Ich sehe das Gegenteil: was ist Zeit?

Weiner, Freitag, 01.01.2016, 13:28 (vor 1852 Tagen) @ Domac3709 Views
bearbeitet von unbekannt, Freitag, 01.01.2016, 14:21

Hallo Domac,

aus den von Dir und @Dieter angeführten Artikeln spricht, in Ansätzen, die gleiche Art Hybris, die Washington vor 15 Jahren das russische Abenteuer vermasselt hat. Rostislav Ischenko scheint sich - mitsamt seinem Russland - stark zu fühlen, aber da täuscht er sich. Mit Russland geht es abwärts.

Zur Begründung dieser Ansicht muß ich allerdings etwas weiter ausholen.

Die Zeit - phänomenologisch gesehen nur ein Gefäss, um Vielheit darzustellen - ist wie alles in dieser Welt zyklisch strukturiert.

Es ist ein großer Wahrnehmungs- und Denkfehler des Menschen, wenn der Mensch annimmt, die Zeit und die Welt liefen linear und geradeaus. Sie haben zwar eine lineare Komponente, doch ist die bipolare Entfaltung des Absoluten zugleich auch rotatorisch. Das beste Bild, den Universalprozess zu beschrieben, wäre eine Spiralbewegung, also Ausdehnung bei gleichzeitiger Rotation. Damit die Einheit und die Symmetrie erhalten bleibt, ist allerdings ein kompensatorischer Ausgleich zu fordern, also Einzug und gegenläufige Rotation. Das beste Bild um einen derartigen Prozess darzustellen wäre eine Blase, die sowohl pulsiert als auch rotiert.

Zeitliche Abläufe - in der Physik genauso wie bei historischen Prozessen im menschlichen Bereich - zeigen somit Schwingungen und Zyklen. Und es gibt dabei Frequenzen, die bevorzugt sind, was letztlich 'mathematische Gründe' hat (Primzahlverteilungen). Man könnte diese gehäuft auftretenden Frequenzen daher auch als 'natürliche' Zyklen bezeichnen. Im realen Geschehen überlagern sich die Schwingungen allerdings gegenseitig in ihrer Wirkung, so dass nur mit einer besonderen Analytik die zugrunde liegenden Perioden identifiziert werden können. In Ausnahmefällen hat der eine oder andere Zyklus allerdings eine dominante Wirkung auf ein historisches System bzw. auf einen geschichtlichen Prozess. Als Beispiel wähle ich hier einen knapp 30jährigen Zyklus aus, der in der russischen Geschichte auffällt. Ich nehme dabei bewusst eine Version bzw. meinen eigenen Kenntnisstand zur Mitte der 1990er Jahre, um die Geschichte seither und die Zukunft offen zu lassen.

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Wenn man diesen Zyklus dennoch in die Zukunft extrapolieren möchte, dann würde Russland seit etwa dem Jahr 2012 einem Niedergang gehorchen müssen, dessen Trend sich erst Anfang der 2020er Jahre wieder umkehren würde. Sehr langfristig gesehen ist Russland zwar ein aufsteigender "Staat" (aufgrund des Wechselspiels 'langer Frequenzen/Wellen'), und es wird die Höhenlinie seiner Machtentfaltung etwa zur Mitte des 21. Jahrhunderts erreichen. Aber kurzfristig führen die aktuellen Entwicklungen nach meiner Einschätzung Russland in eine Krise, die derjenigen der 1980er oder 1930er Jahre entsprechen wird.

Ich bedauere, das sagen zu müssen, da ich persönlich das russische Land, seine Menschen und seine Kultur sehr schätze. Putin, der meinen größten Respekt hat, genießt im Augenblick in manchen Kreisen eine ähnliche Verehrung wie im letzten Zyklus, zumindest anfänglich, Gorbatschow. Am Ende wird von seinen Handlungen genauso wenig übrig bleiben - und gleichzeitig noch viel, viel mehr fortwirken wie von den Entscheidungen und Aktionen Gorbatschows. Denn was Putin nun eingeleitet hat, wird fundamental neue geschichtliche Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen, quasi eine Epochenwende darstellen. Diese Wende wird aber nicht mit einem 'Sieg' Russlands beginnen, sondern mit einer Niederlage. Die 'Schuld' daran wird nicht Putin haben - der ist integer! - sondern Menschen wie der Autor der eingangs zitierten Artikel.

Von 1750 bis 1850 war die Welt französisch, in den hundert Jahren von 1850 bis 1950 wurde sie deutsch - seither nun zunehmend russischer. Das gegenwärtige China beispielsweise, so merkwürdig das hier klingen mag, ist vom geschichtlichen Takt her ein Ableger Russlands (ich verweise auf die Gründung der KPCh durch russische Agenten). Das Angloamerikanische dagegen ist nur die oberflächliche Textur eines Ozeans, dessen Tiefenströme ganz anders verlaufen, als das sichtbare Wellenspiel glauben machen könnte. Der Zeitpunkt des Zusammenbruchs der USA, der allerdings weniger hart sein wird, als Ischenko und manche hier im Forum es sich wünschen, lässt sich aus der zweiten hier mitgeteilten Abbildung ungefähr ermessen.

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Ohne weiteren Kommentar stelle ich noch eine Abbildung zu Frankreich ein, um einen Indikator für die Abläufe in Europa zu geben. Alle drei Abbildungen entsprechen wie gesagt meinem Erkenntnisstandes vor 20 Jahren, als ich mit dieser Art Forschungen begonnen habe. Inzwischen sind etliche Differenzierungen, Vertiefungen und Präzisierungen dazugekommen.

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Ich kann leider auf Rückfragen nicht antworten. Ich bitte dafür um Nachsicht und Entschuldigung. Die Kommunikationsmöglichkeiten eines Forums für so ein komplexes und neuartiges Thema sind begrenzt, meine eigenen zeitlichen Möglichkeiten ebenfalls. Gerne kann ich einmal, wenn es gewünscht wäre, weitere Hintergründe und Ergebnisse auf einem der Forumstreffen (Emmental?) darstellen. Ich würde mich dazu verpflichtet fühlen, weil ich meinerseits für die Nachrichten und Meinungen hier im Gelben Forum - ein Kontrapunkt zur Lügenpresse - dankbar bin. Eine allgemeine Veröffentlichung in Buchform ist geplant. Auch die Elliot-Waves, wie andere bekannte zyklische Muster in den Verläufen von Börsenkursen, sind letztlich Ausflüsse der eingangs erwähnten bipolaren Schwingungsstruktur des Universums. Sie haben sehr engen Bezug zu den hier angedeuteten historischen Phänomenen, sind quasi deren schnelles Tremolo im Segment kleiner zeitlicher Skalen.

Die besten Wünsche an alle - hier und da draußen - für das neue Jahr!

Weiner


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