Der heutige Mensch ist lebensuntüchtiger als jede Generation vor ihm

Mephistopheles, Datschiburg, Mittwoch, 06.12.2017, 18:41 (vor 947 Tagen) @ Andudu4582 Views
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 06.12.2017, 19:00

Und aus eben dieser heillosen Überforderung,


...der Mensch ist nicht zur Selbstbestimmung unfähig, immerhin
organisiert er sein Leben weitgehend selbstbestimmt (anders als in
früheren Zeiten).

Dann mach es doch einmal!

Als Beispiel für die Selbstbestimmung nehme ich diese paar Zeilen.
Noch vor 1.200 Jahren, wenn du mir diese Nachricht hättest zukommen lassen wollen, dann wäre dir nichts anderes übrig geblieben, als dass du dir ein paar Bewaffnete suchst, die dich begleiten, vorher beim Kaiserhof antichambrierst wegen eines Geleitbriefes mit Siegel, dass der Kaiser dir diese Reise erlaubt (wobei, von Erlaubnis wäre nicht die Rede gewesen, der Kaiser erlaubt nicht, sondern er befiehlt), also dass der Kaiser dir befiehlt diese Reise zu unternehmen und allen Orten, durch die du kommst, aufs Strengste anbefiehlt, dich willkommen zu heißen und zu bewirten, wobei von einer Bezahlung selbstverständlich nicht die Rede gewesen wäre, man hätte diese auch als Beleidigung zurückgewiesen; trotzdem wäre es besser für dich gewesen, wenn du dich bei deinen Gastgebern mit Geschenken revanchiertest und so hättest du dich dann endlich auf den Weg machen können. Aber, jeder Tag hätte von dir selbständige Entscheidungen gefordert und mit jedem Tag, an dem du ein Etappenziel erreicht hättest, hättest du das Gefühl der Selbstbestimmtheit gehabt. Auf jeden Fall hättest du dir zu helfen gewusst.

Vor 800 Jahren hättest du die Reise wahrscheinlich ohne bewaffnete Begleiter wagen können,es wäre trotzdem recht von Vorteil für dich gewesen, wenn du selber bewaffnet gewesen wärest - oder du machst diese Reise, um mir die paar Zeilen zukommen zu lassen, als Pilger. In jedem Fall brauchst du aber vom Pfarrer jeder Gemeinde, durch die du kommst, ebenfalls einen Geleitbrief, dass er dich als ehrenwerten Mann kennt. Auf jeden Fall hättest du dir zu helfen gewusst, und wenn du so nicht weiterkommst, hättest du dir immer noch ein paar Bewaffnete suchen können usw.

Vor 400 Jahren hätte es bereits genügt, wenn du einen Ort kennst, durch die regelmäßig ein Postdienst der Familie Thurn & Taxis verkehrt, du dich an diesen Ort begibst, und ein paar Tage wartest, bis der Postdienst kommt - die verkehrten damals keineswegs regelmäßig - und diesem dann den Brief aufgibst mit der Adresse. Wobei du als Adresse nur das Dorf angibst. Sobald der Brief im richtigen Dorf ankam, dann erreichte er auch seinen Empfänger.
Du hättest dir auch einen fahrenden Schüler suchen können mit dem Auftrag, wenn du ihm ein gutes Salär mitgibst, den Brief zuzustellen. Vor 400 Jahren war nämlich das Angebot einer finanziellen Belohnung bereits keine Beleidigung mehr, so viel Fortschritt muss sein. [[zwinker]] Auf jeden Fall war selbständiges Handeln von dir gefragt, und du hättest dir immer noch selber helfen können, wenn du so nicht weiterkommst.

Vor 100 Jahren hättest du bei der nächsten Post ein Telegramm aufgeben können, und wenn das nicht funktioniert, dann hättest du dich per Eisenbahn selber auf den Weg machen können. Auf jeden Fall hättest du dir zu helfen gewusst.

Heute dagegen gibst du einfach ein paar Zeilen in die Tastatur ein und weißt gar nichts. Wenn das Internet einmal ausfällt, natürlich zusammen mit dem Strom, das sage ich dir voraus, bist du völlig hilflos und weißt überhaupt nicht, was man da machen könnte.
Dir bleibt nichts anderes übrig, als auf den Servicedienst zu warten - wenn denn einer kommt.

Niemals gab es eine Generation, die weniger selbstbestimmt und lebensuntüchtiger war als die heutige.

Gruß Mephistopheles

--
Wenn wir nicht das Institut des Eigentums wiederherstellen, können wir nicht umhin, das Institut der Sklaverei wiederherzustellen, es gibt keinen dritten Weg. Hillaire Belloc


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