Kollektive Individualprävention

vegan, Sonntag, 12.11.2017, 11:26 (vor 930 Tagen) @ Lechbrucknersepp2977 Views
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 12.11.2017, 12:06

...und damit kann doch eigentlich nur das kollektivistische "Wir"-Narrativ
gemeint sein, nach dem die Gesellschaft für die Taten einzelner anderer
verantwortlich gemacht wird. Oder?


Hallo Lechbrucknersepp,

gibt es nicht Verbrechen, die in ihrer Dimension überhaupt erst durch eine kollektive Masse ermöglicht werden, ohne Kollektiv also gar nicht denkbar wären? Und ist eine Gesellschaft, die sich nicht präventiv in der Lage befindet, Taten solchen Ausmaßes verhindern zu können oder zu wollen, dann nicht auch in ihrer Gesamtheit für diese Taten mitverantwortlich? Die handelnden Individuen schöpfen bei Tatbegehung doch lediglich ihren Handlungsspielraum aus, der ihnen zuvor von der Gesellschaft eingeräumt wurde. Ohne zeitlich vorgelagerten Prozess der Ermächtigung könnten sie jedoch niemals so handeln, wie sie es bei Tatbegehung dann faktisch tun.

Als Kind wird man ungefragt in die Gesellschaft hineingeboren und ist fortan unmittelbar an ihrer Gestaltung beteiligt, ab einem gewissen Zeitpunkt der persönlichen Selbst-erkenntnis auch mitverantwortlich. Das Individuum kann sich eben nur bedingt, aber nicht vollständig dem Kollektiv entziehen. Darum liegt es an jedem Einzelnen, sein Handeln nicht nur sich selbst, sondern auch dem Kollektiv gegenüber abzuwägen.

Aus diesem Grund schreibe ich zum Beispiel nicht mehr im Gelben Forum, weil ich mit den Bitcoin-Verbrechern nichts zu tun haben will und auch so wenig Werbung wie möglich für Bitcoin machen möchte. Dieses Verhalten nennt man soziale Ächtung und darf als reaktive Individualprävention aufgefasst werden.

Offenbar genügt es diesen alten Männern nämlich noch nicht, meiner Generation bereits ihre verschixxenen Kernkraftwerke vor die Nasen gestellt zu haben. Sie scheixxen erneut auf künftige Generationen, legen sich für ihre Individualbegehrlichkeiten bis zum Erbrechen mit Amis und billigen Atomchinesen ins Bett, um sich im gleichen Atemzug auch noch als "Meritokraten" selbst zu beweihräuchern.

Das Wort "Meritokratie" musste ich erst mal suchen, habe dann aber nicht weniger gelacht. Das sollen also die Verdienten unserer Zeit sein? Wer mehr Energie rausblasen kann, gewinnt? Ja offensichtlich, weil die Gesellschaft ihnen diesen Handlungsspielraum derzeit eröffnet, weil die Gesellschaft es derzeit so haben will. Ich als Individuum nicht, denn mir gegenüber werden diese Leute bis zum Tod nichts zu melden haben.


Gruß,
vegan


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