Monarchie und "göttliche Ordnung"

Taurec ⌂, München, Donnerstag, 28.05.2015, 21:00 (vor 2384 Tagen) @ Hinterbänkler12793 Views
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 28.05.2015, 21:09

Hallo!

Das Problem, wenn ich erst mal anfange zu schreiben, liegt darin, daß sich mir ständig assoziativ Anküpfungspunkte bieten, zu denen ich wiederum umfangreiche Abhandlungen schreiben könnte. Dann muß ich irgendwann einen Schnitt machen. Daher der abrupte Schluß.

Was hat die Vorzivilisation mit Monarchen zu tun?

Spannend wäre die Frage, was die göttliche Ordnung denn sei?

In aller Kürze, wohlwissend, daß damit eher Fragen aufgeworfen, denn geklärt werden und sich wahrscheinlich bei manchem auch Widerspruch regt (vermutlich am ehesten bei jenen, die im Patriarchat die Wurzel allen Übels zu erkennen meinen).

Ich meine - und hier gehen meine Ansichten durchaus ins religiöse über -, daß die Schöpfung sinnvoll nach sich vom Großen bis ins Kleine wiederholenden Mustern/Gesetzmäßigkeiten strukturiert ist - quasi wie Fraktale bei Annäherung sich weiter ausdifferenzierend, bei umfassenderer Betrachtung nach dem selben Gesetz sich zusammenfassend.

Die Welt ist hierarchisch strukturiert. Es gibt immer ein oberstes und, sich weiter ausdifferenzierend, untergeordnete "Abteilungen", die dem Oberen dienen und nach unten hin herrschen (wobei Herrschen im Grunde nur eine andere Art des Dienens ist oder sein sollte). Das ganze ist organisch. Alles hat seinen Platz und seine Funktion. Nichts ist entbehrlich. Das gilt für Lebewesen (Gehirn, Hände, Magen, Blutkreislauf usw.) wie von vormodernen Gesellschaften (König, Krieger, Bauern, Familie usw.).
Zugleich strebt alles dem Licht zu. Nicht nur Pflanzen wachsen der Sonne entgegen, auch der Mensch orientiert sich an Adel und König, derer er durchaus bedarf. Er wird von ihnen nicht geknechtet, worauf die Königsherrschaft in der Moderne anhand von Negativbeispielen und mit bewußter Lüge/Verfälschung immer reduziert wird. Der Adel ist auf seine Art das irdische Spiegelbild höherer Wirklichkeiten.

Daß sich die Könige früher (wie auch der Papst) als Stellvertreter Gottes auf Erden betrachteten, ist keine Anmaßung, sondern entspricht in gewisser Hinsicht der metaphysischen Wirklichkeit.
In weitaus früherer Zeit waren Königswürde und das Amt des obersten Priesters tatsächlich identisch. Der irdische Herrscher war zugleich der Mittler zu höheren, geistigen Wirklichkeiten, der "Pontifex Maximus", der große Brückenbauer. Das hat sich bis in die abendländische Kultur erhalten, wo z. B. der König in Anschluß an seine Krönung durch Handauflegen rituelle Skrofuloseheilungen vornahm.

Natürlich wurden die wenigsten Herrscher in der Geschichte mit ihrer Persönlichkeit diesem Anspruch gerecht. Hier geht es auch weniger um die historische Realität, sondern um die Idee, die dahinter steht. Im Idealfall (so meine Überzeugung) zeichnet die menschliche Gesellschaft das Bild der Schöpfung nach mit Gott an der Spitze, dem König als Stellvertreter. Da wird das ganze Leben zum Gottesdienst und Dienst an der Schöpfung.

Ich meine, ähnliche Empfindungen sind angedeutet in dem Goethegedicht, daß Spengler dem Untergang als Motto voranstellte.

Wer dies nachempfindet, der kann erst ermessen, was dem Menschen in der heutigen Welt verlorengegangen ist, was Entwurzelung wirklich bedeutet und wie satanisch die Zustände sind, unter denen wir heute leben. Die Welt war früher nicht perfekt, aber heute ist sie es am wenigsten.

Zugleich dürfte unsere Zeit nur ein Interregnum sein, selbst falls sie Jahrhunderte währt. Die Idee, die sich mit Cäsarismus/Impertatur verbindet ist ein Rückgriff auf frühere Zeiten und Wiederherstellung dessen, was verlorgen gegangen ist. Natürlich ist auch Cäsarismus nicht das erhoffte Allheilmittel. Es verdeutlicht aber ein Bestreben in der menschlichen Natur, das sich am Ende immer Bahn bricht. Das geht so weit, daß in vergangenen Zivilisationen (z. B. Ägypten, Rom, China) die Pharaonen/Kaiser stets auch vergöttlicht wurden.
Ich meine, die Menschen kehren nach allen Umwälzungen immer wieder zu einer Form der Einzelherrschaft zurück, selbst wenn wir wieder in die Steinzeit zurückgeworfen werden und es nichts weiter gibt als Stämme mit Häuptlingen, die zugleich Priester sind, oder frei umherschweifende Familienverbände mit Vätern, die diese Bezeichnung verdient haben.

So, das war sicher genug für ein Wirtschaftsforum. [[zwinker]]

Gruß
Taurec

--
„Es lebe unser heiliges Deutschland!“

„Was auch draus werde – steh’ zu deinem Volk! Es ist dein angeborner Platz.“


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