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ZITAT »Diese Verschwörer sind aber nicht die Wurzel allen Übels, sondern ausführende Kräfte des Zeitgeistes.«

    Ein guter Kopf versucht klüger zu werden und versteckt ihn nicht hinter einer Zeitung - vielmehr liest er in alten Büchern ;)

    verfasst von aix, 06.05.2009, 10:39
    (editiert von aix, 06.05.2009, 10:57)

    Hallo prinz_eisenherz, *!

    Danke für die Blumen, aber was ist ein kluger Kopf?
    Einer der viel weiß (oder zu wissen glaubt) oder
    einer der sucht....
    Viel mehr Danke, das Du das Schweigen hier im Forum
    zu Opel und Co gebrochen hast - mich hatte dieses
    auch schon gewundert - ABER selbst gemerkt wie
    schwierig es ist etwas zum Thema beizutragen.

    Vielleicht macht man den Fehler und findet sich damit
    ab, das die Bürger abgezockt und nach strich
    und faden veräppelt werden.
    Vielleicht wollen es viele gar nicht so genau wissen?
    Wie schön ist die Illusion, das etwas für das Unternehmen
    Opel und seine Mitarbeiter getan wird? Oder das gute
    Entscheidungen für Deutschand getroffen werden - endlich
    eine Loslösung von GM.

    Aber wird es das?

    Man muß sich wohl ganz frech von den Pseudodetailslösen -
    daher ist ein Tage/Wochenlages Schweigen hier
    im Forum vielleicht besser, als eine Kultur jeder
    kleinen Äußerung nachzulaufen.

    > Mein Anstoß, das ist richtig, ist zur Zeit, wie du es formulierst nicht
    > "belastbar" im Sinne von Fakten oder einer klar erkennbaren Strategie.
    > Trotzdem war mein Beitrag dazu gedacht, die gesammelte Intelligenz zum
    > Thema Börse, Wirtschaft und Geld hier im Forum hervor zu locken. Denn
    > immerhin, börsenrelevant ist dieser Kleinkrieg der Parteien um Opel, GM
    > oder Fiat ohne Zweifel.
    >
    > Und um ein brauchbares Gedankenspiel zu betreiben taugt dieses was hier
    > vor unseren Augen mit Wahrheiten, Halbwahrheiten, Auslassungen,
    > Täuschungen, Gerüchten und Desinformationen zum Opelverkauf abläuft um
    > Längen mehr, als sich über einen durchgeknallten, pubertierenden
    > Einzeltäter mit seinem Amoklauf, in regelmäßigen Intervallen, die Köpfe
    > heiß zu reden.

    Nun wenn man all diese sogenannten Informationen "Halbwarheiten", "Gerüchte",
    Desinformationen etc hinterherläuft, sammelt und versucht zu ordnen dann
    wird man auch mit viel Zeit kein richtiges Bild zusammensetzten können.

    Wir brauchen möglichst verschiedene und Extreme Standpunkte für unsere
    Beobachtung - 30cm Abstand zu Zeitungen oder 2m zum TV bring und weder
    Räumlich noch Zeitlich einen Abstand, bei dem man das ziehen der Fäden
    gut beobachten kann - ähnlich wie beim Marionettentheater - tolle Schow,
    aber was hinter der Bühne läuft - wenn kein Fehler gemacht wird - keine
    Chance zu erkennen wie gespielt wird.

    Vielleicht hilft ein Zeitsprung nach 1882/1885/1975:

    Ich habe diese Tage ein sehr lesenswertes kleines Büchlein in Händen
    bekommen:
    "Das häusliche Glück" - Vollständiger Haushaltungsuntericht
    nebst Anleitungen zum Kochen für Arbeiterfrauen" 1882
    Es hilft vielleicht die Geschichte der letzten 200 Jahren und die
    Lebensbedingungen unserer Vorfahren besser zu verstehen, hiflt wohl
    auch sich auf wesendlicheres im Leben zu konzentrien - ich meine dabei
    nicht das Ideal in diesem Buch 1:1 nachzuleben - sondern sich davon
    anregen zu lassen, wie man darmals unter ärmlichen Bedingungen gelebt
    hat.

    Für die Opel-Disskussion habe ich in der Reprintausgabe von 1975, herausgegeben von 1975 Richard Blank, habe ich vom Herrn Blank
    etwas interesantes von seinem Kommentar zu dem Orginal für Euch.
    Blank Reflektierte das Bild, was von dem Ideal des "häuslichen Glücks"
    gezeichnet wird mit der Realität der Arbeiter zur damaligen Zeit.
    Ebenfalls in gänze sehr lesenwert.

    Hier ein Ausschnitt zur Anregung in dieser Runde:

    Seite 220-221
    Alfred Krupp weiß in einem Brief an seinen Sohn Friedrich Alfred von 1885,
    woran die alte Ordnung zu Grunde gehen kann:
    "Seit 50 Jahren ist der Luxus in allen Klassen, und auffallend in der
    gringsten Klasse gestiegen, und ich glaube, daß troz aller Begünstigungen
    die so verwöhnten Menschen nicht zu retten sind... Ich glaube, daß an der
    Verderbtheit der alten einfachen Ansprüche und Sitten niemand mehr Schuld
    trägt als Lasalle mit seiner teuflischen Philosophie und Lehre, daß alle
    Menschen sich Bedürfnisse angewöhnen sollen, die dann befriedigt werden
    müßten"
    (10)

    Aus den Interviews mit den Arbeitern, die diese Zeit erlebt hatten:
    Die meisten Arbeiter konnten sich noch nicht einmal ein Fahrrad leisten,
    sondern sind 1-3 Stunden täglich zur Arbeit zu Fuß gelaufen.

    Seite 223-224
    Zu Hause findet der Arbeiter in seiner Freizeit eine Insel, die ihn
    absondert von den Entbehrungen der Arbeit und von ihren Problemen.
    Es sind Fabrikherren, die ihm dieses Glück verordnen. Da gehen
    die Investitionen weit über die Druckkosten für ein Buch vom häuslichen
    Glück hinaus:
    Afred Krupp, "Ein Wort an meine Angehörigen", 1877:"Ich habe den Mut
    gehabt , für die Verbesserung der Lage der Arbeiter Wohnungen zu bauen,
    worin bereits 20 000 Seelen untergebracht sind... Ich habe mich dadurch
    in Schuldenlast gesetzt, die abgetragen werden muß. Damit dies geschehen
    kann, muß jeder seine Schuldigkeit tun in Friede und EIntracht und in
    Übereinstimmung mit unseren Vorschriften.
    Genießet was euch beschieden ist. Nach getaner Arbeit verbleibt im Kreise
    der Eurigen
    , bei den Eltern, bei der Frau und den Kindern und sinnt über
    Haushalt und Erziehung. Das sei eure Politik.
    Dabei werdet ihr frohe Stunden
    erleben.
    Aber für die große Landespolitik erspart euch die Aufregung. Höhere Politik
    treiben erfordert mehr freie Zeit und Einblick in die Verhältnisse als dem Arbeiter verliehen ist...

    Es wird eine Bestimmung meines letzten Willen sein, daß stets mit Wohlwollen
    und Gerechtigkeit das Regiment geführt werden soll, aber äußerste Strenge soll
    gehandhabt werden gegen solche, die den Frieden stören wollen, und wenn
    bis jetzt mit großer Milde verfahren wurde, so möge dies niemanden verleiten." (11)


    Seite 224-225
    Das Elend der Arbeiter im 19. Jahrhundert machte es möglich, Fortschritt
    ausschließlich unter seinem Materiellen Aspekt zu sehen. Die grundlegenden
    Probleme von Abhänigkeit und Unfreiheit lassen sich scheinbar ausklammern.
    Sie treten aber um so stärker hervor, je mehr die materiellen Erleichterungen
    in bestimmte Richtung gelenkt werden: Krupps "Verbesserung der Lage der
    Arbeiter" meint nicht die Arbeit, sondern die Freizeit: die Verbesserung
    des Lebensstandards in der Freizeit wird zum Mittel, den
    "Einblick in die Verhältnisse" zu vernebeln.


    Heute fällt uns es leicht, die herrschaftlichen Worte von Krupp als solche zu verstehen – genau solch ähnliches Denken gibt es heute noch:

    "Laut Schneider/Raue sind sie auch geradezu stolz darauf, dass ihre Texte nicht für die ganze Bevölkerung verständlich seien, ihr Feuilleton sei also absichtlich nicht für die Mehrheit gedacht."
    http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=99036

    IMHO gilt das nicht nur für Feuilletons sondern auch für Politische/Wirtschaftliche Reden.

    Auch heute wird Fortschritt immer noch nur ausschließlich unter seinem Materiellen Aspekt gesehen – Steigerung des BIP, Steigerung der Ausstattung der PKWs.... und die Verbesserung der Lage wird z.B. vordergründig mit Abwrackprämien angekurbelt – das Volk abgelenkt.

    Lasalle? gemeint ist wohl Lassalle:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Lassalle

    Ins Auge gesprungen ist mir bei diesem Wikiartikel:

    König Wilhelm I. von Preußen löste aufgrund der Ablehnung seines Antrags nach Stärkung der Militärmacht den Preußischen Landtag auf. Nach den Neuwahlen des Landtags, der zumeist aus liberalen Bürgern und konservativen Gutsherren (Junkern) bestand, wurde der Antrag erneut abgelehnt. Der König ließ den Landtag erneut auflösen, jedoch brachte eine weitere Wahl nicht die erhoffte Lösung. Im Gegenteil – die Opposition war noch stärker als zuvor. Deshalb holte Wilhelm I. den Vertreter des pommerschen Adels Otto von Bismarck in die preußische Regierung. Dieser setzte sich über die Verfassung hinweg und genehmigte die Erweiterung und den Ausbau der militärischen Macht. Der Kampf zwischen der alten Königs- und der neuen Parlamentsmacht war entfacht.

    Wiegut das unser Verfassungsgericht noch nicht entmachtet ist.


    > In wie weit die Geschichte um Opel, ein deutsches Autowerk, dessen
    > Schicksal, durch unkluge Entscheidungen oder Dummheit dem deutschen
    > Steuerzahler vor die Füße fallen könnte, ich weiß es auch nicht.

    Meinst Du bei den Entscheidungen unserer Volksvertreter geht es
    um volkswirtschaftliche Entscheidungen, um den Wohlstand für die
    meisten Bürger zu mehren?

    Politisches Feuiliton über Guttenberg:
    ----
    Dabei hat hier nur der glückliche Zufall das System der Parteien ausgetrickst,
    [...] und deshalb auch mehr zu sagen hat, als das, was Gremien zulassen.

    ----


    > Dein zarter Hinweis, das vor der Bundestagswahl keine der beiden großen
    > Parteien daran Interesse hat eine mögliche, unpopuläre Pleite zu
    > begleiten, der ist richtig und hätte mir eigentlich auch einfallen
    > können.
    Ich werde mich bessern, versprochen.
    > [[zwinker]]
    >
    > Aber, wofür haben wir denn dieses Forum hier mit seinen Experten aus
    > allen Gebieten, von denen ich eine brauchbare Lagebeurteilung mir erhoffen
    > darf? Ich verlange keine, die einen und nur einen Weg aufzeigt, sondern
    > eine Beurteilung nach dem Muster "Was passier dann, wenn...."

    Dazu müßte man ersteinmal systematisch sammlen
    1.wer ist beteiligt
    2.wer hat welche Interessen
    3.welche Interessen haben die geringste Lobby
    4.was wurde in der Öffentlichkeit auffallend nicht gesagt

    Nur kurz zu

    3.volkswirtschaftlich mittelfristig/langfristig sinnvolle Lösungen haben bei unserem Politik/Medien System die geringste Chance.

    4.Es wird keine saubere Lösung angestrebt den Konkurs von GM abzuwarten und Opel und das Opel-Kowhow/Patente herauszukaufen.

    4.Es wird politisch auch in diesen Tagen nicht angestrebt eine eigenständige Lösung (ohne einen anderen Autobauer) für Opel zu finden,

    4. Dann noch, für ein Unternehmen das vorm Konkurs gerettet wurde gibt es mindestens 6 Monate Lohnzuschüsse (sind es über 60%?) von der Agentur für Arbeit. Damit kann ein Investor das Projekt bis nach die Wahl retten.


    Rauskommen wird eine scheinbare „Wasch mich – aber mach mich nicht naß Lösung“ - sie wird aber den maximalen Profit für die,
    die am besten die Fäden ziehen können abwerfen.
    Die Opelarbeiter werden nicht die Profiteure sein,
    der Steuerzahler ebenfalls nicht.

    Die Denkweise von Alfred Krupp herrscht auch heute noch:
    „Genießet was euch beschieden ist. „


    Und da Wirtschaft Krieg mit anderen Mitteln ist,
    sind die Zitate von Krupp ebenfalls informativer,
    als die heutigen Zeitungen.

    Oder denkt jemand, das bei Verhandlungen von einem
    von und zu Guttenberg vielleicht eine genossenschaftliche Lösung
    mit den Opel-Arbeitern und Händlern bei herauskommt?


    Gewinne privatisieren - Risiken verstaatlichen,
    jetzt so intensiv wie noch nie!

    Über weitere andere ausgefallene Standpunkte/Zitate zu Opel&Co
    werde sicherlich nicht nur ich mich freuen..... [[zwinker]]
    Hoffe also prinz_eisenherz Initative fruchtet....


    Gruß
    aix





    PS: In Zeiten einer internationaler Witschaftskrise
    auf eine Vernetzung von kranken, überschuldeten Unternehmen
    zu setzten ist volkswirtschaftlich *keine* gute lösung,
    damit wird man 1A erpressbar.
    Welches Land zahlt die wenigsten Beihilfen, in dem
    werden dann Arbeitsplätze abgebaut.

    Klein und Mittelständische Firmen bekommen keine Aufmerksamkeit,
    keine Hilfe und dürfen die ganze Steuergeldverschwendung dann
    aufbringen.....


    [10]Zit.n.:R.Günter, Krupp und Essen in: Kunstwerk zwischen
    Wissenschaft und Weltanschauung. Hg. M Warnke. Gütersloh 1970. S 167
    [11]Zit.n. W.Dahle, deutschuntericht und arbeitswelt: modelle
    kritischen lernens. Hamburg1972 S.95ff

    "Das häusliche Glück" - Vollständiger Haushaltungsuntericht
    nebst Anleitungen zum Kochen für Arbeiterfrauen" 1882
    Reprint-Ausgabe herausgegeben 1975 von Richard Blank
    Verlag Rogner & Bernhard - München
    ISBN 3-8077-0038-2

    PS: Wenn es eine Prallele zu Guttenberg und Bismark gibt,
    (Nicht das Parlament oder die Demokratie holte den Minister,
    sondern sogenannte glückliche Umstände)
    Wer steht heute an der Stelle vom Kaiser? GS?
    Und wo gibt es kritische Texte zu Bismarck - seine
    Memoiren taugen dazu ja wohl nicht....

    Haben die Parteikasten soetwas wie einen Politikadel
    gegründet und wir haben eigendlich wieder sotewas wie
    eine Monarchie - ohne es gemerkt zu haben?

    Guttenberg besuchte in den USA nicht erst seinen Kollegen,
    oder die Botschaft in Washington, sondern den Geldadel in NY.


    gesamter Thread:

  • diverse Randthemen: komische Werbeeinblendungen: ...Online-Game ... besetze Europa...befreie Europa etc... - paranoia, 04.05.2009, 23:19

Es gibt keinen Planeten B, aber einen Plan B: die Finca Bayano Preisvergleich Gold & Silber

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