Viele dieser Details kennt man auch in Deutschland

helmut-1, Siebenbürgen, Sonntag, 12.01.2020, 07:55 (vor 216 Tagen) @ FOX-NEWS786 Views

Wegen der daraufhin extrem gestiegenen
Preise sammelten die Leute Regenwasser, was dann schlicht verboten wurde,
woraufhin massive Unruhen ausbrachen. Die Wasserversorgung wurde kurz
darauf wieder verstaatlicht.

Die Privatisierung/Monopolisierung eines eigentlich im Überfluss
vorhandenen Gutes gelingt nur durch staatliche Repression. An das
eigentliche Problem, die Wasserverschwendung durch Landwirtschaft in
vorwiegend ariden Zonen (Kalifornien, Arizona, Spanien usw.) wagt sich ja
keiner ran, obwohl man diesem Problem mit einem Handel von
Wasserentnahmezertifikaten schnell den Zahn ziehen könnte. Statt dessen
geht man dem kleinen Mann auf den Sack, der Wassersparklos kaufen soll,
woraufhin die Abwasserkosten steigen (die verdickte Pampe muss jetzt in der
Kanalisation ausgespült werden, mit Frischwasser natürlich),
Komplexitätsparadoxon ala Joseph A. Tainter vom feinsten!

Diese Konstellation ist mir von Berufs wegen bekannt. Auch in Deutschland gehts ja nur ums Geld, und um nichts anderes. Allerdings sind meine Erinnerungen mindestens 20 Jahre alt, - es mag sein, dass sich da heute manches anders darstellt, - lediglich das Abkassieren ist sicher geblieben.

Ich erinnere mich, irgendwann in den 70ern oder 80ern, da wurde das Fertighauszentrum in Mannheim gebaut. Da die dortigen Kläranlagen beim Platzregen damit Probleme hatten, weil sie mit der immensen ankommenden Wassermenge kämpfen mussten, - also Abwasser durchsetzt mit hauptsächlich Regenwasser, das eigentlich nicht geklärt werden muss, kam man auf die Idee, dort Sickerschächte für das Dachwasser vorzuschreiben.

So um die 4 m tief, und alles, was über die Regenfallrohre kam, wurde dorthin geleitet, mit einem Sicherheitsüberlauf ins Kanalsystem, wenn es zu anhaltend regnen sollte. War ja auch sinnvoll, weil ich mich noch an einen extremen Sommer erinnere, glaube das war 1983, wo der Grundwasserspiegel extrem abgesunken ist.

Bei großen Fabriken , wo das mit den Schächten aufgrund der anfallenden Regenwasserkapazität nicht ausreichte, wurden Auffangteiche gebaut, wo dann das Wasser langsam versickern konnte. Später wurden daraus Löschwasserteiche gemacht, die erst ab einem gewissen Wasserstand zur Versickerung kamen.

Alles hat man probiert, was auch durchaus Sinn gemacht hat. Das Regenwasser von den Straßen hat man nach wie vor den Kläranlagen zugeführt, weil man da ja auch Staub, Abrieb etc. mit einkalkulieren musste. Dann aber kam wieder die Geldidee, genannt "Oberflächenwasserabgabe". Dieses Geld konnte jede Gemeinde beliebig einheimsen. Nun musste man das wieder mit Erklärungen rüberbringen. Ab dem Zeitpunkt war es wieder "umweltschädlich", das Regenwasser vom Dach in die Schächte einzuleiten, weil ja angeblich vom Dach viel Abrieb und Schmutz abgespült wird.

Man hat das Einleiten in die Schächte mancherorts regelrecht verboten. Dann kamen manche auf die Idee, auf ihrem Grundstück unterhalb der Erdoberfläche mit leichtem Gefälle ein Netz von Dränleitungen zu verlegen (Rohre mit Schlitzen), in die das Dachwasser eingeleitet wurde und von wo es dann in die tieferen Schichten austreten konnte. Dagegen konnte niemand etwas Vernünftiges sagen, weil ja die Reinigung des Wassers durch die Erdschichten erfolgt. Wie man mit denen verfahren hat, die einen Regenwasserbehälter, z.B. aus Glasfaser, auf ihrem Grundstück eingegraben hatten und im Haus ein Trennsystem (Trink- und Brauchwasser) vorhielten, das weiß ich nicht mehr.

Genauso kann man das Wasser von den Geh- und Fahrflächen auf diese Weise dem Grundwasser zuführen, weil es ja im Erdreich gefiltert wird. Für die Sanierung des abgesunkenen Grundwasserstandes absolut sinnvoll, - dann aber begannen die Klärwerke zu jammern. Nun kam die Sauce viel zu dick und konzentriert, die aus den Abwasserleitungen (Toiletten, etc.) ankam. Das würde wieder höhere Kosten verursachen, etc.

Dann gabs die Idee mit dem Öko-Pflaster, wo zwischen den Fugen das Wasser in den Untergrund versickert, - ich weiß nicht, wie es zur Zeit aussieht, ob man sich der Oberflächenwasserabgabe heutzutage entziehen kann. Ich hab im Falle eines städtischen Trennsystems (man wird es kaum glauben, aber das wurde unter Ceaucescu hier eingeführt) zwischen Regenwasser und Hausabwasser dann immer den Dreh angewendet: Hausabwasser an das dafür vorgesehen Kanalsystem angeschlossen, aber eine der Regenwasserfallrohre, meist die am weitesten hinten gelegene, auch mit angeschlossen. Mit diesem Trick bewirkt man, dass sich bei jedem Regen die Kanalleitung des Hausabwassers automatisch reinigt.

Fest steht für mich, wenn ich mich nun aus dem Berufsleben zurückziehe und mich um die Generalrenovierung unseres Wohnhauses kümmere, dann wird einer der ersten Schritte sein, einen Tiefbrunnen auf meinem Grundstück zur Wasserversorgung zu bohren. Wird so bei 100 m liegen, um an die 2. Grundwasserschicht zu kommen (die erste mit 5 - 8 m ist ja mit Nitraten versaut). Noch geht das, offiziell muss man eine Genehmigung einholen, aber- wie der Pfälzer sagt - "wer viel fragt, geht irr".

Bei manchen, wo das bekannt ist, wollen die Wasserwerke eine Wasseruhr in die Brunnenleitung einbauen, um dadurch die Abgaben für das Hausabwasser berechnen zu können. Bei vielen aber wirds vergessen, oder man weiß es gar nicht. In Deutschland darf der Brunnenbauer gar keinen Brunnen bauen, wenn der Auftraggeber über keine Genehmigung der unteren Wasserbehörde verfügt, sonst ist er seinen Gewerbeschein los. Und viele Anträge werden heutzutage gar nicht mehr genehmigt. Soviel zum Grundrecht "Wasser" in Deutschland.

Ich werde mich, nachdem ich das alles gelesen und über das Video von arte den Kopf geschüttelt habe, so verhalten, dass dieser Tiefbrunnen gebohrt wird, dann mit den entsprechenden Filtern trinkwassergerecht gemacht (wenn ich das nicht wüsste, wie das geht, dann hätte ich ein Arbeitsleben umsonst gelebt), den städtischen Wasseranschluss beibehalten und dadurch einen völlig untergeordneten Verbrauch manifestiert, der sich genauso auf die Kanalgebühr auswirkt. Hat ja auch einen Vorteil, spätestens dann, wenn mal die Förderpumpe des Brunnens ausfällt oder man bei Stromausfall duschen möchte.


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