Versuch einer Antwort

Ostfriese, Mittwoch, 06.03.2019, 20:13 (vor 453 Tagen) @ Phoenix52492 Views

Hallo Phoenix5,

danke für deine ausführliche – wie immer in einer sprachlich-perfekten Form dargelegten – Antwort, die sich mittlerweile über drei Fäden erstreckt, die mich inhaltlich schier überfordert und mir die Grenzen meines Wissens zeigt. Dürrs philosophische Betrachtungen liegen leider vorwiegend nur in YouTube-Vorträgen und weniger in schriftlichen Abhandlungen und Texten vor – die Suche nach seinen Darlegungen ist damit sehr erschwert.

Im Sinne Dürrs sind die Pyramiden und auch die ökonomische Lehre der Physiokratie, nach welcher allein die Natur Werte hervorbrächte und somit der Grund und Boden der einzige Ursprung des Reichtums eines Landes sei, geronnener und toter Geist. Das würde ich in Anbetracht dessen, dass die obigen mathematischen Kalküle diskutiert und im Hier&Jetzt angewendet werden, auf keinen Fall für den Debitismus und die Machttheorie behaupten.

Der Ansicht

Wenn man
das Ganze erfassen will, darf man nicht mehr wissenschaftlich denken und
wenn man nicht mehr wissenschaftlich denkt, kann man auch keine
Regelmäßigkeiten mehr finden, die den Anforderungen der Wissenschaft
genügen.

bin ich nicht. Vielleicht kann der Machthalter, der den Debitismus und die Machttheorie, als Teil eines Ganzen und als eine Beschreibung dessen, was passiert, wenn Schulden im System sind, versteht, dann auch im Sinne der Erhaltung seiner Macht 'bessere' Entscheidungen treffen und durchsetzen.

Und nur Letzteres schafft technologischen Fortschritt (und das
sage ich wertfrei. Ich kann mir nämlich keinen technologischen Fortschritt
denken, der nicht ein gleich großes Rückschrittspotential beinhaltet),
weil nur Stabilität die Basis sein kann, auf der wir unsere Technologie
aufbauen.

Die Stabilität als Basis des technologischen Fortschritts wird gewährleistet durch ihre Finanzierbarkeit. Lukas, Stelzner u.a. zeigen, dass die harmonischen Schwingungen in der Realität, die unser Bild der Wirklichkeit ist, als 'Archetyp der Ordnung' interpretiert werden können.

Beatrice Lukas schreibt:

"Gäbe es nicht irgendwo als Gegengewicht zum Phänomen 'Resonanz' das des 'Nichtmitschwingens', so würden die in Relation stehenden Phasen aller Schwingungen einander enorm verstärken und sich in unkontrollierbarem Maße, bis ins Unermessliche hinein aufschaukeln. In Kürze würde sich die Natur, die ja voll Schwingungen ist, ins Unendliche verstärken und erweitern und sich letztendlich der Schwingungsfunktion entledigen: Dies wäre eine Art funktioneller Kollaps durch übergroße, sich selbst verstärkende Ordnung. Dies wird aber nicht geschehen, da das Vorhandensein der Proportion des Goldenen Schnittes diese resonante Ordnung bricht und auf diese Weise jedes natürliche System stabilisiert."

Der Goldene Schnitt als 'Archetyp des Chaos'

"Das umgekehrte Extrem träfe ebenso zu: Gäbe es nicht als Gegengewicht zum Chaos das Element des Mitschwingens, der harmonischen Relation, dann würde die gesamte Erscheinungswelt zerbrechen und zersplittern, die Teile würden immer mehr den Bezug zu einander verlieren, alles würde sich entropisch auflösen bis hin zum homogenen Chaos, in welchem vorerst nur Teilchen, schließlich konsequenterweise aber nicht einmal mehr diese, sondern weder Welle noch Dimension existieren würde, da jegliche Relation zu einander aufgehoben wäre."

Die Ansicht

So etwas wie der radikale
Konstruktivismus ist eigentlich eine extrem wissenschaftsfeindliche Idee,
weil er alle neuen Entdeckung zwangsläufig als "scheinbare Ordnung"
abwerten muss, die wir nur deshalb gefunden haben, weil wir den Schlüssel
(unsere bisherigen geistigen Informationen bzw. unsere biologische
Beschaffenheit) in ein Schloss steckten (das Feld der Potentialitäten).

teile ich auch nicht. @nemo schreibt in einem dieser drei Fäden:

"Esoterik bedeutet Erkenntnis durch sich selbst. Während Wissenschaft Erkenntnis durch die Beobachtung äußerer Phänomene ist. Beides ist jedoch notwendig, wie die Quantenphysiker herausgefunden haben und schließt sich gegenseitig nicht aus. Man kann sich selbst nicht aus der Beobachtung ausklammern, da man selbst ein Teil des Ganzen ist. Das ist der revolutionäre Schritt. … Die Quantenphysik lehrt uns, dass alles, was wir tun, denken und empfinden, Auswirkungen auf alles andere hat."

Ich sehe nicht das Ende von Wissenschaft und Technologie. Vielleicht haben wir unterschiedliche Deutungen des Wortes 'Potenzialität'. Hans-Peter Dürr argumentiert dynamisch und relational: in jedem Moment ist der weitere Verlauf des Gegenwärtigen – des Hier&Jetzt – gestaltbar, offen und kreativ. Ich durfte eigentlich deshalb auch nicht formulieren: "was am Ende steht, können wir heute nicht wissen." Vielleicht gibt es kein Ende, weil wir eben stets offen und kreativ sind!

Das ist eben der riesige Unterschied zwischen Wirklichkeit und Realität,
den viele Wissenschaftler nicht verstehen und wo ihr euch jetzt am anderen
Extrem, am anderen Pol, positioniert.

Da ich den Begriff 'Potenzialität' ebenfalls dynamisch und relational interpretiere und nicht statisch, füge ich ihn meinen Betrachtungen hinzu.

Die Wissenschaft arbeitet mit der
Wirklichkeit, d.h. mit dem, was auf den Menschen direkt oder durch
Messgeräte wirkt.

Zitat von @nemo: Der Beobachter selbst ist ein Teil des Ganzen und der Experimente und damit ein ihrer Ergebnisse.

Mit der Zukunft

So gesehen
muss man diese Art der Philosophie als das sehen, was jede Wissenschaft am
Ende eines Kulturzyklus befällt: sie endet nach Spengler in einer
"Verfeinerung der Fragestellungen und Methoden in sich selbst" und gibt der
Mystik/Spiritualität die Hand.

ist es so eine Sache – sicher ist nur das Gegenwärtige im Hier&Jetzt.

Gruß â€“ Ostfriese


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