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ZITAT »Diese Verschwörer sind aber nicht die Wurzel allen Übels, sondern ausführende Kräfte des Zeitgeistes.«

    PRO-Euro Argumente hinterfragt

    verfasst von baba, 12.12.2010, 11:30
    (editiert von baba, 12.12.2010, 11:41)

    Da die PRO-Euro-Argumente und wir als Haupt-Nutznießer des Euro ja in den letzten Monaten umfassend in allen Medien dargelegt wurden, habe ich hier einmal Punkte zusammengestellt, in denen diese PRO-Argumente zumindest in Frage gestellt werden:

    • Wenn wir der größte Nutznießer des Euro waren/sind, warum musste man uns dann in den Euro ZWINGEN?

    • Warum woll(t)en so viele Länder in den Euro rein? Nur um UNSEREN Vorteil weiter zu vergrößern?

    • Wie haben wir es geschafft VOR dem Euro innerhalb von Europa zu exportieren und zwar sehr gut? Und wie schaffen wir es so erfolgreich nach China, USA,...in die Welt zu exportieren, so ganz ohne Währungsunion?

    • In den 11 Jahren seit der Währungsunion haben wir nun in jedem Jahr Kapital-EXPORTE aus Deutschland und damit Schwächung der einheimischen wirtschaftlichen Basis. Deutschland hat also weniger im Inland investiert (=Eigentum erworben), sondern mehr Kapital exportiert (=Forderungen erworben)! Bei der In-vestitionsquote sind wir nun unter 30 vergleichbaren Ländern auf dem letzten Platz (Prof Nölling). Sieht so unser VORTEIL aus?

    • Will man lieber in einem Land mit harter Währung oder in einem Land mit weicher Währung leben? Ich nehme an, jeder Vernünftige würde den harten Währungsraum wählen. Und was würde z.B. eine neue DM als Erstes machen? Sofort deutlich aufwerten! Warum wohl?

    • Deutschland hat seit 1951 ununterbrochen Aufwertungen erlebt (Italien hat in dieser Zeit 9 mal abgewertet). Durch diese Aufwertungen haben wir MEHR für Exporte erlöst und WENIGER für IMPORTE bezahlt und genau hieraus entstand ein Großteil des Volks-Wohlstands! Genau durch die Währungsunion ist dieser Mechanismus ausgeschaltet worden. Dadurch entstehen ganz vorsichtig geschätzt Verluste für Deutschland in Höhe von 50 Mrd Euro pro Jahr (Prof Nölling). Wird nun vielleicht klarer, warum alle sich über die schlechte deutsche Binnenkonjunktur beklagen?

    • Unter Schiller haben wir z.B. um 8,5% aufgewertet , OHNE dass Exporte darunter litten (Prof Nölling). Sind hier evtl nur „Berufs-Schwarzmaler“ (bzw. „Interessierte“) am Werk die uns eine „Aufwertungs-Katastrophe“ verkaufen wollen?

    • Durch die Aufwertung würden wir unsere Staatschulden auch günstiger finanzieren können. Ist das kein Vorteil?

    • Außerdem hätte die BEVÖLKERUNG dann viele Vorteile, da sie Energie, Konsumwaren usw viel billiger kaufen kann und ihr Urlaub im Ausland plötzlich z.B. nur die Hälfte kostet. Geht es nicht auch darum den Binnenkonsum zu stärken?

    • Und die Firmen könnten einen Teil der Aufwertungsprobleme durch die dann günstigeren Rohstoffeinkäufe kompensieren.

    • Nebenbei hätten wir dann wieder etwas mehr so etwas wie Marktwirtschaft und weniger ständig eingreifende „rettende“ Steuerkapitäne (= Planwirtschaft)

    • Waren wir nicht auch VOR dem Euro ein Exportmeister?

    • Was haben wir davon, den PIGS Geld zu schenken (verbrämt als "leihen" verkauft), damit die dann unsere Waren „kaufen“? Ist das evtl das falsche "Export-Geschäftsmodell“?

    • Und z.B. die Schweiz oder Schweden. Diese Länder haben ein höheres Wohlstandsniveau so ganz ohne die europäische Währung und deren Export hat sich trotzdem auch dynamisch entwickelt (aus FAZ). Wie denn das?

    • statt dem versprochenen Zusammenwachsen sind die EU-Länder wirtschaftlich weiter auseinander gedriftet. 11 Teilnehmer haben nun Doppeldefizite (Staatsfinanzen, Außenwirtschaft), die vorher nicht da waren. Jede Menge an Sprengstoff ist so durch die Währungsunion erst entstanden (Prof Nölling). Warum lagen die Euro-Konstrukteure auch hier falsch?

    • Der Euro ermöglichte den PIGS dank der geringeren Zinsen unter dem Euro nun noch mehr Schulden zu machen und hat so diese Krise erst richtig befeuert. Warum sollte Deutschland dieses System weiter pflegen und u.a. für die unverantwortliche Haushaltspolitik Anderer haften?

    • Wir haben auch keinerlei Spannungen mit der Schweiz oder Schweden, nur weil die NICHT in der Währungsunion sind? Warum sollten wir die dann mit Griechenland oder Italien usw. haben, wenn es den Euro nicht mehr gäbe?

    • Da gab es eine vertraglich vereinbarte „no-bailout-Klausel“, die in einem Putsch über Nacht einfach so gebrochen wurde. Welchem Gesetz kann man nun noch vertrauen und welche Versprechen und Gesetze werden nächstes Wochenende wohl gebrochen?

    • Auch eine Transferunion wurde vertraglich ausgeschlossen, wird nun aber zielgerichtet Schritt für Schritt angesteuert. Auf welche Vereinbarung kann man sich noch verlassen?

    • Man könne kein Land aus der Währungsunion hinaus werfen. Warum kann man zwar andere vertraglich festgelegten Vereinbarungen brechen (no-bailout, Transferunion) aber genau diese sollte verbindlich sein?

    • Die „Rettungs“-Gelder für Griechenland und Irland ersetzen derzeit nur private durch öffentliche Gläubiger. Wer erklärt einmal stringent, wie man so Länder retten kann?

    • Wenn diese Länder überschuldet sind, Überkapazitäten in künstlich aufgeblähten Branchen haben und sich durch eine Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit „auszeichnen“ wie genau sorgen da die sogenannten „ Rettungen“ für Abhilfe? Wie können die Länder so ihre Schulden zukünftig zurückzahlen?

    • Oder besteht die ganze derzeitige „Strategie“ etwa nur in einem „weiter so, Augen zu und durch“?

    • Werden Griechenland und Irland durch unsere „Rettungen“ nun leistungsfähiger oder geraten sie nur noch tiefer in den Schuldensumpf?

    • Nirgendwo gab/gibt es eine BEVÖLKERUNGS-Mehrheit für die Währungsunion. Findet Demokratie eigentlich nur dann statt, wenn es den „Eliten“ gerade mal passt?

    • Wird evtl etwa von den ursächlichen Problemen wie Überschuldung, Zinsmanipulation, dem Euro-Konstruktionsfehler oder einem noch immer überdimensionierten (insolventen) Finanzsektor abgelenkt?

    • Wäre ein Blick in die Geschichte nicht sinnvoll? Zitat von Francisco d’Anconia: „Gescheitert sind indessen übernationale Regelungen wie die Lateinische Münzunion (Frankreich, Schweiz, Belgien, Italien und Griechenland), die Deutsch-Österreichische Münzunion (Deutscher Zollverein, Kaiserreich Österreich und Liechtenstein) und die Skandinavische Münzunion (Schweden, Norwegen und Dänemark). Die mangelnde Disziplin der souverän gebliebenen Staaten wurde den Bündnissen zum Verhängnis. Zu den destabilisierenden Faktoren zählten, fehlende, fiskalische Disziplin, mangelnde ökonomische Konvergenz, unterschiedliche Vertragsauslegung, Zielkonflikte Länder/Union, u.s.w.. „. Und „Auch auf dem Gebiet der festen Wechselkurssysteme waren die Erfahrungen sehr ernüchternd ausgefallen. Sie sind entweder in sich zusammengebrochen (Goldstandard und Bretton Woods) oder waren kontinuierlich revisionsbedürftig (EWS).“

    • Warum glaubt man eigentlich immer noch genau denselben „Experten“, die
    o einen konvergierendes Europa vorhersagten obwohl die Realität nun ein wirtschaftliches Auseinanderdriften zeigt
    o die Stabilitätsgesetze machten, die sie „über Nacht“ einfach brachen
    o die noch im Sommer einen Banken-Stabilitätstest machten, der sich schon im Herbst als völlig wertlos erwies !
    o Die dem Defizit-„Wachstum“ von Griechenland zusahen und die dort keinerlei Betrug sehen WOLLTEN, obwohl ihnen schon jahrelang entsprechende Infos zugespielt wurden und „jeder Blinde“ es sehen konnte. Warum wird hier niemand wegen Unfähigkeit gefeuert? Und sie versuchen im Gegenteil auch noch „Profit“ aus ihrer Unfähigkeit zu schlagen, indem sie noch mehr Personal/Geld fordern.
    o Der Euro sollte den Frieden in Europa sicherer machen. Zur Zeit passiert genau das Gegenteil. Allerorten wächst die Wut auf den „Zuchtmeister“ Deutschland, der sich doch glatt erdreistet, für seine „Rettungs“-Gelder auch etwas zu einzufordern.
    o Warum also sollten genau diese „Experten“, die NICHTS richtig prognostiziert haben in Zukunft plötzlich richtig liegen?

    • Warum glaubt man nicht eher der Vielzahl von Professoren, die schon vor dem Jahr 2000 genau aufzeigten was passieren wird und deren Prognosen nun so eingetroffen sind?
    o z.B. hat Prof. Otte schon ca 1998 darüber geschrieben, warum der Euro zum Scheitern verurteilt ist,
    o Prof Hankel kennt wohl auch jeder, oder
    o das Memorandum von 1992 von führenden Wirtschaftswissenschaftlern, z.B. Punkt 10:“Die überhastete Einführung einer Europäischen Währungsunion wird Westeuropa starken ökonomischen Spannungen aussetzen, die in absehbarer Zeit zu einer politischen Zerreißprobe führen können und damit das Integrationsziel gefährden". Usw.

    • Normalerweise wäre zu erwarten, dass man die, die noch nie Richtiges prognostiziert haben auslacht und sich den Experten zuwendet, deren Prognosen nahe an der Realität lagen. Seltsamerweise vertraut die Mehrheit der intellektuellen Elite in Medien und Politik, unverdrossen (nun ja, erste Anzeichen des Umdenkens zeigen sich nun) den „Versager-Experten“. Dass so ein irrationales Verhalten aber durchaus nicht selten vorkommt zeigt eindrucksvoll das Buch „ Fallstricke, Die häufigsten Denkfehler in Alltag und Wissenschaft

    • Tipp an die "Keynesianer" falls die DM doch kommen sollte und ihnen die Aufwertung dann zu hoch ist: Dann müssen sie doch nur Nikolaus Schäuble mit einem 10.000 DM Scheck für jeden Bundesbürger losschicken und schon hat man 2 Fliegen mit einer keynesianischen Klappe erschlagen: 1. Die DM wertet dann deutlich ab und 2. Entfachen wir so eine tolle Binnenkonjunktur. Also, mit ein bisschen Steuern ist doch alles ganz einfach zu lösen, so aus keynesianischer Sicht (Ironie)


    Über die Vor- und Nachteile des Euro lässt sich angesichts der hohen Komplexität zwar trefflich diskutieren aber letztlich wird es meines Erachtens wie folgt ablaufen:

    Die Politiker werden „alternativlos“ und „um jeden Preis“ versuchen, den Euro zu halten. Dies führt zwangsläufig zu einer Transferunion und dem Politbüro in Brüssel. Dies wiederum lässt sich kein Volk in Europa gefallen und reagiert mit Aufständen (hoffentlich z.B. die Iren, Griechen, Spanier vor uns, denn ansonsten wird uns wieder einmal die GANZE Schuld am Scheitern zugewiesen). Also:
    Transferunion = Volksaufstände= K.O.-Kriterium! = Der Euro ist Geschichte.


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  • PRO-Euro Argumente hinterfragt - baba, 12.12.2010, 11:30

Es gibt keinen Planeten B, aber einen Plan B: die Finca Bayano Preisvergleich Gold & Silber

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