Seher vs. "visionärer Geist"

Taurec ⌂, München, Donnerstag, 20.08.2015, 20:59 (vor 1785 Tagen) @ sprit2265 Views

Hallo!

Genauso könnte man Jean Raspails "Heerlager der Heiligen" (soeben in erweiterter Neuübersetzung erschienen - beim ersten Mal wurden offenbar einige tiefgründigere Passagen rausgekürzt) als "Seher" betrachten.
Dieses ursprünglich utopische Werk wurde inzwischen von der Realität überholt.

Auch Huxleys "schöne neue Welt" beschreibt gewisse Aspekte der Zivilisation recht treffend, wobei mir die anderen beiden (Orwell und Raspail, obwohl recht verschieden), näher an der Realität zu sein scheinen, deren Entwicklung auf Verfall und Zerstörung gerichtet ist. Huxley steht noch unter dem Eindruck des mittlerweile bröckelnden Fortschrittsbanns und stellt mehr die seelische Verwahrlosung der Wohlstandszivilisationsmenschen dar.

All diese und sicher noch einige andere haben gemein, daß sie mit starker Intuition bereits zu ihrer Zeit mehr oder minder untergründig herrschende Einzelaspekte der Zeitströmung erfaßt und überspitzt in die Zukunft verlängert haben.

Ein "Seher", wie wir den Begriff im Weltenwendeforum auffassen, sieht reale Zukunft exakt oder symbolisch verfremdet vor seinem geistigen Auge. Es sind Szenen, die sich später genau so (auch hinsichtlich der Symbolik treffend) tatsächlich zutragen.

Zwischen der starken Intuition eines sensiblen Geistes und der Fähigkeit des Sehens gibt es einen Zusammenhang. Die Grenzen sind fließend und nicht wenige sensible Geister (etwa Goethe oder Ernst Jünger) vermögen auch von übersinnlichen Erlebnissen zu berichten. Bei den zuvor genannten war es womöglich nicht anders.

Der Sauberkeit der Unterscheidung wegen würde ich aber den Begriff "Seher" nicht auf Autoren anwenden, welche die Wirklichkeit aufgrund ihres Ahnungsvermögens treffend vorauszeichnen können.

Gruß
Taurec

--
„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


Weltenwende


gesamter Thread:

RSS-Feed dieser Diskussion

Werbung

Wandere aus, solange es noch geht.