    Ökonomen verstehen davon überwiegend so gut wie gar nichts. Mich würde interessieren, ob Paech tatsächlich glaubt, dass ein paar gute Argumente meinen Kumpel davon abhalten sich ständig neue technische Produkte zu kaufen - oder meine Freundin neue Schuhe. Wenn ich nicht einfach ignoriert werde, wird mir in diesen Fällen regelmäßig der Vogel gezeigt. [[freude]]

    

    gesamter Thread:

  • Ideen für eine Postwachstumsökonomie! - smiths74, 31.03.2011, 23:28

Wandere aus, solange es noch geht.


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