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ZITAT »Diese Verschwörer sind aber nicht die Wurzel allen Übels, sondern ausführende Kräfte des Zeitgeistes.«

    Zandows Schmökerstunde (3); heute: H. Schacht zur Infla

    verfasst von Zandow, 15.02.2009, 14:38
    (editiert von Zandow, 15.02.2009, 14:46)

    Hallo Gemeinde,


    als Beitrag zur heftig geführten Diskussion zu der Frage, ob denn der Staat in einer DeDe oder Hyperinfla seinen Untergang findet, der heutige Blick in die Literatur.

    Wir schauen in die Schrift „Mehr Geld – Mehr Kapital – Mehr Arbeit“ des deutschen Bankers Hjalmar Schacht, Otto Meissners Verlag, Schloss Bleckede/Elbe 1949 (Hervorhebungen im Original):



    >>>>>
    „Nicht jede Geldschöpfung wirkt inflatorisch.

    Wir werden uns zunächst einmal von dem Gedanken losmachen müssen, daß eine Kapitalvermehrung nicht durch Geldschöpfung erfolgen könne. Der geschichtlich gewordene Weg ging zwar naturgemäß von der Arbeit zum Kapital und zum Geld. Mehr Arbeit, mehr Kapital, mehr Geld. Aber wir befinden uns nicht mehr in den Naturverhältnissen vorkapitalistischer, technischer unentwickelter Wirschaft. Wir haben einen technisch komplizierten Wirtschaftsapparat aufgebaut, den menschlicher Wille nach beiden Richtungen beeinflussen kann. Wir zerstören den Apparat von Zeit zu Zeit durch Krieg und durch wirtschaftliche Maßlosigkeit, wir müssen ihn durch friedliches, maßvolles Handeln auch wieder aufbauen und in Ordnung bringen. So gut wir von der Arbeit zu Kapital und Geld gelangen, so gut können wir durch Einsatz von Geld zu Kapital und Arbeit kommen. Mehr Geld, mehr Kapital, mehr Arbeit.

    Gewiß haben wir immer wieder gegen die Verwechslung der beiden Begriffe von Geld und Kapital anzukämpfen. Geld ist nicht Kapital, aber Geld läßt sich jederzeit in Kapital verwandeln, daher in den volkswirtschaftlichen Unterhaltungen aller Laien das ständige Durcheinanderwerfen von Geld und Kapital. Zu diesem Durcheinanderwerfen hat ganz wesentlich der Umstand beigetragen, daß in der modernen Volkswirtschaft alle Kapitalbeschaffung, sei es in der Form der Ersparnis, des Kredits oder der Beteiligung, fast immer den Weg über das Geld nimmt. Hierauf beruht ja einer der wesentlichen Gründe für das Entstehen des modernen Bankwesens, dessen Kapitalansammlung fast ausschließlich in der Form des Geldes vor sich geht. Ebenso erfolgt die Heranziehung fremden Kapitals für irgendwelche Anlagezwecke durch die Banken immer wieder über die Form des Geldes, sei es durch Hereinnahme von Depositen, sei es durch den Verkauf von Aktien, Obligationen und dergleichen.

    In den genannten Fällen erfolgt die Kapitalbeschaffung aus vorhandenen Überschüssen der Volkswirtschaft, die sich vorübergehend in Geldform ansammeln. Jedes Lehrbuch über Geld- und Bankwesen zeigt, wie in Zeiten großer Überschüsse der Wirtschaft die Tendenz auftaucht, das angesammelte Geld durch Neuanlage in Kapital zu verwandeln, ein Vorgang, der mit dem Auf und Ab der Konjunktur ständig Schritt hält, dessen Auf und Ab sogar zeitweilig stark beeinflußt. Auf diese Weise wird ein sich bildender Überschuß an Geld immer wieder von der Kapitalinvestierung aufgesogen. Wir lassen hier wiederum alle theoretischen Erörterungen über den Zusammenhang von reichlichem, also billigem Geld und hohen Warenpreisen, sowie umgekehrt, ganz beiseite und entnehmen für unsere Betrachtungen aus diesen ganzen Erscheinungen nur das eine, daß die umlaufende Geldmenge stets in einem gewissen Verhältnis zur bewegten Gütermenge steht. Die sogenannte Quantitätstheorie, die sich mit dem Verhältnis zwischen Geld und Gütermenge befaßt und die für die Beurteilung des jeweiligen Geldwertes von Bedeutung ist, wird neuerdings zweckmäßig so formuliert, daß, um einen möglichst stabilen Geldwert zu bewahren, die Menge des umlaufenden Geldes in einem wohlabgewogenen Verhältnis zur Gütermenge sich befinden muß.

    Hieraus geht hervor, daß die umlaufende Geldmenge niemals gleich groß ist, sondern in ihrem Umfange je nach der Menge der bewegten Güter schwankt. Mit anderen Worten, in Zeiten lebhafter Wirtschaftskonjunktur, wo die Menge der bewegten Güter ansteigt, wird die Geldmenge entsprechend größer sein, während sie in Zeiten wirtschaftlicher Depression entsprechend dem geringeren Güterumlauf zurückgeht. Geldvermehrung bei gleichzeitiger Vermehrung des Güterumlaufs bedingt in keiner Weise inflatorische Erscheinungen. Im Gegenteil, würde eine Gütervermehrung bei gleichbleibender Geldmenge stattfinden, so würde der Wert des Geldes ungebührlich ansteigen und umgekehrt. Ziel jeder Notenbank- und Währungspolitik muß es daher sein, den Geldwert im Verhältnis zum Güterwert nach Möglichkeit gleichmäßig ohne große Abweichungen nach oben oder unten zu gestalten. Eine Vermehrung des Geldumlaufs, die mit der Vermehrung der wirtschaftlichen Umsätze Schritt hält, ist keineswegs Inflation, und es macht keinen Unterschied, ob bei annähernd gleichzeitigem Verlauf die eine oder die andere den Anstoß gibt. Im Grunde genommen ist jeder Kredit eine Inflation. Denn er bringt mehr Kapitalkraft in Bewegung, als bereits wirksam ist.

    Als es sich im Jahre 1933 darum handelte, die Arbeitslosigkeit von 6 ½ Millionen Menschen zu beseitigen, erhob sich die Frage, ob nicht seitens der Notenbank durch eine Erweiterung der Kreditpolitik eine Wirtschaftsbelebung und damit eine Beschäftigung der Arbeitslosen herbeigeführt werden könne. Die währungspolitische Überlegung, die dabei mitspielte, war, daß zwar im Augenblick des wirtschaftlichen Tiefstandes der Güterumlauf im Verhältnis zur geplanten Kreditschöpfung nicht groß genug war, daß aber durch Kreditschöpfung die Gütererzeugung und der Güterumlauf so rasch und so weit steigen würden, daß das vorübergehend unausgeglichene Verhältnis zwischen Geldmenge und Gütermenge wieder zum Ausgleich gebracht werden könne.

    Diese Auffassung wurde gestützt durch eine einfache theoretische Überlegung. In den deutschen wie in den meisten Notenbanksatzungen war vorgesehen, daß die auszugebenden Noten stets eine Deckung von gewissem Umfang in Handelswechseln haben sollten. Würde die wirtschaftliche Depression weitergehen, so würde sich möglicherweise der Bestand an Handelswechseln so weit verringern, daß auch der Notenumlauf entsprechend automatisch sich verringern müßte, womit der Depression nur noch ein weiteres Agens hinzugefügt würde. Diese ganze Notenbankautomatik der klassischen Nationalökonomie mußte als ein Schlag empfunden werden gegen die tatsächlichen wirtschaftlichen Entwicklungsvorgänge. Man konnte nicht eine ganze Volkswirtschaft ohne geldliche Betriebsmittel lassen, lediglich weil eine frühere Währungstheorie solchen Automatismus ausgeklügelt hatte. Aus diesem Grunde setzte sich die Reichsbank über die hergebrachte Theorie hinweg und kurbelte die Produktion durch eine weitherzige Hergabe von neuem Geld an. Der Erfolg gab ihr recht. Von irgend einer inflatorischen Wirkung war keine Rede, weil die Gütermenge sehr rasch so anwuchs, daß die der erhöhten Geldmenge das Äquivalent bieten konnte.

    Es soll in dieser Schrift nicht auf die Geschichte der Arbeitslosenbeseitigung durch die Politik der Reichsbank in den Jahren 1933 bis 1935 eingegangen werden. Dies wird an anderer Stelle zu geschehen haben. Hier sei nur ein Punkt noch festgehalten, der auch für die Zwecke dieser Schrift von wesentlicher Bedeutung ist. Als jene Arbeitsbeschaffungswechsel ins Leben gerufen wurden, die später unter dem Namen der Öffawechsel, Mefowechsel etc. bekannt geworden sind, hat die Reichsbank nicht etwa die Gesamtheit dieser Wechsel in ihr Portefeuille aufgenommen. Im Laufe von fünf Jahren erreichte die Gesamtumlaufziffer der Mefowechsel ihren Höchstbetrag von 12 Milliarden Reichsmark. Hiervon ist aber niemals mehr als die Hälfte und zeitweilig beträchtlich weniger ins Portefeuille der Reichsbank geflossen, während der restliche Teil innerhalb der Wirtschaft verblieb und dort Aufnahme fand.

    Dieser letzte Umstand war lediglich einer Entscheidung der Reichsbank zu danken, indem sie nämlich sich bereit erklärte, die Arbeitsbeschaffungswechsel jederzeit zum Diskont hereinnehmen zu wollen. Damit konnte sich der Besitzer solcher Arbeitswechsel jederzeit bares Geld bei der Reichsbank beschaffen und konnte infolgedessen seine flüssigen Mittel, noch dazu zinstragend, in diesen Wechseln anlegen. Es ist auch für unsere weiteren Erwägungen von Bedeutung, daß dieses bloße Versprechen der Reichsbank genügte, um erhebliche Kassenbestände der Wirtschaft in die Arbeitsbeschaffungswechsel hineinzuleiten und damit einen sehr ansehnlichen Beitrag zur Überwindung der Arbeitslosigkeit aus der Wirtschaft selber heraus zu holen, ohne daß der Notenumlauf der Reichsbank übermäßig gesteigert wurde.

    Auf diese Weise gelang es, während der ganzen Zeit des Umlaufs der Arbeitsbeschaffungswechsel die Währung vor allen inflationistischen Gefahren zu bewahren und völlig intakt zu halten. Erst Hitlers Kriegswahnsinn hat dann diese Linie durchbrochen. Der Erfolg der Reichsbankpolitik war aber der, daß die Einnahmen des Reiches aus Steuern und Zöllen sich von 1933 bis 1938 ständig und zuletzt um nicht weniger als 10 Milliarden Reichsmark jährlich vermehrten, so daß bei Fortsetzung einer friedlichen Wirtschaftspolitik die Tilgung der Arbeitsbeschaffungswechsel keinerlei Schwierigkeiten gemacht haben würde.

    Wir halten aus dem Vorstehenden zwei Ergebnisse fest, erstens, daß nicht jede Kreditschöpfung, nicht jede Geldvermehrung inflationistische Wirkungen auslösen muß. Wenn die Geldschöpfung eine rasch folgende Gütervermehrung hervorruft, so wird die Geldvermehrung durch die Gütervermehrung kompensiert. Das zweite Ergebnis ist, daß die bloße Bereitschaftserklärung der Notenbank, im Bedarfsfalle der Wirtschaft gegen die genannten Wechsel Geld bereitzustellen, für die Produktion eine so gesicherte Plattform darbot, daß sie die eigene Geldreservehaltung einschränken bzw. ganz unterlassen konnte. Dadurch wurde erreicht, daß auch das letzte verfügbare umlaufende Geld der Produktion und ihrer Steigerung nutzbar gemacht werden konnte.“
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    Schacht bleibt mit der Betrachtung von Geld- und Gütermengen in der Quantitätstheorie verfangen. Folgt man dieser Theorie, so gilt zu fragen, was eine Geldmengenausweitung OHNE rasch folgende Gütermengenausweitung (real bezahlte Preise dabei vorausgesetzt!) bewirken würde.

    Und:
    Wie erklärt sich z.B. folgender Umstand:
    Im Iran liegt die Arbeitslosigkeit bei ca. 30%. Schlechte Wirtschaftslage also. Gleichzeitig kämpft das Land mit einer Infla von 30% !!!
    DeDe?


    Gruß in die Runde, Zandow


    gesamter Thread:

  • Zandows Schmökerstunde (3); heute: H. Schacht zur Infla - Zandow, 15.02.2009, 14:38

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