Diese folgende Analyse stammt ursprünglich vom 28. Januar 2001.

 

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Langfristanalyse zu DaimlerChrysler AG (WKN 710000) auf Basis der Elliott-Wellen

Dankenswerter Weise habe ich von DaimlerChrysler die Daten des Aktienkurses seit 1974 auf wöchentlicher Basis zur Verfügung gestellt bekommen, bereinigt um Kapitalmaßnahmen und umgerechnet auf Euro. Bis Ende Mai 1999 handelt es sich um Kassakurse, danach um Schlusskurse. Kurse bis 19.01.2001 sind verarbeitet.

Die regelmäßigen Leser meiner Analysen wissen, das ich mich nicht um die so genannten "Fundamentals" kümmere, weil sie nach meiner Überzeugung für eine Kursanalyse und -prognose nur hinderlich und irreführend sind. Die "Fundamentals" sind immer eine Folge des Kurses. Bereits seit dem Frühjahr 1998 fällt der Kurs von damals über 100 Euro und steht heute bei der Hälfte. Nach dem schnellen Kursrutsch von Mai bis Oktober 1998 um etwa 45 % erholte er sich wieder bis über 90 Euro im Januar bis April 1999. Und dann gab es wieder eine Halbierung. 

Und die "Fundamentals"? Erst kürzlich ist die Folge des Großenwahnsinns deutlich geworden. "Daimler" und "Chrysler", das passt so gut zusammen wie "airline" und "food" - zusammengesetzt als "DaimlerChrysler" bzw. "airline food".  

Meinungen aus dem Diskussionsforum: 

26.10.2000: Endlich sind die Daimler-"Fundamentals" da! Schrempp: "Schwerere See!" 

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29.09.2000: Wie lange wollt ihr Aktionäre noch die Unfähigkeit vom Daimler-Häuptling Schrempp hinnehmen?

Begründung:

1. Wenn ich auf der Autobahn fahre, sehe ich alle Autos, jedoch alle Schaltjahre einen A-Klasse-Mercedes. Offensichtlich der größte Flop aller Zeiten. Ehrlich, als Baustatiker habe ich zu meiner Frau, bevor der Elchtest lief, gesagt, hat dieses Auto eine Bleiplatte am Unterboden damit der Schwerpunkt auf eine vernünftige Höhe kommt? Auch eine Elektronik, das so genannte ESP, vermag ein zu schnelles Auto in einer Klotoide (das ist eine Kurve in der der Radius immer enger wird, im Straßenbau üblich) nicht zu stabilisieren, wenn der Schwerpunkt dermaßen daneben liegt wie es hier offensichtlich ist. Ein angeblicher Supertechniker wie Schrempp hätte das erkennen müssen wenn mir dies als Baustatiker aufgefallen ist.

2. Er hat seinen ehemaligen Chef Edzard Reuter durch den Kakao gezogen, obwohl er die Geschäfte mit den diversen Flugzeugfabriken eigenverantwortlich hat ausführen dürfen. Den von ihm gekauften Mist hat er dann auch selbst wieder verkaufen dürfen und seine Bilanz damit schönfärben können, als Edzard Reuter abgetreten war. Einem solchen Mann ist von vornherein mit Misstrauen zu begegnen. Schließlich hat er mit Shareholder-Value geprahlt.

3. Wo steht die Aktie heute? Den Dreck Chrysler, den er gekauft hat, wird nun zum Klotz am Bein. Seinem Nachfolger wäre geraten, ihn genau so durch den Kakao zu ziehen, wie er es mit Edzard Reuter gemacht hat. Sein Gehalt hat er inzwischen vermehrfacht. Das ist aber das einzige, was er geleistet hat.

4. Wenn diese Gurke nicht bald abgelöst wird, sehe ich für den edelsten Konzern Deutschlands düstere Gewitterwolken aufziehen. Er hat die Aktie an die Wand gefahren. Nehmt ihm endlich das Geschäft aus der Hand damit er nicht noch den besten deutschen Konzern an die Wand fährt. Merkt euch: Die Aktie ist mit diesem Mann nicht mehr billig. Sie schnellt sofort in die Höhe wenn ihr diesen Shareholder-Value in die Wüste schickt, möglichst weit weg von Untertürkheim.

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11.01.2001: And it burns, burns, burns ...

Weiteres Zeichen für den    b e g i n n d e n   Kampf um Liquidität! Die Märkte werden jetzt mit Unternehmensanleihen zugeschüttet. Und bei DC steht jetzt vermutlich erzwungenermaßen eine Entlassungswelle an, oh Mann. Schrempp hat sich mit Chrysler verzockt - wie glimpflich wird er wohl davonkommen? Und die Daimlers ... sind in einer Rezession wohl die Fahrzeuge, die als erste in den Regalen liegen bleiben wg. Luxusgut/Markenaufschlag. Chrysler müsste also bald - am besten sofort - mit Verlust verkauft werden. Dass das nicht passieren wird, hat der Boss ja schon verkündet. Daimler auf dem Roverweg. BMW hat noch Schwein gehabt, aber wer will denn in einer Deflation Chrysler kaufen? Vielleicht kommt Chrysler ja dann bei Ebay unter den Hammer...


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Nun ja, das sind Meinungen von Einzelnen (von denen ich mich vorsorglich distanziere), aber ich denke, diese Einzelnen werden immer mehr. Mich würde interessieren, wie die DCX-Mitarbeiter das sehen. 

Im Zwischenbericht für das 3. Quartal 2000 heißt es:
"Bereinigt um die Einmaleffekte in beiden Jahren [Anm.: 1999 und 2000] wurde aufgrund der marktbedingten Ergebnisrückgänge in den Geschäftsfeldern Chrysler Group und Dienstleistungen mit € 0,5 Mrd. das hohe Vorjahresergebnis (€ 2,6 Mrd.) deutlich unterschritten."

Für DCX werden KGVs für 2001 in einer Spannbreite von 11 bis 35 genannt, so "einig" sind sich die Analysten. Und wie schnell sich Schätzungen ändern können, haben wir ja erlebt. 

Nach einer fast 20jährigen Hausse stehen Europa und vor allem die USA am Beginn einer langen Aktienbaisse. In der letzten große Baisse 1929 - 1932 verlor der Dow Jones 89 % und die durchschnittlichen KGVs lagen am Ende bei etwa 6 - 7, und das, nachdem die Unternehmensgewinne in dieser Zeit kräftig eingebrochen waren. Das durchschnittliche Verhältnis Kurs zu Buchwert betrug 0,55. 

Nun aber genug mit den Fundamentals. 

Schauen wir uns den Kurs von DCX unter dem Aspekt der Elliott-Wellen an:

Bei einer so breit gehandelten Aktie wundert es nicht, dass die typischen Elliott-Muster allzu deutlich sind. Von dem Tiefpunkt Mitte 1974 (der zeitlich auch beim Dow Jones etwa das Ende des Bearmarktes seit 1965 darstellt, entwickelte sich eine erste Welle 1 bis Oktober 1978, natürlich fünfteilig. Danach folgte eine 35 %ige Korrektur bis Anfang 1980. Dann ging's "rund": Von 7,66 auf 61 Ende 1986. Im Zuge des "Crashs von 1987" fiel DCX von 58 im Juli 1987 (Juli 1987 war auch der Höchststand des Dow Jones) auf etwa 25 Ende Januar 1988. Der Verlust bei DCX war also deutlich höher (über 55 %) und es dauerte mehrere Wochen bis zum Tief. Der Dow Jones verlor am 19.10.87 "nur" 22,6 %, hat sich aber sofort von diesem Tiefstand erholt. Während der Dow Jones seinen Höchststand vor dem Crash Ende August 1989 wieder erreicht hatte, war dies bei DCX erst Anfang 1997 der Fall. 

Anmerkung für die "älteren" Leser: Der Crash von 1987 wird in der Welle V seit 1974 als (4) gezählt, was für einen "Eintagscrash" eher ungewöhnlich ist. Bei Daimler ist es eine perfekte Welle 4 (als Dreieck) geworden. Hier der Chart zum Dow:

Zurück zu Daimler: Die Welle 5 begann im Dezember 1992, wieder bei 25 Euro. Diese Welle 5, wie auch vorher Welle 3, war wieder fünfteilig, wie es sein muss. Und im April/Mai 1998 war es dann so weit: Die Hausse für Daimler war zu Ende. Übrigens hat auch die advance/decline-Linie der NYSE im April ihren Höchststand gesehen:

dieses

Als in New York gelistetes Unternehmen hat Daimler sich wohl angepasst. Das Listing kam übrigens etwa zu dieser Zeit, Ende Oktober 1998. Alles im Sinne des Shareholder Value .... Und dafür darf man sich jetzt mit der SEC, US-GAAP und FASB 133 etc. herum schlagen. 

Interessant ist sicher auch, wie sich Daimler im Vergleich zum DAX entwickelt hat:

 

 

Das war bisher nur die Geschichte, jetzt kommt der schwierige Teil - die Zukunft. Dazu noch einmal der Chart:

Ein TRENDWECHSEL hat statt gefunden, somit ist die Trendrichtung vorerst abwärts. Die Wellen 1 und 2 sind ja deutlich erkennbar, und seitdem läuft Welle 3. Nach 3 kommt 4, nach 4 kommt 5. Wenn Welle 5 etwa so lang wird wie die 1, dann sind etwa 30 Euro zu erwarten, was auch etwa in der Mitte der vorhergehenden Welle 4  liegt. Angesichts der Situation des Gesamtmarktes, besonders des amerikanischen, ist es jedoch äußerst unwahrscheinlich, dass dort bereits das Ende der Abwärtsbewegung sein wird, vor allem wäre es zeitlich viel zu kurz. Die weitere wahrscheinliche Entwicklung zeigt der rote Pfeil. 

Dass es heute utopisch klingt, ist mir bewusst: Auch ein Kurs von unter 10 Euro ist nicht unwahrscheinlich. Denn dieser Bereich stellt die vorhergehende Welle 4 der Jahrhunderthausse [seit 1932] dar. 

[...]

Utopisch, dass Daimler auf 20, 15 oder gar unter 10 fällt? Sicher genau so utopisch wie ein Dow Jones, der von 381 auf 41 gefallen ist.

Wäre Daimler bei z. B. 10 Euro nicht "völlig unterbewertet"? Ja, das wären sie wahrscheinlich, so wie es 1932 bei vielen Aktien auch der Fall war. Wie gesagt, damals ein durchschnittliches KGV von 5 - 6 und ein Kurs-Buchverhältnis von 0,55.

Was würde das auf Daimler bezogen heißen?

Gehen wir von einer (vorsichtigen) Halbierung der Gewinne aus (in einer Rezession für einen Luxusguthersteller keine Utopie). Bei einem derzeitigen KGV von 18 (Mittelwert der Analystenschätzungen, sofern die Informationen bei Onvista stimmen) könnte der Kurs somit auf ein Sechstel des heutigen Kurses (ca. 52 Euro) fallen, um ein KGV von 6 zu erreichen. Nach den heutigen Buchwerten wäre das ein Verhältnis von etwa 0,3 - 0,4 - sofern die Buchwerte bleiben (!) wo sie heute sind.

Daimler unter 10 Euro - keine Utopie. Nur für Fundamental-Analysten, die die rosige Vergangenheit in alle Zukunft fortschreiben.

Und trotzdem fahre ich nun schon den fünften Wagen dieser Sorte (mit einem Fremdgang zwischendurch) und zwar sehr zufrieden.

(c)  www.elliott-waves.de

---------------Zitat Ende----------------

 

Dieser Analyse von Anfang 2001 ist nicht viel hinzuzufügen, außer:
- dass die Welle
B nicht nur, wie vermutet, bis etwa 50 € ging, sondern bis etwas über 75 € und
- dass ich heute keinen Wagen dieser Marke mehr fahre :-)

Hier zum Vergleich der aktuelle Chart von Comdirect:

An dem Kursziel von 10 bis 15 € halte ich fest.