Lernen ist das eine, Bildung ist das andere ... aber einiges habe ich doch schon längst zusammengestellt:

Literaturhinweis, Samstag, 08.04.2017, 13:24 (vor 1151 Tagen) @ stokk6381 Views
bearbeitet von unbekannt, Samstag, 08.04.2017, 13:38

kannst Du mal einen Deiner geliebten Literaturhinweise zusammenstellen, damit WIR auch so gebildet werden wie Du, dottore, zara, taurec, theo, dt, monti, nereus, falke, ppq, mephi, weiner, ostfriese, nemo, vata, ikono, taurec etc. etc.

Also, erstmal, da gibt es schon einiges:

- Schneller lesen, mehr behalten ... Lesetraining, Speed Reading, Visual Reading, PhotoReading und andere Lesemethoden

- In memoriam Vera F. BIRKENBIHL (1946-2011): Die Erfinderin der 'gehirn-gerechten' Lehr- und Lernverfahren und ihr Werk

Zu den damit zusammenhängenden Themen, etwa Lern- und Bildungshindernissen hatte ich gerade neulich einiges unter dem Stichwort Legasthenie veröffentlicht.

Auch aus der Befassung mit Hypnose kann man einiges lernbeschleunigendes ziehen, auch wenn ich das Thema aus therapeutischer oder palliativer und nicht aus didaktischer Sicht gestreift hatte.

Aber Lozanovs Superlearning basiert i.W. auch auf einer Art Trance-Zustand, jedoch ist dieser Begriff derart überfrachtet, daß er stets mißverstanden wird. Kinder sind z.B. laufend in Trance, Erwachsene, wenn sie länger aus dem Zugfenster sehen, auch. Wer im teuren Restaurant einen "Zauberer" sieht, der an den Tisch kommt, läßt sich von diesem in Trance versetzen.

Womit wir bei einem sehr lernspezifischen Thema wären: der "Zauberer" und sein "Zauber" erreichen, daß der Zuschauer bedingte Dinge nicht sieht, also nicht "lernt". Der (gute, der "begnadete") Didaktiker dagegen erreicht, daß sein "Schüler" Dinge "sieht" (und dadurch begreift), die er er/sie sonst nicht begriffen und "gesehen" hätte.

Didaktik aber ist, wie früher die Philosophie die "ancilla" der Theologie, die "Magd" der Pädagogik. Wenn schon die Pädagogik nicht stimmt, und die heutige Schulpädagogik basiert auf der komplett frei erfundenen und zusammenphantasierten Herbarts, der kann schon gar nicht zu sich gegenseitig ergänzenden (Fach-) Didaktiken vorstoßen.

Das wäre etwa so, wie wenn die Medizin ohne anatomische Kenntnisse gelehrt würde, und dann Chirurgen völlig andere "Ideen" hätten vom Körper und von Gesundheit, als z.B. der Internist oder Gynäkologe.

Genau das kann man aber wunderbar beobachten: würde die derzeitige staatliche Didaktik was taugen, dann fußte die Physik-Didaktik auf derselben "Anatomie" wie die Fremdsprachendidaktik. In Wahrheit aber sind sie weit entfernt voneinander, wie Botanik und Zoologie, um es metaphorisch (meta-forsch) auszudrücken.

Leider wird das wahre Lernen cum Begreifen im (Staats-) Schulunterricht kaum deutlich, da dort die Mathematik z.B. als "Lehre von den Formeln und Verfahren" durch mehr oder wenig auswendiglernen "praktiziert" wird. Mathematik-Didaktik aber bringt den Schülern (oder Studenten) bei, selbst "so zu denken wie Euklid" (oder meinetwegen Gödel).

Von daher herrscht zudem noch eine falsche Vorstellung von Didaktik in der Bevölkerung vor, und aus dieser kann schlecht gutes, "geschmeidiges", "leichtes" selbständiges Lernen erfolgen, geht man doch davon aus, es müsse dem in der Schule verkorksten auch nur ähneln. Von daher ist auch der Begriff des "Autodidakten" problematisch, denn da gibt es zuhauf welche, die sich versuchen, mit den Auswendiglern-Methoden etwas "ins Hirn zu prügeln" - natürlich bleibt mehr hängen, als bei jemandem, der es nicht tut, also das Buch noch nicht einmal anfaßt.

Aber wäre es so einfach, so würde jeder, der sich anstrengt, in Leichtathletik auch irgendwan 10 Sekunden auf 100 Meter laufen. Aber schon, um an die 11 Sekunden heranzukommen, braucht es viel mehr Trainingswissen denn reines Training.

@dottore hat z.B. einen ganz anderen Bildungsgang, der ging noch auf's klassische humanistische Gymnasium (und noch dazu eins der besten) - nicht jeder kann bei Friedman studieren oder mit Erhard am Kamin parlieren.

Aber man kann Teile von @dottores auf solchen Grundlagen fußenden eigenständigen Forschungen sich hier relativ mühelos aneignen (so man denn wollte).

"Bildung ist das, was übrigbleibt, wenn man alles wieder vergessen hat" sagte ein englischer Bildungsforscher mal in der Times Educational Supplement (muß in den achtziger Jahren gewesen sein, als ich die noch abonniert hatte).

Aber ... würde ich meinen: je mehr man 'vergessen' überhaupt kann, desto gebildeter könnte man werden, d.h. Lerntechniken sind schon eine Voraussetzung um überdurchschnittlich (gegenüber durchschnittlich - d.h. Durchschnitt unter den Gebildeten - nicht der Plebs der "Ochlokratie" - feiner Unterschied!) gebildet sein Leben zu beschließen.

Das ist ein sehr weites Thema, drum hier nur noch soviel:

Man geht in der "Begabungsforschung" z.B. davon aus, daß den Unterschied zwischen einem Virtuosen macht, ob jemand 10.000 Stunden oder mehr sich mit seinem "Fachgebiet" befaßt hat, oder eben nicht. Dann hat man zwar nicht die Garantie, ein Menuhin oder Yo-Yo Ma zu werden, aber mit wesentlich weniger wird es, auch bei den vorgeblichen Naturtalenten, nichts. Einfach nichts.

Und in der Tat: ich kannte zwei (werdende) Konzertpianisten persönlich (und auch den einen oder anderen Violinisten, Sänger usw.) - die beiden saßen ein Minimum von sechs Stunden am Klavier, jeden Tag, jeden Tag. Weiß ich noch, weil es bei dem einen darum ging, ihn vor dem karriereverhindernden und -beendenden Wehrdienst zu bewahren. Um da argumentieren zu können, mußte ich mich ja sehr tief mit der Genese erfolgreicher Starmusiker befassen.

Was habe ich daraus gelernt? Wieder was gelernt! Nämlich -für mich als Autodidakten-, wie "Brillianz" in bestimmten Fach- und Fähigkeitsgebieten entsteht (die Forschung dazu erfolgte ja erst Jahrzehnte später!). Das kann man dann wieder verallgemeinern.

Wenn ich im Stau stehe, lerne ich was. Andere gucken dabei Löcher in die Luft und verbringen die Zeit damit, ihren Adrenalinhaushalt so zu belasten, daß sie Herzerkrankungen Vorschub leisten, die ich hinterher wieder über "Solidar"-Beiträge "gesundbeten" helfen soll. Nix da. Wenn ich in eine Baugrube schaue, lerne ich was, andere sehen dort -bestenfalls!- eine Grube.

Ich sehe dort Erd- und Gesteinsschichten, geologische Bildungsstunde. Evtl. einen sog "Brandhorizont" (Archäologe @melethron sei gegrüßt), d.h. ich entnehme dem archäologische Informationen.

Es gibt z.B. in Nauheim eine Gewann "Im Tiefen See". Dort hat ein Bauträger mehrere Dutzend/hundert Einfamilienhäuser hingestellt und verkauft - alle haben nasse Keller, die Häuser sind unverkäuflich, im wahrsten Sinne "under water", der Bauträger konkurs, es gab einige Selbstmorde überschuldeter, desillusionierter Käufer, insbesondere, wenn sie erfuhren, was die nachträgliche Sanierung kostet, usw. Ja, Himmelherrgott, wenn ich als Architekt einen Gewannnamen "Im Tiefen See" lese, weiß ich doch, wenn ich mich nur oberflächlichst mit Siedlungsgeschichte befaßt habe, daß diese Namen Bedeutungen haben.

Da muß ich doch zumindest eine Baugrunduntersuchung machen und dann eben entweder nur oberhalb des Grundwasserpegels gründen oder eine weiße Wanne vorsehen!!!

Das ist Bildung. Sie kommt vom Lernen. Lernen kommt davon, daß man mit offenen Augen durch die Welt und sein Leben geht und Menschen wie Dingen Fragen stellt.

Auch längst verstorbenen Menschen kann man Fragen stellen - sie haben Bücher und sonstige Zeitzeugnisse hinterlassen!

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