Sohn von der Schule geflogen - Ausgang des Rechtsstreits - Bezug auf meinen Thread vom Dezember

Ötzi @, Samstag, 21.03.2026, 15:27 vor 22 Tagen 4120 Views

bearbeitet von Ötzi, Samstag, 21.03.2026, 16:07

Hallo liebe Gelben,

mein Sohn war im Dezember von einem privaten kirchlichen Gymnasium geflogen, ein knappes halbes Jahr bevor er die Mittlere Reife erlangt hätte - aus Verhaltensgründen. Siehe meinen Thread vom Dezember:
https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=679261

Ursprünglich hatte ich hier gepostet, um auszuloten, ob es vielleicht irgendwelche Möglichkeiten gibt, das letzte halbe Jahr Schulpflicht irgendwie zu umgehen.

Wir beschlossen aber dann, gegen die Kündigung vor Gericht zu gehen. Ich möchte hier nun berichten, wie die Sache ausging.

Vorgeschobener Grund der Kündigung waren ein paar jeweils wenige Sekunden lange Videos mit belanglosem Inhalt, die mein Sohn ein knappes Jahr zuvor heimlich im Unterricht aufgenommen hatte. Zugegeben keine schöne Sache, aber meines Erachtens kein Grund, ihn kurz vor Schulabschluss von der Schule zu werfen, zumal seit der Tat nachweislich bereits 9 Monate vergangen waren. Die Verhältnismäßigkeit ist da nicht gewahrt. Diese Videos waren gefundenes Fressen für die Schulleitung, weil dadurch ein nachweisbarer Straftatbestand vorlag (Verletzung der Persönlichkeitsrechte der Lehrkräfte und Schüler, die auf den Videos zu sehen waren). Eigentlich wurde jedoch deswegen gekündigt, weil einige Lehrkräfte mit dem gelegentlich bockigen Verhalten meines Sohns nicht zurecht kamen und weil sich eine Schülergruppe über ihn beschwert hat, die die Lieblinge der Klassleiterin sind. Die besagten Videos wurden der Schulleitung von derselben Schülergruppe zugespielt mit dem ausdrücklichen Ziel, ihn damit von der Schule zu werfen. Die betreffenden Schüler/innen waren auf den Videos nicht zu sehen.

Die Klage war nun ein zivilrechtliches Eilverfahren, mit dem eine einstweilige Verfügung beantragt wurde. Die Gerichte behandelten das Ganze jedoch meinem Eindruck nach eher wie ein beschleunigtes, aber schon recht umfassendes Hauptverfahren. Die Gegenseite bekam Gelegenheit zur Stellungnahme (soweit normal), zusätzlich wurde aber eine mündliche Verhandlung angesetzt. Das Verfahren vor dem Amtsgericht haben wir verloren, und sind in Berufung gegangen. Wieder Gelegenheit zur Stellungnahme für die Gegenseite plus anschließende mündliche Verhandlung vor der gesamten Berufungskammer des Landgerichts (3 Richterinnen). Diesmal ging es besser für uns aus und bereits vor der eigentlichen mündlichen Verhandlung konnten wir in der so genannten Güteverhandlung einen Vergleich mit dem Schulträger abschließen. Die Vorsitzende Richterin hatte deutlich durchblicken lassen, dass unsere Klage ansonsten höchstwahrscheinlich Erfolg hat, und dass die Schule dann einen noch größeren Reputationsverlust hat, wenn sie den vorgeschlagenen Vergleich nicht eingeht und wir dann eine einstweilige Verfügung bekommen - die mindestens ein halbes Jahr Bestand hätte bis zum Abschluß des Hauptverfahrens.
Der Vergleich beinhaltet nun, dass unser Sohn das Schuljahr noch an der Schule abschließen kann und anschließend die Schule verlässt. Zudem musste er in eine Parallelklasse wechseln, was aber auch Vorteile hat.

Soweit zum Ausgang des Verfahrens. Wir haben damit unser Mindestziel erreicht, dass unser Sohn hier nicht als alleiniger Verlierer "von Bord geht", allerdings erst nach drei Monaten Verfahrensdauer. Das Ganze hat mich unglaublich Nerven gekostet, und wenn meine Arterien verkalkt wären, würde ich diese Zeilen nicht mehr schreiben.

Unser Sohn hat ingestamt 31 Schultage verpasst und muss mehrere Klassenarbeiten nachschreiben, obwohl wir darum gebeten haben, diese einfach auszulassen. Zudem ist er bei der Klassenfahrt nicht dabei, muss morgens immer sein Handy abgeben und nach Schultagsende wieder abholen. Dazu Klassenwechsel und Wechsel der Französisch-Gruppe. Dazu dürfen einzelne Lehrer mir nicht mehr auf eMails antworten und ich muss alles Schulische über die Klassleiterin der neuen Klasse klären. Also ein Maximum an Schikane.

Dennoch sind wir mit dem Ausgang des Verfahrens insgesamt zufrieden. Wir haben die linke "Schuldiktatur", die an dieser Schule herrscht, gehörig ins Wanken gebracht. Zu Gute kam uns in dem Verfahren, dass mit unserem Sohn zu keinem Zeitpunkt vernünftig über die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben wurden, geredet wurde. Die Schulordnung sieht nämlich eigentlich eine formelle Anhörung vor. Diese wurde aber nicht durchgeführt, weil an der Schule Personen das Sagen haben, die der festen Meinung sind, dass brave Mädchen und Sonderlinge unter den Jungs grundsätzlich im Recht sind. Da erübrigt sich dann, die Gegenseite anzuhören, was aber doch zu den Grundfesten jeder Rechtsstaatlichkeit gehört.

Die Schulleitung hat sich vor allem durch das mehrmalige Hin- und her lächerlich gemacht.
Zunächst wurde unser Sohn im Dezember noch vor Abschluß des Schulhalbjahres vom Unterricht ausgeschlossen, und dies allen Eltern sogar per Briefpost mitgeteilt - zwar ohne Namensnenneng, aber für jeden offensichtlich, wer gemeint war. Dann im Januar die Kehrtwende, weil angesichts unserer Klage der Schulträger eingreifen musste. Er war also im Januar wieder im Unterricht. Dann im Februar wieder nicht mehr, weil das Schulhalbjahr zu Ende war, während das Gerichtsverfahren noch lief. Der Klasse wurde dann mitgeteilt, die Schule würde das Gerichtsverfahren zu 99% gewinnen. Dann nach Abschluss des Vergleichs die zweite Kehrtwende: der Klasse musste mitgeteilt werden, dass unser Sohn wieder an die Schule geht, wenn auch in eine Parallelklasse.
Das Ganze hat an der Schule mittlerweile hohe Wellen geschlagen, und mit der Zeit wurden immer mehr Personen in diesen "Strudel" mit hinein gezogen. Ich habe hier in der Darstellung einige Nebendinge wegglassen, die nicht so relevant sind. Ausgangspunkt des Ganzen ist eigentlich ein nicht ungewöhnlicher Klassenkonflikt, in dem vermutlich auch eine Eifersüchtelei eine Rolle gespielt hat.

Ich werde ab sofort die Sache möglichst wieder deeskalieren, aus mehreren Gründen. Zum einen, weil ich in Gesprächen festgestellt habe, dass hier kein wirklich demokratischer Geist herrscht, und die Mehrzahl der Leute letztlich alle zufrieden sind, wie die Dinge an der Schule laufen und kein Problem darin sehen in der Unfehlbarkeit und moralischen Überheblichkeit, die dort von der Schulleitung und einigen Lehrkräften an den Tag gelegt wird. Jeder ist da nur auf seinen eigenen guten Ruf bedacht. Zum anderen ist es natürlich auch so, dass vor allem mein Sohn, aber auch ich selbst diverse Fehler gemacht haben im Verlauf des Ganzen, und vielleicht an der ein oder anderen Stelle anders hätten agieren sollen. Dazu sind auf der Gegenseite auch Personen geschädigt, die mehr oder weniger unbeabsichtigt in den Strudel der Ereignisse geraten sind, oder die nur deswegen auf der anderen Seite stehen, weil sie falsch informiert worden sind. Die Schülergruppe, die meinen Sohn bezüglich der Videoaufnahmen verpetzt hat, ist innerhalb der Klassenstufe für alle Zeit als "Verpetzer" gebrandmarkt und sie werden es nicht leicht haben auf dem Weg zum Abitur.
Insofern wäre es ethisch auch falsch, wenn ich nun jede Gelegenheit nutzen würde, um nochmal einen drauf zu setzen. Wenn man vor Gericht einen Vergleich schließt, sollte man ihn dann auch leben, auch wenn das manchmal schwer fällt. Last but not least ist natürlich auch mein Sohn in den verbleibenden Wochen vom Wohlwollen der Lehrkräfte abhängig.

Die Sache ist für ihn psychisch nicht einfach - er lernt in diesen Monaten seit Dezember mehr für's Leben als andere in Jahren.

Damit will ich nun auch schließen - dass das System Privatschule gegenüber einer staatlichen Schule neben Vorteilen auch erhebliche Nachteile hat, brauche ich wohl nicht mehr auszuführen.

Grüße,

Ötzi

+1 ! oT

day-trader, Samstag, 21.03.2026, 15:47 vor 22 Tagen @ tar 1643 Views

.

--
Best Trade!!!

Zitat: Warum nicht z.B. aus der 10b in die 10c wechseln? Jetzt hat die Schule genau das akzeptieren müssen oT

SevenSamurai @, Samstag, 21.03.2026, 16:33 vor 22 Tagen @ Ötzi 1816 Views

Wie schon damals angedeutet.

--
"Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte:
weil sie damals (...)."
Henryk Broder

Die Eltern-Kind-Bindung wird hoffentlich ein völlig neues Niveau erreicht haben.

Griba @, Dunkeldeutschland, Sonntag, 22.03.2026, 09:50 vor 21 Tagen @ Ötzi 1362 Views

Ich wünsche ihm, daß er das Abitur/die Matura übersteht, egal mit welcher Note, und aus der Katastrophe für sein Leben gelernt hat.

--
Beste Grüße

GRIBA

danke

Ötzi @, Sonntag, 22.03.2026, 10:00 vor 21 Tagen @ Griba 1188 Views

erstmal geht es um die Mittlere Reife. Er ist in der 10. Klasse Gymnasium, hat die 9. Klasse wiederholt. Sollte er das Klassenziel nicht erreichen, müsste er die 10. Klasse nochmal an einer Realschule wiederholen, mit Schülern, die dann 2 Jahre jünger sind als er und auch intellektuell auf einem völlig anderen Niveau.
Die Chancen stehen aber gut, dass er die Klasse besteht. Ob er dann anschließend an einem anderen Gymnasium Abitur macht, steht auf einem ganz anderen Blatt. Versuchen wird er das, ich werde aber darauf hinarbeiten, dass er sich parallel mit Ausbildungsmöglichkeiten beschäftigt.

Relevanz der Sache für das Gelbe Forum

Ötzi @, Sonntag, 22.03.2026, 10:22 vor 21 Tagen @ Ötzi 1524 Views

bearbeitet von Ötzi, Sonntag, 22.03.2026, 10:35

ich möchte noch hinzufügen, dass sich im Verlauf der Sache für mich leider im Kleinen Vieles bestätigt hat, was im Großen in ganz Deutschland im Argen liegt:

- an der Schule herrscht auf Seiten der Verantwortlichen ein linker, feministischer Zeitgeist, der völlig über's Ziel hinausschiesst und pubertierende Jungs benachteiligt

- grundlegende demokratische Prinzipien sind an der Schule zwar in Schriftform vorhanden, werden aber nicht beachtet, wenn es hart auf hart kommt

-sachliche Kritik wird als Majestätsbeleidung aufgefasst. Lehrer sind nicht bereit, offensichtliche Korrekturfehler einzugestehen (diesen Teil habe ich wie auch einiges andere weggelassen)

- die Schulelternsprecher vertreten die Interessen der Schule anstatt die Interessen der Eltern, weil das für sie der bequemere Weg ist (diesen Teil habe ich ebenfalls weggelassen)

- auf Seiten der Eltern herrscht Duckmäusertum. Jeder ist nur sich selbst der Nächste und auf das Wohlergehen des eigenen Kindes an der Schule bedacht. Ich habe im Verlauf des Ganzen von anderen Eltern Null Unterstützung erfahren.

- mein Sohn hat zwar von vielen anderen Schülern persönlich Unterstützung erfahren, in dem Sinne, dass sie ihm Recht gegeben haben, aber nicht in organisierter Form. d.h. die sind gar nicht auf die Idee gekommen, geschlossen zur Schulleitung zu gehen, um sich für ihn einzusetzen. Das ist auch mein und sein Versäumnis, da sich das vielleicht im Nachhinein hätte organisieren lassen. Zu Beginn war dazu schlicht keine Zeit, weil die Schule sehr schnell war mit der Kündigung auf Grund der Kündigungsfrist.

"Duckmäusertum"

SevenSamurai @, Sonntag, 22.03.2026, 10:57 vor 21 Tagen @ Ötzi 1490 Views

- auf Seiten der Eltern herrscht Duckmäusertum. Jeder ist nur sich selbst der Nächste und auf das Wohlergehen des eigenen Kindes an der Schule bedacht. Ich habe im Verlauf des Ganzen von anderen Eltern Null Unterstützung erfahren.

Jeder von uns, der schon ein bisschen älter ist, weiss, dass NUR Duckmäusertum im Leben zu Erfolg führt.

NUR.

Fleiss und all die anderen Tugenden sind nur die Karotte, die man uns Eseln vor die Nase hält.

Ich selbst bin unendlich frustiert, weiss aber, dass man das nicht (mehr) ändern kann. Und die grosse Mehrheit der Bevölkerung will es gar nicht ändern.

[[sauer]]

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"Wenn ihr euch fragt, wie es damals passieren konnte:
weil sie damals (...)."
Henryk Broder

Das sehe ich anders owT

Dieter @, Sonntag, 22.03.2026, 12:09 vor 21 Tagen @ SevenSamurai 1150 Views

owT

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Das sektenhafte Denken und Handeln der Grünen und ihrer Anhänger und Wählerschaft ist für Menschen mit gesundem Menschenverstand nur schwer nachzuvollziehen.

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