Zu Pier Carpi

Taurec ⌂, München, Mittwoch, 20.12.2017, 20:19 (vor 1130 Tagen) @ Weiner3469 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 20.12.2017, 20:32

Hallo!

BB und Taurec werden die zitierte 'Prophezeiung' sofort, nachdem sie hier erscheint, nach Strich und Faden zerreissen. Doch das ist (mir wenigstens) völlig gleichgültig.

Daß Du (meines Erachtens) wider besseren Wissens, das man mühelos haben könnte, erwiesenen Unsinn glaubst, verwundert mich bei Dir allerdings nicht mehr. [[top]]

Ob Dir das gleichgültig ist, sei dahingestellt. Es sollte zumindest mal für den unbedarften Leser, der andernfalls in Deine Falle tappen würde, erwähnt werden.

Trace wies bereits vor Jahren darauf hin:
https://schauungen.de/forum/index.php?id=12072

"Es ist tatsächlich an der Zeit, den Autor Pier Carpi etwas unter die Lupe zu nehmen, zumal Gerhard seine favorisierten Prophezeiungen immer wieder mal rauskramt und hier mit entsprechenden Interpretationen serviert."

Ja, allerdings. Gerhard/Sagitta/Weiner zeigt sich was Carpi angeht (und möglicherweise auch generell) völlig unbelehrbar.

Halten wir fest:
1. Eine offensichtlich erfundene Geschichte, wie er zu der Prophezeiung gekommen sein will, erkennbar an dem romanhaft ausgestalteten Stil der Darstellung, die sogar das Innenleben der Charaktere nicht ausspart, dazu garniert mit mystischen Namen (Saint-Germain, Cagliostro), die das Herz jedes Esoterikers höher schlagen lassen.
Es läuft natürlich alles auf Carpi zurück. Man muß ihm glauben, wenn man der Prophezeiung etwas abgewinnen will. Neben dem Buch gibt es nirgendwo eine Bestätigung ihrer Existenz.

2. Ein Fehlen des Originaltextes, der Carpi zufolge auf Französisch gewesen sein muß. Veröffentlicht wurde er nur auf Italienisch. Sie von ihm getätigt französische "Originalabschrift" wurde zeitlebens und nach Carpis Ableben nie von jemandem gesehen. Quellenkundlich ist das ein Todesurteil, was Dich, wenn es Dir gefällt, aber nicht hindert. Die Prophezeiung ähnelt insofern anderen erfundenen Texten wie z. B. dem "Testament des fliehenden Papstes" oder "Hepidanus von St. Gallen", dessen lateinisches Original sich 18XY irgendwo in London befunden haben soll. [[freude]]

3. "Taurec bemerkte ganz richtig, dass diese 'Prophs' so 'verworren' sind, 'dass man keine Intention darin erkennen kann'. Dem ist hinzuzufügen, dass diese 'Prophs' dermaßen 'offen', dünn und unklar gehalten sind, dass so ziemlich jeder - sofern er möchte - Raum genug findet, um darin eine eigene Spielwiese für seine Phantasie zu aufzumachen. Wer Liebhaber der Esoterik, Magie und alles Okkulten ist und nebenbei noch eine ausgeprägte Schwäche für Geheimbünde (wie Freimaurer, Rosenkreuzer, Martinisten u.s.w. u.s.f.) hat, der wird seinen Spass daran haben."

Hinzuzufügen ist, daß aufgrund der Verworrenheit der Prophezeiungen es unumgänglich ist, zu ihrem "Verständnis" auf die von Carpi praktischerweise gleich mitgelieferte Interpretation zurückzugreifen. Versuche, den Text zu interpretieren führten im Forum bzw. bei BB und mir in unserer Privatkorrespondenz immer wieder zu Carpis Auslegung zurück.
Die Frage ist, warum ausgerechnet Carpi, der nur die Abschrift getätigt habe, auch gleich den Durchblick durch die Chiffren haben sollte. Es wirkt indes gleich weniger seltsam, wenn man davon ausgeht, daß Carpi die Interpretation eines von ihm selbst fingierten und verschlüsselten Textes niedergeschrieben hat.

4. Zur Person Carpis:
"Carpis langjährige Hauptbeschäftigung bestand darin, die Sprechblasen von allen möglichen Comics zu füllen (Superman, Batmann, z.T Donald-Duck-Heftchen etc.). Es gibt auch Eigenkreationen von Cartoons unter Mitarbeit entsprechender Zeichner mit den Themen Horror, Sience Fiction Abenteuer, Diabolik u.ä.. Er war Mitarbeiter für die Monatshefte 'Diabolik' und schrieb für die Zeitschrift 'Horror'. Seinem Interesse entsprechend verfasste er Bücher über Zauberei, Cagliostro, Kauffleute des Okkulten, Geheimbünde mit ihrer Romanze zum Teuflischen, aber auch Jesus, Maria und anderes. Er schrieb zwar in Romanform, aber mit dem Kniff, dem Leser zu suggerieren, dass es sich um Tatsachen handeln würde (den gleichen 'Kunstkniff' verwendet er auch bei den Prophs Joh. XXIII).

Er schrieb wohl auch ein paar Drehbücher für das Cinema Esoterico (man findet Szenen bei YouTube unter 'Master of Trash', grauenvolle Streifen mit schlechten Schauspielern, wenig Dialog und sinnfreier Handlung, von denen er aber gerne das Gerücht streute, dass einer davon mal für die Biennale in Venedig ausgewählt worden sei). Auf italienischen Internet-Seiten findet man in seiner Biographie hin und wieder auch die Erwähnung von Preisen und Ehrungen (Internationaler Journalisten-Preis ohne nähere Angaben, einen Hans-Cristian-Andersen-Preis, selbst den deutschen Karls-Preis etc.), die sich aber nirgendwo belegen lassen, was dann alles eher nach Geltungsbedürfnis und Profilneurose aussieht. Zu wirklicher Berühmtheit geschweige denn Beachtung oder Anerkennung in literarischen Kreisen brachte er es auch in Italien nicht. Die Johannes-Prophs. waren meiner Meinung nach ein ebenfalls wenig gelungener Versuch hierzu."

Demnach spricht einiges dafür, daß ein erfolgloser Comicautor, der sich notorisch, notfalls durch unwahre Behauptungen, sein Image aufpolieren wollte, die Prophezeiung Johannes XXIII. erfunden hat, um sich als Quelle mystischer, esoterischer Hintergründe ins Gespräch zu bringen. Die Prophezeiung ist insofern als Segment seines literarischen Schaffens zu verstehen, das er auf eine etwas höhere, aufregendere, glaubwürdiger scheinen wollende Ebene zu heben trachtete.

5. Zum Mauerfall:

Der Text ist in den 1970er Jahren veröffentlicht worden und hat damals den Fall der Mauer vorausgesagt und auch die Päpste seither treffend charakterisiert.

Vorausgeschickt: Daß die Mauer irgendwann Fallen würde, ist keine große Voraussage. Dies in den Siebzigern einzubauen und damit irgendwann richtig zu liegen, ist kein Kunststück.

Den Gesamtzusammenhang und Sinn des Textes, in den diese Aussage eingebettet ist, auf die Wirklichkeit zu beziehen, hingegen schon.

Berliner Mauer bei Carpi

Patrizia ist bei Carpi (S. 157ff.) die "Präsidentin der Vereinigten Staaten Nord- und Südamerikas" oder eine ökonomisch sehr mächtige Frau, die auf dem Höhepunkt ihrer Macht sich der Religion zuwendet. Einige Jahre später soll sie deswegen tot am Fuße der Berliner Mauer gefunden werden. Daraus wird ein öffentlicher Skandal entstehen, in dessen Zuge auch die Wahrheit über die "Versklavung der Völker" ans Tageslicht gelangt. Der dem folgende Aufruhr wird schließlich im Sieg der Völker über die "Weltverschwörung" gipfeln, bei dem auch die Berliner Mauer eingerissen wird.

Wer vermag hierin nicht die uns allen geläufigen Ereignisse um den realen Mauerfall zu erkennen? [[zwinker]]

Festzustellen ist, daß Carpi nicht nur die Interpretation seiner eigenen Prophezeiung gibt, sondern damit auch falsch liegt – bei einer Fälschung allerdings kein Wunder.
Du wiederum bist Dir nicht zu blöd, ein einzelnes Versatzstück herauszugreifen und zu behaupten, es sei richtig, wobei Du wissentlich den völlig falschen Zusammenhang der Aussage unterschlägst.

Gruß
Taurec

--
„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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