Wirtschaften ist NICHT Produzieren!

Phoenix5, Donnerstag, 16.05.2019, 19:36 (vor 378 Tagen) @ Falkenauge2249 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 16.05.2019, 19:50

Der natürliche Antrieb zum Wirtschaften liegt zunächst in den
elementaren Bedürfnissen des Menschen nach Nahrung, Kleidung,

Wohnung

usw.


Das ist kein wirtschaftlicher Antrieb.


Behauptung ohne Begründung. Wenn Du aus Hunger Lebensmittel, aus
Wärmebedürfnis Kleider einkaufst, so ist das kein wirtschaftlicher
Antrieb???
Wie ideologisch verbohrt bist Du denn?

Das hat nichts mit ideologischer Verbohrtheit zu tun. Leben und Überleben zu wollen ist kein Wirtschaften. Wirtschaften ohne Staat ist vollkommen unmöglich.

Dieser Antrieb führte zunächst zur egoistischen Selbstversorgung.


Ebenfalls daneben. Es herrscht "natürliche" solidarische
Subsistenzproduktion in der Gemeinschaft, die es in einer Gesellschaft

wg.

individueller Anonymität nicht geben kann.


Natürlich war das Ursprüngliche die Selbstversorgung. Jeder ging für
sich, zur Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse auf die Jagd oder baute
für sich Getreide an und zähmte Vieh usw.

Wie Fox-News schon sagte, hat die Sippe für die Sippe gesammelt/gejagd bzw. nach der Sesshaftigkeit produziert.

Du machst noch einen Unterschied zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft.
Die ursprüngliche Gemeinschaft war die blutsverwandte Familie, Sippe, in
der der Einzelne noch unselbständig eingebettet war. Er identifizierte
sich mit der Abstammungsgemeinschaft, deren Älteste quasi sein Ich
repräsentierten und sein Leben bestimmten. Insofern sorgte er, indem er
für die Gemeinschaft sorgte, für sich selbst.
Diese Blutsgemeinschaften haben aber im Abendland ihre Bedeutung verloren.
Der Einzelne hat sich zur individuellen Freiheit und Selbstbestimmung
emanzipiert.

Das war ein Stufen-Prozess, der seinen Ausgang spätestens in Mesopotamien hatte, d.h. spätestens als ein Stamm einen anderen unterwarf und ihn für sich arbeiten ließ. Uwe Wesel nannte das Oppenheimersche Unterwerfungsszenario (Franz Oppenheimer - Der Staat) "eine der ethnologisch am besten gesicherten Erkenntnisse." Bereits hier kam es zur Zerstörung der Solidargemeinschaft. Die weitere Individualisierung ist dann ein reines Staatsphänomen: Individuelle Haftung/Sippenhaftung? Lehenssystem/Eigentum? Betrieb/Lohnarbeit?

Mit der modernen Arbeitsteilung arbeitet der Einzelne aber nicht mehr

für

sich selbst, sondern was und woran er arbeitet, ist für andere

bestimmt.

Ein reines Staatsphänomen. Vor dem Staat nicht auffindbar, so wie die Menschheit auch nach dem Ende der Staats-Ära nicht für andere wirtschaften wird, sondern wieder kollektiv für die eigene Blutsfamilie produziert.

Auch das ist falsch. Es ist geradewegs umgekehrt: mit der

Arbeitsteilung

hielt die Individualisierung Einzug.


Die Individualisierung hielt mit der oben skizzierten Emanzipation von der
Blutsgemeinschaft Einzug. Die Arbeitsteilung entstand durch die
Mechanisierung der Arbeitsabläufe.

Die Arbeitsteilung entstand mit dem Zwang zu wirtschaften und differenzierte schließlich weiter aus durch individuelle Haftung und am Ende Lohnarbeit. Es gibt keine Stämme, wo der eine Bäcker und der andere Fleischer und der dritte Getreidebauer ist. Die Individualisierung war keine freiwillige Emanzipation von der Blutsfamilie, sondern eine erzwungene.

In der Wirtschaft geht es um das Verteilen von Waren und Dienstleistungen
und die darus erzielten Erlöse. Das geschieht gerecht, wenn jeder daran
Beteiligte brüderlich berücksichtigt wird. Wenn unter Brüdern nicht der
Stärkste alles für sich beansprucht, sondern brüderlich teilt, nennt man
das Brüderlichkeit. Und diese ist schon in der Arbeitsteilung, durch man
nicht für sich, sondern für andere produziert - ob man es weiß oder
nicht - veranlagt.

Nichts ist veranlagt. Wirtschaften basiert immer auf Zwang. Ohne Staat gibt es kein Geld, keinen Zins, kein Eigentum, keine Märkte. Diese romantische Vorstellung, dass Wirtschaften irgendetwas mit Tausch und dem Verteilen von Waren/Dienstleistungen zu tun hätte, ist absurd. Wirtschaften beruht einzig und allein auf dem Abgabenzwang. Und wie @tar schon sagte: Ohne der Arm/Reich-Schere ist weder Geld, noch ein Wirtschaften definierbar. Geld ist kein Ding, das man gerecht verteilen könnte. Der in der Hierarchie Höherstehende hat die Geldscheine und der Niederstehende, erwirtschaftet Waren und Dienstleistungen im Gegenwert dieser Scheine.

Beste Grüße
Phoenix5

--
Ein Buch für Keinen - Der Kapitalismus nach Paul C. Martin


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