Fatalismus

Oblomow, Leipzig, Dienstag, 05.03.2019, 13:13 (vor 453 Tagen) @ Nico2548 Views

Ich frage mich, ob die Welt ein angenehmerer Platz wäre, wenn alle Fatalisten oder wenn alle Weltverbesserer wären. Mit gewisser Lebenserfahrung noch Weltverbesserer zu sein, da scheint mir @Meph in seinem Brief an @Phoenix das Wichtigste diabolisch auf den Punkt gebracht zu haben. Politik ist eben keine Wissenschaft vom Besten, sondern eine Kunst, das Schlimmste zu verhindern im Rahmen debitistischer Zwänge.

Und bei Fatalismus fällt mir immer nur der Georg Büchner ein, der in einem Brief an die Braut vom 10. März 1834 mit 21. Jahren (Sic!) schreibt:

"Schon seit einigen Tagen nehme ich jeden Augenblick die Feder in die Hand, aber es war mir unmöglich, nur ein Wort zu schreiben. Ich studiere die Geschichte der Revolution. Ich fühlte mich wie zernichtet unter dem Gräßlichen Fatalismus der Geschichte. Ich finde in der Menschennatur eine entsetzliche Gleichheit, in den menschlichen Verhältnissen eine unabwendbare Gewalt, Allen und Keinem verliehen. Der Einzelne nur Schaum auf der Welle, die Größe ein bloßer Zufall, die Herrschaft des Genies ein Puppenspiel, ein lächerliches Ringen gegen ein ehernes Gesetz, es zu erkennen das Höchste, es zu beherrschen unmöglich. Es fällt mir nicht mehr ein, vor den Paradegäulen und Eckstehern der Geschichte mich zu bücken. Ich gewöhnte mein Auge ans Blut. Aber ich bin kein Guillotinenmesser. Das muß ist eins von den Verdammungsworten, womit der Mensch getauft worden. Der Ausspruch: es muß ja Ärgernis kommen, aber wehe dem, durch den es kommt, – ist schauderhaft. Was ist das, was in uns lügt, mordet, stiehlt? Ich mag dem Gedanken nicht weiter nachgehen."

http://gutenberg.spiegel.de/buch/georg-b-421/3

Herzlich
Oblomow

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"Der Geist wird erst frei, wenn er aufhört, Halt zu sein."


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