zur Sammlungsübersicht

Re: Sehr grundsätzliche Antwort - that's all I can say...

Geschrieben von dottore am 30. Januar 2003 11:03:42


Als Antwort auf: Gold / Euro / Dow / Dax - s'wird immer paralleler - die Frage aller Fragen! geschrieben von dottore am 29. Januar 2003 20:16:21:

Hi,

herzlichen Dank für die Beiträge vorweg. Ich darf die wichtigsten Stichworte herausgreifen und zunächst anmerken:

"Im Kreis" (Heller) - es kommt also nichts dazu. Alle versuchen also offenbar, jeder natürlich aus seiner Sicht, den Status quo zu halten und tanzen dieses Rondo. Stichwort: Bloß nichts mehr verlieren. Der Kreis wird aber unerbittlich kleiner - Radius schrumpft...

Ganz klare Ansage von tas: "Fear". Das passt genau. Die Angst ist jetzt: Bloß nicht noch mehr verlieren. Früher (Hausse) war es anders: Die Angst, nicht so viel zu gewinnen wie de anderen.

Bei Dieter gefällt mir die Ansage, dass es nicht (mehr) zu "realem Vermögenszuwachs" kommt. Ich meine: Dazu auch nicht mehr kommen kann, da die addierten Vermögenswerte, um die es letztlich geht, immer weiter schrumpfen.

Bei pecunia lese ich "Schutz" - das entspricht in etwa der "fear": Jeder will sich schützen, weil er fürchtet, ohne Schutz zu verlieren oder noch mehr zu verlieren.

Bär geht von den "Haltern" aus, was darauf hinausläuft, dass jeder versucht, just "das" zu halten (= zu haben und ergo möglichst schnell dorthin zu switchen, wo das Halten keinen Verlust (mehr) bringt.

Der kluge EUKLID setzt noch einen Extra-Player aufs Feld, die "Manipulateure". Die manipulieren alerdings nur oder erst, wenn sie befürchten müssen, dass das "Ganze" sonst noch mehr abschmiert. Dies übrigens sind andere Manipulationsmotive als in der Hausse, als man mit der Manipulation zusätzliches Vermögen zu erhaschen versuchte, während es jetzt nur ncoh darum geht, zu manipulieren, um die (eigenen oder gesamten) Verlust möglichst niedrig zu halten, ihren Eintritt möglichst lange hinaus zu zögern oder möglichst lange zu verschleiern.

Aus diesem und eigenen Überlegungen ergibt sich folgendes Bild:

Die Krise der Vermögen ist massiv unterwegs. Während in der Hausse durch Beleihungen (Kredite auf ohnehin permanent steigende Aktiva)zusätzliches "Geld" geschaffen wurde, was die Hausse der Aktiva weiter vorantreiben musste, wurde also - platt gesagt - gekauft ohne dass gleichzeitig verkauft werden musste. So konnte "alles" steigen und der Wechselkurs war "kaufgetrieben".

Bestes Beispiel immer noch: Die Dollar-Hausse, die nicht etwa eine Euro-Baisse war, sondern der Ausdruck dafür, dass man sich im Euro-Raum (unter Besicherung der im Euro-Raum bestehenden Aktiva bzw. Kredit-Fazilitäten) verschulden konnte, um dann in Dollar, i.e. Dollarwerten zu investieren. Dies hat sich inzwischen gedreht, denn die auf Euro lautenden Kredit müssen zurück und machen den Euro so rätselhaft stark. Der Eur wird also nicht etwa gekauft, um im Euro-Raum im großen Stil (via neue im Dollarraum genommene Kredite) shoppen zu gehen - denn sonst müssten die Euro-Aktiva haussieren, was nun - siehe Dax - überhaupt nicht der Fall ist. Der Euro muss vielmehr gekauft werden, um die auf Euro lautenden (alten) Verbindlichkeiten abzulösen.

In der weltweiten Vermögens-, alias Aktiva-Baisse ist es genau umgekehrt: Es muss zuerst verkauft werden, bevor geswitcht, also in anderen Aktiva angelegt werden kann. Die Kurse sind jetzt "verkaufsgetrieben".

Die beim Verkaufen logischerweise erscheinende Liquidität wird dann so schnell wie möglich in "etwas" angelegt, was sich positiv gegenüber dem entwickelt, aus dessen Verkauf sie stammt.

Kurzum: Das ganze Gebilde stellt sich dar als verzweifelter Kampf aller Partizipanten, nichts (mehr) zu verlieren (kann natürlich auch gelegentlicher Noch-Gewinn sein, dann allerdings nur für einzelne, niemals mehr für alle!) und nicht etwa "Tonnen von Geld" (ex allgemeiner Aktiva-Preis- bzw. Kurssteigerung zu gewinnen. Das haben sich alle längst abgeschminkt, sie geben es bloß noch nicht zu.

Indiz dafür sind die bekannten "Benchmark"-Betrachtungen nach dem Motto: Klar, unser Fonds hat 30 % verloren, aber die Benchmark 35 % - also sind wir große Klasse und Du, Anleger, kannst dich ruhig wieder hinlegen.

Nun gibt es ein einziges "Medium" (Vermögenswert, Aktivum), das keinen lokalen, regionalen, nationalen usw. Markt hat, wie etwa Aktien, Immobilien etc. Und das ist Gold.

Dies hat nicht nur die ökonomisch eindeutigen, und ergo rationalen Vorteile passivafrei zu sein und niemals unverkäuflich zu werden oder gar auf Null fallen zu können - im Gegensatz zu allen sonstigen "Vermögenswerten" (siehe mein Generve mit den 42,22), sondern es hat nach wie vor den Mythos (siehe Rumpelstilzchens Vortrag), das einzige "Eventualaktivum" zu sein, das existiert.

Dies ergibt sich grundsätzlich aus seiner physischen Konsistenz (alle anderen Aktiva sind Verschleiß oder dem kompletten Untergang bzw. der Nichterfüllung ausgesetzt) und dann vor allem aus seiner "Geschichte". Jeder, der Augen im Kopf hat, kann sehen, dass ein 2500 Jahre altes Goldstück heute noch genau so ausschaut wie vor 2500 Jahren.

Somit reift im Gold etwas heran, was sich mehr und mehr von den (albernen) Betrachtungen in Richtung Schmuckindustrie, industrielle Verwendung oder gar "allgemeine Angebotslücke" löst und zu seinem traditionellen Mix aus Mystik und Physik zurück findet, es erscheint als "Alternative" für jene, die ihre Verluste in Grenzen halten wollen, so dass es immer dann angefasst wird, wenn sich bei den verlustgeweihten Aktiva "Schwächen" zeigen - so dass über kurz oder lang das zum Tragen kommen wird, was die bekannten Dow/Gold-Charts aussagen: Es wird gegenüber den deflations-, also liquiditätsbeschaffungsbedingt fallenden sämtlichen Welt-Aktiva selbst dann triumphieren, wenn sein "Preis" gleich bliebe.

So synchronisieren sich die Märkte immer deutlicher, wobei wir vermutlich nach Auslaufen der Euro-Hausse (die Positionen sind abgewickelt, wie und wann auch immer) eine direkte Korrelation zwischen Sonstigen Aktiva und Gold ergeben dürfte (weshalb ich überhaupt darauf gekommen bin): Die Sonstigen fallen relativ gegenüber Gold, was wiederum gegenüber den Sonstigen relativ "steigt".

Der POG wird aber genau deshalb nicht gleich bleiben, weil immer mehr versuchen werden, die zur Vermeidung weiterer Verluste ihrer Vermögen erfolgenden Verkäufe vor der Wahl stehen: a) in andere Aktiva außer Gold zu switchen (was ihnen wegen der postwendend dann dort erscheindenden Verlust mehr und mehr vergehen wird, b) Liquidität zu halten (Inflationsrisiko derzeit nahe Null) oder c) in Gold zu gehen.

Die c)-Fraktion nimmt ersichtlich zu und es ist abzuwarten, was also auf kurze, mittlere oder lange Sicht geschieht.

Mein (völlig unverindliches) Szenario:

Kurz (max 1 bis 2 Jahre): Starkes Volatilitätspotenzial, da die "Manipulatuere" noch nicht aufgegebn haben und der Markt selbst alles andere als "sauber" ist - ganz im Gegensatz zu den späten 70er Jahren. Es wird also kein Zuckerschlecken oder Easy-Going werden. Die Gold 200 könnten durchaus bereits erscheinen.

Mittel (max 1 bis 5 Jahre): Der große Shake-Out der Sonstigen. Da dies in Zwischenphasen und sicherlich "zum Schluss" riesige Löcher, i.e. Liquiditätsbeschaffungsprobleme aufreißen wird, kann dies auch an den "sehr starken Händen" (privaten Goldhaltern) nicht spurlos vorübergehen. Ich darf an die Paralle zum 87er Crash erinnern: Titel runter, Gold gleich hinterher.

Ich setze stark auf dieses Szenario, wie oft genug geschrieben, kann mich aber selbstverständlich irren. Die Wucht eines weltweit kollabierenden Finanzsystems dürfte unsere Vorstellungskraft übersteigen. In diese Phase würde mir Gold 200 am besten zusagen, auch erheblich tiefere POGs halte ich für möglich, EW hin oder her. Ich persönlich halte die EW-Analyse in diesem Punkt für falsch angesetzt. Denn Gold kann m.E. erst einer Zählung unterworfen werden, nachdem es sich auch der letzten Reste seine monetären Daseins entkleidete, denn erst dann konnte die Käufer "in Gold denken", vorher war es umgekehrt: man dachte "aus Gold".

Der POG spielt "als solcher" letztlich nicht die entscheidende Rolle, da es zwangsläufig (siehe oben) gegenüber den Sonstigen relative Stärke haben muss.

Die Frage, ob Gold gegenüber Cash (Noten im Safe) gewinnt, weiß ich nicht. Nur das weiß ich: Gegenüber den Sonstigen (und dem allgemeinen "Preisniveau" - administrierte "Inflationen" via Verbrauchsteuererhöhungen usw., die gern und zu Recht als "Gegenargument" gebracht werden, halte ich für nicht entscheidend, da der Spielraum für solche Mätzchen politisch begrenzt ist, siehe BRD MWSt. auf 18%!) wird Cash King sein, vielleicht auch nur Duke oder Earl, aber auch das sollte reichen.

Lang (kann natürlich schon früher einsetzen als erst in 5 oder so Jahren): Goldpreisexplosion aus dem sehr einfachen (und noch und noch hier diskutierten) Grund, dass die immensen innen- und außenpolitischen Verwerfungen, welche die Kernschmelze des Aktiva- d.h. letztlich Finanzsektors (nur über den Finanzsektor lassen sich Aktiva bekanntlich "auspreisen" - bitte nochmals die Japan-Etude zu lesen, weiter unten) automatisch nach sich ziehen muss, dass die "Staaten" im letzten Aufbäumen zum klassischen Ausweg der Notenpresse wählen werden.

The sky is the limit. Than.

Und dann beginnt die bange Frage: Wenn sämtliche "Währungen" ausgelaufen sind - was kommt danach?

Das werden wir erst erahnen können, wenn es in die Richtung Notenpresse gegangen ist. Auf erste Sicht bestreite ich allerdings, dass die Goldhalter über das Auslaufen der Währungen hinaus Gold halten sollten. Die ganze Übung ist m.E. erst dann erfolgreich abgeschlossen, wenn wir wissen, wohin mit dem Gold dann.

Die Chancen auf Rückkehr zum Goldstandard oder gar zu einer Metallumlaufwährung halte ich für völlig ausgeschlossen (Irrtum vorbehalten). Meine Begründung ist bekannt: Gold ohne Staat ist als "Privatgeld" schlicht nicht vorstellbar: Es würde unter den Happy Few gehandelt und der riesige Rest der Menschheit würde untergehen. Möglicherweise entstehen allerdings "Warlord"-Strukturen (siehe Antike), was dann wieder den "Kreislauf der Macht" starten würde: Gold als Abgabe (denn ein Mal ausgegeben wäre es ja weg) und als "Zahlugnsmittel" zur Sicherung des Machterhalts (Söldner usw.).

Gold mit Staat liefe auf eine Weltzentralregierung hinaus. Von dieser Idee sollten wir uns sofort verabschieden, da wir nach dem unvermeidlichen Zusammenbruch der amerikanischen Weltmacht (obwohl die zäh sind und es dauern kann) wegen overextension (Paul Kennedy usw.) eine schnell um sich greifende Parzellierung des Weltgeschehens erleben dürften.

Dixi - it's all I can say.

Herzlichen Gruß in die brillante Runde!