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ZITAT »Diese Verschwörer sind aber nicht die Wurzel allen Übels, sondern ausführende Kräfte des Zeitgeistes.«

    Man sollte es mit dem Essen halten wie mit dem Atmen ...

    verfasst von Konstantin Homepage E-Mail, 21.02.2011, 14:34

    ... und seine Aufmerksamkeit nicht von der Hauptsache ablenken lassen.


    Hallo NaturalBornKieler,

    ist es eines wahren Menschen würdig sich Sorgen über seine Ernährung zu machen? Ich glaube nicht. Eine sorgenlose Ernährung ist allerdings nur bei geeigneter Umgebung möglich. Diese bietet ganzjährig eine Vielfalt leckerer Speisen frisch und gesund bereit. Man muss dazu nicht in südliche Gefilde abwandern. Hierzulande schmecken aktuell Baumknospen sehr lecker, die auch bei Tiefschnee erreichbar sind. Sie wachsen einem sogar regelrecht in den Mund und enthalten viel Eiweiss! Für Interessierte empfehle ich Lindenknospen kombiniert mit Knospen der schwarzen Johannisbeere.
    Wir alle, inklusive mir selbst, leben nicht in einer 100%ig geeigneten Umgebung für sorgenfreie Ernährung. Permakultur ist für mich jedoch der Weg einen Waldgarten derart aufzubauen und zu gestalten, dass ich diesem Ideal näher komme.

    > Wieviele Nichtbauern ernährt ein Bauer?. Heute, so heißt es, ernährt ein
    > Bauer in Deutschland 133 Menschen.

    Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast...

    Im Artikel heißt es im übrigen „Landwirt“ und nicht „Bauer“. Diese Worte werden gerne als Synonym verwendet, es handelt sich jedoch um zwei grundlegend verschiedene Weltsichten und Tätigkeiten. Grob gesagt ist ein Bauer Eigentümer seines Landes und bewirtschaftet den elterlichen Hof überwiegend zur Selbstversorgung bei geringer Versorgung von Nachbarn. Landwirte hingegen haben sich ausgerichtet mit ihrer Tätigkeit Geld zu verdienen, in der Hoffnung sich damit das kaufen zu können was sie zum Leben brauchen. Wer zu der Unterscheidung Bauer-Landwirt genaueres lesen mag sei die Lektüre des Buches „Laubgeschichten, Gebrauchswissen einer alten Baumwirtschaft, Speise- und Futterlaubkultur“ von Michael Machatschek empfohlen. Darin findet man beispielsweise einen Hinweis, dass Laubstreu statt Stroh einen weit besseren Mist ergibt weil sich im Laub ein höherer Mineraliengehalt befindet. Was wird seit Jahrzehnten benutzt? Stroh (wenn überhaupt noch) und kein Laub. Machatschek zeigt auf, dass den Bauern die Nutzung von Laub aberzogen, bzw. verboten wurde damit der Mist den Acker nicht mehr ausreichend düngen kann und die Kunstdüngerindustrie Umsatz macht.

    Aber zurück zu den Zahlen:
    133 Menschen ernährt ein Landwirt?

    Nimm's nicht persönlich, aber so einen Schwachsinn glaubt nur jemand der jeglichen Bezug zur Realität verloren hat. Das ist ungefähr so primitiv wie der Spruch: Ich bin gegen Kernkraft, bei mir kommt der Strom aus der Steckdose.

    Vielleicht ist einer von 134 Menschen, die etwas zu essen haben, ein bei den Behörden registrierter Landwirt. Aber ohne tausende andere Menschen produziert dieser „Landwirt“ rein gar nichts.

    Was ist z.B. alleine mit seinem Schlepper?
    Wer hat ihn zusammengeschraubt?
    Wer hat ihn konstruiert?
    Wer hat die Teile hergestellt?
    Wer hat den Stahl verhüttet?
    Wer war im Bergbau?
    Wer hat das alles verwaltet?
    Wer hat die Buchhaltung gemacht?
    Wer hat auf der Ölplattform gearbeitet?
    Wer in der Raffinerie den Diesel hergestellt?
    Wer hat die Raffinerie geplant und gebaut?
    Wer hat die Raketen geplant, gebaut, finanziert mit denen Satelitten ins All befördert wurden die den „modernen“ Landwirten per GPS hilft sich auf den Mega-Agrar-Wüsten zurecht zu finden?
    Wer gestaltet die Werbung für die vielen unnötigen Agrarprodukte?
    Wer plant, baut und betreibt die Supermärkte?
    usw. usw. usw. ...

    Und wenn man in die Zeitachse geht und betrachtet wieviele Jahrzehnte die Regeneration der Agrarwüsten brauchen wird dann kommt ganz klar heraus, dass aktuelle Landwirte nicht mal einen einzigen Menschen ernähren. Wir zehren (noch) von den Rohstoffen unserer Ahnen (z.B. Humus).

    Anstatt 1:133 schätze ich das aktuelle Verhältnis eher bei ca. 1: minus 10.000
    Das heißt der 1 Landwirt zerstört, mit allen Helfershelfern, die Lebensgrundlage von 10.000 Menschen.

    > Aber wie wäre dieses Verhältnis nun bei der Permakultur? Sicherlich
    > deutlich niedriger. Wenn es aber Richtung 1:1 geht, d. h. wenn ein Bauer
    > keine vermarktbaren Überschüsse damit erwirtschaften könnte, hätte es
    > massive Auswirkungen auf das gesamte Wirtschaften und die
    > Gesellschaftsform.

    Sicher hat eine Änderung in Richtung 1:1 oder 1:4 massive Änderungen auf die gesamte Wirtschaft. Aber immerhin erscheint auf diese Weise ein Weiterleben möglich.

    Das Beibehalten der absurden Zerstörungslandwirtschaft hingegen wird weit massivere Auswirkungen haben als wir bisher erleben. Humusverlust, Grundwasserabsenkung und -vergiftung sowie Insekten- und Mikrobenzerstörung (siehe Bienensterben) etc. ist keine Option mit lebensfähiger Zukunft. Geschweige denn ist eine Landschaft mit Agrarwüsten als menschenwürdige Umwelt anzusehen.

    Menschen sind keine Bioroboter. Wir brauchen auch schöne Landschaft für unsere Seele! Es geht nicht nur um Kalorien. Es geht darum Lebensmittel zu bekommen während wir gleichzeitig glücklich sind!

    Eine Einschätzung was Permakultur zu leisten vermag berechne ich am Beispiel von Masanobu Fukuoka.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Fukuoka_Masanobu

    Auf mehreren Hektar Fläche hat er Reis angebaut ohne jeglichen Einsatz von Maschinen. Er hat alle unnötigen Tätigkeiten weggelassen. Grob gesagt blieb Säen und Ernten übrig. Selbst Dauerüberflutung mit Wasser konnte er weglassen. Bodenbearbeitung, Dünger, Schädlingsbekämpfung etc. alles unnötig. Sein Energie-Input war praktisch bei Null. Trotzdem setze ich ihn selbst als 1. Person an die Input gegeben hat weil der die Felder oft und lange beobachtete. Wenige Erntehelfer halfen mit der Sense und beim Dreschen. Leider liegen mir keine genauen Angaben vor über die bewirtschaftete Fläche. Laut den Bildern und Filmen seines Hofes schätze ich die Fläche auf ca. 5 ha. Laut dem Buchtext hat im Lauf der Jahre eine Produktivität auf seinen Flächen erreicht, die gleichzusetzen war mit den üblichen Hektarerträgen. Für die Rechnung nehme ich 3 to / ha obwohl auch 4 to möglich scheinen. Als Verbrauch pro Tag nehme ich 1kg Reis pro Person und Tag, bzw. 350 kg pro Mensch und Jahr.

    Bei 5 ha hat Fukuoka ca. 15 to Reis geerntet. Umgerechnet reicht dies für knapp 43 Menschen. Abzüglich sich selbst und den Helfern bleibt ca. eine Quote von 1:40. Und dies wohlgemerkt ohne jeglichen Verbrauch von Primärenergie.

    Viele Grüße
    Konstantin


    gesamter Thread:

  • Ökodörfer und Gemeinschaften in Europa - seby, 17.02.2011, 15:34

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