Hab mir mal alle Kommentare ausführlich reingezogen,

helmut-1, Siebenbürgen, Dienstag, 08.01.2019, 06:17 (vor 505 Tagen) @ Olivia2882 Views

die vornedran stehen, von jedem Einzelnen. Das, was Taurec geschrieben hat, erfordert meinen Respekt für diese analytische Denkweise.

Das mit dem Annehmen einer Staatsbürgerschaft irgendeiner persönlichen Auffassung gleichzusetzen, das halte ich für sehr gewagt. Ich gehe mal von mir aus: In den 90er Jahren war ich deshalb auch in Bukarest vorstellig, um mir einfach den Grunderwerb auf meinen Namen in Rumänien zu vereinfachen. Ich dachte an eine Doppelstaatsbürgerschaft. Da das aber wg. des österr. Rechts nicht geht (eine andere Staatsbürgerschaft per Akklamation anzunehmen, bedeutet den Verlust der österreichischen), habe ich davon wieder abgesehen.

Obwohl ich mich in Rumänien wohlfühle, - mal abgesehen von den unhaltbaren Zuständen in der politischen Staatsführung - sehe ich keine Art der inneren Glaubenseinstellung, als ich mich damals mit dem Gedanken getragen habe. Es waren rein pragmatische Überlegungen.

Ich denke, dass vieles, was irreführend ist, auf die unterschiedliche Auslegung des Begriffs "Wertegemeinschaft" zurückzuführen ist. Da kann jeder was anderes drunter verstehen. Bevor man nicht den Begriff "Wert" in der Form festlegt, inwieweit Patriotismus, Traditionsbewusstsein, usw. darin eingebunden sind, ist es müßig, über eine Wertegemeinschaft zu sprechen.

Als extremes Beispiel für die falsche Aufassung des Begriffs "Wertegemeinschaft" resp. "Werte" durch einen Politiker das Video des Kasseler Regierungspräsidenten Lübke in Lohfelden (2015):

https://www.youtube.com/watch?v=KdnLSC2hy9E

Ich denke, dass man zwischen zwei Begriffen klar unterscheiden muss, die in der deutschen Sprache möglich sind (in anderen Sprachen, z.B. im Rumänischen, kennt man diese Unterscheidung nicht):

Man kann an vielen Orten sich wohl fühlen, und sich dort zuhause fühlen. Aber nur an einem einzigen Ort ist man daheim. Ich denke, dass jeder Spanier, jeder Syrer, oder wer auch immer, das genauso fühlt, - auch, wenn er/sie das oft im Alltag in den Hintergrund drängt.

Auch nach mehr als 45 Jahren als im Ausland lebend, egal in welchem Land in Europa, empfinde ich so, und ich hab es vor ein paar Tagen wieder gemerkt, als ich mir das Neujahrskonzert der Wr. Philharmoniker angesehen habe. Wenn dann der Donauwalzer erklingt und man daran denkt, dass man als kleiner Bimpf im Matrosenanzug mal selbst im Musikvereinssaal auf der Empore neben der Orgel gestanden hat, dann zieht sich was in der Brust zusammen, wo man dann nur mehr alleine sein will...

Vieles im Leben kann man logisch nachvollziehen, analysieren und begründen, - aber es gibt außer der Ratio noch was anderes, was man eher in die emotionale Schublade gibt. Deshalb meine ich, dass ein Syrer (um das mal als Beispiel zu nehmen) immer ein anderes Verhältnis zu seiner Heimat haben wird, sofern er dort seine Kindheit verbracht hat, als zu einem Aufnahmeland wie Deutschland. Die Vision des Kosmpoliten ist ein Trugschluss, - aber das stellt sich erst in fortgeschrittenem Alter heraus, da muss man mindestens über 50 sein, wenn man dann beginnt, nach den Wurzeln zu suchen.


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