Stolz, andere "stolz" auf sich machen......

Olivia, Freitag, 14.06.2019, 20:30 (vor 356 Tagen) @ Silke1234 Views

"Stolz" ist ein vielschichtiges Thema. Auch das Gefühl, das damit verbunden sein kann, dürfte sehr viele unterschiedliche Ausprägungen haben. Nicht zuletzt wird es auch noch vom Alter abhängen, wie sich dieses Gefühl "Stolz" anfühlen mag.

Ich vermute, dass sich "Stolz" für jeden von uns etwas anders anfühlt. Wir sind starke Individualisten und einige mögen das Wort "Stolz" mit dem "gleichgeschalteten Stolz" von Nationen verbinden.

Natürlich wird das Gefühl "Stolz" mit Vorliebe instrumentalisiert. In beide Richtungen. Die einen "dürfen nicht stolz sein", die anderen sollen auf Dinge Stolz sein, auf die sie keinerlei Einfluss haben. Der "Stolz der Massen" ist ein wunderbares Manipulationsmittel für die herrschenden Kasten. Schon mit einem Fußballspiel kann man sie aufpeitschen und in Raserei bringen. Und wenn man autoritäre Staaten anschaut, dann sieht man, wie sehr sie die Menschen mithilfe eines falsch internalisierten "Stolzes" unter Kontrolle haben. Ich erinnere hier nur an "Stolz und Ehrenmord".

Und trotzdem versteckt sich hinter dem Wort "Stolz" mehr. Eltern, die stolz auf ihre Kinder sind. Kinder, die alles daran setzen, dass ihre Eltern auf sie stolz sind.

Als meine Mutter starb, verbrachte ich gerade einen kurzen Urlaub mit meinem Mann in Spanien. Wir hatten beide viel gearbeitet und waren froh, kein Hotel buchen zu müssen, sondern in unsere Wohnung "fliehen" zu können. Ich hatte gerade eine neue CD für meine Mutter gekauft, eine Musik, die mich stark berührte und von der ich annahm, dass sie meiner Mutter gefallen würde. Ihr Tod traf mich wie ein Schock. Ich wußte, dass sie sehr krank war, aber mit ihrem Tod hatte ich nicht gerechnet. Die ganze Welt brach für mich zusammen.
NIE wäre ich auf die Idee gekommen, dass ich so heftig und intensiv reagieren würde. Ich lebte seit Jahrzehnten nicht mehr zu Hause und meine Besuche waren auch ausgesprochen spärlich. Schließlich hatte ich ja pausenlos "Termine" und "zu tun". Ich begriff es nicht. Das einzige Gefühl, das ich hatte war: Jetzt ist ALLES sinnlos. Später begriff ich, dass ich VIELES von dem, was ich in meinem Leben getan habe, NUR für meine Mutter getan habe. Zu ihrer Freude. Wobei meine Mutter mein Leben und das, wozu es mich GETRIEBEN hat, NIE verstanden hat. Aber auch wenn sie mich nie verstanden hat, so war sie doch STOLZ auf mich.

Hätte mir das jemals irgend jemand gesagt, ich hätte ihn einfach für verrückt gehalten. Aber durch den Tod meiner Mutter drängten diese Gefühle explosionsartig hoch und wurden für mich sichtbar.

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Das Destruktive meiden - Das Konstruktive suchen!


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