Deutschland hat weniger Fehler gemacht, als man meint

Tempranillo, Donnerstag, 13.06.2019, 12:53 (vor 396 Tagen) @ Mephistopheles2582 Views

Doch statt sich mit Russland zu verständigen, hat man sich gegenseitig
zerfleischt. Das eben aus dem Grund, weil die damalige Führung nicht
erkannte, wer der wahre Feind Deutschlands ist. Russland war es nie.

Ein Teil der russischen Führung war es leider sehr wohl. 1874 hat Rußlands Außenminister Gortschakow (Bismarck zufolge Sohn einer deutschen Mutter => Volk der Huren und Verräter) eine gegen Deutschland gerichtete Einkreisungsallianz zu zimmern versucht (Krieg-in-Sicht-Krise).

In Rußland gab es sehr einflußreiche Kreise, die sich vom Krieg gegen Deutschland Vorteile erhofften, mal so richtig Beute machen wollten, und sich von England, Frankreich und Amerika einspannen ließen.

Francis Delaisi, Die Finanziers und die Demokratie, gibt eine abgründige Schilderung der damaligen Tendenzen:

*Währenddessen eilt Außenminister Poincaré nach St. Petersburg, um sich mit dem Zaren abzustimmen. Der russische Botschafter Iswolski bearbeitet die Presse. Millerand läßt auf den Boulevards Militärkapellen marschieren. Vergeblich eilt Jean Jaurès ins Außenministerium, um Viviani zu beschwören, seine Nerven zu behalten. Er sieht den russischen Botschafter Iswolski, Mann der Finanziers, fröhlich aus Vivianis Büro kommen. Er errät, was geschehen ist und ruft wütend aus: *Jetzt hat er seinen Krieg, dieser Bandit.*

http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=483856

Und an diesem Kardinalfehler der damaligen deutschen Führung haben
wir nach wie vor zu tragen.

Das deutsch-russische Verhältnis wurde von den Russen kaputt gemacht. Darüber wäre bei Bismarck einiges zu lesen, welche Schwierigkeiten er gehabt hat, massive russische Truppenaufmärsche auf heute polnischem Gebiet zu bewältigen und Moskauer Wünsche nach deutschen Truppenkontingenten zur Bekämpfung der Türken abzuweisen.

Du begehst einen Fehler, wenn du den heutigen Deutschen Vorwürfe machst,
anstatt schonungslos den historischen Fehler der damaligen deutschen
Führung zu analysieren.

Die damalige deutsche Führung hat sehr viel weniger Fehler gemacht als man meint. Diese Darstellung dürfte ebenfalls aus der angloamerikanischen Lügenküche kommen. Wenn sie Deutschland nicht Kriegsabsichten unterstellen können, dann versuchen ihm Fehler in die Schuhe zu schieben, um von der eigenen und apokalyptischen Schuld abzulenken.

Wenn ich den heutigen Deutschen einen Vorwurf mache, dann den, daß sie sich wehr- und willenlos dem Amerikanismus ausliefern, jeden US-Dreck übernehmen, nachäffen und den, der das nicht so toll findet, mobben.

Der Vorwurf liegt nicht im Verhalten an sich, er bezieht sich auf die Freiwilligkeit, mit der sich ein Volk, das sich zu den faustischen Dichtern und Denkern zählt, für buchstäblich nichts, nicht mal 'nen Heiermann zur Nutte, zum Stricher seiner Todfeinde macht und nichts Schöneres kennt, als sich sofort nach der Seife zu bücken, sobald ein US-Politiker oder Vertreter des dortigen organisierten Verbrechens, pardon, der Eliten auf der Bildfläche erscheint.

Tempranillo

--
*Die Demokratie bildet die spanische Wand, hinter der sie ihre Ausbeutungsmethode verbergen, und in ihr finden sie das beste Verteidigungsmittel gegen eine etwaige Empörung des Volkes*, (Francis Delaisi).


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