Die Wirtschaft und damit die Völker globalisieren und vermischen sich immer weiter

Zarathustra, Mittwoch, 14.02.2018, 13:24 (vor 838 Tagen) @ Diogenes Lampe3370 Views
bearbeitet von Zarathustra, Mittwoch, 14.02.2018, 13:30

Hallo Zara,

Hallo Diogenes Lampe

Kein Imperium hat je einen Interessenausgleich der Staaten angestrebt.
Angestrebt wird stets mehr Macht im Kampf um Kontrolle und Einfluss,

und

dies mit kriegerischen Mitteln.


Ich denke, Sie irren sich. Natürlich waren Imperien immer auch auf
Interessenausgleich angewiesen, sonst hätten sie sich weder bilden noch
ausdehnen können.

Man gibt nur soviel wie man muss.

Der Hauptzweck von Imperien besteht in der angestrebten
Macht über die Ressourcen anderer.

„Macht ist das Produktivste überhaupt: Anderer arbeitet für Dich“ Dottore

Aber ohne einen gewissen
Interessenausgleich kann das nicht funktionieren und hat es auch nie. Daher
ist schon mal der erste und der wichtigste Interessenausgleich mit seinen
eroberten Staaten, die es als seine Kolonien beherrschen und ausbeuten
will, das Sicherheitsversprechen.

Imperien gingen aber stets dann im inneren Zusammenhalt zu Bruch, sobald
dieses Sicherheitsversprechen nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Das hat was.

Das ist bei China und Russland nicht anders
als bei anderen Imperien.


China ist wie z. B. Persien (Iran) auch, kein Imperium, wohl aber eine
Kontinentalmacht. Das ist nicht dasselbe.

Ein Imperium wird definiert als Kaiserreich oder einfach als riesiger Machtbereich. Das kann auch ein Firmenimperium sein.

Russland hat seine imperialen
Ambitionen nach dem Sturz der Romanows und Trotzkis und nach dem Tod Lenins
unter Stalin aufgegeben. Das ist eine historische Tatsache. Die Doktrin der
Sowjetunion war wie die vom China Maos zwar im Sinne des
"Internationalismus" durchaus eine imperiale Utopie, der man mit allen
propagandistischen Mitteln anhing.


Was? Die Sowjetunion war kein Imperium, sondern eine imperiale Utopie? Die Sowjetunion war ein ganz normales Imperium mit imperialen Ansprüchen. Diese wurden erst (vorübergehend) begraben, als der ökonomische Wettstreit mit dem Westen definitiv verloren war. Unter Putin erlebten die imperialen Gelüste eine Wiedergeburt. Der Zusammenbruch des Sowjet-Imperiums frass ihm bekanntlich hungrig am Leben.


Über die Wichtigkeit des ökonomischen Gleichziehens mit den Westmächten
als imperiale Voraussetzung machten sie sich jedoch keine Illusionen. Doch
genau diese wirtschaftliche Notwendigkeit zum eigenen Staatserhalt führte
dann zur Abhängigkeit vom westlichen Kapital und somit zum Untergang des
Kommunismus als Weltkommunismus. Er wurde unter den Nachfolgern Stalins und
Maos zum Nationalkommunismus, weil zuerst einmal der Staat als solcher
funktionieren musste, ehe er zum Machtzentrum eines Imperiums hätte werden
können. Der Ostblock, der sich nach dem 2. Weltkrieg bildete, war ja auch
defacto kein Imperium, sondern eine Art Schutz-Reaktion der Siegermacht
Sowjetunion auf die imperiale Geopolitik der Transatlantiker im Kalten
Krieg, also eine Abwehrmaßnahme, die propagandistisch natürlich mit der
Utopie vom Weltkommunismus legitimiert wurde.

Arme Opfer ...

Stalin hat z. B. eine Teilung
Deutschlands nicht gewollt. Wohl aber die Westmächte. Die BRD ist vor der
DDR gegründet worden.

Deshalb zählte zu den ersten und zentral wichtigsten Aufgaben dieser
kommunistischen Diktaturen die Industrialisierung des eigenen Landes um
beinahe jeden Preis, um dem Transatlantischen Imperium überhaupt etwas
entgegensetzen und sich somit gegenüber den beherrschten Völkern
legitimieren zu können. Doch gleichzeitig wurden sie gezwungen, durch das
Wettrüsten einen enormen Aufwand an Ressourcen an das eigene Militär zu
binden, was letztlich eine wirtschaftliche Angleichung an das westliche
Imperium unmöglich machte. Stichwort: Wettrüsten!

Arme Opfer. Wurden zum Wettrüsten gezwungen, diese herzallerliebsten Vertreter der Partei.

Dem zumindest ideologisch natürlich marxistisch imperial ausgerichteten
Kommunismus war dies mit seinem Wirtschaftssystem, der Planwirtschaft (als
Kriegs -bzw. Notwirtschaft im wilhelminischen Kaiserreich zuerst
eingeführt und von den Bolschewisten übernommen, deren Machtergreifung
von der deutschen Regierung unter Wilhelm II. überhaupt erst ermöglicht
wurde) jedoch nie gelungen.

Oh Wunder. Ein Einparteien-Feudalterrorsystem kann nicht konkurrieren mit Demokratien?

China, das damals noch weit weniger entwickelt
war, hat es mit dem langen Marsch auch nicht vermocht, aufzuholen. Erst
recht nicht mit seiner Kulturrevolution. Erst Deng Xiao Ping, den ich für
weitaus größer halte als Mao, hatte die Krise des Kapitalismus erkannt
und den pseudosozialistischen US-Neoliberalismus, der Ausdruck dieser Krise
ist, ausgenutzt, um China im Eiltempo zu industrialisieren und somit zur
ersten Weltwirtschaftsmacht und dazu zum ersten Gläubiger des westlichen
Finanzsystems aufzusteigen.

Heute haben sich deshalb die Voraussetzungen geändert. Russland wie China
haben aus ihrer Geschichte gelernt. Weder kann Russland China beherrschen
noch China Russland. Beide sind auf Gedeih und Verderb aufeinander
angewiesen und bilden jetzt zusammen mit den USA unter Trump, der den
imperialen Fraktionen eine deutliche Abfuhr erteilt hat, die drei
wichtigsten Großmächte auf dem Globus, um die sich die weniger mächtigen
Staaten herum gruppieren und ordnen. Deshalb werden Allianzen und nicht
Imperien in Zukunft die Weltpolitik bestimmen.

Firmen-Imperien bestimmen die Weltpolitik, und da sieht es für Russland noch nicht sonderlich gut aus. Intellekt für Innovation wäre dort mehr als genug vorhanden, aber das politische System ist diesem nicht gerade förderlich; die Sberbank muss ihre Kryptobörse in der Schweiz eröffnen, und China ist noch nicht mal soweit, seinen Unterhunden die lächerliche Firewall zu ersparen.

Die Stellvertreterkriege in
Eurasien sind Zeugnis dieses Prozesses.

Wer im Zuge des Untergangs des Westens das Heil
durch die Imperien im Osten erwartet, der erwartet das Einhorn.


Man könnte aber auch sagen, wer Russland und China als Imperien ansieht,
glaubt an das Einhorn.

Selbstverständlich sind das Imperien.

Aus Hass
auf die eigenen Herrscher werden ferne Herrscher bejubelt. Ausserdem
umfasst das Abendland mittlerweile auch Japan, Südkorea und zunehmend

auch

China und Russland. Der westliche Lebensstil ist längst globalisiert,

und

wenn er fällt, fällt er global.


Was bitte ist der "westliche Lebensstil"? Ich kenne einen Haufen
westlicher Lebensstile. Verwenden Sie den Begriff hier nicht eher als
globalistischen Propagandabegriff des Transatlantischen Imperiums?

[image]

Dieser Typus ist mittlerweile weltumspannend vorzufinden. Chinesen sahen einst anders aus. Die Musik hat sich auch aus dem Westen auf den Rest der Welt ausgebreitet.

Was viele Völker inzwischen nach Russland drängt, ist eben nicht, einem
fremden Herrscher eines fremden Imperiums zuzujubeln, sondern sie jubeln,
wenn schon, dem Nationalstaatskonzepten des Multilateralismus Russlands und
Chinas zu.

Völker drängen nach Russland? In die Schweiz oder nach Kalifornien drängt es nach wie vor wesentlich mehr Volk. Das Nationalstaatskonzept hat genauso ausgedient wie einst das Stadtstaatskonzept. Firmen-Imperien sind globalisiert wie noch nie. Google, Apple, Amazon haben innert Kürze die Welt erobert. Staatsgrenzen spielen da laufend weniger eine Rolle.

Grüsse, Zara


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