Werbung im TV - ein Fall für den Sozialpsychologen

helmut-1, Siebenbürgen, Freitag, 22.11.2019, 19:29 (vor 231 Tagen)2390 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 22.11.2019, 19:38

Ich glaube, irgendwann habe ich da drüber schon mal geschrieben, weiß aber nicht mehr, in welchem Thread. Das mit der Stichwortsuche funktioniert ohnehin nicht beim Gelben. Immer wieder fällt mir dieses Thema aber auf, und es wird immer schlimmer.

Worum gehts:

Wenn man die Werbung so analysiert, die da über den Bildschirm flimmert, dann ist ein deutlicher Trend in Richtung medizinische Hilfsmittel erkennbar. Nicht erst seit gestern, sondern schon seit längerer Zeit.

Der Unterschied:

Früher waren es vielleicht ein Drittel der Werbespots, die sich mit dem Thema Gesundheit beschäftigen, das hat sich im Laufe der Zeit bis auf die Hälfte erhöht, - aber der Prozentsatz ist deutlich gestiegen. So deutlich, dass ich mir die Mühe machte, beim ZDF als öffentlich-rechtlicher Sender mal mitzuschreiben, was da so an Werbung kommt. Bei den Privaten ists sowieso weitaus umfangreicher, das Werbeprogramm, deshalb habe ich das auf das ZDF beschränkt.

Freitag abend, als heute, zwischen den Krimis:

- Mucosolvan (Husten)
- Olivenöl-Creme - Medipharma - gegen Falten
- Gingium (Nervenstärkung)
- Henkel - Sekt
- Doc - Schmerzgel
- Lindt - Schokoladen
- Neurexon - Schlafmittel
- Gerry Weber (wofür da geworben wird, habe ich nicht geschnallt)
- Tebonin - Gedächtnisschwund
- dulcesoft - Abführmittel
- Wimpernbooster

Das war der Werbeblock mit 10 Werbungen. Das bedeutet, 70 %, also 7 von 10 Werbungen, befassen sich mit Themen der Gesundheit. Jetzt wird doch - nach meinem Verständnis - dafür und dort geworben, wo Bedarf, wo ein Markt ist.

Das lässt den Schluss zu, dass man in der einschlägigen Branche davon ausgeht, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung krank ist. Dabei meine ich die deutschsprechende Gesellschaft, - denn der Syrer oder der Afghane wird sich die Werbung beim ZDF wohl kaum reinziehen. Wie krank unsere Gesellschaft ist, das sieht man schon aus den Themen, wenn man die Beiträge der letzten 7 Tage im Forum zurückverfolgt.

Hätte mir das jemand in den 70er oder 80er Jahren vorausgesagt, dass heute derartige Themen behandelt werden, die aber alle relevant sind und oftmals sogar auf den Nägeln brennen, - ich hätte demjenigen damals eine gute Heilanstalt empfohlen, vor allem aber eine geschlossene. Wenn ich mir mal erlauben darf, auf triviale Weise die Zielgruppen aufgrund der Werbung zu definieren, dann heißt das für mich:

Ein Großteil der Menschen ist erkältet, hat Schmerzen, die Haut schrumpelt, sie können nicht mehr normal kacken, die Nerven flattern, sie vergessen viel und einschlafen können sie erst recht nicht.

Nun ja, - wenn man sich die Aktualität so betrachtet, was sich da täglich abspielt, nicht nur in der Politik, auch auf allen anderen Ebenen, - dann wird der Irrsinn - für mich zumindest - verständlicher. Ein gesunder und mit funktionierenden fünf Sinnen ausgestatteter Mensch würde mit Sicherheit anders bewerten, argumentieren und entscheiden. Die Gesellschaft ist krank, und da sind die Politiker davon nicht ausgenommen.

Wie mir ein alter Mann mal gesagt hat:

Warum ich glaube, dass ein Politiker andere oder zumindest besondere Eigenschaften haben müsse. Der Politiker kommt weder von einem anderen Stern, noch wird er in der Retorte erzeugt, - er kommt aus dem Volk. So wie das Volk ist, so sind seine Politiker; - die Politiker sind der Spiegel des Volkes.

Und die Werbung im TV unterstreicht, dass das Volk krank ist. Schließlich kostet die TV-Werbung ein Schweine-Geld. Keine Firma wird für etwas werben, wofür kein Bedarf oder eine Zielgruppe vorhanden ist. Sieht man es von dieser Seite, dann kann man vielleicht den einen oder anderen Politiker besser verstehen, - oder seine Sprüche eher nachvollziehen.

Noch eine Anmerkung:

Warum ist mir das eigentlich so eklatant aufgefallen? Einfach deshalb, weil jedes Mal der saublöde Spruch als Abschluss der Werbung kommt:

Zu Risiken und Nebenwirkungen fressen Sie die Packungsbeilage und erschlagen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Ich kann ihn schon nicht mehr hören.


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