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ZITAT »Diese Verschwörer sind aber nicht die Wurzel allen Übels, sondern ausführende Kräfte des Zeitgeistes.«

    Geldseite

    24.04.2012, 08:45
     

    Das Geld in der Geschichte - Aufstieg und Niedergang der Kulturen

    Sehr erfrischend empfinde ich den Ansatz dieses Historikers: Er sucht den Gang der Geschichte aus der Entwicklung des Geldes zu erklären. Noch ganz der althumanistischen Bildung verhaftet, beginnt er natürlich bei den Griechen und schildert den Gang der Geschichte anhand vieler Quellen. Er schreibt m.E. ein sehr schönes frühes 50er-Jahre Deutsch.

    Die Entwicklung des Geldwesens, dies die These dieses Buches, ist eine entscheidende Vorbedingung für Blüte und Niedergang der Kulturen. Karl Walker, Geldhistoriker, zeigt dies anhand einer Unmenge von Episoden und Beispielen aus dem Alltagsleben.

    Seine Untersuchung führt zu Ergebnissen, die viele überraschen werden, etwa dem, daß das 13. Jahrhundert, der Höhepunkt der Gotik, die glücklichste Epoche in der Geschichte der Menschheit gewesen sei.
    Hier als Auftakt das erste Kapitel:
    http://geldseite.wordpress.com/2012/04/24/geldgeschichte-1-muenzwesen-griechen/

    Zarathustra

    Helvetistan,
    24.04.2012, 11:06
    (editiert von Zarathustra, 24.04.2012, 12:02)

    @ Geldseite
     

    Liest sich wie geschichtsrevisionistische Satire

    > Das Geldwesen – verantwortlich für Blüte und Niedergang der Kulturen.
    > Die Tempel Griechenlands, die Kathedralen des Mittelalters, die Sixtinische Kapelle
    > und die Bilder der Impresssionisten – ohne Geld hätten diese Kunstwerke nicht entstehen können.

    Hallo Geldseite,
    Diese Werke und Gewerke braucht kein Mensch in einer natürlichen Umgebung. Nur wirtschaftende Sklavengesellschaften brauchen sowas.

    > Wo immer das Geld auftaucht und in Gebrauch genommen wird,

    Geld taucht nicht einfach auf, es entsteht, wenn Menschen per Waffengewalt zu Tribut-Sklaven abgerichtet werden. Geld ist Schuld und Zwang.

    > entwickeln sich Handwerk und Künste; der Mensch erhebt sich über die Bedürfnisse
    > des Alltags und schafft Werke, die Generationen überdauern.

    Alles eine Folge einer mit Gewalt erzwungenen Begleichung der Abgabeschuld zu Handen der Zwingherren.

    > Die Entwicklung des Geldwesens, dies die These dieses Buches, ist eine
    > entscheidende Vorbedingung für Blüte und Niedergang der Kulturen.

    Hier im DGF sind wir wesentlich weiter. Die Vorbedingung aller Vorbedingungen ist die Installierung der organisierten Gewalt über Tributsklaven anstelle der solidarischen Gemeinschaft von Menschen. Kurz: Sklaven statt Menschen.

    > Karl Walker, Geldhistoriker, zeigt dies anhand einer Unmenge von Episoden
    > und Beispielen aus dem Alltagsleben.
    > Seine Untersuchung führt zu Ergebnissen, die viele überraschen werden,
    > etwa dem, daß das 13. Jahrhundert, der Höhepunkt der Gotik,
    > die glücklichste Epoche in der Geschichte der Menschheit gewesen sei.

    Der hat sie offenbar nicht alle. Das ist die Umwertung aller Werte. Solcher Schwachsinn überrascht mich tatsächlich immer wieder, auch wenn ich mittlerweile abgehärtet bin von der ewig gleichen Propaganda der Apologeten des zwangssolidarischen, ewig kriegerischen Tributkollektivismus. Glückliche Sklaven! So ein Scheixx!
    Vergleichsweise glücklich ist man ausserhalb der kollektivistischen Gesellschaft der Unterwerfung: in nichtmissionierten Solidargemeinschaften (Blutsgemeinschaften) in der Natur, aber ganz bestimmt nicht als domestizierter Arbeiter und von Zwingherren gezwungener Wettstreiter im ewigen Krieg.




    > Mannigfache Erzeugnisse in natura gleichwertig zu tauschen, ist eine unlösbare Aufgabe.
    > Da die Aufgabe aber einem Bedürfnis entspricht und somit doch vernünftig ist,
    > muß es auch eine vernünftige Lösung geben.

    Bedürfnis? Ein Bedürfnis ist es nur dort, wo es Zwingherren gelungen ist, Solidargemeinschaften mit Gewalt zu zerschlagen. Bei intakten Gemeinschaften, die der Missionierung bis dato entkommen sind, interessiert das keine Sau.

    > Diese Lösung fand und entwickelte der Mensch in dem merkwürdigen Ding, das er “Geld” nennt.

    Kompletter Blödsinn. Geld entsteht durch die 'Schuld ex nihilo', und ex nihilo bedeutet: ohne freiwilligen Kreditkontrakt, nämlich durch Waffengewalt.

    > Seit den ältesten Zeiten haben mancherlei Dinge als Geld gedient,
    > von denen wir viele heute nicht mehr als Geld betrachten können;
    > Vieh, Muscheln, Häute, Sklaven und Metalle allerArt wurden zeitweise nicht
    > wegen ihrer unmittelbaren Verwendbarkeit, sondern wegen der Möglichkeit
    > des Weiter-Tauschens gegen die wirklich begehrten Dinge angenommen.

    Das Tauschparadigma der Mickeymouse-Oekonomen und -Historiker wurde in diesen Foren längst gründlich im Abfallkübel des Geschichtsrevisionismus der Dozenten der Herrschaft entsorgt, und das aus gutem Grund!


    > Damit wurden sie zu einem Zwischenglied im Handel, das den Tausch vermittelt, zum Gelde.
    > Daß in dieser Entwicklung die Edel-Metalle sehr bald den Vorrang einnahmen,
    > versteht sich von selbst.

    Von selbst versteht es sich nur für diejenigen, die um den Wert des Metalls als Rohstoff für die Waffen der Zwingherren wissen. Das ist hier das einzige, was sich von selbst versteht.

    > Schon bei den Assyrern und Ägyptern war das gestückelte Hacksilber bekannt,
    > das nichts weiter war als ein Stück von dem Gußkuchen des geschmolzenen
    > und in Wasser gegossenen Metalls. Von hier aus führte ein gerader Weg
    > zur gleichbleibenden Stückelung; Stangen, Ringe, Barren, gestempelte Barren,
    > geprägte Münzen folgten.

    Die Waffe, die organisierte Gewalt gegen innen und aussen mit dem Krieg als Vater aller zivilisatorischen Dinge kommt hier erschreckenderweise überhaupt nicht vor, und wer dies aussen vor lässt, der lässt den Kern des Wirtschaftens aussen vor.
    Nur wo sich die Menscheit als Mafia (Erwirtschaftung von Schutzgeldern) organisiert, wird arbeitsteilig gewirtschaftet (Arbeitssklaven-Ethos), und nirgends sonst.


    > In der Geschichte des Münzwesens gelten die Lydier als die Erfinder der Münze.
    > Ihre Münzen bestanden aus einer Legierung von Gold und Silber.
    > Der außerordentlich ergiebige Goldbergbau der Lydier war ja auch die Grundlage
    > für den sagenhaften Reichtum jenes Königs Krösus, der im 6. Jahrhundert vor Christus lebte,
    > damals aber bereits ein hochentwickeltes Geldsystem in seinem Lande hatte.
    > Wo immer das Geld erstmalig auftrat,

    'Auftrat', wenn ich das nur schon lese!

    > erwachten wie nach einer zauberhaften Berührung die schlummernden Kräfte des Neuen

    Da ist nichts zauberhaftes dabei für jeden, der den Ursprung der supragemeinschaftlichen Arbeitsteilung (Sklaverei) begriffen hat: patriarchaler Gewalteinsatz.

    > taten sich ungeahnte Quellen der Wohlfahrt und des Reichtums auf,
    > Handwerk und Künste entwickelten sich, und der Mensch erhob
    > sich über die Bedürfnisse des Alltags und machte sich an Werke,
    > die Generationen überdauerten.

    Mit Wohlfahrt hat Reichtum nichts zu tun. In sogenannten Wohlfahrts- und Reichtumsgesellschaften herrscht ewig wiederkehrendes Massenelend, nebst Krieg, da ein erzwungener Exponentialwachstums-Kollektivismus bekanntlich per se ein kettenbriefartig wucherndes System ist, das zum vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

    > Wo aber das Geld wieder verschwand, da zerfiel der Bau der Kultur,
    > weil das Fundament der Arbeitsteilung sich auflöste.

    Komisch, gell!

    > Um die Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. wurden auf der Insel Mykene
    > die ersten Münzen Griechenlands geprägt.
    > Jetzt brauchte das Silber des Händlers nicht mehr geprüft und gewogen zu werden,
    > jetzt konnte man fertig geprägte Stücke zählen und damit rechnen.
    > Vor dieser Zeit war auch in Griechenland das Vieh das gebräuchlichste
    > Tauschmittel “Geld”.

    Geld tauscht nicht. Geld (Schuld) kauft.

    > In den Gedichten Homers ist die Münze noch unbekannt, weshalb alle Werte
    > immer am Rind gemessen werden – die goldene Rüstung des
    > Glaukos ist 100 Rinder wert; und Laertes bezahlt Eurikleia
    > mit 20 Rindern (s. F. Müller-Lyer: Phasen der Kultur, München 1929, S. 250 ff).
    > Töchter waren zu diesen Zeiten wertvoll, weil sie Rinder einbrachten,
    > wenn sie einen Mann fanden; Söhne dagegen machten Kosten.

    Da sieht man mal, was für ein Irrsinn mit der Viehzucht und dem Patriachat (Zucht und Züchtigung von Vieh und Mensch) ins Land zog und sich nach und nach wie eine Epidemie mit immer neuen Auf- und Untergängen über den gesamten Planeten verbreitete, bis wir nun soweit sind, dass die Zivilisation nun erstmals global vor dem Aus steht.
    Ich empfehle die Konsultation der Sammlungen und des alten Forums. Nur ein paar Zitate daraus.
    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=250729

    > Schon war es soweit, daß auch die Kriegsführung vom Gelde abhing.

    Kriegführung hing seit jeher vom System Herrschaft und Unterwerfungsgesellschaft ab:
    In vorstaatlichen Epochen kein Krieg und keine organisierte Gewalt gegen Artgenossen.

    > Die Griechen müßten keine Menschen gewesen sein, wenn sie durch ihren
    > Aufstieg nicht übermütig und maßlos geworden wären.

    Masslos wird man erwiesenermassen nicht als Mensch (Solidargemeinschaft), sondern als Tributbürger im Wettstreit des Hyperkollektivs, und in dieser Funktion ist man nunmal nicht Mensch, sondern eben Tributbürger, Sklave, Mafioso.

    Beste Grüsse
    Zara

    ---
    "Wer an "Omo - jetzt mit neuer Wirkformel" glaubt, dem kann man dann tatsächlich auch "Der Staat - jetzt mit ganz neuer Politikformel" verkaufen."

    http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=330014

    Centao

    24.04.2012, 11:49

    @ Zarathustra
     

    Betreuungsgeld - Weitere Knechtung der Tributzahler

    Hallo Zara,

    in Absurdistan D dreht sich die Abgaben- und Verschuldungs- und Umverteilungsspirale zu Lasten der Abgabensklaven immer schneller.

    Das Erziehungs- und Betreuungsgeld vom "Vater" Staat in Höhe von dann 18 Mrd. € wird den ca. 35 Mill. steuerzahlenden Erwerbstätigen pro Nase mehr als 500€ zusätzliche Steuerlast aufzwingen.

    http://www.welt.de/politik/deutschland/article106217862/Kauders-Rentengeschenk-empoert-FDP-und-Wirtschaft.html

    http://de.wikipedia.org/wiki/Erziehungsgehalt

    Natürlich über die Umverteilungsbande des Staatsapparates.

    Da wäre mir dann doch Hassos BGE schon deutlich lieber..

    Viel Glück,
    CenTao

    Wonderland

    27.04.2012, 00:07

    @ Centao
     

    Falsch gerechnet

    Hallo CenTao,

    das Rentengeschenk, klein pro Person, ist doch nichts anderes als die Verschiebung von einem Sozialtopf in den anderen: von der Sozialhilfe/Wohngeld in den Rententopf, macht sich besser.
    > http://www.welt.de/politik/deutschland/article106217862/Kauders-Rentengeschenk-empoert-FDP-und-Wirtschaft.html
    >
    > http://de.wikipedia.org/wiki/Erziehungsgehalt

    150 € Erziehungs-"gehalt" (lach, das sind Windeln, plus Abschreibung des Kinderwagen und Buggy) verrechnen sich pro Kleinkind mit etwa 1000 €, die ein Krippenplatz in einer staatlichen Einrichtung monatlich kostet. Ein echtes Sparprogramm!

    > Da wäre mir dann doch Hassos BGE schon deutlich lieber..

    Stell Dir vor, du wärst so ein kleiner Wurm, der beim Laufen, sofern er sich außerhalb der elterlichen Arme überhaupt schon aufrecht halten kann, immer wieder hinfällt, und dem der Hintern feuerrot wird, wenn die volle Windel nicht gleich gewechselt wird. Wofür würdest du plädieren? Na für das Billigere sicherlich! [[zwinker]]

    Schönen Gruß,
    WL

    Geldseite

    24.04.2012, 12:16
    (editiert von Geldseite, 24.04.2012, 12:17)

    @ Zarathustra
     

    Werke und Gewerke und die Naturmenschen

    Erst einmal danke zu Deiner ausführlichen Stellungnahme zu Karl Walkers Thesen. Ein wenig hatte ich ja gehofft, dass er nicht schon beim ersten einführenden Artikel auseinandergenommen wird. :-)

    „Hier im DGF sind wir wesentlich weiter“ Pluralis majestatis, da kann der selige Walker allerdings nicht gegen an. Und ich gebe Dir recht, Walker denkt in der Welt der 20er, 30er Jahre, da sind wir DGFler tatsächlich hoffentlich weiter.

    Wenn Du Kunst als „Werke und Gewerke“ beschreibst, die „kein Mensch in einer natürlichen Umgebung“ braucht, kreist mein Hut als Kurator für Kunstausstellungen, weiß ich doch, dass Kunst ein Grundnahrungsmittel des Menschen darstellt. :-) Mir klingt da auch ein wenig zu sehr die irrige Annahme durch, die sogenannten „Wilden“ oder „Naturmenschen“ lebten in „intakten Gemeinschaften“. Ich werde da noch ein paar lustige Beobachtungen von Ethnologen posten, welch gaga-Geld-Tausch-Kredit-Systeme denen so eingefallen sind.

    Den Kreditcharakter des Geldes bestreitet Walker nicht, wie die folgenden seiner Kapitel erläutern werden, jedoch empfinde ich, dass seine Betonung auf den Tauschcharakter der seinerzeitigen Warenbeziehungen nicht immer irreal ist.
    Wenn es einem Potentaten gelang, sich der Goldvorräte eines Feindes zu bemächtigen, hatte er doch tatsächlich „Ding-Geld“ und konnte so möglicherweise in kluger Verwendung sein Land vorübergehend in eine kulturelle Blüte führen (ja, ich weiß, nur seine Herrschaft über die Sklaven festigen)

    Was erzählt Herodot über die Karthager?

    Zitat:
    Im übrigen aber schien sich dieser Handel im Altertum in geradezu vorbildlicher Noblesse abzuwickeln. So schreibt Herodot von den Berichten der Karthager: “. . . es wäre auch noch libysches Land und Menschen darin jenseits der Säulen des Herakles (= Meerenge von Gibraltar). Wenn sie dahin kämen, lüden sie ihre Waren aus, dann gingen sie wieder in ihre Schiffe und machten einen großen Rauch. Wenn nun die Eingeborenen den Rauch sähen, so kämen sie an das Meer und legten für die Waren Gold hin und dann gingen sie wieder weit weg von den Waren, die Karthager aber gingen an das Land und sähen nach, und wenn des Goldes genug wäre für die Waren, so nähmen sie es und führen nach Hause; wäre es aber nicht genug, so gingen sie wieder an Bord und warteten es ruhig ab. Dann kämen sie wieder und legten noch immer etwas Gold zu, bis die Karthager zufrieden wären. Keiner aber betrüge den anderen, denn sie rührten weder das Gold eher, als bis die Waren damit bezahlt wären, noch rührten jene eher die Waren an, als bis sie das Gold genommen.” (s. Rob. Eisler: Das Geld, S. 49.)

    (Erstaunlicherweise übten die Karthager die gleiche Handelstaktik aus wie die Wikinger und später die Hanse-Leute, was einem anderen Geschichtsrevisionisten Spanuth durchaus argumentatives Futter gibt, aber das ist ein Thema, auf das ich anderswo zurückkomme.)
    Ich frage mich an diesem Beispiel, wo Kredit und Schuld bei diesem Handelsvorgang eine Rolle spielte?

    Zarathustra

    Helvetistan,
    24.04.2012, 14:20
    (editiert von Zarathustra, 24.04.2012, 14:31)

    @ Geldseite
     

    Kunst als Gegenpol

    > Erst einmal danke zu Deiner ausführlichen Stellungnahme zu Karl Walkers
    > Thesen. Ein wenig hatte ich ja gehofft, dass er nicht schon beim ersten
    > einführenden Artikel auseinandergenommen wird. :-)
    >

    Hoffnung ist eine Strategie mit geringen Erfolgsaussichten, insbesondere dann, wenn ausgerechnet dem DGF solcher mainstreamoekonomischer Hafenkäse schmackhaft gemacht werden soll.[[zwinker]]


    > „Hier im DGF sind wir wesentlich weiter“ Pluralis majestatis, da kann
    > der selige Walker allerdings nicht gegen an. Und ich gebe Dir recht, Walker
    > denkt in der Welt der 20er, 30er Jahre, da sind wir DGFler tatsächlich
    > hoffentlich weiter.
    >
    > Wenn Du Kunst als „Werke und Gewerke“ beschreibst, die „kein Mensch
    > in einer natürlichen Umgebung“ braucht, kreist mein Hut als Kurator für
    > Kunstausstellungen, weiß ich doch, dass Kunst ein Grundnahrungsmittel des
    > Menschen darstellt. :-)

    Des Zivilisten, aber nicht des Menschen. Unter Naturmenschen ist Kunst als Gegenpol zum grassierenden Alltagswahnsinn eben nur von untergeordneter, rudimentärer Bedeutung. In der Zivilisation als der schlechtesten aller möglichen anthropogenen Welten jedoch nicht, denn da sind Kunst und Spiel das Mittel, die Art und Weise des Broterwerbs und des Alltags (Traumatisierung, Gewalt und/oder Langeweile) einigermassen erträglich zu machen, damit nicht statt Einzelnen plötzlich Alle durchdrehen und freiwillig aus dem Leben scheiden.


    > Mir klingt da auch ein wenig zu sehr die irrige
    > Annahme durch, die sogenannten „Wilden“ oder „Naturmenschen“ lebten
    > in „intakten Gemeinschaften“.

    Was soll daran irrig sein, dass die Natur intakt ist? Intakt ist die Natur bekanntlich nur dort nicht, wo der Zivilist wütet.
    Als Kunstsachverständiger müsstest Du dazu wenigstens Darstellungen organisierter Gewalt aus vorzivilisatorischen Epochen präsentieren, so wie sie in der Zivilisation zum Hauptmotiv wurde.


    > Den Kreditcharakter des Geldes bestreitet Walker nicht, wie die folgenden
    > seiner Kapitel erläutern werden, jedoch empfinde ich, dass seine Betonung
    > auf den Tauschcharakter der seinerzeitigen Warenbeziehungen nicht immer
    > irreal ist.

    Der Tauschcharakter ist nachrangig. Dass getauscht wird in einer Wirtschaft, die im Kern und bei Geburt auf Schulden basiert, ist den Debitisten bestens bekannt. Die Mainstreamoekonomie, -Soziologie und -Historik erachtet aber den Tausch als vorrangig und als Grund der wirtschaftlichen Entwicklung, was schlicht und einfach ein Witz ist und bis heute von Naturvölkern widerlegt wird.


    > Wenn es einem Potentaten gelang, sich der Goldvorräte eines Feindes zu
    > bemächtigen, hatte er doch tatsächlich „Ding-Geld“

    Ja, eben! Also erst dann, wenn Tributschuldgeld längst etabliert war und er aufgrund dessen zum Potentaten aufsteigen konnte.

    > und konnte so
    > möglicherweise in kluger Verwendung sein Land vorübergehend in eine
    > kulturelle Blüte führen (ja, ich weiß, nur seine Herrschaft über die
    > Sklaven festigen)
    >
    > Was erzählt Herodot über die Karthager?
    >
    > Zitat:
    > Im übrigen aber schien sich dieser Handel im Altertum in geradezu
    > vorbildlicher Noblesse abzuwickeln. So schreibt Herodot von den Berichten
    > der Karthager: “. . . es wäre auch noch libysches Land und Menschen
    > darin jenseits der Säulen des Herakles (= Meerenge von Gibraltar). Wenn
    > sie dahin kämen, lüden sie ihre Waren aus, dann gingen sie wieder in ihre
    > Schiffe und machten einen großen Rauch. Wenn nun die Eingeborenen den
    > Rauch sähen, so kämen sie an das Meer und legten für die Waren Gold hin
    > und dann gingen sie wieder weit weg von den Waren, die Karthager aber
    > gingen an das Land und sähen nach, und wenn des Goldes genug wäre für
    > die Waren, so nähmen sie es und führen nach Hause; wäre es aber nicht
    > genug, so gingen sie wieder an Bord und warteten es ruhig ab. Dann kämen
    > sie wieder und legten noch immer etwas Gold zu, bis die Karthager zufrieden
    > wären. Keiner aber betrüge den anderen, denn sie rührten weder das Gold
    > eher, als bis die Waren damit bezahlt wären, noch rührten jene eher die
    > Waren an, als bis sie das Gold genommen.” (s. Rob. Eisler: Das Geld, S.
    > 49.)
    >
    > (Erstaunlicherweise übten die Karthager die gleiche Handelstaktik aus wie
    > die Wikinger und später die Hanse-Leute, was einem anderen
    > Geschichtsrevisionisten Spanuth durchaus argumentatives Futter gibt, aber
    > das ist ein Thema, auf das ich anderswo zurückkomme.)
    > Ich frage mich an diesem Beispiel, wo Kredit und Schuld bei diesem
    > Handelsvorgang eine Rolle spielte?

    Schuld und Tribut spielen insofern in jeglichen Händeln (abgesehen von einigen rudimentären Ritualen unter Primaten) eine Rolle, als dass sie immer vorrangig sind und jeglichen Händeln vorausgehen, da es ohne Tributschuld überhaupt keine Motivation gibt, Handel zu treiben und Gewinne zu erwirtschaften, um eben Tribut zu zollen.


    Danke und Grüsse, Zara

    ---
    "Wer an "Omo - jetzt mit neuer Wirkformel" glaubt, dem kann man dann tatsächlich auch "Der Staat - jetzt mit ganz neuer Politikformel" verkaufen."

    http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=330014

    Orlando

    Homepage E-Mail

    24.04.2012, 14:37
    (editiert von Orlando, 24.04.2012, 14:39)

    @ Geldseite
     

    Kunst, Tausch, Macht

    weiß ich doch, dass Kunst ein Grundnahrungsmittel des Menschen darstellt.

    Ein klitzekleiner Unterschied, wie zwischen Wurzeln und Gänseleberpastete bei den Nahrungsmitteln ...

    http://per-storemyr.net/2012/04/06/wadi-abu-subeira-egypt-palaeolithic-rock-art-on-the-verge-of-destruction/subeira_gallery_02/

    http://www.notorious-mag.com/2012/02/19/damien-hirst-retrospective/


    Zum Tausch,

    Keiner aber betrüge den anderen,

    bezeichnend, daß das Nichtbetrügen vermerkt wird (gemeint ist weniger die Täuschung, als vielmehr der Raub), wirft Licht auf die zeitgenössischen Zustände.

    Natürlich gab und gibt es Tausch (sonst gäbe es ja das Wort auch nicht), aber eben nicht als Grundlage der gemeinschaftlichen menschlichen Lebenserhaltung in vorgeldlicher Zeit. Und schon garkeinen Äquivalenztausch, der bei den Tauschlegenden als Wirtschaftsursprung ja implizit gemeint ist, denn mit welchem Maßstab sollten die Menschen ohne Geld ihre unterschiedlichen Tauschgüter bewertet und verglichen haben?

    Was es allerdings gab und gibt, ist die Gabe, auch gegenseitig.


    Der Verdienst dottore Martins ist, den archimedischen Punkt "Macht" als Ursache des Wirtschaftens gefunden und definiert zu haben. Wirtschaften bedeutet danach immer: Überschuß erwirtschaften, eben den Überschuß, den der Machthaber dann als Tribut, Steuer, Abgabe einstreicht. Ist der Wirtschafter dabei fleißig, darf er privatim Vermögen horten, bis es der Obereigentümer leider, leider dann doch selbst braucht (Kriegsanleihe, Vermögensabgabe, Lastenausgleich etc). Bzw., die moderne Herrschaft hat ihre Untertanen raffiniert via Geldsystem zum Horten in Schuld verleitet, und damit ihre Arbeitsleistung bereits abgezogen und verbraucht, während diese sich noch vermögend wähnen.

    Daraus läßt sich die ganze Geschichte mit ihrem "Fortschritt", auch dem technischen, ableiten. Wer sich dieser nachsteinzeitlichen Zentralaufgabe verweigert, wird sanktioniert bzw. wie bei uns heute als arbeitsscheuer, asozialer Penner auf die Parkbank verwiesen (wobei, das wäre mal eine nette Fotoserie wert, die Parkbankkonstrukteure heutzutage alle Anstrengung darauf richten, Parkbänke zu entwickeln, auf denen man NICHT mehr liegen kann, denn wer nicht überschusst, soll auch nicht liegen).

    Vor allem ist das Geld, bzw schlimmer noch, die Art des Geldes, nicht die Ursache der Zustände, sondern Geld ist ein wunderbares Mittel der Herrschaft, um die Beherrschten die Überschüsse erwirtschaften und abliefern zu lassen.

    Wenn Deine Anekdoten- und Geschichtensammlung, bei der ich mir etwas deutlichere Hinweise auf die Quellen wünschen würde, diese kardinale Grundlage auch noch zur Sprache bringt, ist alles in Butter.

    azur

    E-Mail

    29.04.2012, 01:28
    (editiert von azur, 29.04.2012, 01:30)

    @ Zarathustra
     

    Geld kauft nicht nur, "es" zahlt

    Hallo Zara,

    das Folgende ist so nicht korrekt.
    >
    > Geld tauscht nicht. Geld (Schuld) kauft.
    >

    Das Geld (Schuld) kauft nicht nur, sondern zahlt.

    Dahingestellt sei, ob überhaupt davon gesprochen werden kann, dass es ein Subjekt und kein Objekt ist.

    Geld ist ein Zahlungsmittel. Damit werden z. B. Steuern entrichtet. Und das ist nicht Kaufen (bestenfalls indirekt oder im übertragenen Sinne).

    Kauf ist ein bestimmtes Schuldverhältnis, in dem etwas bezahlt wird.

    In BGB heißt im § 433 Absatz (2) Der Käufer ist verpflichtet, dem Verkäufer den vereinbarten Kaufpreis zu zahlen...

    Es wird auch noch in anderen Schuldverhältnissen gezahlt. Miete, Dienstvertrag, Steuerschuldverhältnis etc. pp.

    Es heißt möglichweise auch desterwegen zutreffend Zahlungsmittel.

    Kaufmittel ist nicht üblich und an sich auch kein Wort, für das es einen wirklich Bedarf gibt.

    Die Gläubiger wollen wenn Geld geschuldet wird Zahlung.

    Einverstaden?

    Schönen Sonntag Dir in die Höhen.

    azur

    ---
    ENJOY WEALTH
    (Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)

    Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.

Es gibt keinen Planeten B, aber einen Plan B: die Finca Bayano Preisvergleich Gold & Silber

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