Impressionen

Ostfriese, Freitag, 05.02.2016, 19:45 (vor 1918 Tagen) @ Leserzuschrift2808 Views

Hallo an die Hopi,

uns sind ja die wundervollen Sätze:

„Alles ist gesagt. Hier wurde ich "schlau" gemacht. Ich bezweifle, dass mir das gut getan hat. Aber – und hier hat Zara Recht: Ich hatte keine Wahl!“

aus dem letzten Beitrag von @ el_mar in diesem Forum bekannt.


Wir sehen Bilder, die uns den Atem verschlagen und uns anfangs
schockieren, aber mit jeder Minute zunehmender Filmdauer das *GRAND CHESS =
Das GROSSE BILD* dahinter immer klarer er-kennen lassen. Wir hören
permanent die erstaunlichsten FAKTEN & sehen einflußreichste Menschen im
Interview, die uns die Sprache verschlagen = im Sinne von ... für wie dumm
VON GANZ OBEN die Menschen-Massen eingeschätzt & in einem riesigen
WELT-ZOO gehalten werden.

Wie gesagt; ein MEISTER-Werk :-)

Ich frage mich, wie eine Filmdokumentation über die Bevölkerungsentwicklung vor dem Hintergrund des Wissens über den debitistischen Code, der ein konsistenter und kohärenter Schlüssel innerhalb der Simulationsmoderne von Baudrillard darstellt und den unvermeidlichen Ablauf eines geschichtlichen Geschehens beschreibt, aussehen kann. Zwischen dem Film und den Tatsachen tritt der Regisseur als sozial Handelnder mit eigenen Befindlichkeiten auf. Es gilt auch für den Film, was Giesen für die Wissenschaft in der Gegenwart gesagt hat: „…eine Vielzahl gleichermaßen 'möglicher' Interpretationen in der Welt ist vorhanden, und kein unbestreitbares Fundament, kein allem übergeordneter Bezugspunkt steht zur Verfügung, um über sie [ihn] zu entscheiden.“ Für Sachverhalte und Situationen sind stets mehr Deutungen vorhanden, als zutreffend sein können.

Das erinnert mich irgendwie an den Kunstunterricht von vor einigen Jahrzehnten, in dem wir einen Heuhaufen zu den vier verschiedenen Tageszeiten malen mussten – es entstanden völlig unterschiedliche Wahrnehmungen und Neuschöpfungen der Wirklichkeit. Die Erscheinung des Gegenstandes hängt von der Umgebung, der Zeit, der Beleuchtung und den leuchtenden Farben ab. Die Referenzlosigkeit der Bilder zeigte eine grundlegende Absage an der Darstellung des Realen durch die vier Bilder – und damit an das Reale selbst.

Das punctum, das im Zusammenhang mit 9/11 und der Völkerwanderung im Forum schon diskutiert wurde, findet sich in dem Meisterwerk „Holzsammler im Schnee“

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Van_Gogh_-_Holzsammler_im_Schnee.jpeg

– eine in kalte Farben getauchte Winterlandschaft von Vincent van Gogh in der Ausstellung Japans Liebe zum Impressionismus in der Bundeskunsthalle zu Bonn.

http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/von-monet-bis-renoir.html

Die Bewegung der Personen führt zur rechten Bildseite hinaus. Wir sehen die Dynamik an ihren Beinen, an ihren gesenkten Blicken auf den schneebedeckten Boden, die dort Festigkeit für die Füße suchen und an dem angedeuteten Trichter, der durch die waagerechte Linie in der Bildmitte und der angedeuteten schrägen Geraden der Sträucher links unten und der Richtung der Reisigbündel oben ansatzweise gebildet wird. Der Blick wird durch das chocartige Auftreten der untergehenden letzte Wärme spendenden Abendsonne als punctum in das Bild wieder zurückgeholt. Die Komposition des Bildes ist einfach genial! Nur die Kuratoren verleugnen und vernichten – dissimulieren – den Kern des Bildes: Die linke Bildhälfte fehlt auf dem Poster, das die Öffentlichkeit zum Besuch der Ausstellung einlädt. Ihre Ignoranz ist bemerkenswert.

Ich habe den Eindruck, dass sich alles mit allem zu einem Ganzen vereint: Die Simulationsmoderne – Ununterscheidbarkeit von Bild und Wirklichkeit – von Jean Baudrillard, der Debitismus – Ungewissheit in der Nachschuldnersuche – von Paul C. Martin, die Unschärferelation – Ort und Impuls nicht gleichzeitig beliebig genau bestimmbar – von Werner Heisenberg und die Theoreme der Unvollständigkeit und Unentscheidbarkeit von Kurt Gödel.

Das DGF ist ja erfreulicherweise ein fruchtbares Feld, das die Foristen gemeinsam beackern und bestellen können, um Erkenntnisse für eine einheitliche – alle Wechselwirkungen umfassende – Feldtheorie zu gewinnen und zu ernten.

Nachdenkliche und kreative Grüße an die Hopi

Ostfriese


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