Wo liegt der Unterschied zwischen ZB-Konten & CBDC?

tar ⌂, Gehinnom, Sonntag, 27.01.2019, 04:31 (vor 611 Tagen) @ CalBaer4563 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 27.01.2019, 04:44

Ich kenne nur Giralgeld (Ansprueche gegen GBs auf ZB-Geld) und ZB-Geld
(Scheine und Muenzen). Ein Anspruch gegen die ZB ist nichts anderes als
Cash, denn ein Geldschein ist auch nur ein Anspruch gegen die ZB.

1. "ZB-Geld" sind Verbindlichkeiten der ZB (= Forderungen gegen die ZB) und stehen bilanziell auf der Passivseite der ZB. "ZB-Geld" ist also aus Sicht der zugehörigen ZB kein Vermögen.

2. Derartige Forderungen/Verbindlichkeiten werden nicht nur physisch (eben in Form von Bargeld), sondern auch digital dokumentiert (per Kontenführung). Geschäftsbanken unterhalten in der Regel ein entsprechendes Konto bei der ZB.

3. Diese Forderungen begründen keinen konkreten Anspruch gegen die ZB, sondern das Potential, eigene Verbindlichkeiten ggü. der ZB (= Forderung der ZB gegen einen selbst) und ggü. der Regierung (Steuerforderungen des Finanzamts) bei der entsprechenden Fälligkeit tilgen zu können. Dieses Potential begründet deren allgemeine Akzeptanz.

4. Die Bewertung dieser Forderungen ("am freien Markt") ergibt sich aus deren Verhältnis zu deren Deckung und damit zum Einen aus dem rechtlichen Regelwerk, das die zugehörigen Emissionsprozesse vorgibt und zum Anderen aus dem tatsächlichen Emissionsvorgang, bei dem mitunter das offizielle Regelwerk ignoriert wird. Das Ganze steht außerdem in Bezug zu 3. - also in welchem Maße die knappen Tilgungsmittel bis zum Fälligkeitstermin allgemein verfügbar sind. Kurz: anhand welcher Sicherheiten und in welcher Höhe wird innerhalb welchen Zeitraumes an wen emittiert?

Natuerlich koennte die ZB anstatt Papierscheine herauszugeben, diese auf
eine Blockchain stellen. Jeder Private koennte sich somit ZB-Geld direkt
und rund um die Uhr in Sekunden uebertragen. Es haette viele Vorteile. Die
Sache hat aber mehrere Haken:

1) Eine Blockchain waere gar nicht noetig, eine von der ZB verwaltete
Datenbank reicht voellig aus, da eine zentrale Autoritaetsinstanz
(Schoepfung, Herausgabe) sowieso schon existiert. Eine Blockchain zu
benutzen waere hoechst ineffizient im Vergleich zu einer Datenbank. Man
spricht daher nur von CBDC (Central Bank Issued Digital Currencies), da
eine Blockchain nicht notwendig ist.

Exakt. Eine Blockchain ergibt bei 1 Ledger (hier dem Ledger der jeweiligen ZB, also deren Kontoführung hinsichtlich ihrer Verbindlichkeiten) keinen Sinn.

2) Es stellte, wie bereits
hier
kurz
angerissen, das Geldsystem auf den Kopf. Da ich fuer die
Uebertragung digitaler Euros keine Bank mehr benoetige, verschwinden auch
die Einlagen der GBs. Da ich fuer die Speicherung meiner Guthaben ebenfalls
keine Bank mehr benoetige (Zinsen koennte ich direkt beim Staat und den
Privaten erwirtschaften durch Kauf/Verkauf von Anleiheprodukten - Lagarde
irrt, selbst fuer Zinsen braucht man keine GB mehr), habe ich auch kein
Ausfallrisiko der GB. Der Private bekaeme direkten Zugang zur ZB und keine
GB wird dann mehr in der Lage sein, Kredit zu schoepfen. Die
Kreditschoepfung muss dann die ZB uebernehmen - nichts anderes als ein
sozialistisches Vollgeldsystem. Die GBs werden vermutlich weiterexistieren,
reduzieren sich aber zu reinen Vermittlern.

Du unterliegst einem Denkfehler: Geschäftsbanken sind (überwiegend) Private und sie übernehmen weit mehr als lediglich die Abwicklung von Transaktionen. Aus dem Umstand, dass jedermann ein ZB-Konto führen könnte, auf die Kreditgewährung seitens der ZB zu schließen, halte ich bereits insofern für falsch, da nicht jedermann über zentralbankfähige Sicherheiten verfügt.

Hypothetische Ueberlegungen dazu:
Winds of Change: The Case for New Digital Currency
https://www.imf.org/en/News/Articles/2018/11/13/sp111418-winds-of-change-the-case-for-n...
Why Central Bank Digital Currencies Will Destroy Cryptocurrencies
https://www.project-syndicate.org/commentary/central-banks-take-over-digital-payments-n...
Mit CBDCs (= sozialistisches Vollgeldsystem) wuerde man nur das Kind mit
dem Bade ausschuetten. Roubini findet die Idee revolutionaer, nun ja,
Keynesianer sind schon immer Teilzeitsozialisten.

Du hattest hier mal auf ein anderes Problem aufmerksam gemacht.

Ich frage mich noch, wo grundsätzlich der Unterschied zwischen "normalen" ZB-Konten und CBDC liegen soll.

--
Gruß!™

Time is the school in which we learn,
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