Hinter der spanischen Wand des Krieges und der politischen Absurditäten ..

nereus @, Freitag, 10.04.2026, 10:29 vor 39 Tagen 3682 Views

.. passieren Dinge, die man auf dem Schirm haben sollte.

Verhindern kann man das ohnehin nicht, aber ggf. absichern, um den Sturm zu überstehen.

Sechs der größten Namen im Bereich der privaten Kreditvergabe blockieren Ausstiegsmöglichkeiten.

Zum Beispiel: Blackstone. Apollo. Aries. Morgan Stanley.

Wenn Milliardäre ihr Geld nicht abziehen können, was glauben Sie, passiert dann genau mit Ihrem?

Die Federal Reserve Bank of Boston hat es offen zugegeben: US-Banken sind die wichtigste Finanzierungsquelle für private Kredite.
Die Trennung der Risiken zwischen Ihren Einlagen und diesen Schattenkreditgeschäften war lediglich eine Illusion auf dem Papier.
Hinter den Kulissen wuchs das Risiko still und leise, weit über das hinaus, was wir 2007–2008 gesehen haben.
Dazu kommt: 200 Billionen Dollar an Derivate-Risiken.
Warren Buffett bezeichnete sie als finanzielle Massenvernichtungswaffen.
Die Bedingungen, die 2008 die Krise auslösten – Zinsstress, Kreditstress, Liquiditätsstress – sind alle gleichzeitig in Gefahr.

Michael Burry sagte es diese Woche: Insider im Bereich der privaten Kredite „sind bemerkenswert geschickt darin, das Problem vor sich herzuschieben, aber für mich sieht es nach dem Ende des Weges aus.“

Quelle: https://www.zerohedge.com/news/2026-04-09/private-credit-fuse-what-comes-next-bigger

Der Krieg erreicht uns wahrscheinlich nicht, aber die Explosion dieser Bombe werden wir nicht nur hören, es wird auch eine große Menge Splitter regnen.

mfG
nereus

Das Problem ist:

SevenSamurai @, Freitag, 10.04.2026, 11:19 vor 38 Tagen @ nereus 2830 Views

Michael Burry sagte es diese Woche: Insider im Bereich der privaten Kredite „sind bemerkenswert geschickt darin, das Problem vor sich herzuschieben, aber für mich sieht es nach dem Ende des Weges aus.“

Das Problem ist, dass man die Ganoven in Politik und Wirtschaft gewähren lässt.

2008 klickten weder die Handschellen noch gab es eine Aufarbeitung.

Nicht einmal der kleine Mann verlangte vehement eine Aufklärung, obwohl man ihm alles nahm, damit die Bankster weiterhin Boni bekommen konnten.

Man dachte, so sei es besser für die Wirtschaft.

Auch diesmal wird es nicht anders sein.

Weil der kleine Mann gar nichts anderes will.

Seufz.

--
"Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte:
weil sie damals (...)."
Henryk Broder

Derivate-Risiken und Derivate-Heuchler Warren Buffett

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Freitag, 10.04.2026, 15:10 vor 38 Tagen @ nereus 2464 Views

Hallo nereus,

Dazu kommt: 200 Billionen Dollar an Derivate-Risiken.

Ohne genaue Erklärung, wie dieser Betrag zustande kommt, ist die Aussage wertlos.
Wahrscheinlich ist es, wie bei Klein-Ernas gerne üblich, einfach nur eine Summe von Derivate-Nominalen über alle Basiswerte. Das ist aber kein Maß für Derivate-Risiko.
Ich habe das Thema vor Jahren hier im Forum einmal versucht zu erklären.

Auch Markus Krall benutzt solche Zahlen gerne. Ich habe ihm mit Freude auf einer Veranstaltung widersprochen. Markus Krall ist Experte für Kreditrisiko-Modelle, nicht aber für Derivate-Risiken. Er ist aus dem Thema beruflich lange heraus, ich frage mich, wieweit er bei Degussa damit zu tun hatte, denn die müsste ordentlich Derivate einsetzen.

Ich würde mich freuen, ihn irgendwann mal treffen zu können, um ihm das ausführlich zu erläutern, was ich ihm an den Kopf geschmissen habe. Krall ist kein Wurstsuppenschwimmer, der kapiert das auch.

Beim nächsten Finanzcrash müssen wahrscheinlich Derivate-Clearing-Häuser gerettet werden und die Schattenbanken selbstverständlich auch.

Es gilt im Finanzsystem die Personenschutzdevise: Selbst wenn der Kühler weißen Rauch abgibt, ein Reifen von der Felge herunter ist, eine Radaufhängung gebrochen ist und die Stoßstange im Radhaus gelandet ist und dort am Reifen schleift: IMMER weiterfahren!

Dazu kommt: 200 Billionen Dollar an Derivate-Risiken.
Warren Buffett bezeichnete sie als finanzielle Massenvernichtungswaffen.

Schon komisch, dass Warren B. Derivate verteufelt, aber selber nutzt:

https://www.google.com/search?q=warren+buffet+short+put+sp500

Da höre ich doch lieber Warren G. statt Warren B...[[freude]]

Mal in's Unreine gesprochen:
Schattenbanken ist wie alter Bankenwein in neuen Schläuchen, nur ohne Regulierung. [[hüpf]]
Der Hinweis des zerohedge-Autors auf dieses Problem ist absolut begründet.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Ja, aber ..

nereus @, Freitag, 10.04.2026, 16:01 vor 38 Tagen @ paranoia 2269 Views

Hallo paranoia!

Du schreibst: Ohne genaue Erklärung, wie dieser Betrag zustande kommt, ist die Aussage wertlos. Wahrscheinlich ist es, wie bei Klein-Ernas gerne üblich, einfach nur eine Summe von Derivate-Nominalen über alle Basiswerte.

Da ist sicher etwas dran.
Aber auch an der Aussage, daß die deutschen Vermögen in 2025 ca. 10 Billionen Euro betragen haben, nützen Klein-Erna wenig.
Das ist halt so mit plakativen Ansagen.

Das ist aber kein Maß für Derivate-Risiko.
Ich habe das Thema vor Jahren hier im Forum einmal versucht zu erklären.

Das ist schon richtig, aber es zeigt, daß wir es mit einem gigantischen Spiel-Casino zu tun haben, in der reale Werte aus Produktion und Verfügbarkeit keine besondere Rolle mehr spielen. Alles verschwindet hinter einer gigantischen Kulisse.

Jetzt nenne ich Dir mal ein paar Zahlen zum Derivatvolumen an sich, welche die BIZ veröffentlicht hat.

1970 lag das Volumen unter 1 Billion US-$.
Ende der Neunziger gab es einen Anstieg auf 80 Billionen.
2007, kurz vor der Krise waren es 600 Billionen, danach fiel es wieder ab.
2021 waren 610 Billionen,
2024 wurden 699 Billionen und
Mitte 2025 sage und schreibe 846 Billionen Billion US-$ gemeldet.

Du siehst also die 200 Billionen waren entweder falsch oder eine Schätzung der Summe, die ggf. unter die Räder kommt.

Wenn ich diese Zahlen lese, dann wird die Debatte um das Risiko etwas schräg, weil alleine die Volumenzunahme die Gefahr indiziert, egal, was sich da wo ausgleicht und wo etwas im Feuer steht.

Die KI weiß dazu: Etwa 75–80 % des Volumens entfallen auf den außerbörslichen Direkthandel zwischen Institutionen.

Das heißt im Klartext auf deutsch: Unreguliert und unkontrolliert und damit intransparent.
Wie gesagt, rein sachlich hast Du recht, aber real gesehen, führt diese Argumentation in eine Filterblase und Du weißt das auch ganz genau.

Denn nun schreibst Du: Beim nächsten Finanzcrash müssen wahrscheinlich Derivate-Clearing-Häuser gerettet werden und die Schattenbanken selbstverständlich auch.

Ach was.
Das gleicht sich dann noch nicht alles aus, sondern da hängen dennoch gigantische Summen am Bein der nichtsahnenden Bevölkerung.

Es gilt im Finanzsystem die Personenschutzdevise: Selbst wenn der Kühler weißen Rauch abgibt, ein Reifen von der Felge herunter ist, eine Radaufhängung gebrochen ist und die Stoßstange im Radhaus gelandet ist und dort am Reifen schleift: IMMER weiterfahren!

Ebend. https://www.youtube.com/shorts/-pI4i0-izrk

Deswegen wird ja auch gerade Krieg geführt, damit Klein-Erna nach Entwertung ihrer Spareinlagen auf den bösen Iran, den bösen Trump oder das noch bösere China zeigen kann.

mfG
nereus

Die Derivate-Invasion wird uns alle umbringen

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Freitag, 10.04.2026, 18:24 vor 38 Tagen @ nereus 2128 Views

Hallo nereus,

Das ist schon richtig, aber es zeigt, daß wir es mit einem gigantischen Spiel-Casino zu tun haben, in der reale Werte aus Produktion und Verfügbarkeit keine besondere Rolle mehr spielen. Alles verschwindet hinter einer gigantischen Kulisse.

Jetzt nenne ich Dir mal ein paar Zahlen zum Derivatvolumen an sich, welche die BIZ veröffentlicht hat.

1970 lag das Volumen unter 1 Billion US-$.
Ende der Neunziger gab es einen Anstieg auf 80 Billionen.
2007, kurz vor der Krise waren es 600 Billionen, danach fiel es wieder ab.
2021 waren 610 Billionen,
2024 wurden 699 Billionen und
Mitte 2025 sage und schreibe 846 Billionen Billion US-$ gemeldet.

Du siehst also die 200 Billionen waren entweder falsch oder eine Schätzung der Summe, die ggf. unter die Räder kommt.

Ich mache mir nicht mehr die Mühe, Zahlen herauszusuchen.
Derivate-Auflösung haben Auswirkungen in GuV und Bilanz, je nach Rechtsordnung. Hast Du das bedacht?
Im Zweifelsfall stehen da Geschäft und ein ähnliches Gegengeschäft gegeneinander anstatt einer Geschäftsauflösung.

Bei Future-Kontrakten übrigens kannst Du in einem Kontrakt nicht gleichzeitig Long und Short sein. Im Verhältnis zu Deinem Broker zählt nur die Nettoposition.

Wenn ich diese Zahlen lese, dann wird die Debatte um das Risiko etwas schräg, weil alleine die Volumenzunahme die Gefahr indiziert, egal, was sich da wo ausgleicht und wo etwas im Feuer steht.

Das ist falsch.

Die KI weiß dazu: Etwa 75–80 % des Volumens entfallen auf den außerbörslichen Direkthandel zwischen Institutionen.

Das heißt im Klartext auf deutsch: Unreguliert und unkontrolliert und damit intransparent.

Weder unreguliert, noch unkontrolliert und damit auch nicht intransparent.
Deine doofe KI hat Dir nicht erklärt, wie die Einführung von Clearinghäusern den Derivatemarkt verändert hat. Sie hat Dir nicht von der gleichtägigen Übertragung von OTC-Geschäften an Clearing-Häuser erzählt, und dass zwischen den handelnden Akteuren keinerlei Verbindung mehr besteht.
Nicht alle OTC-Geschäfte werden übertragen, ich vermute 75% bis 90%, aber ich werde jetzt auch nichts mehr heraussuchen.

Wie gesagt, rein sachlich hast Du recht, aber real gesehen, führt diese Argumentation in eine Filterblase und Du weißt das auch ganz genau.

Ich verstehe den Begriff "Filterblase" in dem Zusammenhang nicht.
Mein Anliegen war immer, die Zusammenhänge zu erklären, damit sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. Wenn man gar nichts versteht und den Click-Grabbern und Viertelversteher auf den Videoplattformen folgt, müsste man sich den Sarg neben den Bett stellen und den Strick für den Baum schon mal vorknoten.

Die Comex existiert immer noch. Wie konnte das passieren? Ach, wie kochten die Gerüchte im Forum so hoch. Bei jeder Silber-Hausse immer nach dem gleichen Schema. Alle nix gelernt. Das Thema ist nun tot - bis zur nächsten Hausse...

Ich befürchte, dass auch Du bei dem Thema Derivate lediglich Deine Meinung bestätigt sehen willst. Das finde ich schade.


Davon mal abgesehen lese ich Deine Beiträge immer gerne, unabhängig davon ob ich die Inhalte teile oder nicht.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

+1, Soweit ich das verstehe ...

dito @, Freitag, 10.04.2026, 18:36 vor 38 Tagen @ paranoia 1800 Views

... (und das ist weit unter @paras Niveau), ist das Volumen völlig belanglos, solange die entsprechenden Sicherheiten dahinter stehen. Struktur und Regulierung sind alles.

@paranoia: Danke vielmals! Gerne mehr dazu! (Reicht auch ein aufschlussreicher Link.)

Vielleicht kannst du auch was zu dem sagen, was sich bei private credit zusammenbraut?

Die Bafin warnt: Derivate können ihre Gesundheit gefährden! +

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Freitag, 10.04.2026, 20:43 vor 38 Tagen @ dito 1655 Views

Hallo Dito,

... (und das ist weit unter @paras Niveau), ist das Volumen völlig belanglos, solange die entsprechenden Sicherheiten dahinter stehen. Struktur und Regulierung sind alles.

es wäre schön wenn es so wäre. Aber die Marktwerte der Derivate schwanken, das weiß jeder mal Futures gehandelt hat und täglich auf den Kontoauszug guckte.
Kurse folgen nicht den Wunschvorstellungen von Banken, Börsen und Regulierern.
Zu Karneval 1992 oder 1993? hat sich USD/JPY an einem Tag um 10% bewegt.
Wer Zeitreihen von USD/JPY hat, Standardabweichungen ausgerechnet hat, kommt dann zu dem Schluss, dass da ja ein superseltenes Ereignis gewesen sein muss, das nur alle 1000 Jahre vorkommt oder so (ich weiß es nicht, die Rechnung kann jeder mal machen, der die Zeitreihe hat). Vermutlich ist eher die Normalverteilungsannahme Unsinn, weil die Verteilungen außen eben vielleicht viel fetter ist.

Bei einem Devisenswap über 1 Mrd. USD (was ja nicht so viel ist) z.B., bei dem gerade die Nominale "upfront" getauscht wurde, müssen dann etwa 100 Mio. USD als Sicherheit gestellt werden.

Wenn dann ein Kontrahent pleite geht und selbst wenn das ohne Zeitverzögerung bekannt wird, muss Ersatz gefunden werden. Selbst bei einem primitiven Devisenswap wird das Geld kosten, in diesem Fall mal eben etwa 10% x USD 1 Mrd. Wenn der pleitegegangene Marktteilnehmer die USD 100 Mio. verliert, ist das nicht schlimm. Die Kohle holt sich der Insolvenzverwalter vom Kontrahenten zurück.
Wenn aber der Pleitegeher die USD 100 Mio. zahlen muss, sieht es bitter aus für den Kontrahenten.

Das Beispiel gilt wohl heute so nicht mehr, weil vermutlich die simplen Devisenswaps oder auch die Cross-Currency-Basis-swaps alle über Clearinghaus laufen. Aber Clearinghäuser sind nicht reich und können auch Pleite gehen, weil sie nur auszahlen können, was eingezahlt wurde.

Also starke direktionale Marktbewegungen ziehen immer große Zahlungen nach sich. Wenn in dem Moment derjenige pleite geht, der dem Kontrahenten Geld zahlen muss sieht es nicht gut aus.

In solchen Situationen entstehen aus den Derivatepositionen Kreditrisiken aus dem Nichts.

Ich bin ein Freund von Regulierung mit Anreizen. Man könnte die betriebliche Altervorsorge zu einem bestimmten Prozentsatz von der wirtschaftlichen Lage eines Finanzunternehmens abhängig machen und den Pensionären ein Mitspracherecht bei der Unternehmenspolitik einräumen. Betroffen von so einer Regelung bei Banken wären dann ehemaliger Mitarbeiter von Handel und Risikocontrolling. Das sind die besten Kontrolleure, wenn es um den Verlust ihrer Altersvorsorge-Asche geht.

Wer Scheiße baut, muss die Konsequenzen tragen. Das sind eben nicht nur 3 Monate Köln-Kalk-Verbot, wie sie Tom Gerhard in seinem Fall für Auspuffdiebstahl bekommen hat. Das muss bedeuten: Keine Tätigkeit im Finanzbereich mehr zulässig! "name and shame" tut not. Alle mit Foto und Namen auf den Bafin-Seiten listen.

Vielleicht kannst du auch was zu dem sagen, was sich bei private credit zusammenbraut?

Ich weiß nicht was "private credit" ist! Von der Aktiv-Seite bei Banken habe ich keine Ahnung.
Klingt wie "Retail-Kreditgeschäft". Vielleicht meinst Du ja Schattenbanken?

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Zurück auf Los.

nereus @, Samstag, 11.04.2026, 16:13 vor 37 Tagen @ paranoia 2241 Views

Hallo paranoia!

Ich habe keine Zweifel, daß Du über Derivate mehr weißt als ich und werde auch nicht versuchen Dir mein Halbwissen aufzuschwatzen.
Daher gehe ich nochmal zurück auf Los, weil ggf. die Pferde gewechselt wurden, wir mir zumindest scheint.

Es ging ursprünglich darum, ob Derivate gefährlich für das internationale Finanzsystem sind.
Dazu wurde in einem Artikel von Zerohedge eine gigantische Zahl (200 Billionen US-Dollar) genannt und ein berühmter Investor zitiert.
Darüber hast Du Dich ein wenig lustig gemacht, weil Buffett selbst in diese Kontrakte investierte.

Das ist für mich aber kein echtes Argument gegen das Risiko an sich.
Ein Spengmeister hantiert auch mit gefährlichem Zeug und weiß dennoch um dessen Risiken.

Oder meinst Du Warren Buffett hätte die Derivate auch nicht verstanden und würde Unsinn, so wie Markus Krall, dazu erzählen?
Wenn er aber im Bild ist, was ich zunächst unterstelle, muss er einen Grund haben diese als Massenvernichtungswaffen zu bezeichnen.

Du schreibst danach auch: Beim nächsten Finanzcrash müssen wahrscheinlich Derivate-Clearing-Häuser gerettet werden und die Schattenbanken selbstverständlich auch.

Ich kann hier nicht ganz Deiner Argumentationslogik folgen.
Einerseits sind Derviate und deren Volumina - gemäß Deiner Aussage - kein Problem, andererseits müssen vermutlich Derivate-Clearing-Häuser und Schattenbanken gerettet werden, die ja mit diesen Finanzinstrumenten zu tun haben.

Kannst Du bitte diesen (scheinbaren) Widerspruch auflösen ohne dabei zu fachspezifisch zu werden und allen mitlesenden Klein-Ernas ein Licht anzünden.
Ich lerne gerne dazu und vermutlich ein paar andere Mitleser auch.

mfG
nereus

Nachtrag zum Thema Derivatenominalen und komische Sprüche von Warren Buffet

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Dienstag, 14.04.2026, 12:18 vor 34 Tagen @ nereus 756 Views

Hallo Nereus,

Es ging ursprünglich darum, ob Derivate gefährlich für das internationale Finanzsystem sind.
Dazu wurde in einem Artikel von Zerohedge eine gigantische Zahl (200 Billionen US-Dollar) genannt und ein berühmter Investor zitiert.
Darüber hast Du Dich ein wenig lustig gemacht, weil Buffett selbst in diese Kontrakte investierte.

Das ist für mich aber kein echtes Argument gegen das Risiko an sich.
Ein Spengmeister hantiert auch mit gefährlichem Zeug und weiß dennoch um dessen Risiken.

Es geht um zwei von einander getrennte Sachverhalte. Zum einen habe ich Warren Buffett einen Heuchler genannt:

Thema Warren Buffet zum Einsatz von Derivaten

[...
„Charlie und ich haben dieselben Ansichten über Derivate und die Handelsaktivitäten, die sie begleiten: Wir sehen sie als Zeitbomben, sowohl für die Parteien, die mit ihnen handeln, als auch für das Wirtschaftssystem.
...]

Quelle:
http://www.valueinvesting.de/warren-buffett/derivate/

Buffet, bzw. Berkshire ist eigenem Bekunden nach handelnde Partei in Derivaten. Seiner eigenen Aussage nach hat er mit ihnen gehandelt (Short-Put im SP500 und anderen Indizes gegangen).

Er hat nicht Deine schöne Analogie vom Sprengmeister verwendet.
Short-Put im SP500 zu sein ist damit eine Zeitbombe für Berkshire, oder?
Oder ist das eine Aussage im Stil von "Quod licet jovi, non licet Bovi"?

Oder meinst Du Warren Buffett hätte die Derivate auch nicht verstanden und würde Unsinn, so wie
Markus Krall, dazu erzählen?

Ich weiß es nicht. Das Auszahlungsprofil einer Short-Put-Position wird er verstanden haben.
Ob im bewusst ist, dass nicht erst eine Kursbewegung des Basiswertes (Underlying) unter den Basispreis (strike) Verluste verursacht, sondern schon der Weg dahin in Form von ansteigenden Margin-Forderungen(Börsenjargon) oder Sicherheitsleistungen (OTC-Jargon)?

Thema Aussagekraft von Derivatenominalen

Markus Krall addierte in seinen Vorträgen Kreditsummen zu Derivatenominalen. Das halte ich für Unsinn. Was soll die resultierende Größe sein? Mein Auto braucht 6,5l im Ölkreislauf und angenommenerweise 5l Wass im Kühlkreislauf. Macht das dann 11,5l Wasseröl oder Ölwasser?

Wenn er aber im Bild ist, was ich zunächst unterstelle, muss er einen Grund haben diese als Massenvernichtungswaffen zu bezeichnen.

Ja, z.B. durch die Art der Verwendung von Kreditderivaten durch AIG. Wenn ich mich erinnere, waren das niedrige Prämieneinnahmen pro Geschäft und riesige Volumina. AIG war Risikonehmer "risk taker" und kein Absicherer (Hedge).

Der Hedge Fonds LTCM war auch risk taker, Lehmann Brothers war es nicht.

Hier noch ein Beispiel für einen hoch bejubelten Geldvernichter. Dazu solltest Du am besten Nassim Taleb lesen, der in einem seiner Bücher beschrieb, wie ein Kollege (nicht Niederhoffer) jedes Jahr gut aussah dann aber mi Crash seinem Arbeitgeber einen Riesenverlust bescherte.

https://en.wikipedia.org/wiki/Victor_Niederhoffer

Das ist so, als ob Du in's Spielcasino gehst, eine Prämie dafür bekämmst, wenn rot oder schwarz fällt, aber bei grün nicht nur Deinen Einsatz, sondern alles verlierst.


Du schreibst danach auch: Beim nächsten Finanzcrash müssen wahrscheinlich Derivate-Clearing-Häuser gerettet werden und die Schattenbanken selbstverständlich auch.

Ich kann hier nicht ganz Deiner Argumentationslogik folgen.
Einerseits sind Derviate und deren Volumina - gemäß Deiner Aussage - kein Problem, andererseits müssen vermutlich Derivate-Clearing-Häuser und Schattenbanken gerettet werden, die ja mit diesen Finanzinstrumenten zu tun haben.

Kannst Du bitte diesen (scheinbaren) Widerspruch auflösen ohne dabei zu fachspezifisch zu werden und allen mitlesenden Klein-Ernas ein Licht anzünden.

Leider weiß ich nicht, ob die Clearinghäuser von Ihren Benutzern Sicherheitsleistungen verlangen, wie Terminbörsen von ihren Benutzern. Das würde das Problem mindern, ob es das löst, weiß ich nicht.

Entscheidend sind nicht die Derivatenominalen, sondern die Risiken die darin stecken. Das sind die Wertänderungen der Derivate, die sich ergeben, wenn sich die Marktpreise ändern, die die Preise der Derivate bestimmen.

Wie ich schon schrieb, wird bei den meisten Derivaten noch am Tag des Abschlusses der Kontrahent getauscht. Gegenpartei ist für Kontrahent A und B nicht der andere, sondern Clearinghaus C.

Täglich werden alle Derivate-Positionen gegenüber dem Clearinghaus einzeln bewertet und aufsummiert.
War der Wert gestern bei EUR -17 Mio. und fällt er auf EUR -19 Mio., musst Du sofort EUR 2 Mio. an's Clearinghaus zahlen. Liegt der Nettowert am nächsten Tag bei EUR -14 Mio, kriegst Du EUR 5 Mio. ausgezahlt.

Eine Bank mit "hohen" Derivatenominalen könnte trotzdem sehr wenig Risiko im Verhältnis zum Clearinghaus haben, was sich im Verhältnis zum Clearinghaus in geringen Zahlungsflüssen über die Zeit äußern würde.

Ein Bank, die täglich hohe Netto-Änderungen des Derivateportfolios gegenüber dem Clearinghaus aufweist und aus Sicht des Clearinghaus mehr Risiko aufweist, könnte aber über entgegengesetzte Zahlungsflüsse von und zu Kunden verfügen.
Wenn z.B. Banken ähnliche, bzw. risikomindernde Geschäfte mit Kunden abgeschlossen haben und Sicherheiten empfangen und stellen, dann ist aus Bankensicht kaum Risiko da, aus Sicht des Clearinghauses aber schon. Das Clearinghaus kann aber nicht in die Bank hereingucken.

Das ganze System beruht darauf, dass die täglichen Zahlungen fließen.
Das Risiko besteht darin, dass es eine starke Marktbewegung gibt und gleichzeitig eine oder mehrere Banken ausfallen.
Dann kriegen die "Gewinner" dieser Tagesbewegung weniger ausgezahlt als ihnen zusteht, oder vielleicht schlimmstenfalls gar nichts. Ich weiß nichts über die Eigenkapitalsituation bei
Clearinghäusern, ich vermute, dass sind nackte Männer (denen man nicht in die Tasche greift).

Zu klären:
Die Derivatekontrakte der ausgefallen Bank(en) müssen ersetzt werden, macht das das Clearinghaus oder
andere Banken für das Clearinghaus?

Diese aggregierten Derivate-Nominalzahlen sagen einfach nichts aus.
Dass die Aufsicht die Situation überblickt, da habe ich meine Zweifel.

Ich würde gerne wissen, wieviel Marktbewegung möglich ist, bevor es irgendwo knallt. Dazu brauche ich die Risiken (Sensitivitäten). Alles andere ist nur Stochern im Nebel.

Falls mein Geschreibsel zu unverständlich ist, kann ich nur empfehlen bei einem Future-Broker ein sogenanntes "paper trading account" zu eröffnen und irgendeinen kleinen Kontrakt zu handeln.
Oftmals sind solche Konten auf niedrige fünfstellige Anfangsgeldbeträge beschränkt mit dem Ergebnis, dass man bei großvolumigen Kontrakten schnell liquidiert wird weil man überhebelt ist.
Es gibt Analogien zwischen den börsenorganisierten Terminmarkten und den OTC-Märkten (OTC="over the counter").

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Stimmt das mit der Risikolosigkeit wirklich?

Martin @, Freitag, 10.04.2026, 18:16 vor 38 Tagen @ paranoia 1750 Views

Hallo paranoia,

ja, die Diskussion gab es damals, und ich meine, es lief darauf hinaus, dass es für jede Position eine Gegenposition gibt, so dass das Ganze ein Nullsummenspiel ist. Tatsächlich wäre beim genannten Derivatevolumen ein „Ausfall“ im 1 % - Bereich wohl schon ein kleines Problem.

Man hat vermutlich seit Lehman gelernt, aber damals waren die Gegenpositionen (zehntausende Derivatekontrakte mit unterschiedlichen Dokumentationsstandards und teils nicht digitalisiert) teils nicht auffindbar. Über Monate mussten diese manuell u.a. bei Clearingstellen und Banken rekonstruiert werden (Halter von Gegenpositionen, hinterlegte Sicherheiten, usw.).
Ich weiß nicht, wie über diese Zeit genau der Zustand stabil gehalten werden konnte, erinnere mich nur, dass die AIG gigantische Sicherheiten hätte nachschießen müssen und ohne staatliche Hilfe in kürzester Zeit insolvent gewesen wäre.

Ich weiß nicht, wie heute ein Ausfall einer größeren Gegenpartei abgefedert würde, gerade auch im unregulierten Bereich. Was aber würde passieren, wenn beteiligte Systeme ausfielen, vielleicht zu ungünstigen Zeitpunkten, oder wenn diese Systeme an einer vulnerablen Stelle gehackt würden? Nur so als Beispiel. Gute Kenner der Systeme würden vielleicht noch konkreter fragen.

Gruß
Martin

Welche Risikolosigkeit? Nichts ist risikolos.

paranoia @, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, Freitag, 10.04.2026, 20:08 vor 38 Tagen @ Martin 1582 Views

Hallo Martin,

Man hat vermutlich seit Lehman gelernt, aber damals waren die Gegenpositionen (zehntausende Derivatekontrakte mit unterschiedlichen Dokumentationsstandards

Nix unterschiedliche Dokumentationsstandards! Mittlerweile kannst Du z.B. das sündhaft teure Dokument "ISDA Master 2002" im Netz kostenlos herunterladen. Was der aktuelle Standard ist, ob es einen gibt, weiß ich nicht. Der von 2002 ist in englischer Sprache gehalten und da sollte auch alles zum Thema "Confirmations" drinstehen. Ob's für Nichtfinanzler verständlich ist, kann ich nicht beurteilen.

und teils nicht digitalisiert)

Das glaube ich nicht. Zur Zeiten der Finanzmarktkrise hatte vermutlich jeder Bankakteur ein Buchungssystem für Derivate, Endkunden vermutlich weniger.

teils nicht auffindbar. Über Monate mussten diese manuell u.a. bei Clearingstellen

Nicht auffindbar vielleicht, weil die Mitarbeiter weg waren. [[wut]]
Clearingstellen gab es nicht. Das kam viel später.

und Banken rekonstruiert werden (Halter von Gegenpositionen, hinterlegte Sicherheiten, usw.).

Bei den Amis scheint das ja mit dem Hire und Fire so zu sein, dass Du sofort entlassen wirst und nicht mehr hereinkommst. Man hätte die wichtigen Leute, sprich IT-Betrieb, Handels- und Derivate-Back-Office an die Kette legen müssen. Am besten gleich im Tresorraum einsperren, falls vorhanden. [[top]]

Heutzutage müssen die Bank ja Testamente für sich schreiben. Ob das funktioniert? Ich bezweifele das.

Ich weiß nicht, wie über diese Zeit genau der Zustand stabil gehalten werden konnte, erinnere mich nur, dass die AIG gigantische Sicherheiten hätte nachschießen müssen und ohne staatliche Hilfe in kürzester Zeit insolvent gewesen wäre.

Dazu habe ich genügend geschrieben, zum Unterschied zwischen AIG und Lehmann.


Ich weiß nicht, wie heute ein Ausfall einer größeren Gegenpartei abgefedert würde,

Ich weiß nicht, was Du mit "abfedern" meinst. Das ist so ein Wischiwaschi-Wort.

gerade auch im unregulierten Bereich. Was aber würde passieren, wenn beteiligte Systeme ausfielen, vielleicht zu ungünstigen Zeitpunkten, oder wenn diese Systeme an einer vulnerablen Stelle gehackt würden? Nur so als Beispiel. Gute Kenner der Systeme würden vielleicht noch konkreter fragen.

Es gibt da einen Spruch, der lautet, dass eine Bank, deren Systeme drei Tage lang ausgefallen sind, tot ist.

Ein großer Teil der abgeschlossenen OTC-Derivate wird gleichtägig von beiden Kontrahenten an ein Clearinghaus übertragen. Das Clearinghaus berechnet den Wert der Derivatepositionen und ermittelt über alle Einzelgeschäfte Zahl- bzw. "Empfangsbeträge" für alle Bankenkunden (Bank ist Kunde des Clearinghaus, es geht hier nicht um Dich und mich als Kontoinhaber bei einer Bank), so dass die Summer der Marktwerte der Derivate für alle abgesichert ist.

Wenn das Clearinghaus nicht funktioniert, gibt es keine Zahlungen.
Inwieweit eine Bank z.B. Staatsanleihen als Sicherheit beim Clearinghaus hinterlegen kann, weiß ich nicht.
Keine Zahlungen empfangen bedeutet, dass Banken, wo die Summe der Marktwerte sich verbessern, z.B. von -23 Mio. auf -18 Mio oder von +5 Mio. auf +12 Mio., kein Geld kriegen. Sie haben dann unbesicherte Forderungen gegenüber dem Clearinghaus. Unbesicherte Forderungen stellen Kreditrisiken dar - die könnten ausfallen.

Es ist in Deutschland schon mal vorgekommen, das ausl. IT-Mitarbeiter die Admin-Accounts der Inländer löschten und dann ihren Arbeitgeber erpressten. Da musste die Bank dann Microsoft-Mitarbeiter zur Lösung des Problems einfliegen.

Gruß
paranoia

--
Ich sage "Ja!" zu Alkohol und Hunden.

Es gab keine Clearingstellen?

Martin @, Samstag, 11.04.2026, 08:30 vor 38 Tagen @ paranoia 2142 Views

bearbeitet von Martin, Samstag, 11.04.2026, 08:49

Hallo paranoia,

ich bin damals gelegentlich Jim Sinclair gefolgt, und meine mich dunkel erinnern zu können, dass er schon vor 2008 vor den Risiken der Clearingstellen gewarnt hat. Nur gab es damals noch keine Clearingpflicht für standardisierte OTC-Derivate. Auch die EU hat damals reagiert und Regeln wohl verschärft https://www.bafin.de/DE/unternehmen-maerkte/aufsicht/kapitalmarktakteure/derivategescha...

Da sieht es so aus, als wären einige Pflichten vom Volumen abhängig. Allerdings habe ich jetzt in der Kürze der Zeit nicht recherchiert, wie die Situation vor beispielsweise 2009 aussah, aus den aufgelisteten Risiken kann ich nur Rückschlüsse ziehen, an welcher Stelle es Sorgen gab/gibt.

Gruß
Martin

PS: Sinclair äußert sich im verlinkten Interview auch zu den Risiken vor und nach 2008

die Wirtschaftsministerin legt sich mit dem Finanzminister an

aliter @, Freitag, 10.04.2026, 21:19 vor 38 Tagen @ nereus 1955 Views

und indirekt auch mit dem Kanzler und hat gute Vorschläge: Spritsteuer runter Km Pauschale rauf, sonstige Steuern runter, Einspeisevergütung runter bzw. ganz weg, soweit ich das mitbekommen habe. Weiter so!

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