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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Antwort auf Ihre wichtigen und klugen -aber auch auf ihre dummen Fragen

    verfasst von Diogenes Lampe, 28.10.2019, 17:55

    Hallo Diego2

    > Ein letzter wichtiger offener Punkt ist der sogenannte schwarze Adel, der
    > wird von Ihnen manchmal als dem Vatikan und Papst übergeordnet, parallel,
    > und manchmal untergeordnet geschildert. Um die wahren Machtverhältnisse im
    > transatlantischen Reich zu verstehen, ist es aber essentiell, dies genau zu
    > differenzieren. Denn der schare Adel (blaublütige Adel und
    > transatlantische Grosskonzerne) sind ja auch sehr eng in ihren Logen
    > organisiert, so dass sich schon die Frage stellt, wer ganz oben in der
    > Pyramide steht.... Wer von den drei Ludendorff‘schen Überstaatlichen den
    > Hut aufhat, wird ja hier immer wieder kontrovers diskutiert. Wenn
    > einflussreiche US amerikanische Familien über freimaurerischen Logen (z.B.
    > über Ableger wie Skull und Bones) US Politik und Vatikan kontrollieren
    > sollten, dreht sich das Bild ja doch ein wenig.

    Ja, damit stellt man es auf den Kopf.

    Sie bringen die Schwierigkeiten bei der richtigen Identifizierung hier auf den Punkt. Der Schwarze Adel ist in seinen historischen Verzweigungen auch eine recht komplexe Angelegenheit und ich stimme Ihnen zu, dass hier noch mehr Licht rein muss. Das wäre einen gesonderten Text wert.

    Man könnte sagen, das ganze weströmische Machtkonstrukt ist letztlich für den Schwarzen Adel da. Insofern steht er über dem Vatikan, weil der nur ein Mittel ist, dessen Interessen durchzusetzen. Der ist aber auch ein Substitut für das römische Caesarentum. Aber so einfach ist das leider immer noch nicht, weil Caesarentum und Hohepriestertum im antiken ROM im Herrscher nicht getrennt waren. Auch nach der Christianisierung blieb zumindest der Kaiser des Oströmischen Reiches seit Konstantin als weltlicher Herrscher auch geistlicher Herrscher. In Westrom verlief das anders. Da musste sich der Bischof von ROM, der sich nun Papst nannte, bezüglich der weltlichen Macht mit den Byzantinern, Merowingern, Karolingern und Kapetingern und deren Nachfolger arrangieren.

    Im späteren Investiturstreit des weströmischen Mittelalters ging es ja genau darum, dass Gregor VII. am liebsten geistliche und weltliche Macht wieder zusammengeführt hätte. Also stritten sich Papst und Kaiser, wer über wem steht und mit dem berühmten Gang nach Canossa fand der Streit auch nur ein vorläufiges Ende. Er schwelte solange, bis es keinen Kaiser in Europa mehr gab; also bis ins 20. Jh. und zum 1. Weltkrieg, dessen Resultat ja bekanntlich die Abschaffung von vier Kaiserreichen war: Osmanisches Kaiserreich, Russisches Kaiserreich, Deutsches Kaiserreich und Österreichisches Kaiserreich.

    Wir wissen ja, dass die Macht des Adels sich schon im antiken Römischen Reich nicht nur durch Kriege vermehrte, sondern noch weitaus wirksamer durch Heiratspolitik. Daran beteiligten sich seit dem Mittelalter auch die Familien der Päpste, wobei der Borgia-Papst Alexander VI. sicher das bekannteste Beispiel des Versuchs ist, auch eine päpstliche Dynastie zu gründen und deshalb in die ältesten Adelsfamilien einzuheiraten. Er stammte aus dem Marranengeschlecht der Borgia und verheiratete seine Tochter Lucrezia mit dem Herzog von Ferrara, Alfonso I. d'Este. Damit fließt nun auch das Blut dieses jüdisch marranischen Geschlechts in den Adern der Welf-Este. Die Borgias stellten aber auch mit Franziskus Borgia den dritten General der Jesuiten. Also auch hier ist die enge Verbindung ersichtlich.

    Dann gibt es innerhalb des Schwarzen Adels Rangunterschiede, die sich nach dem Alter der Familien richten. Die Welfen, die Kapetinger und die Reginaren sind die ältesten, bis heute existierenden Familien des europäischen Hochadels. Die Welfen führen ihren Stammbaum bis zum Vater Odoakers, Edekon, zurück. Odoaker war, wenn man so will, der letzte weströmische Kaiser, nachdem das Kind Romulus Augustulus 476 abgesetzt wurde. Auch wenn er heute von den Historikern nicht als solcher gezählt wird, sondern für sie gilt: "Vier-Sieben-Sechs! Westrom ist Ex!" Die Nachkommen Odoakers hatten sich aber schon im 11. Jahrhundert mit der Familie der Este durch Heirat verbunden, weil mit Welf III. der Mannesstamm ausstarb. So entstand das Haus Welf-Este. Das stellte die Herzöge von Bayern. Von denen stammt das Haus Hannover ab, welches ab 1714 die Könige von England stellte....usw..

    Von den US-amerikanischen Familien haben da immer nur die wirklich Bedeutung, die über irgendwelche Ecken mit dieser oder jener europäischen Adelslinie verbunden sind. Sie lenken auch nicht den Vatikan sondern werden über die schottischen Hochgrad-Freimaurerlogen von den Jesuiten gelenkt. Diese "Landeselite" kann deshalb ja jetzt auch von Trump - der eben diese ältesten und mächtigsten weströmischen Hochadelskreise unterstützt - abgeräumt werden.

    > Es gibt in den letzten Texten und Diskussionen auch noch ein paar einige
    > Dinge, wo ich Zweifel habe oder die ich nicht verstehe, weshalb ich sie
    > hier noch einmal ansprechen möchte.
    >
    > Zunächst einmal die These, dass Bismarck sich mit Russland gegen Rom
    > verbünden wollte. Da fällt mir erst einmal ein, dass er zusammen mit dem
    > Zentrum (Vatikan) ganz schön Politik gegen die Linken und Sozialisten
    > gemacht hat.

    Zusammen mit dem Zentrum? Woher kommt Ihnen dieser Einfall? Das Zentrum, gegründet 1870, stand in Opposition zu Bismarck. Man näherte sich zwar in der Politik gegen die Sozialisten an, aber von Seiten des Zentrums auch nur zum Schein, weil die sozialistische Bewegung ja genauso wie die sozialkatholische ein Werk des Vatikans war, was Bismarck natürlich nicht entgangen ist. Ebensowenig, dass das Zentrum über den Kronprinzen, den späteren 99-Tage-Kaiser Friedrich III., der mit der Tochter der Queen Victoria verheiratet wurde, die Gegner Bismarcks am Kaiserhof stärkte, was dann unter Wilhelm II. 1890 zur Entlassung Bismarcks führte.

    > Vor allem hat er aber als Leiter des Berliner Kongresses 1878
    > die militärischen und dann auch diplomatischen Landgewinne der Russen im
    > russisch–osmanischen Krieg, die kurz vor Istanbul standen, wieder
    > weitgehend rückgängig gemacht. Bismarck hat da eher angelsächsische
    > Politik betrieben, die den Bosporus nicht dem Zaren überlassen wollten.
    > Die Russen waren jedenfalls nach dem Berliner Kongress so sauer auf die
    > Preussen (denen sie in den Kriegen 1866 und 1871 den Rücken freigehalten
    > haben), dass sich dann bis zum ersten WK Frankreich zu- und Deutschland
    > abgewandt haben. Da war Bismarck nicht ganz unbeteiligt. Insofern kann ich
    > Ihre These zu Bismarcks Politik eines Bündnis mit dem Zaren gegen den
    > Vatikan nicht ganz nachvollziehen.

    Wenn Sie das so grob verkürzt darstellen, muss man natürlich zu falschen Schlussfolgerungen kommen, die so auch nicht die politischen Realitäten und die sich aus ihnen ergebenen diplomatischen Erfordernisse berücksichtigen.

    1. Erstmal fand der Kampf Bismarcks gegen den Vatikan und die Jesuiten, der sogenannte "Kulturkampf" zwischen 1871 und 1878, also vor dem Berliner Kongress statt. Da ging es um das Verhältnis zwischen Kirche und Staat im Deutschen Reich, also um innere Reichsangelegenheiten, die damit zusammenhingen, dass die Reichseinigung ja eine Stärkung des katholischen Bevölkerungsanteils in Preußen mit sich brachte. Vor allem waren hier die Rheinlande an der Grenze zu Frankreich nicht nur strategisch enorm wichtig sondern eben auch katholisch. Genauso wie die polnischen Grenzlande zu Russland. Nun aber hatte Papst Pius IX. 1864 ein "Verzeichnis der Irrtümer" erlassen, in dem er sich strikt gegen die Gleichsetzung der religiösen Bekenntnisse gewandt hatte. Dann wurde von ihm 1870 das 1. Vatikanische Konzil ausgerufen, was auf Betreiben der Jesuiten, die das schon auf dem Tridentiner Konzil durchsetzen wollten, die Unfehlbarkeit des Papstes zum Dogma erhob. Das hatte natürlich auf das Deutsche Reich enorme innenpolitische Auswirkungen, weil ja die neue Rechtsprechung protestantisch geprägt war und Bismarck danach strebte, die katholischen Priester aus dem Schuldienst zu verdrängen. Was Pius IX. da also betrieb, stellte eine massive Einmischung in die deutsche Reichspolitik dar.

    2. 1866 war Russland am Sieg Preußens gegen Österreich interessiert, weil es auf dem Balkan bis zum östlichen Mittelmeerraum, der noch vom Osmanischen Reich beherrscht wurde, mit Österreich-Ungarn nicht erst seit Katharina II. in Rivalität stand. Es verhielt sich also scheinneutral und hat somit keineswegs Preußen den Rücken freigehalten sondern seine eigenen Interessen verfolgt. Denn hätte es Wien gegen Berlin unterstützt, hätte es seinen eigenen Interessen geschadet. Vom Sieg Preußens erhoffte es sich nach dem Krimkrieg (1853-56) endlich freie Bahn gegen das Osmanische Reich. Doch da waren dann die Briten vor.

    3. Auch 1871 hat Russland Preußen nicht den Rücken freigehalten. Vor wem denn? Der Zar war heilfroh, Napoleon III. loszuwerden. Gortschakow, der russische Außenminister, wollte dann ein Bündnis mit dessen Nachfolgern, den neuen Staatspräsidenten Thiers und Mahon. Aber weder Thiers noch Mahon noch Alexander II. waren an einem französisch russischen Bündnis interessiert, denn hier stand der kaiserliche Absolutismus in Russland gegen die neue 3. Republik Frankreich natürlich auch in einem ideologischen Konflikt.

    4. Der Zar bevorzugte sein Bündnis mit dem neuen kleindeutschen Deutschen Reich. Deshalb sah Bismarck auch keinen Grund, Russland für sein angebliches Stillhalten zu belohnen. Er wußte, dass Russland es unbedingt erreichen wollte, dass sich Kaiser Wilhelm von seiner pragmatischen Bündnispolitik mit Wien lossagt, um Österreich-Ungarn auf dem Balkan zu schwächen. Doch genau das wollte Bismarck nach seinem Sieg über Österreich und seiner Verständigung mit ihm nach der kleindeutschen Reichsgründung auf keinen Fall, weil er trotz kleindeutscher Reichslösung mit Wien den Deutschen Bund wieder beleben wollte. Außerdem mochte er das Dreikaiserabkommen zwischen Russland, Österreich und Deutschland von 1873 nicht gefährden, das Grundlage seiner Bündnispolitik war. Gortschakow topedierte es dagegen zugunsten des von ihm gewollten Bündnisses mit Frankreich und versuchte, seinen Zaren dafür zu gewinnen.

    5. 1879, also ein Jahr nach dem Berliner Kongress, hatten sich der deutsche und der russische Kaiser bei einem Treffen in Alexandrowo aber erst einmal wieder ausgesöhnt, obwohl klar war, dass Deutschland sein Bündnis mit Österreich nicht zugunsten der Russen lösen wird. Dem Zaren war aber auch klar, dass sich in Frankreich die Republik hielt und nicht in eine konstituionelle Monarchie umgewandelt wurde, was für ihn Voraussetzung für ein Bündnis mit Paris gewesen wäre.

    Der Berliner Kongress wurde veranstaltet, weil das Deutsche Reich bezüglich des Vorstoßes der Russen an den Bosporus im Gegensatz zu Russland, Großbritannien und Österreich-Ungarn neutral war. Bismarck bot sich da als ehrlicher Makler an, weil das Deutsche Reich keinerlei Interessen auf dem Balkan verfolgte. Er hat dort auch keine angelsächsische Politik betrieben, auch wenn Schuwalow u.a. ihm das vorwarfen, weil er sich gegenüber Zar Alexander II. dafür rechtfertigen musste, dass der Plan, Russland ans Mittelmeer vorzuschieben, am Ende gescheitert war, was natürlich im Sinne der britischen Politik aber ebenso der der Österreicher war.

    Der Zar hatte Bismarck vorgeschlagen, sich aus dem Bündnis mit Österreich-Ungarn zu lösen und wollte das neue deutsche Reich im Gegenzug beschützen. Bismarck lehnte das ab, weil er das Reich nicht gleich wieder seiner Souveränität entkleiden und den Russen unterstellen wollte. Es ging dabei also auch um die Rivalitäten der Habsburger und Romanow auf dem Balkan gegenüber dem Osmanischen Reich, in die Bismarck sein neues Reich nicht hineinziehen wollte.

    Die ganzen diplomatischen Kriege betrafen also immer nur das immer schwächer werdende Osmanische Reich als Beute und den Kampf Moskaus und ROMs, wer Konstantinopel - also das Zweite ROM - erobert; und es ging außerdem darum, dass Bismarck ein Bündnis zwischen Russland und Frankreich verhindern wollte, schon, um sich keinem Zweifrontenkrieg auszusetzen; und darum, dass Gortschakow das Bündnis zwischen Berlin und Wien zu zerstören trachtete, womit er sich aber beim Zaren nicht durchsetzen konnte.

    Zwar hatte sich das Verhältnis zwischen Russland und dem Bismarckreich etwas abgekühlt, aber Alexander II. hielt sein freundschaftliches Verhältnis mit seinem Onkel Wilhelm I. aufrecht. Schließlich war seine Mutter Alexandra Fjodorowna aus dem Haus Hohenzollern dessen Schwester. Der Thronfolger Alexander aber war vom Ausgang des Berliner Kongresses enttäuscht und wollte unter dem Einfluss Gortschakows mit Deutschland brechen und ein Bündnis mit Frankreich. Ganz im Gegensatz zu seinem Vater.

    Der wurde dann jedoch bekanntlich 1881 ermordet und so war dann der Weg für den nunmehrigen Alexander III. frei, seine deutschfeindliche Politik durchzuziehen. Dabei war er ganz dem jesuitischen Pan-Slawismus verfallen und begann im Sinne einer Russifizierung ein monarchisch-faschistisches Regime durchzusetzen. Die berüchtigten Pogrome gegen die Juden sowie die Gründung der Geheimpolizei Ochrana gehören in seine Regierungszeit.

    Im Zuge der Bulgarienkrise 1885/86 zerbrach wegen der Rivalitäten zwischen Russland und Österreich bei der Aufteilung der osmanischen Beute der Dreikaiserbund. Um weiter ein Bündnis zwischen Russland und Frankreich zu verhindern, vermittelte und unterstützte Bismarck die Mittelmeerentente zwischen Großbritannien und Italien, der sich dann noch Österreich-Ungarn und Spanien anschlossen. Klar, dass der Vatikan diese Initiative sympathischer fand, als dass Konstantinopel russisch wird.

    Ziel dieser Entente war ebenso, die russische Expansion auf dem Balkan und im Mittelmeerraum zu verhindern. Das machte Alexander III. zwar nicht gerade deutschfreundlicher, aber er wurde so gezwungen, mit Bismarck 1887 einen geheimen Rückversicherungsvertrag abzuschließen. In dem anerkannte das Deutsche Reich die Ansprüche Russlands auf Bulgarien und das Vordringen Russlands auf Bosporus und die Dardanellen. Damit unterstützte Bismarck also heimlich Russland gegen die Mittelmeerentente, die er selbst zuwege gebracht hatte. Das nennt man doppeltes Spiel gegen die weströmischen Ambitionen des Vatikans und in diesem Fall seiner Briten und war im schmutzigen politischen Geschäft nichts außergewöhnliches.

    6. Das Bündnis Bismarcks bzw. Wilhelms I. mit Russland gegen den Vatikan betraf aber auch noch ganz andere Interessen. Natürlich war der Vatikan nicht gerade daran interessiert, das Russland im Krimkrieg Konstantinopel erobert, also das Zweite ROM. Mit der 1837 erfolgten Thronbesteigung Queen Victorias, der Nichte des Jesuitenkönigs von Belgien, Leopold I., hatten die Jesuiten quasi Großbritannien erobert und lenkten das Empire nun in ihrem Sinne im Krimkrieg gegen Russland wie gegen das Osmanische Reich, um sich selbst in den Besitz Konstantinopels zu bringen. Bismarck musste also abwägen, ob Russland oder Österreich oder Großbritannien als Besitzer des Zweiten ROMs Preußen förderlich sind. Seine Mittelmeerentente wie sein Rückversicherungsvertrag waren sicher gegen beide Parteien etwas hinterhältig aber die diplomatischste Lösung in Bezug auf den Versuch Bismarcks, das Deutsche Reich als neutrale Macht zu etablieren. Insofern war es dem Reichskanzler auch lieber, wenn das Osmanische Reich Konstantinopel erst einmal behalten würde. Damit stellte er sich natürlich gegen den Vatikan und gegen Russland.

    > Sie scheinen ja bei fast allen Weltanschauungen / Philospohien /
    > Ideologien politische Hintergründe (wie auch von Piakin angenommen)
    > anzunehmen.

    Ja was denn sonst? Abgesehen von den Upanishaden und Schopenhauer fiele mir auch keine ein, welche nicht politisch wären, also Weltanschauungen der innehabenden oder noch zu erringenden Macht. Sogar Kant könnte ich davon nicht ausnehmen.

    > Gibt es denn noch andere Kräfte ausserhalb des Vatikans, die
    > für Weltanschauungen verantwortlich sein könnten? Es kann sich doch nicht
    > immer nur der dialektische Vatikan mit sich selber auseinandersetzen.

    In Ihrer Frage finde ich schon auch einige nicht ganz redliche Unterstellungen und frage mich ernsthaft, ob sie Ihre Fragen an mich wirklich ernst meinen. Das habe ich doch schon geschrieben! Natürlich gibt es die. Z.B. Russland mit seiner Orthodoxie und China. Oder nehmen Sie von mir aus Japan, Indien, Afrika, all die animistischen Naturvölker usw.. Der Vatikan ist doch nicht die einzige Instituition für Weltanschauungen in der Welt. Der Vatikan setzt sich auch mit seiner Dialektik nicht mit sich selbst auseinander. Die ist eine Machtmethode! Aber natürlich muss er mit seiner Dialektik die Köpfe Westeuropas in Schach halten, dass sich von ihm seit den Tagen Heinrichs VIII. in Teilen immer mal wieder lösen wollte und will.

    > Wie
    > sieht es mit der Aufklärung aus?

    Die war und ist die bisher größte weltanschauliche Gefahr für den Vatikan. Denn schon Loyola wußte, dass man geistige Bewegungen nur mit geistigen Mitteln bekämpfen konnte und kann. Aber gerade mit der deutschen Aufklärung, also mit Kant, wuchs den Jesuiten ein Gegner, dem sie als professionelle Lügner selbst nicht mehr gewachsen waren. Gegen die "Kritik der reinen Vernunft" können sie bis heute nicht an.

    > Der Aufstand gegen die Autoritäten war
    > ja durchaus auch gegen die Kirche gerichtet, auch wenn Sie bei Rousseau
    > schon wieder das Gegenteil entdecken.

    Der Aufklärung ging es keineswegs um einen Aufstand gegen die Autoritäten. Im Gegenteil! Sie scheinen da die Französische Revolution mit der Aufklärung gleich zu setzen, was jedoch sehr leichtfertig ist. Da sitzen Sie auch nur einer Propaganda auf. Ohne eine Autorität wie Friedrich den Großen wäre die deutsche Aufklärung in ihrer weltweiten Wirksamkeit gar nicht denkbar gewesen. Denn nur königliche Autoritäten wie er hatten überhaupt die Macht, den Staat von der Kirche zu trennen - eines der Hauptanliegen der Aufklärung seit dem Westfälischen Frieden. Deshalb wurde er übrigens auch von den französischen Enzyklopädisten frenetisch gefeiert.

    > Die Zerstörung / Diskreditierung der
    > Aufklärung durch die jesuitischen Jacobiner und Bonaparte sollte gegen
    > eine jesuitische Urheberschaft sprechen, obwohl die Aufklärung nicht
    > unerheblich der (die Ihrer Meinung nach jesuitischen) Freimaurerei
    > beeinflusst wurde.

    Natürlich wurde die Aufklärung von der Freimaurerei beeinflusst. Aber eben hier -sagen wir - im Sinne Lessings als aufklärerische -und dort im Sinne Loyolas als antiaufklärerische Bewegung. Genau darum geht es ja, wenn man sich ein genaueres Bild von der Freimaurerei verschafft. Aber Sie machen den Denkfehler, bei Jesuiten, Freimaurer oder Aufklärer immer nur geschlossene Fronten zu sehen, die sich gegeneinander aufstellen. So einfach ist das eben in der Geschichte nicht.

    > Hegel mit seiner Dialektik kam ja wohl erst nach der
    > Aufklärung.....

    Hegel gehört bereits zu den Staatsphilosophen, die nun während der Etablierung der Heiligen Allianz über die Philosophie die Theologie und somit die Kirche wieder mit dem Staat vereinen sollte. Seine Philosophie ist also ganz gezielt antiaufklärerisch.

    Nachdem Kant in seinen drei großen Kritiken unwiderlegbar nachgewiesen hatte, dass wir imgrunde gar nichts wissen können, auch nichts über Gott und Weltgeist, mussten die Jesuiten also nach diesem fundamentalen Sturz des römischen Jehova wenigstens irgendwie wieder den wollenden Weltgeist in die Philosophie hineinbringen. Mit Jacobi ging das noch zu Kants Lebzeiten los und ging dann über den Erzfreimaurer Fichte - der hierzu das Fortschrittsdenken einbrachte - und den Philosophen Schelling bis zu Hegel.

    > (Und dann sind wir nebenbei schon bei Goethe, der Ihrer Meinung nach die
    > Romantik abgelehnt hat, weil jesuitischen Ursprungs. Er selbst war aber
    > bekannter Freimaurer. Hätte er nicht dann auch ahnen oder wissen müssen,
    > dass diese auch jesuitischen Ursprungs ist?

    Auch hier denken natürlich nicht nur Sie gerne in solchen ideologischen Kurzschlüssen wie jetzt: Alle Freimaurer sind Jesuiten. Goethe war Freimauerer also muss er wenigstens unbewußt ein Jesuit gewesen sein, und so ein großer Geist wie er muss das doch gemerkt haben. Diese Gleichung kann natürlich nicht so einfach aufgehen, weil hier schon die Prämissen nicht stimmen. Auch hier muss man differenzierter an die Sache herangehen. Gerade diese Verkürzungen kommen besonders leicht zustande, wenn man die Freimaurerei wie den Jesuitismus nicht als politisch funktionale Größen versteht.

    Ich kann Ihnen das hier nicht einzeln aufdröseln, aber werde in meinem Freimaurertext auch darauf eingehen. Nur soviel: Goethe war bekanntlich nicht nur Dichter in Weimar sondern wenigstens offiziell an erster Stelle Politiker. Er war sozusagen zunächst Außenminister seines Herzogs. Der kämpfte mit anderen Monarchen der deutschen Kleinstaaten dagegen an, im Zuge der Reichsreform nicht unter die Räder der Österreicher und Preußen zu kommen. Das freimaurerische System, dem die Weimarer Loge Amalia seit 1764 angehörte, war das jesuitische System der Strikten Observanz. Goethe kam erst 1775 nach Weimar und wurde 1776 geheimer Legationsrat, also wie gesagt, der Außenminister. In diesem Zuge war es natürlich für ihn erforderlich, der Hofloge beizutreten. Das tat er aber erst 1780. Er fand dann gerade durch seine Berliner Verbindungen schnell raus, wer hinter der Strikten Observanz steckte, war aber nicht, wie Nicolai oder Biester so frei, sich als erster Diplomat seines Staates offen darüber aussprechen zu können.

    Das System der Strikten Observanz wurde aber 1782 auf dem Wilhelmsbader Konvent aufgelöst, nachdem der "Jesuitenriecher" Nicolai nachgewiesen hatte, dass hinter den "Unbekannten Oberen" dieses Systems die Jesuiten stecken, deren Orden zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits verboten war. Deshalb versuchten sie ja, durch freimaurerische Ordensneugründungen wie der Strikten Observanz, den Asiatischen Brüdern und dem Gold -und Rosenkreuzerorden weiter an den Höfen Europas zu wirken. Im selben Jahr aber wurde Goethe auch noch Finanzminister, zusammen mit seinem Herzog in den dritten Grad als Freimaurermeister eingeweiht, doch dann kam eine wichtige Veränderung:

    Das auf besagtem Konvent entlarvte System der Strikten Observanz wurde daraufhin durch die Bayerischen Illuminaten ersetzt, bis dieser Orden dann vom pfalzbayerischen Kurfürsten Carl-Theodor 1785 verboten wurde. Im Ergebnis des Wilhelmsbader Konvents wurde also auch die Weimarer Loge Amalia, die der Strikten Observanz angehörte, noch im selben Jahr 1782 geschlossen und nun versuchte das Herzogtum Weimar unter dem Einfluss des zwielichtigen Bode den Illuminatenorden zu übernehmen, nachdem Adam Weißhaupt, der Gründer, aus Bayern ins Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, nach Gotha, fliehen mußte. Goethe aber wollte sich da raushalten, also verließ er heimlich Weimar und machte sich zu seiner Italienreise auf. Das war 1786. Dort gelang es ihm, die Mutter Cagliostros ausfindig zu machen und diesen als den jüdischen Schwindler Balsamo zu entlarven.

    Literarisch brachte Goethe dann 1791, also während der Französischen Revolution, sein Lustspiel Der Groß-Cophta auf die Bühne, wo er das ganze mystizistische Logenwesen der Jesuiten verspottete.

    1808 wurde die Amaila dann im Zuge der Napoleonischen Eroberung wieder eröffnet. Goethe aber wollte den Vorsitz nicht übernehmen und schlug einen gewissen Friedrich Justin Bertuch vor. Genau in dieser Zeit veröffentlichte Goethe seinen Faust I. Teil.

    > Oder sind die Freimaurer eben
    > doch nichtvatikanischen Ursprungs und er lehnte die Romantik aus anderen
    > Gründen ab? )

    Hätten Sie denn da eine andere Idee? Wenn ja, dann sollten Sie sie auch äußern.

    Goethe wußte durchaus um den vatikanischen Ursprung, konnte aber als Diplomat, der die Interessen eines kleinen und sehr gefährdeten Herzogtums zu vertreten hatte, hier nicht offen sein. Er lehnte in der Tat die Romantik auch deshalb als Kunstform ab, weil sie seinem griechischen Konzept diametral entgegengesetzt war.
    >
    > Ich habe mich jetzt stundenlang mit Ihrer philosophischen
    > Auseinandersetzungen mit Oblomow über Kant, Schopenhauer und einigen
    > anderen beschäftigt. Die meisten Gedankengänge kann ich nachvollziehen,
    > aber nicht, wie Sie dazu kommen, den Existenzialismus als verkappte
    > christliche Metaphysik zu deklarieren? Dass die Existenz dem Wesen
    > vorausgehen soll, ist erst einmal nichts Neues. Dass haben so ähnlich
    > andere Vorsokratiker und englische Empiriker wie Locke (?) in der Form
    > gesagt, dass Verstand und Bewusstsein ohne Sinneseindrücke (Tabula rasa)
    > nicht denkbar seien. Und christlich metaphysisch ist das eher nicht, wo der
    > Geist (Gott) der Materie (das Wort wird zu Fleisch) übergeordnet ist. Auch
    > habe ich nichts von idealististischer oder meterialistischer (Marx)
    > Vorsehungsgeschichte als verkappte Metaphysik im Existenzialismus finden
    > können. Auch sehe ich nicht den Zusammenhang zwischen Existenzialismus und
    > Dialogik. Vllt. geben Sie da noch einmal einen Hinweis.

    Der wichtigste Hinweis wäre der, dass Sie die Stichworte nicht nur nachschlagen sondern auch durchdenken müssen, wenn sie davon etwas verstehen wollen.

    Bleiben Sie einfach mal beim Hauptsatz des Existenzialismus, den Sie selbst genannt haben: "Die Existenz geht der Essenz (dem Wesen) voraus." Der Satz ist Dummenfang. Wenn Locke sagt, dass Verstand und Bewusstsein ohne Sinneseindrücke nicht denkbar seien, dann ist das nicht dieselbe Aussage, wie Sie offenbar annehmen. Nichts kann ohne Wesenhaftigkeit existieren, da im Wesenhaften der Grund für die Existenz liegt. Und nichts ist ohne Grund, weshalb es eher ist als nicht ist. Wer also der Existenz des Menschen erst im Nachhinein einen Grund gibt, kann alle möglichen Gründe und Urgründe in ihn hineininterpretieren, aber es es ist eben nicht der letzte zureichende Grund. Der kann nur vor der Existenz liegen. Denn auch die ist nunmal nicht ohne Grund.
    >
    > Es scheint ja jede idealistische (und materialistische) Philosophie bei
    > Ihnen auf den Vatikan zurückzuführen, jede Mystik (HerzJesu usw.)
    > ebenso....

    Das scheint Ihnen vielleicht so, weil sie womöglich glauben, dass ich prinzipiell Politik und Philosophie vermenge. Aber nur, wenn man die beiden Dinge sorgfältig auseinander hält, lernt man beurteilen, welche Philosophie der Theologie des politischen Phänomens Vatikan nützt und welche nicht. Sie können mir auch nicht gleich unterstellen, dass ich jede Mystik auf den Vatikan zurück führe, nur weil ich das mit der HerzJesu-Mystik tue. Sie verallgemeinern womöglich prinzipiell zu schnell und wundern sich dann, dass Sie mich nicht verstehen. Ich versuche schon, zu differenzieren. Oder hätte ich an irgend einer Stelle behauptet, die Upanishaden seien auch vatikanischen Ursprungs? Wenn ja, zeigen Sie mir bitte die Stelle.

    > Es gab Mystik aber auch schon vorher in anderen Religionen, die
    > Mystik in der im Hinduismus und Buddhismus ist sehr alt und selbst
    > Schopenhauer bezieht sich darauf, der Sufismus fast ebenso alt wie der
    > Islam (ja der Chassidismus ist recht jung und Buber auch).

    Na also! Da haben Sie es doch! Und wo nun hätte ich auch nur den Eindruck erweckt, dass das alles vatikanische Mystik sei, nur weil ich die HerzJesu-Mystik als solche identifiziere? Es gibt auch eine tiefe christliche Frauenmystik im deutschen Mittelalter, der ich keinen vatikanischen Ursprung zuordnen würde. Nicht mal von Meister Eckart würde ich das behaupten.

    > Warum soll es
    > nicht auch eine (westliche) christliche Mystik ohne Vatikan geben dürfen ?

    Eben! Warum nicht? Natürlich gibt es sie.

    > Was ist mit der Mystik (Die Brüder Karamasow) der Starzen in der
    > orthodoxen Kirche, auch Vatikan ?

    Ich finde des ein wenig unredlich, wenn Sie solche dummen Fragen an mich stellen. Denn wenn Sie sich wirklich stundenlang mit meinen Aussagen beschäftigt haben und dann zu solchen Schlussfolgerungen gelangen, kann ich solche Fragen samt Fragesteller nicht mehr wirklich ernst nehmen und das würde ich sehr bedauern.

    > Das sind so meine beschränkten Fragen…

    In der Tat! Mir kamen wenigstens die letzten Fragen auch etwas beschränkt vor. Denn so beschränkt sind Sie nicht, wie Sie sich da stellen und ich weiß nicht, warum Sie das tun. Jedenfalls war das bisher nicht mein Eindruck von Ihnen. Ich weiß, wir müssen in so einem Forum alle unsere Ansichten irgendwie verkürzen und ich bin Ihnen für Ihre Nachfragen dankbar. Aber hier nur Spielchen zu treiben, macht das alles auch für die Mitleser sinnlos anstrengend und ich habe da auch keine Lust drauf. Ich hoffe, Sie verübeln mir meine Offenheit nicht.

    Mit bestem Gruss zurück
    DL

    

    gesamter Thread:

  • Trump, Putin, Xi, der falsche Franziskus und das Neueste vom Ende der Geschichte 5. Teil - Diogenes Lampe, 22.10.2019, 20:36

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